Sonntag, 28. Februar 2021

28. Februar 2021

Um Mitternacht gehe ich ins Bett. Von 2 bis 5 Uhr bin ich wach. Ich dämmere vor mich hin, kriege Tritte der Augustschuppe ab und schuckle den Liebsten an, damit er eine andere Schlafposition einnimmt. Auskennerinnen wissen, was ich meine.

Gestern Abend haben der Liebste und ich uns gestritten. Seit wir zusammen sind, kam das eigentlich nie vor. Im letzten Jahr ist das nun schon öfter passiert. Ich bin auf alle Fälle dünnhäutiger geworden. Stelle einige Dinge in Frage. Will nicht mehr für so vieles verantwortlich sein. ... Ach, an dieser Stelle habe ich noch so viel mehr aufgeschrieben, belasse es aber für den Moment dabei. Denn ich weiß, dass solche Zeilen wieder angreifbar machen. 

Um 8 Uhr bin ich wach und stehe auf. Die Augustschnuppe auch. Sie geht zum Adventsjungen ins Zimmer. Der ist auch schon wach und hört ein Hörbuch auf der Tiger-Box (Amazon-Partner-Link). Die haben wir vor einer ganzen Weile für die großen Kinder gekauft. Sie können sie selber bedienen und es gibt eine große Menge Hörspiele.  

Ich gehe duschen und mache in der Küche Kaffee. Die beiden wachen Kinder bekommen eine schöne Scheibe von dem französischen Landbrot aus der Abokiste mit Schokoaufstrich drauf. Da ist der erste Hunger gestillt.

Bis der Rest der Familie aufsteht, vergehen ein paar Stunden. Wir haben für den heutigen Tag nichts geplant. Das finde ich eher unspannend. Und besonders gesprächig bin ich heute auch nicht. Gegen 11 Uhr ziehe ich mich warm an und schnappe mir mein Fahrrad. Ich fahre zum Zeitungskiosk am Bahnhof, der auch den "Tagesspiegel am Sonntag" führt. 

Um die Ecke liegt das "Berner Schloss", das eher ein Gutshaus ist. Ich schaue mir den Park mit dem alten Baumbestand an. Im Moment blüht noch nichts. Weil es heute ziemlich frisch ist, sind sogar die Blüten der Krokusse auf der Wiese geschlossen. 

Ich fahre weiter und bin eine ganze Weile unterwegs. Mich zieht es nicht nach Hause, wo mich vermutlich eh niemand vermisst. Dann kann ich ja auch noch durchs Naturschutzgebiet fahren. Da ist auch noch alles ziemlich grau. Nur die Übeltäter für die vielen Allergieschübe in der letzten Woche leuchten bis in alle Ferne: die Hasel- und Erlenblüten. 

An der Weide der Galloways bleibe ich eine Weile stehen. Da toben ganz viele neue Kälber herum. Eine Zeitlang spielen sie miteinander. Ihre Mütter liegen in einiger Entfernung auf dem Gras. Dann fangen die Kälber an, zu blöken und laufen nacheinander zu ihren Müttern. Sie werden gesäugt und laufen dann wieder herum.


 Aus "mal eben kurz die Zeitung holen" werden schließlich zwei Stunden. Ich hätte auch noch weiter fahren können. Nix denken, nur in die Gegend schauen, den Kopf freipusten lassen... 

Als ich nach Hause komme, duftet es nach Gewürzen. Der Liebste steht mit den beiden Jungs in der Küche. Er brät gerade Hackfleisch an. Die Jungs schälen Kartoffeln und schneiden Spitzkohl klein. Es wird ein leckerer Eintopf.

Nach dem Essen bin ich sehr müde. Da ist es schon 15 Uhr. Ich ziehe mich ins Schlafzimmer zurück und lese ein bisschen Zeitung. Dann schlafe ich bis 16:30 Uhr. Das Mutzelchen hat in der Zwischenzeit einen Marmorkuchen gebacken. 

Nach dem Kuchenessen gehen die Kinder noch ein bisschen raus. Kurz vor Tagesende ist tatsächlich nochmal die Sonne rausgekommen. Am Abend sind die Kinder ganz entspannt. Morgen sind Ferien!

Meine heutigen Entdeckungen im Internet:

Das passiert hinter den Türen einer Covid-Intensivstation. Der größte Kampf der Corona-Pandemie findet Tag für Tag hinter verschlossenen Türen statt, auf den Intensivstationen. Eine Pflegerin aus Tübingen wollte ihn sichtbar machen. Entstanden sind Fotos, die berühren.

Die Naturschutzorganisation NABU hat Naturtipps für Kinder zusammengestellt. Denn Naturerlebnisse sind immer möglich. Auf der Seite gibt es Basteltipps, Informationen über Tiere und Pflanzen, Spiele und andere digitale Angebote.

In Rheinland-Pfalz war der Weißstorch ausgestorben. Der Verein Pfalzstorch wurde 1998 gegründet und hat geschafft, den Storch wieder anzusiedeln. Per Webcam kann ein Storchennest beobachtet werden. 

Die Fotoausstellung "Miss you" möchte auf die Situation von Künstlerinnen und Künstlern im Corona-Lockdown aufmerksam machen. Die Fotos sind überall im Berliner Stadtgebiet zu sehen. 

Ahhhh, London! Unerreichbar gerade. Die ausgebildete Stadtführerin Julia lebt in dieser tollen Stadt und bietet virtuelle Touren für Kinder oder Erwachsene an. Man kann ein Ticket buchen und bekommt einen Zugangslink geschickt. 

Heute Vormittag habe ich die lebendig gewordenen Bilder auf Twitter bestaunt. Faszinierend! Vielleicht aber auch ein bisschen unheimlich. Das kann man bei My Heritage auch selber machen, z.B. mit alten Familienfotos. 


Ich danke für das Mitlesen und die Anteilnahme. Ich will denen, die es gerne möchten, die Möglichkeit geben, etwas in die virtuelle Kaffeekasse zu tun. Herzlichen Dank für die Anerkennung!   

Kommentare:

  1. Liebe Carola,
    nach einem langem und herausforderndem Jahr mit all den Einschränkungen finde ich es sehr verständlich, dass wir alle dünnhäutiger geworden sind und dazu gehört auch das Streiten. Auch, wenn es keiner will! Ich hoffe, dass dir deine kleine Auszeit heute geholfen hat und dass Ihr Raum und Zeit für klärende Gespräche findet.
    Ich falle seit fast zwei Wochen in unserer Familienstruktur in vielen Bereichen aus, da ich mir das Handgelenk gebrochem habe. Ich musste sogar für drei Nächte ins Krankenhaus... Mein Mann trägt alles mit großer Gelassenheit, aber beruflich steht er auch sehr unter Strom,sodass hier auch mmer wieder Anspnnung herrscht.
    Ich wünsche dir und deiner Familie einen guten Wochenstart. Hoffentlich führen die Ferien zu etwas mehr Zeit für dich alleine bei.
    Liebe Grüße,
    Kathrin aus dem Südwesten

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  2. Liebe Carola ich hoffe, du und der Liebste konntet euch aussprechen und der Streit ist behoben. Ich wünsche euch von Herzen eine entspannte Woche. Herzliche Grüße!

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  3. Ich wünsche sehr, dass euch die Ferien familiär und auch in der Beziehung etwas Entspannung bringen! Wahrscheinlich sind es für viele gerade schwierige Zeiten und man ist empfindlicher und wünscht sich Entlastung auch durch den Partner. Vielleicht können euch die großen Kinder mal einen Kaffee zu zweit ermöglichen :-). Viele Grüße Maren

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  4. Es war doch eine prima Idee, die Zeitung zu holen. Und Sie sehen, es läuft daheim auch. Weiter so!

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  5. "Nix denken, nur in die Gegend schauen, den Kopf freipusten lassen..."
    Ich fühle das so sehr!!
    Ich hoffe, Ihr konntet miteinander reden und Euch aussprechen..

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  6. Hallo Carola, ich kann Dir gut nachempfinden, irgendwann mal geht auch dem Motor der Sprit aus, nach der langen Zeit der "Ausbeute" Familie ist eine tolle Sache, aber man braucht auch Kraft zum Aushalten. Lasse ruhig mal das Gefühl durch, ich kann nicht mehr. Brauche auch mal etwas Luft, vor allem ist es auch wichtig, mal schlafen zu dürfen. Ich drücke alle Daumen, das dein WE allein bald kommt. Halte durch, es ist nicht leicht, aber die Liebe ist Dir gewiss. In Gedanken bei Dir, liebe Grüße Roswitha

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  7. Bei uns knirscht es auch immer mehr und mehr. Mein Mann sagt immer, wir sind schon so lange zusammen, haben so viel geschafft,... da bekommt uns die Pandemie auch nicht geschieden.

    Alles Gute für Sie.

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  8. Es hört sich nach der zweiten Pubertät an, nach der Zeit um die 40, in der man sein Leben oft etwas "in Frage stellt". Nicht immer leicht für die Familie, aber wichtig für einen selbst, um wieder mit sich und der Welt ins Reine zu kommen (so war es jedenfalls bei mir). Nehmen Sie sich die Zeit, die Sie benötigen! Haben Sie kein schlechtes Gewissen - Sie sind eine tolle Mutter, auch wenn Sie mehr Freiraum haben möchten und nicht für alles verantwortlich sein wollen, Ihre Familie liebt Sie.

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    1. Vielen Dank! Ja, ich denke, der hormonelle Zustand spielt auch eine Rolle.

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  9. Liebe Carola,
    seine Gedanken für sich aufzuschreiben ist eine sehr hilfreiche Therapie. Du machst das genau richtig, nimm dir Zeit für dich allein, gerade Mütter gehen oft über ihre Leistungsgrenze und irgendwann ist dann der Akku alle.
    Meine Eltern haben zehn Kinder großgezogen, ich rätsel heute noch wie meine Mutter das alles geschafft hat, manchmal war sie zur Mütterkur und die älteste Schwester übernahm dann das Kommando.
    Ich wünsche Dir und Deiner Familie ganz viel Kraft.
    Viele Grüße von Cornelia

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  10. Liebe Carola,
    ich kann dich sehr gut verstehen. Bei mir ist das Fass auch oft sehr voll und dann läuft es irgendwann über und es gibt Streit.
    Ich bin im letzten Jahr auch sehr dünnhäutig geworden und habe Sehnsucht nach mir selbst. Und nicht immer für alles verantwortlich zu sein. Schwer ist das manchmal.

    Kopf hoch. Es kommen (hoffentlich) auch wieder bessere Zeiten und eine kleine Flucht irgendwohin - und wenn auch nur für 2 Stunden- tut auch gut.

    Ganz liebe Grüße vom kleinen Hof am Meer

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    1. Danke für die lieben Worte!

      Ich wünsche ebenfalls ganz viel Kraft und Zuversicht!

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  11. Das ist ja lustig, gestern habe ich einen ähnlichen Fahrradausflug gemacht, allein. Und wir haben uns hier gestern auch ziemlich angepampt.Ich habe ehrlich gesagt Bauchschmerzen, wenn ich an den nächsten möglichen Lockdown denke. Alles Gute!

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    1. Wir sind hier noch gar nicht raus aus dem Lockdown. Ah doch, heute haben die Friseurgeschäfte wieder geöffnet!

      Alles Gute Dir!

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  12. Hallo,
    ehrlich gesagt hatte ich zwischenzeitlich aufgehört, hier mitzulesen.Dieses scheinbare Idyll aus homeschooling und frisch gekochtem Bio-Essen war mir zuviel. Da wirkte mein eigenes Chaos ja noch viel schlimmer.
    Danke, für die ehrlichen Zeilen, zum Gemütszustand.
    Herzliche Grüße

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    1. Ach Lena, musste das jetzt sein?

      Ihnen, liebe Frau Frische Brise, schicke ich eine virtuelle Umarmung, wenn Sie sie annehmen möchten. Ich kann Sie oder auch Dich sehr gut verstehen!

      Alles Gute und liebe Grüße,
      Ina

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    2. Lena, Du hast das richtige Wörtchen verwendet: "scheinbar". Denn es sind hier im Blog natürlich immer nur Ausschnitte. Was Du beim Lesen empfindest, ist Deine Sache.

      Siehst Du, und ich habe schon ein schlechtes Gewissen, weil es eben nicht täglich frisch gekochtes Bio-Essen gibt sondern auch oft genug Fertigprodukte.

      So hat halt jede ihre eigenen "Baustellen". Alles Gute!

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  13. Die dünne Haut, die Anspannung, das Gefühl für zuviel zuständig zu sein, die Last der Verantwortung auf allen Ebenen ist nicht Ihre Schuld, auch nicht die des Partners, es ist der direkte Spiegel der gesellschaftlichen Realität, die von (uns) Frauen (ich auch mit 5 Kindern) ERWARTET sich um alles zu kümmern. Und WIR tun's dann auch. Solange wir können. Weil: wer sonst??
    Wieviele Männer bloggen oder erzählen anderswo über das Familienleben und wie MAN (HAH!!) das in der Pandemie organisiert? Na, eben.
    Nehmen Sie sich Auszeit, kochen Sie NICHT, es wird nicht so schnell wer verhungern. Und solidarisieren Sie sich. Es muss nicht gleich umarmen sein. Das schränkt die Bewegung gleich wieder ein :-))))
    Wir werden auch diese Pandemie überleben.
    Hoffentlich mit mehr Gleichberechtigung als Resultat.
    Aber darum müssen wir uns wohl auch selbst kümmern.
    Nerven zeigen, Mädels!
    Anna

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  14. Hallo, ich empfinde diesen Blog als einen der ehrlichsten überhaupt. Und bewundere die Kraft, die da täglich drin steckt - im Leben, nicht im Blog - das ist ja nur ein winziges Teilstückchen, das man sehen läßt.
    Dünnhäutig und angreifbar sind wir alle wohl mehr geworden, außer den absolut Vollkommenen, die Probleme wie Schlangen die Haut abstreifen. Da sind ein paar Stunden für sich allein einfach viel mehr wert als sonst. Ich drücke fest die Daumen für Kraft und Optimismus. Und natürlich Gesundheit. Alles andere findet sich, immer und immer wieder. Herzlich, Sunni

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  15. Alles schon gesagt worden, also von mir nur ein lieber Gruss! :)

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