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Sonntag, 9. August 2026

Familienleben 2


Im ersten Teil meiner Gedanken zum Familienleben erzählte ich von dem Bild des schwankenden Mobilés wenn ein Kind geboren wird. So fühlt es sich auch wieder an, wenn ein Kind auszieht. Alles kommt ins Schwanken und braucht eine Weile, bis es sich unter den neuen Bedingungen wieder eingeschwungen hat. 

Genau zehn Jahre ist es nun her, dass der Große mit nur 17 Jahren auszog. Ich erinnere mich noch: am 16. Juli 2016 feierten wir sein Abitur im historischen Gewölbekeller des Hamburger Rathauses. Nur ein paar Wochen später fuhren wir ihn in Hamburg zum Bahnhof. Dort warteten schon seine langjährigen Schulfreundinnen und -freunde, um ihn zu verabschieden. Ich empfand das als eine ganz liebevolle Geste. 

Geweint habe ich an dem Tag erst später. Seitdem immer wieder mal. Im Trubel des Familienlebens, der einfach so weiterging, blieb mir gar nicht so viel Zeit, die Ereignisse zu verarbeiten. Der Alltag mit drei kleinen Kindern ging einfach weiter. Ich war gerade schwanger mit einem Kind, das leider nicht bleiben konnte. Kurz darauf war ich aber wieder schwanger mit unserer Jüngsten, die im August 2017 geboren wurde.

Aus der Ferne verfolgte ich das Studentenleben in Koblenz, das den Großen aber auch nach Barcelona, Singapur oder Lissabon führte und freute mich über die Möglichkeiten, die er bekommen hatte. Den Abschluss des Bachelor durfte ich mitfeiern, genauso wie den Masterabschluss nach dem Studium in Paris. Ich war ziemlich stolz auf meinen Großen, der toll durch sein Studium kam. 


Doch zu Hause drehte sich die Welt auch weiter. Manchmal sah ich auf der Straße in der Ferne einen jungen Mann, der mich in Aussehen oder Bewegungen an meinen Großen erinnerte. Ich kochte weiterhin große Mengen, kaufte öfters ein Stück Kuchen zuviel in der Bäckerei. Zwischendurch piekste es manchmal in meinem Herzen, weil da ein Lebensabschnitt zu Ende gegangen war und ich vielleicht gar nicht genug die letzten Male gewürdigt hatte. 

Sind die Kinder klein, sind da so viele erste Male, die man sorgfältig notiert oder sich für immer merkt: das erste Lächeln, das erste Drehen vom Rücken auf den Bauch, das erste Krabbeln, der erste Zahn, die ersten Schritte, der erste Tag im Kindergarten, die Einschulung… doch die letzten Male passieren oft unbemerkt. Wann hat das Kind eigentlich das letzte Mal in unserem Bett geschlafen? Wann brauchte es zuletzt Hilfe bei den Hausaufgaben? Wann war der letzte gemeinsame Ausflug? Im gemeinsamen Urlaub wussten wir noch gar nicht, dass es das letzte Mal in der Kindheit war. Ein gemeinsamer Lebensabschnitt ging ganz unbemerkt zu Ende. 

Ein Jahr ist es nun her, dass auch das nächste Kind auszog. Auch wieder mit 17 Jahren. So weit weg, dass wir uns nicht mal eben treffen können. Ich bewundere abermals den Mut, ganz alleine an einem neuen Ort zu starten und gönne dem Kind so sehr die neuen Erfahrungen. Auch diesmal war es wieder so, dass die Erkenntnis über die verflossene Kindheit erst eine Weile später bei mir ankam. Ich erinnere mich, wie ich im November letzten Jahres im Laden Adventskalender sah und daran dachte, dem Kind in Münster einen zu schicken. Zack, stand ich da in den Gängen und weinte. 


Ich habe erst nach und nach begriffen, wie kurz die gemeinsame Zeit mit den Kindern im Haus wirklich ist. Wie kurz eine Kindheit im Grunde ist. Als die die Kinder klein waren, waren die Tage manchmal soooo lang! Sie konnten für mich manchmal nicht schnell genug enden. So herausfordernd war das Kümmern Tag und Nacht, das Schleppen, die Lautstärke, der Schlafmangel, die Unordnung, die vielen, vielen Termine und alles drumherum. Doch plötzlich sind die Jahre nur so verflogen. 

Manchmal trauere ich verpassten Chancen nach. Vielleicht hätte ich mehr vorlesen sollen? Wir haben gar keine Strohsterne zusammen gebastelt! An dieser Stelle hätte ich vielleicht geduldiger sein müssen. Um diese Sache hätte ich mich eher kümmern müssen. Worauf hätte ich sie noch vorbereiten sollen? Habe ich den Kindern oft genug gesagt, dass ich sie lieb habe? 

Plötzlich ziehen die Kinder aus und lassen mich zurück mit all meinen Erinnerungen und nehmen einen Teil meines Herzens mit. 


An die Stelle des Familienalltags tritt mit erwachsenen Kindern eine andere Qualität von gemeinsam verbrachter Zeit. Da der Große woanders studiert hat, woanders seine erste Arbeit hatte und nun im Ausland lebt, sehen wir uns im Jahresverlauf nicht so oft. Das Mutzelchen ist im Moment schon noch öfter in Wismar. Die gemeinsam verbrachte Zeit ist aber immer sehr kurz und kostbar. 

Auch das nächste Kind steht schon am Nestrand und ist bereit zum Fliegen. Das letzte Schuljahr steht bevor, im nächsten Jahr wird wohl der kleine Bruder nach dem Abitur hinaus in die Welt ziehen. Dann wird die Wohnung noch leerer. Im Alltag…

... denn an manchen Tagen füllt sie sich doch wieder. Sogar mehr als vorher! Denn plötzlich kommen die großen Kinder nicht mehr alleine nach Hause, sondern haben Partnerinnen oder Partner dabei. Oder Freundinnen und Freunde sind zufällig auch auf Heimaturlaub und schauen auch mal vorbei. Da heißt es plötzlich Tische anbauen, Betten ausklappen, extra Stühle bereitstellen und den Kühlschrank wieder bis obenhin füllen. Das ist aufregend, ja! Eine ganz neue Phase des Familienlebens ist angebrochen. Die gemeinsame Zeit ist ja längst nicht vorbei, sie verändert sich nur. So ist das Leben. Die Bande bleiben. Und die Liebe sowieso. 



Donnerstag, 14. Mai 2026

"Familienleben...


... ist wie ein Mobilé. Kommt ein neues Kind hinzu, gerät das ganze Konstrukt ins Wanken. Es dauert eine Weile, bis sich alles wieder eingeschwungen und ausbalanciert hat."

Das sagte eine meiner Hebammen zu mir, als ich mal wieder kurz nach der Geburt eines neuen Familienmitglieds am Verzweifeln war, wie ich das alles schaffen soll, ob ich allen Kindern gerecht werde, ob der Liebste und ich trotzdem mal ein paar Minuten Zeit für uns haben werden, wann ich endlich mal wieder ein paar Stunden am Stück schlafen würde oder nicht mehr so klapprig auf den Beinen sein werde und, und, und... Tränenreiche Tage waren das. 

Natürlich hatte meine Hebamme Recht. Von meiner Seite war nur Geduld gefragt. Und das Annehmen der Situation, so wie sie ist. Es würde nicht schneller gehen, wenn ich mir zu viele Sorgen mache. NUR!!! Leicht gesagt. Geduld ist nicht gerade einer meiner Stärken. 

Fünf Mal durchlebte ich dieses wahre Wechselbad der Gefühle. Eine sehr sensible Phase war das jedes Mal für die gesamte Familie. Ehrlich gesagt, mochte ich die Zeit direkt nach den Geburten nie besonders. Unter dem unterbrochenen Nachtschlaf habe ich immer am meisten gelitten. Dieses ständige auf Abruf sein mochte ich auch nicht. Babyschreien versetzte meinen Körper jedes Mal in Alarmbereitschaft und brachte mich an meine Grenzen. Wie kann so ein kleiner Mensch nur SO laut sein?! Selbst unter der Dusche hörte ich (fiktives) Babygeschrei. Schlau eingerichtet von der Natur, würde ich sagen, so ist die Versorgung eines so verletzlichen Lebewesens gesichert.

Im Wochenbett hatte ich starke Sehnsucht nach der Gemeinschaft mit meinen größeren Kindern. Sie taten mir leid, weil ich plötzlich nicht mehr so viel Zeit für sie hatte. Ich war wehmütig, weil ein Lebensabschnitt endete. Das hat an mir genagt. Und auch um meine Partnerschaft sorgte ich mich. Würden wir die Paarbeziehung über den schwierigen Alltag retten können? Ich war, wie sagt man heute: "overtouched", hatte also Tag und Nacht ständig Körperkontakt mit einem kleinen Menschen und brauchte eigentlich viel Freiraum für mich. Die Sehnsucht nach Nähe zum Partner war trotzdem da.

Doch weil der Liebste sehr stark eingebunden war in die ganzen Prozesse des Werdens und Wachsens als Familie, war da auch ganz viel gegenseitiges Verständnis und ein starker Wille, das alles gemeinsam zu wuppen. Ohne meinen zugewandten, offenen, engagierten und emanzipierten Mann würde es diese Familie in dieser Form gar nicht geben. Mit ganz viel Zuversicht, Herz und auch Humor haben wir das bis jetzt ganz gut hingekriegt.

Selbstverständlich waren meine Babys die tollsten Geschöpfe der Welt. So schön, so einzigartig, so zart! Und von Anfang an waren sie ganz sie selbst. So wundervoll. Voller Wunder! Jedes Wimpernhaar war perfekt! Jedes winzige Fingerchen, jeder weiche Babyfuß. Und der Duft da am Köpfchen erst! 

Dass ich sie alle nach relativ unkomplizierten Schwangerschaften selbstbestimmt, schnell, völlig ohne Interventionen und vor allem gesund auf die Welt bringen durfte, grenzt an ein Wunder. Das macht mich heute noch demütig aber auch stolz. Die Erfahrungen rund um die Geburten im Geburtshaus oder zu Hause kann mir niemand nehmen und sie haben mich enorm gestärkt. 

Ich empfinde es als großes Geschenk, dieses Wunder mehrfach erlebt haben zu dürfen! Es war und ist eine Freude, meine Kinder beim Aufwachsen begleiten zu dürfen. Das war für mich in meinem Leben immer schon klar, dass ich genau das will: Kinder bekommen und mein Bestes geben, um sie gut ins Leben zu begleiten. Dass es fünf werden sollten, hätte ich selbst nicht gedacht. 

Doch es war nicht immer alles leicht. Meine Vorstellungen und Wünsche wichen ab und zu von der Realität ab. Ich hatte leider überhaupt keine guten Vorbilder. Schon als kleines Kind im Kindergartenalter fragte ich mich, wieso Menschen Kinder bekommen, wenn sie sich nicht gut um sie kümmern wollen und sie obendrein auch noch körperlich und seelisch misshandeln. Ich wusste: so will ich es nicht machen. So auf keinen Fall! Schon in diesen frühen Jahren hatte ich den Respekt vor bestimmten Personen verloren. Was dann ja im Grunde doch irgendwie vorbildhaft war. 

Doch wie genau ich meine Kinder großziehen wollte, musste ich selber herausfinden. Oft musste ich mich stark abgrenzen von dem Verhalten, das ich vorgelebt bekommen hatte. Musste für mich und meine Kinder einstehen, wenn mal wieder gut gemeinte Ratschläge aus der Familie kamen. Manchmal war es sehr schwer, nicht auf erlebte Muster zurückzugreifen. Zu einfach erschien eine kurze Disziplinierungsmaßnahme. Es erforderte enorme Anstrengungen meinerseits, nicht doch schwach zu werden. Ich habe mir sehr große Mühe gegeben, mich ständig zu hinterfragen, wusste ich doch, dass Strenge und Schläge längerfristig nicht zum gewünschten Ergebnis und erst recht nicht zu einer guten Beziehung führen. 

Natürlich habe auch ich nicht alles richtig gemacht. Das werde ich mein ganzes Leben lang mit mir herumtragen müssen. Der gute Wille und die allerbesten Vorsätze allein helfen nicht, ich habe doch auch hier und da Fehler begangen. Das tut mir in der Seele weh und ich werde sicher früher oder später mit meinen Kindern drüber reden, um es ihnen zu ermöglichen, es verarbeiten zu können und vielleicht dennoch für sie alles in gute Bahnen lenken zu können. Egal, was da mal kommen mag, ich werde sie um Verzeihung bitten. Reflektierte Erwachsene hätten mir persönlich gut getan. 

Wie die Kindheit meiner Kinder verlief, variiert durchaus von Kind zu Kind. Was ich auch lernen musste: ich bin nicht für jedes meiner Kinder dieselbe Mutter. Alle Kinder gleich zu behandeln, ist gar nicht möglich. Im Laufe der Zeit hat sich die Familienkonstellation geändert. Meine Erfahrungen haben sich geändert, die Lebensumstände, mein Nervenkostüm. Ich war z.B. mit 22 Jahren was man heutzutage eine junge Mutter nennt, mit 41 gehörte ich dann zu den älteren Müttern. 

Mit den Jahren wurde ich weniger dogmatisch, ja eigentlich kann ich sagen, ich wurde gelassener. Beim dritten, vierten, fünften Kind war es mir nicht mehr so wichtig, ob da im Hintergrund der Fernseher läuft oder nicht, ob das Kind schon mit einem Jahr Kekse mit Zucker bekommt, ob die Klamotten der neusten Mode entsprechen oder vielleicht auch mal Löcher haben, wann das Kind krabbelt oder läuft, ob und wo es schläft... Ich wusste, sie alle würden ihren Weg gehen. Die Hauptsache war für mich immer, mich selber nicht zu verstellen, zu schauen, dass es dabei auch mir gut geht und authentisch zu bleiben. 

Nun sind schon zwei meiner Kinder erwachsen und ausgezogen. Nicht mehr lange, und das nächste Kind wird volljährig. Wie kurz am Ende doch die gemeinsame Zeit im selben Haushalt ist! Sind die Kinder klein, kann man manchmal gar nicht das Ende des Tages abwarten. Und schwupps, sind plötzlich die Jahre vergangen. 

Im Grunde sind das wieder solche Momente, wo der Spruch meiner Hebamme passt. Ein Kind zieht aus. Das Mobilé wackelt genauso, wenn ein Teil des Konstrukts entfernt wird. Alles kommt wieder ins Schwingen und braucht eine Weile, um wieder ins Gleichgewicht zu kommen. Und auch diese Phase ist aufregend und mitunter tränenreich.

Welche Erfahrungen ich mit dieser Phase des Familienlebens gemacht habe, erzähle ich hier im zweiten Teil. 

Montag, 4. Mai 2026

Ende April/ Anfang Mai

Endlich hängt mein neues Bild! Es ist so schön! Im Januar entdeckte ich bei Melanie Tilkov, deren Arbeit ich auf Instagram schon einige Jahre verfolge, wunderbare Wasserbilder. Mit ihrer Tiefe berührten sie mich sehr. Das Aquarell „Förde“ wurde meins. 

In einem Wismarer Betrieb gab ich einen angemessenen Rahmen in Auftrag. Ein dunkelblaues Passepartout und ein schmales mattgraues Profil wurden während der Beratung ausgesucht. Dazu ein entspiegeltes Glas. Die Fotos geben den Eindruck nur unzureichend wieder. Ich muss ständig daran vorbeilaufen und das Bild bewundern. Es sieht je nach Tageszeit ganz unterschiedlich aus.

Wenn ich das Bild sehe, höre ich das Wasser der Förde sachte glucksen und rauschen. Das klare Wasser gibt den Blick frei auf gelbgrünen Blasentang und Steine. Genau so einen Anblick haben wir jeden Sommerurlaub, den wir seit 2010 an der Flensburger Förde verbringen.



Während ich das hier schreibe, ist schon der Mai angebrochen. Wir haben an dem wettertechnisch sehr sommerlichen ersten Maiwochenende eine kleine Radtour unternommen, waren Kaffee trinken und am Abend setzten der Liebste und ich uns mit einem Glas Wein an den Wismarer Hafen und bewunderten den Sonnenuntergang. 

Die Große war auch hier, ich war mit den beiden Ältesten im Kino im Film "Michael". Ich war erst skeptisch, aber der Film war doch ganz gut gemacht. Die Kinder kennen die Musik ja nur noch retrospektiv...

Der Frühling war bis jetzt schön, zu trocken eigentlich, aber auch noch sehr frisch. Nachts waren es manchmal nur knapp über Null Grad. Fast jeden Morgen lag noch Raureif auf den Wiesen.



Das letzte Treffen "Drink and Draw" in der Fika Kaffeebar fiel leider aus. Da ich mich aber schon sehr auf einen entspannten Abend bei Gesprächen und Wein gefreut hatte, veranstaltete ich einfach selber einen Kreativabend. Und zwar zu Hause zusammen mit dem Liebsten. Aus dem Internet hatte ich die Idee, dass wir uns gegenseitig porträtieren könnten. 


Ich bereitete also alles vor, stellte Farben und Getränke bereit. Um die Spannung zu steigern, stellten wir einen Sichtschutz in der Mitte auf. Wir hatten einen sehr schönen Abend mit einem überaus witzigen Ergebnis. Am überraschendsten war das Bild des Liebsten! Alle, die es bis jetzt gesehen haben, fanden mich und meine Lebendigkeit sehr gut eingefangen. Zeige ich hier aber nicht ;-)


Nach der Sonderausstellung ist vor der Sonderausstellung. Nachdem die Lufthalle im Museum seit November umfangreiche Ausstellungsmöbel beherbergte, genießen wir im Moment kurz mal die freien Flächen. Diese Woche wird aber eine neue Sonderausstellung aufgebaut. In Zusammenarbeit mit der Deutschen Raumfahrtagentur werden dann bis Ende November Innovationen aus der Raumfahrttechnik präsentiert, die wir alle auch schon in unserem Alltag nutzen können. Ich bin sehr gespannt. 

Ansonsten nimmt das Museumsjahr wieder Fahrt auf. Nach den ruhigen Jahresanfangswochen finden jetzt wieder mehr Klassenfahrten und Wandertage statt, d.h. Schulklassen buchen Programme, und Touristen kommen auch wieder vermehrt ins Museum. 
 

Lange gewartet haben wir auf den Betrieb des Museumsbistros. Seit Anfang April gibt es endlich wieder sehr schmackhafte kleine Speisen und Getränke. Die Museumsgäste freut es sehr. Gut auch für mich, falls es auf der Arbeit mal wieder länger dauert. 


Draußen Kaffee trinken ist jetzt immer öfter möglich, sehr gut. Natürlich in der Fika Kaffeebar, die jetzt ihr fünfjähriges Jubiläum feiert.


Auf dem kleinen Pflanzenmarkt im Hof der Fika Kaffeebar neulich habe ich ein paar Pflanzen für den Balkon erstanden. Spinat, Mangold, Salat und Tomaten gedeihen prima in den Hochbeeten auf dem Balkon. 


Die Kraniche sind zurück. Einige waren den Winter über gar nicht weg. Aber jetzt sind es wieder viel mehr. Wenn so ein Schwarm vor unseren Fenstern kreist, kann es ganz schön laut werden!


Die schönste Straße ist im Moment die Claus-Jesup-Straße gleich in der Nähe des Hafens. Nach Straßenbauarbeiten ist sie zur Allee geworden, wo es sich im Moment unter den blühenden Bäumen am besten flanieren lässt. 




Vor fünf Jahren um genau diese Zeit sind wir nach Wismar gezogen. Das ging schnell und war immernoch eine super Entscheidung! Ab und zu zwickt es bei den Erinnerungen an unser Leben in Hamburg, aber das ist eher der Nostalgie geschuldet. Früher bin ich alle fünf Jahre umgezogen. Doch hier bleiben wir auf alle Fälle länger. Die Wohnung ist optimal für unsere Bedürfnisse, Kompromisse gehören nunmal dazu. 

Wismar ist immernoch wunderschön und bietet viel Abwechslung. Gerade so viel, dass wir jede Woche etwas unternehmen können und selten das Gefühl haben, etwas zu verpassen. Es gibt eine Menge engagierter Menschen, die dazu beitragen, dass Wismar lebenswert ist. Wir haben unsere Kirchengemeinde, haben Freundinnen und Freunde und viele Bekannte. 


Wir lieben es, am Hafen den Sonnenuntergang zu genießen....


... und schnelle Ausflüge an die Ostsee, wie hier nach Kühlungsborn.


Der Flieder blüht. Das heißt für mich auch, dass der kleine Bruder bald Geburtstag hat. Nach dem Auszug des Mutzelchens ist er im Moment der Älteste hier zu Hause. Siebzehn wird er jetzt im Mai. Unglaublich. 

Manchmal überfällt mich Wehmut, weil er im nächsten Jahr Abitur macht und ein Jahr so kurz ist und er dann sehr wahrscheinlich auch wegziehen wird. Aber so ist der Lauf des Lebens. Die Kinder machen das super. Wir bleiben zurück und müssen damit klarkommen....

Vielleicht werde ich in der nächsten Zeit ein bisschen was aufschreiben von meinen vielfältigen Erfahrungen als Frau und Mutter. Es ist so einiges passiert in all den Jahren. Seit 2008 blogge ich, da war das Mutzelchen gerade ein Jahr alt. Drei Kinder sollten noch folgen. Doch der Ton im Internet ist so rauh geworden, weshalb ich irgendwann immer weniger vom Familienleben berichtet habe. 

Anna von Berlinmittemom war immer eins meiner Vorbilder, sie schreibt ganz tolle Texte und hat gerade nach langer Zeit mal wieder den Faden aufgenommen. Mit ihren Worten spricht sie mir mal wieder aus der Seele. 

Dienstag, 7. April 2026

Rund um Ostern

Unsere Ostertage waren bunt und fröhlich und auch gemütlich. Als ich gestern die aufbrechenden Blüten der Magnolie entdeckte und fotografierte, radelte ich mit einem Lächeln auf den Lippen und einem warmen Gefühl im Bauch weiter. Was gibt es doch für eine Schönheit auf der Welt! 

Gleichzeitig freute ich mich, dass ich solche Schönheit sehen und auch genießen kann. Meine Begeisterungsfähigkeit für kleine und große Dinge erstaunt mich manchmal selber. Sei es die kleinste Blüte am Wegesrand, ein wunderbares Musikstück, ein Gemälde zum drin versinken, ein interessanter Fakt aus der Wissenschaft, die Eigenschaften unterschiedlichster Menschen, jede Tasse guter Kaffee, die Hoffnung, die Liebe... ich bin so froh und dankbar, dass ich das alles bemerke und würdigen kann. 


Schon immer lebe ich mit starken Gefühlen. Heute gibt es unterschiedliche Bezeichnungen dafür. Ich habe lange darunter gelitten. Wurde ausgenutzt. Nicht ernst genommen. Doch eigentlich ist es ein wahrer Schatz. Diese Fähigkeit macht mich aus. Sie hilft mir, nicht zu verzweifeln im Angesicht des abgrundtief Bösen auf dieser Welt. Hätte ich nicht die Fähigkeit, mich immer auf das Gute zu konzentrieren, hätte ich nicht die Hoffnung, dass am Ende alles gut wird, könnte ich nicht weitermachen. 

Das heißt nicht, dass ich weltfremd bin. Ich verfolge die Nachrichten ständig. Will alles ganz genau wissen. Diskutiere, will alles einordnen, leide sehr unter den Ungerechtigkeiten der Welt. Vieles geht mir sehr, sehr nah. An der Weltlage verzweifle ich. Manche Dinge wecken auch unschöne Erinnerungen an meine Vergangenheit. 

Doch ich denke: Jetzt erst recht! und bepflanze das Beet vor dem Haus, wo es niemand sonst tut. Hebe Müll auf und werde belächelt. Stelle der Nachbarin einen Schokohasen vor die Tür. Verschenke Dinge, die Andere mehr gebrauchen können. Spende Geld. Opfere meine Zeit für andere Menschen. Ich bin so reich und kann von diesem Reichtum abgeben. 


Jetzt bin ich ein bisschen abgeschweift. Ich wollte doch nur über unsere Osterfeiertage berichten. Das Museum hatte durchgehend geöffnet. Ich habe auch gearbeitet. In den Ferien und an Feiertagen sind mehr Gäste im Haus und wir bieten ein kleines Ferienprogramm an. Das ist immer schön, denn die Familien, die in Wismar und Umgebung Urlaub machen, sind gut drauf und sehr fröhlich. Da macht das Arbeiten Spaß. 



Am Karfreitag hatte der Liebste Geburtstag. Ein schöner Tag mit allen Kindern, die Große war da und auch die Freundin des kleinen Bruders, und einer sehr gut gelungenen Eierschecke, dem Lieblingskuchen des Liebsten.



Am Ostermorgen durften die Kinder bunte Eier und ihre Osternester in der Wohnung suchen.



Mein Osternest kam in diesem Jahr aus Berlin.


In der Gemeinde trafen wir uns vor dem Gottesdienst zum großen Osterfrühstück. Am Nachmittag schlemmerten wir zu Hause weiter. Ich hatte nur noch das traditionelle Osterlamm gebacken, die kleinen verzierten Törtchen holte ich in der örtlichen Konditorei.



Am Ostermontag setzten wir die Kinder am Kino ab. Sie freuten sich auf ein gemeinsames Filmerlebnis mit Popcorn. Der Liebste und ich fuhren in der Zwischenzeit auf die Insel Poel. In Gollwitz wurden wir von einem Osterbaum empfangen. 


Im Ladencafé bekamen wir traumhaften Kuchen und plauderten mit der Inhaberin und mit ungefähr allen anderen Gästen am "sozialen Tisch" einer großen gemeinsamen Tafel. Schönes Konzept!


Der starke Wind hatte das Wasser der Ostsee woanders hingepustet. Angefüllt mit vielen schönen Erinnerungen machen wir weiter. Die nächsten schönen Momente sind schon ganz nah. 




Samstag, 24. Januar 2026

Weil der Januar...

... sich erfahrungsgemäß ein bisschen zieht, will ich ganz besonders auf meine Gemütsverfassung achten. Traditionell mache ich keine Vorsätze und miste meist auch nicht schwungvoll zu Jahresbeginn aus. Januar heißt Winterzeit und die bedeutet immernoch Ruhe und Rückzug. Mehr denn je beherzige ich das. Mache es mir gemütlich, wo es nur geht. Hülle mich in meine Wolldecke, trinke Kaffee oder Tee, erlaube mir Faulheit, blättere in Zeitschriften oder Bildbänden, genieße Kunst und Kultur, schaue einfach nur aus dem Fenster. 

Die politische Weltlage ist das absolute Gegenteil: der Januar ist erst drei Wochen alt und jeden Tag gibt es neue Nachrichten, wo ich teilweise zuerst checken muss, ob sie nicht von einem Satirekanal kommen. Täglich reden der Liebste und ich wieso, weshalb, warum, wohin das alles führen soll, wie wir darauf reagieren sollen und welche Vorsorge wir treffen. Achten auf das Familienleben und die Gemütsverfassung vs. informiert bleiben und die aktuelle Nachrichtenlage - oh diese Gleichzeitigkeit von Dingen!

So kam es also, dass ich am Montagabend für die Seelenhygiene besonders früh im Bett war und sogar durchgeschlafen habe. Ich habe mich selber dafür gelobt. Und dann... war mein Internet am nächsten Morgen voll von bunten Bildern. Polarlichter! Über Deutschland! Ich war gefühlt die Einzige, die sie verpasst hatte! Seit vielen Jahren träume ich davon, mal in den hohen Norden zu reisen, um Polarlichter zu sehen. Hmpf.

Am Dienstagabend war ich ein bisschen später dran und machte vor dem Schlafengehen um 22:30 Uhr ein schnelles Bild aus dem Fenster raus. Joar, sind bestimmt die Lichter des Wohngebietes da hinten. 

Nee, da ging es tatsächlich schon los, ich wusste es nur noch nicht. Ich lag dann im Bett und rollerte noch ein bisschen auf dem Handy umher. Da mehrten sich plötzlich die Nachrichten und Bilder von Polarlichtern. Ich stand nochmal auf hängte mich aus dem Fenster. Mittlerweile war es schon 23:30 Uhr, tatsächlich, da waren so bunte Nebel zu sehen. Das Handy machte daraus mit seinem guten Fotoauge schillernd bunte Bilder. Whoah! Glücklich ging ich schlafen. Viel zu spät natürlich und ziemlich durchgefroren. 


Am nächsten Morgen war ich beim Weckersummen um kurz nach 5 wieder so müde wie eh und je. Doch Sonnenschein und eisige Luft machten es ein bisschen besser. Am Hafen in Wismar hält sich die Eisdecke. 

Den ersten Kaffee draußen in der Sonne habe ich auch schon getrunken. 

Auch wenn es sehr kalt ist und es wahrscheinlich nochmal schneien soll, schauen schon die ersten Frühblüher aus dem Boden. Die Natur macht einfach immer weiter.


Anfang Januar haben wir abgeschmückt. Über Weihnachten und Silvester hatten wir viel Besuch. Es gab viel gutes Essen, viele Filmabende, Spiele, Lachen, Trubel. Dann kam der Baum raus und die Wohnung war plötzlich wieder leerer. Der Herrnhuter Stern hängt noch. Sein heimeliges Licht darf uns noch ein wenig erfreuen. 


Am Strand auf der Insel Poel waren wir auch. Ich mag, wie viel man auch oder ganz besonders im Winter entdecken kann. Die Strände sind schön leer. 






Nun habe ich wiedermal ein paar Tage lang an diesem Eintrag gesessen. Zwischendurch muckte das Blog-Programm. Ließ mich nicht mehr rein, erlaubte keine neuen Fotos usw. Ohne die Hilfe des Liebsten würde ich wahrscheinlich schon viele Jahre gar nicht mehr bloggen. Danke an alle, die hier trotzdem noch regelmäßig reinschauen. Anhand der Statistik sehe ich, dass es noch sehr viele sind. Danke und ein schönes Wochenende!