Mittwoch, 27. Mai 2026

Zurück in Aarhus 2

Am Morgen nach unserem Anreisetag war ich zuerst wach. Ich kochte mir Kaffee und saß ungelogen zwei Stunden am Balkon, nicht ganz drauf, weil es sehr windig und noch ziemlich frisch war, und habe Schiffe beobachtet. 

Genau vor unserem Balkon befand sich der zweitgrößte Hafen und der größte Containerhafen Dänemarks. Es gab einiges zu gucken. Da pendelte die Hochgeschwindigkeitsfähre von Seeland hin und her, da wurde ein großes Containerschiff entladen, Segelboote fuhren raus und Ausflugsschiffe kreuzten in der Bucht umher. Möwen und Kormorane segelten vorbei und die Wellen rauschten unter mir an die Kaikante. Es war einfach traumhaft! Ich hätte ewig dort sitzen können! 



Gegen 11 Uhr verließen wir die Ferienwohnung. In der Sonne leuchteten uns die "Eisberge" nebenan entgegen. Das sind nicht nur Ferienwohnungen, nein, da leben wirklich Menschen, Familien. Ich stelle mir dann immer vor, wie das Leben da so wäre...




Nur ein paar Häuser weiter erreichten wir unser Frühstückscafé. Da waren wir im letzten Jahr schon und hatten uns wieder drauf gefreut. Als wir am Tisch vor unserem tollen Frühstück saßen, kamen mir fast die Tränen. So fühlt es sich an, wenn alle willkommen sind! 

An den Nachbartischen saßen Junge und Alte beisammen. Eine ältere Frau im Rollstuhl hatte einen kleinen Jungen auf dem Schoß und fuhr mit ihm mehrere Runden um die Tische. Der Kleine quietschte vor Freude. In den Regalen lagen Berge von Brettspielen, an den Wänden hingen kreative Werke aus den Kursen im Haus. Im "Generationenhaus" wird Inklusion unter den Gästen und auch dem Personal sichtbar gelebt. 

Ich kann dieses Gefühl schlecht beschreiben, aber sogar vor dem Haus, in der neuen "Hafencity",  ja in der ganzen Stadt ist uns dieses starke Gemeinschaftsgefühl aufgefallen. Nicht umsonst machen wir auch schon seit vielen Jahren gerne Urlaub mit unseren Kindern in Dänemark. Kinder sind hier nicht Störfaktor sondern ganz selbstverständlich Teil der Gesellschaft. 





Unser Hauptziel des Tages war der Botanische Garten. Das ist einer der größten Parks in Aarhus. Kostenfrei und für alle zugänglich. Wir besuchten zunächst die Gewächshäuser. Dort konnten wir durch verschiedene Vegetationszonen der Erde wandern. Total interessant! 


Australien:


Von den zig Bildern zeige ich hier nur die wichtigsten: Kakao....


... und Kaffee.


Draußen im Park ging es weiter. Es gab einen riesigen Steingarten und noch mehr. Wir wollten unsere Füße schonen, aber der Park ist noch viel weitläufiger, als gedacht. Da gibt es noch Themengärten, viele interessante Bäume, mehrere Seen und noch viele Plätze für die Gemeinschaft mit Tischen, Bänken und Grillplätzen. Der Park ist gleich neben dem Freiluftmuseum "Den Gamble By", von dem wir im letzten Jahr schon so begeistert waren. 

Am 17. Mai wird Norwegens Nationalfeiertag begangen und anscheinend ist die norwegische Gemeinschaft auch in Aarhus sehr groß. Jedenfalls strömten an uns viele junge Leute in wunderschönen Trachten und mit Fähnchen in der Hand einem Punkt im Botanischen Garten entgegen. 



Bemerkenswert: eine Fahrradmitnahme ist im Bus möglich! 


Kleiner Zwischenstopp im Aros-Museum. Wir wollten eigentlich nur in den Museumsshop. Den Besuch des Museums an sich heben wir uns auf für den Sommer. Dann kommen wir mit den Kindern wieder, das müssen sie einfach alles sehen! Vor allem den Regenbogengang! Wir freuen uns schon so darauf! 

Übrigens auch ein witziger Fakt des Elternlebens: bei jedem Bagger, jedem Eichhörnchen, jeder Pusteblume, jedem tollen Film, jedem Stifteset, jeder Reise alleine denke ich so, ach, das würde den Kindern auch gefallen, das muss ich ihnen unbedingt zeigen :-)


Weil ich etwas hungrig war, führte uns der Weg zunächst ins Museumsbistro, wo ich ein "Smörrebröd" bestellte. Mit dem wortwörtlichen Butterbrot haben die Brote, die man in Dänemark bestellen kann, wirklich nichts zu tun. Die Brote sind meist so üppig belegt, dass man das Brot kaum noch sehen kann. Das Brot muss man mit Messer und Gabel essen, anders geht es gar nicht. Hier mein Brot mit Lachs, Remoulade und Salat, das Brot war ein dunkles und saftiges Körnerbrot. 


Vom Museumsshop waren wir mal wieder so erschlagen, dass wir gar nichts kauften sondern uns immer nur gegenseitig unsere Entdeckungen zeigten. Alles war farblich sortiert und alles war wahnsinnig hübsch!



Auf dem Rückweg durch die Stadt entdeckten wir noch diese kleine Kunsthalle. Schon der Außenbereich war sehr inspirierend und regte uns zum Nachdenken an. 


Nochmal Fußgängerzone und Shopping. Wir wollten angesichts des näherrückenden Sommers Ausschau nach T-Shirts für die Kinder halten. Doch irgendwie wurden wir nicht fündig. Und weil wir eigentlich nicht gerne in Fußgängerzonen einkaufen gehen, haben wir das auch ganz bald gelassen. 

Ampel mit Wikingermännchen. 


Diesen Spruch hatte ich schon am Vortag auf dem Weg in die Stadt gesehen. An diesem Abend hielt ich extra Ausschau danach, weil ich ihn fotografieren wollte. Ja, das ist so wahr! Und es tröstet mich ein wenig, dass die Leute, die immer nur das Haar in der Suppe sehen wollen, sich im Grunde selbst damit das Leben schwer machen. Schlechte Gedanken vergiften die eigene Seele. So. 


Der Liebste und ich jedenfalls haben jede einzelne Sekunde des Tages genossen und beendeten den Tag wieder im Nicolinehus bei würzigen Dumplings, knusprigen vietnamesischen Pancakes und weichen Hühnchenspießen.  


Ausblick um 22:15 Uhr von unserem Balkon aus. Hachseufz. 



Fortsetzung folgt...

Montag, 25. Mai 2026

Zurück in Aarhus 1

Weil es dem Liebsten und mir in Aarhus im April 2025 so gut gefallen hat und weil seine liebe Mama sich wieder bereit erklärt hatte, ein paar Tage in Wismar bei unseren Kindern zu sein, durften wir auch in diesem Jahr wieder zu zweit in die entspannte Stadt am Meer reisen. 

Wie vertraut es sich gleich wieder anfühlte! Nach einer erfreulich unkomplizierten Einfahrt in die großzügige Tiefgarage unseres "Ferienhauses" auf Aarhus Øje hatten wir noch zwei Stunden Zeit, bis wir unseren Schlüssel abholen konnten.


So genossen wir also unsere erste Mahlzeit in Aarhus in der Streetfood-Markthalle im Nicolinehus: köstlichste vietnamesische Pho Suppe. Darauf hatten wir uns ein ganzes Jahr gefreut. 


Auf dem kurzen Fußweg zurück zum Auto zog ich den Liebsten spontan in eine kleine Bar am Hafenschwimmbad, wo wir erstmal auf unseren Urlaub anstießen. Pünktlich in diesem Moment kam die Sonne raus.


Dann nahmen wir unser Gepäck aus dem Auto und holten unseren Schlüssel aus den Schlüsselboxen in derselben Tiefgarage. Die Geheimnummer für Tür und Box hatten wir zuvor per Mail von der Vermietung erhalten. Der Fahrstuhl brachte uns in die 22. Etage des höchsten Gebäudes in Dänemark. 

Die Ferienwohnung im "Lighthouse" hatte uns im letzten Jahr so beeindruckt, dass wir unbedingt wieder dort wohnen wollten. Andere Wohnung diesmal, aber derselbe Schnitt und derselbe atemberaubende Ausblick aufs Meer und den Hafen von Aarhus. 





Es hielt uns aber nicht lange in der Wohnung, wir wollten los in die Stadt. Hier das Lighthouse mit seinen 42 Etagen von außen. Unsere Ferienwohnung liegt ungefähr in der Mitte. 


Für Mitte Mai war es draußen leider ziemlich frisch, doch beim Wassersport neben dem Hafenschwimmbad herrschte doch reger Betrieb. 


Nach einem kurzen Fußmarsch tauchten wir zunächst wieder ein in die kleinen hübschen Gassen der Altstadt von Aarhus. 



Der erste tolle Kaffee, dem noch einige weitere folgen sollten. 



Ein kurzer Spaziergang durch die moderne Innenstadt am Dom vorbei....


... brachte uns wieder zum Kaufhaus Salling, wo wir wieder von der Dachterrasse auf Aarhus schauten.



Erste kleine Geschenke durften mit...


... dann war es schon Abend und wir machten uns auf den Rückweg.




Vergessen, das Abendessen zu fotografieren :-)

Danach Spaziergang durch das Hafenviertel am kostenfreien Hafenschwimmbad entlang. 


Es gibt sogar einen großen Sandkasten in einem schwimmenden Becken.


Ausblick vom Balkon am 16. Mai um 21 Uhr. 


Fortsetzung folgt...

Donnerstag, 14. Mai 2026

"Familienleben...


... ist wie ein Mobilé. Kommt ein neues Kind hinzu, gerät das ganze Konstrukt ins Wanken. Es dauert eine Weile, bis sich alles wieder eingeschwungen und ausbalanciert hat."

Das sagte eine meiner Hebammen zu mir, als ich mal wieder kurz nach der Geburt eines neuen Familienmitglieds am Verzweifeln war, wie ich das alles schaffen soll, ob ich allen Kindern gerecht werde, ob der Liebste und ich trotzdem mal ein paar Minuten Zeit für uns haben werden, wann ich endlich mal wieder ein paar Stunden am Stück schlafen würde oder nicht mehr so klapprig auf den Beinen sein werde und, und, und... Tränenreiche Tage waren das. 

Natürlich hatte meine Hebamme Recht. Von meiner Seite war nur Geduld gefragt. Und das Annehmen der Situation, so wie sie ist. Es würde nicht schneller gehen, wenn ich mir zu viele Sorgen mache. NUR!!! Leicht gesagt. Geduld ist nicht gerade einer meiner Stärken. 

Fünf Mal durchlebte ich dieses wahre Wechselbad der Gefühle. Eine sehr sensible Phase war das jedes Mal für die gesamte Familie. Ehrlich gesagt, mochte ich die Zeit direkt nach den Geburten nie besonders. Unter dem unterbrochenen Nachtschlaf habe ich immer am meisten gelitten. Dieses ständige auf Abruf sein mochte ich auch nicht. Babyschreien versetzte meinen Körper jedes Mal in Alarmbereitschaft und brachte mich an meine Grenzen. Wie kann so ein kleiner Mensch nur SO laut sein?! Selbst unter der Dusche hörte ich (fiktives) Babygeschrei. Schlau eingerichtet von der Natur, würde ich sagen, so ist die Versorgung eines so verletzlichen Lebewesens gesichert.

Im Wochenbett hatte ich starke Sehnsucht nach der Gemeinschaft mit meinen größeren Kindern. Sie taten mir leid, weil ich plötzlich nicht mehr so viel Zeit für sie hatte. Ich war wehmütig, weil ein Lebensabschnitt endete. Das hat an mir genagt. Und auch um meine Partnerschaft sorgte ich mich. Würden wir die Paarbeziehung über den schwierigen Alltag retten können? Ich war, wie sagt man heute: "overtouched", hatte also Tag und Nacht ständig Körperkontakt mit einem kleinen Menschen und brauchte eigentlich viel Freiraum für mich. Die Sehnsucht nach Nähe zum Partner war trotzdem da.

Doch weil der Liebste sehr stark eingebunden war in die ganzen Prozesse des Werdens und Wachsens als Familie, war da auch ganz viel gegenseitiges Verständnis und ein starker Wille, das alles gemeinsam zu wuppen. Ohne meinen zugewandten, offenen, engagierten und emanzipierten Mann würde es diese Familie in dieser Form gar nicht geben. Mit ganz viel Zuversicht, Herz und auch Humor haben wir das bis jetzt ganz gut hingekriegt.

Selbstverständlich waren meine Babys die tollsten Geschöpfe der Welt. So schön, so einzigartig, so zart! Und von Anfang an waren sie ganz sie selbst. So wundervoll. Voller Wunder! Jedes Wimpernhaar war perfekt! Jedes winzige Fingerchen, jeder weiche Babyfuß. Und der Duft da am Köpfchen erst! 

Dass ich sie alle nach relativ unkomplizierten Schwangerschaften selbstbestimmt, schnell, völlig ohne Interventionen und vor allem gesund auf die Welt bringen durfte, grenzt an ein Wunder. Das macht mich heute noch demütig aber auch stolz. Die Erfahrungen rund um die Geburten im Geburtshaus oder zu Hause kann mir niemand nehmen und sie haben mich enorm gestärkt. 

Ich empfinde es als großes Geschenk, dieses Wunder mehrfach erlebt haben zu dürfen! Es war und ist eine Freude, meine Kinder beim Aufwachsen begleiten zu dürfen. Das war für mich in meinem Leben immer schon klar, dass ich genau das will: Kinder bekommen und mein Bestes geben, um sie gut ins Leben zu begleiten. Dass es fünf werden sollten, hätte ich selbst nicht gedacht. 

Doch es war nicht immer alles leicht. Meine Vorstellungen und Wünsche wichen ab und zu von der Realität ab. Ich hatte leider überhaupt keine guten Vorbilder. Schon als kleines Kind im Kindergartenalter fragte ich mich, wieso Menschen Kinder bekommen, wenn sie sich nicht gut um sie kümmern wollen und sie obendrein auch noch körperlich und seelisch misshandeln. Ich wusste: so will ich es nicht machen. So auf keinen Fall! Schon in diesen frühen Jahren hatte ich den Respekt vor bestimmten Personen verloren. Was dann ja im Grunde doch irgendwie vorbildhaft war. 

Doch wie genau ich meine Kinder großziehen wollte, musste ich selber herausfinden. Oft musste ich mich stark abgrenzen von dem Verhalten, das ich vorgelebt bekommen hatte. Musste für mich und meine Kinder einstehen, wenn mal wieder gut gemeinte Ratschläge aus der Familie kamen. Manchmal war es sehr schwer, nicht auf erlebte Muster zurückzugreifen. Zu einfach erschien eine kurze Disziplinierungsmaßnahme. Es erforderte enorme Anstrengungen meinerseits, nicht doch schwach zu werden. Ich habe mir sehr große Mühe gegeben, mich ständig zu hinterfragen, wusste ich doch, dass Strenge und Schläge längerfristig nicht zum gewünschten Ergebnis und erst recht nicht zu einer guten Beziehung führen. 

Natürlich habe auch ich nicht alles richtig gemacht. Das werde ich mein ganzes Leben lang mit mir herumtragen müssen. Der gute Wille und die allerbesten Vorsätze allein helfen nicht, ich habe doch auch hier und da Fehler begangen. Das tut mir in der Seele weh und ich werde sicher früher oder später mit meinen Kindern drüber reden, um es ihnen zu ermöglichen, es verarbeiten zu können und vielleicht dennoch für sie alles in gute Bahnen lenken zu können. Egal, was da mal kommen mag, ich werde sie um Verzeihung bitten. Reflektierte Erwachsene hätten mir persönlich gut getan. 

Wie die Kindheit meiner Kinder verlief, variiert durchaus von Kind zu Kind. Was ich auch lernen musste: ich bin nicht für jedes meiner Kinder dieselbe Mutter. Alle Kinder gleich zu behandeln, ist gar nicht möglich. Im Laufe der Zeit hat sich die Familienkonstellation geändert. Meine Erfahrungen haben sich geändert, die Lebensumstände, mein Nervenkostüm. Ich war z.B. mit 22 Jahren was man heutzutage eine junge Mutter nennt, mit 41 gehörte ich dann zu den älteren Müttern. 

Mit den Jahren wurde ich weniger dogmatisch, ja eigentlich kann ich sagen, ich wurde gelassener. Beim dritten, vierten, fünften Kind war es mir nicht mehr so wichtig, ob da im Hintergrund der Fernseher läuft oder nicht, ob das Kind schon mit einem Jahr Kekse mit Zucker bekommt, ob die Klamotten der neusten Mode entsprechen oder vielleicht auch mal Löcher haben, wann das Kind krabbelt oder läuft, ob und wo es schläft... Ich wusste, sie alle würden ihren Weg gehen. Die Hauptsache war für mich immer, mich selber nicht zu verstellen, zu schauen, dass es dabei auch mir gut geht und authentisch zu bleiben. 

Nun sind schon zwei meiner Kinder erwachsen und ausgezogen. Nicht mehr lange, und das nächste Kind wird volljährig. Wie kurz am Ende doch die gemeinsame Zeit im selben Haushalt ist! Sind die Kinder klein, kann man manchmal gar nicht das Ende des Tages abwarten. Und schwupps, sind plötzlich die Jahre vergangen. 

Im Grunde sind das wieder solche Momente, wo der Spruch meiner Hebamme passt. Ein Kind zieht aus. Das Mobilé wackelt genauso, wenn ein Teil des Konstrukts entfernt wird. Alles kommt wieder ins Schwingen und braucht eine Weile, um wieder ins Gleichgewicht zu kommen. Und auch diese Phase ist aufregend und mitunter tränenreich.

Welche Erfahrungen ich mit dieser Phase des Familienlebens gemacht habe, erzähle ich demnächst...