Sonntag, 7. Juni 2026

Zurück in Aarhus 4

Am 19. Mai 2026, der leider unser Abreisetag war, wachte ich schon um 7 Uhr auf. Macht nix! So hatte ich noch mehr von dieser grandiosen Aussicht! 


Gegen halb 8 bemerkte ich zwei Schiffe, die dicht hintereinander Aarhus ansteuerten. 


Um viertel vor 8 stellte sich heraus: dieses Schiff dort war doch ein bisschen größer. Und zwar war es ein Kreuzfahrtschiff aus der Aida-Flotte. Die Aidamar ist über 200 Meter lang, hat Platz für ca. 2600 Reisende und für nochmal ungefähr 600 Personen an Besatzung. 

Vom Balkon aus der 22. Etage sah das Schiff trotzdem ein bisschen klein aus.


Und sie parkte direkt vor unserem Balkon ein...



Dann war da noch das andere Schiff...


.... das sich gegen halb 9 als einer der größten Frachter der Welt mit Platz für tausende Container entpuppte. Ich fand es superspannend, das Einlaufen zu beobachten! Zum Glück hatte der Liebste sein Fernglas mit in den Urlaub genommen.


Gegen halb 10 mussten wir uns von dem Anblick verabschieden. Wir hatten alles gepackt und brachten unser Gepäck ins Auto in der Tiefgarage. Den Schlüssel zur Ferienwohnung hängten wir wieder zurück in die kleine Schlüsselbox. 

(Kleiner Wermutstropfen: wahrscheinlich werden wir nie wieder in so eine tolle Ferienwohnung kommen. Spaßeshalber habe ich mal nachgeschaut, die Preise im nächsten Frühjahr haben sich einfach mal mehr als verdoppelt.)


Bevor wir uns wirklich auf den Heimweg zurück nach Wismar machten, wollten wir den Tag aber noch optimal nutzen. Erstmal Kaffee und Frühstück! 

Auf dem Weg durch das nagelneue Stadtviertel mit den vielen Hochhäusern habe ich das extra nochmal fotografiert: zwischen den Häusern mit viel Glas und Beton wurden wunderschöne Oasen für die Bewohnenden geschaffen. 

Gewächshaus, individualisierte Hochbeete und eine Feuerschale zeugen von einem schönen Gemeinschaftsgefühl und einer schlauen Stadtplanung. 




Weil das am Vortag so lecker war, aßen wir bei La Cabra gleich nochmal Brot oder Brötchen mit Käse.



Nach dem Frühstück holten wir unser Auto aus der Tiefgarage und verließen Aarhus. Unsere Rückreise sollte uns aber noch zu gleich zwei Highlights führen, die wir im letzten Jahr ausgelassen hatten.

Ursprünglich sollte die "Unendliche Brücke" im Jahr 2015 nur einen Sommer lang stehen. Doch die Menschen waren so begeistert, dass die Brücke bleiben durfte. Allerdings wird sie in den Wintermonaten abgebaut und im Frühling wieder neu errichtet. Im letzten Jahr waren wir im April genau eine Woche zu früh in Aarhus, deshalb konnten wir sie noch nicht sehen. Aber diesmal!

Nach einer Viertelstunde Fahrt Richtung Süden parkten wir unter riesigen Bäumen und liefen ein kurzes Stückchen runter zum Strand. Wir hatten Glück, es war nicht so voll am Strand. 


Tatsächlich sieht die Brücke auf Bildern größer aus, als sie in Wirklichkeit ist. Doch sehenswert ist sie allemal. Wir liefen gemütlich eine ganze Runde auf den Holzbohlen über das türkis schimmernde Ostseewasser. Im Hintergrund konnten wir die Skyline von Aarhus mit dem Hafen sehen. 






Als wir die Brücke verließen, war gerade eine große Gruppe einem Reisebus entstiegen und kam uns entgegen. Glück gehabt!

Wir fuhren weiter durch einen dichten Wald mit erstaunlich großen Bäumen und vielen Hügeln und Schluchten. Dann kamen wir am Moesgaard Museum an. Der moderne Bau schmiegt sich in die Landschaft. Das grasbewachsene Dach kann betreten werden. Von oben hat man einen schönen Blick über die Landschaft bis zum Meer.


Die imposante Treppe im Inneren des Hauses stimmt die Gäste mit Hilfe detailgetreuer Figuren, die nach realen Funden gestaltet wurden, auf eine Zeitreise durch verschiedene Epochen der Menschheitsgeschichte ein. Beginnend mit ersten Funden aus der Steinzeit über die Bronzezeit und die Eisenzeit bis in die Zeit der Wikinger kann man hier tief in die Zeitgeschichte eintauchen.


Das Eintauchen ist wirklich wörtlich zu verstehen. Die Ausstellung ist mit fast allen Sinnen erlebbar, die Geschichte wird dadurch fast greifbar. Wir wurden von Geräuschen umfangen, Licht und Projektionen wechselten sich ab, interaktive Stationen luden zum Ausprobieren ein. 

Ich kann das alles hier gar nicht in Worte fassen, so beeindruckt waren wir von dem Besuch. Die Ausstellung ist außergewöhnlich und ein großes Erlebnis! Obwohl auch sehr viel für Kinder geboten wird, unter anderem auch ein tolles Forschungslabor, werden wir das Museum vorerst noch nicht mit unseren jüngsten Kindern besuchen. Zu überwältigend kamen uns die ganzen Sinneseindrücke vor. Texte sind auf dänisch und englisch 


Die gesamten Räumlichkeiten sind sehr dunkel und sehr verwinkelt. Geräusche und Bilder können teilweise angsteinflößend sein. Es dreht sich viel um Menschenopfer, Kriege, Pest und andere Krankheiten, es gibt Moorleichen und Skelette zu sehen.

Ein besonders eindrückliches Beispiel will ich mal versuchen, zu schildern: wir standen mitten in einem komplett leeren schwarzen Raum. Auf zwei gegenüberliegenden großen Wänden begannen, Filme im Zeichentrickstil hauptsächlich in Schwarz-Weiß abzulaufen. Zwei Heere brachten sich in Position. Wir sahen Soldaten mit Speeren, mit Schilden, Schwertern, wir sahen Bogenschützen und Männer auf Pferden. Dann begann das Schlachtgeschehen und wir standen buchstäblich zwischen den Fronten und mitten im Geschehen. 

Pfeile sirrten durch die Luft, genau über uns hinweg. Links und rechts fielen die ersten Soldaten zu Boden. Schreie. Stöhnen. Nochmal und nochmal. Unsere Blicke wanderten hin und her. Dann setzten sich die Soldaten in Bewegung. Erst langsam, dann immer schneller. Sie kamen immer näher und näher. Sie kamen genau auf uns zu. Für uns gab es kein Entrinnen. Die Heere krachten genau auf unserer Position aufeinander. Es wurde komplett dunkel, wir sahen nichts mehr, hörten nur noch die Geräusche auf dem Schlachtfeld. Schreie, dumpfe Hiebe, Röcheln, Klirren von Waffen, fallende Körper... Es war ziemlich beängstigend. 

Dann wurden die Geräusche weniger. Langsam wurde es wieder heller. Wie Nebel verzogen sich Rauch und Staub. Das Schlachtfeld war übersät mit übereinanderliegenden Körpern. Krähen krächzten. Wind fuhr durchs Gras und rauschte ein wenig....

Am Boden leuchteten plötzlich Vitrinen auf. In ihrem Inneren wurden verschiedene Waffen, Schilde, Helme, Gürtelschnallen und andere Funde sichtbar. Alles, was von den Menschen damals, von der Schlacht am Ende übrig blieb. 

Eine Frage drängte sich mir förmlich sofort auf: Wofür das ganze Leid? Immer und immer wieder seit Menschengedenken. Wofür? Am Ende bläst doch nur der Wind drüber...

Wir waren Zeuge geworden von einer der größten Schlachten der Eisenzeit, die um das Jahr 200 in der Nähe von Aarhus stattfand. Im nächsten Raum wurde die Geschichte noch weitererzählt; die Unterlegenen wurden gedemütigt, zerstückelt und im Moor versenkt, erbeutete Waffen zu Tausenden zerstört und ebenfalls versenkt, wo alles seit Jahrzehnten nach und nach ausgegraben wurde. 

Das Erlebnis war, wie gesagt, sehr eindrücklich und wurde exzellent präsentiert. Doch man sollte sich darüber im Klaren sein, ob man das aushält. Ah, ich kann aber erwähnen, dass sich zwischen den Ausstellungsräumen auch hier und da extra "Pausenräume" befinden, wo man sich mal hinsetzten kann, die ganz hell und freundlich sind und wo auch ein Blick aus dem Fenster möglich ist. 



Nach nur zwei Stunden waren wir allerdings schon völlig erschlagen von den vielfältigen Sinneseindrücken. Im wunderschönen Museumsrestaurant mit Panoramablick aßen wir sehr schmackhaften Salat und Brote, die Rezepte waren von der altnordischen Küche inspiriert. 


Zum Abschluss stiegen wir noch auf das Dach des Museums und atmeten ein letztes Mal die dänische Ostseeluft ein, bevor wir uns auf die vierstündige Fahrt nach Wismar machten. 



Samstag, 30. Mai 2026

Zurück in Aarhus 3

Am Montag, den 18. Mai, war ich in Aarhus gegen 4 Uhr kurz wach. Draußen wurde es schon langsam hell. Doch ich konnte mich glücklicherweise nochmal umdrehen. 

Nach einem gemütlichen Morgen traten der Liebste und ich um 11 Uhr vor unser "Ferienhaus". Der Eingang zum Informationszentrum und der Aussichtsplattform lag genau unter unserem Balkon in der 22. Etage. Hier ganz unten sieht man den Ausblick am Abend zuvor und den Elefanten von oben. 


Wir liefen zu einem weiteren ikonischen Gebäude des neuen Stadtteils. Der mit Kupfer verkleidete Turm mit der großen Uhr soll an den Rathausturm in der Innenstadt erinnern. 



Im Fuß des Turms befindet sich mit "La Cabra" eines der besten Cafés der Stadt. 


Wir bestellten Brot mit Käse. So schlicht. SOOOO gut! Das Sauerteigbrot war superfluffig mit einer schönen Kruste. Der Käse war eine ältere herbere Sorte mit Salzkristallen drin. Lecker!


Das Café ist rundherum eine Augenweide und ein wunderbarer Ort zum Entspannen. 





Dann liefen wir wieder Richtung Stadt. Vorbei am Wassersportbecken...


... und an der Universität.


Wir liefen zum DOKK 1, dem modernen, komplett barrierefreien Mehrzweckgebäude direkt am Hafen. Hier befindet sich seit 2015 die Hauptbibliothek, die zu den innovativsten Bibliotheken in ganz Europa gehört. Wochentags von 8 bis 22 Uhr, am Wochenende von 10 bis 16 Uhr geöffnet.  Außerdem befinden sich im Haus das Bürgerbüro und das Stadtarchiv. Das Gebäude hat uns im letzten Jahr schon so gut gefallen, dass wir da einfach nochmal hinwollten.



Vor allem wollte ich DEN Gong sehen! Im letzten Jahr hatte ich leider erst im Nachhinein davon gelesen. Und da war er! Eine riesige, über 7 Meter lange und 3 Tonnen schwere Röhre aus Bronze hängt sehr zentral in einem Saal, in dem gelernt und gelesen wird. Den Gong hat die Künstlerin Kirstine Roepstorff entworfen und mit einer großen Sonne versehen. 

Die Geschichte dahinter finde ich so sympathisch: immer, wenn im Krankenhaus von Aarhus ein Kind geboren wird, können die Eltern dort auf einen Knopf drücken und den Gong im DOKK 1 auslösen. Der volle tiefe Ton (ich habe auf Youtube Videos gefunden, wo man ihn hören kann) verkündet an diesem öffentlichen Ort: hier gibt es einen neuen Menschen in unserer Mitte, in unserer Stadt! Was für eine schöne Wertschätzung! Was für ein angenehmes Gemeinschaftsgefühl! 




Gleich nebenan befindet sich die beeindruckende Kinderbibliothek. Es geht los mit einer großen Abteilung voller Klemmbausteine. 


Es geht weiter mit Orten, wo man sich mit Kindern treffen kann. Ganz selbstverständlich. Überall waren Erwachsene miteinander im Gespräch, Kinder saßen, krabbelten und spielten um sie herum. Ja es saßen sogar ältere Menschen auf Sofas und lasen Kinderbücher, obwohl gar keine Kinder dabei waren. 




Ein großer Parkplatz für Kinderwagen. Angrenzend befindet sich eine Bewegungsbaustelle mit Kletterhäuschen und Rutschen aus Holz. 


Noch mehr Bewegungsmöglichkeiten. Im Hintergrund Erwachsene, die ein virtuelles Tanzspiel spielen. 


Und hier ein Krabbelbereich für die ganz Kleinen mit einem extra Raum zum Stillen, für die Zubereitung von Essen und zum Füttern.


Das ganze Haus war rappelvoll. Überall saßen junge Leute allein oder in Lerngruppen an Computern oder vor Büchern. In extra abgetrennten Büros konnten wir Tonstudios oder Arbeitsplätze sehen, an denen Präsentationen erstellt werden konnten. Sehr beeindruckend alles! 

Zurück in der Stadt genossen wir nochmal Kaffee und schönstes Gebäck. Wir saßen draußen in einer kleinen Straße und beobachteten einfach die elegant angezogenen Menschen. Vorherrschende Farben in der Mode: Dunkelblau, Weiß, Braun und Salbei. Mit meinem rosa Mantel habe ich ganz schön rausgestochen. 


Weil wir Zeit hatten, wollten wir das Wikingermuseum besuchen, das eine Außenstelle des prähistorischen Moesgaard Museums ist. Wie erstaunt waren wir, als wir entdeckten, dass es einfach in einem Keller unter der großen Fußgängerzone war. Der Eingang war ganz unscheinbar zwischen den Geschäften. Hinter der Tür gab es einen Ticketautomaten, wo wir uns selbstständig ein sehr günstiges Ticket kaufen konnten.

Dann liefen wir eine Treppe hinunter und standen gleich in der kleinen Ausstellung völlig ohne Personal. Hier konnten wir Objekte aus der Stadtgeschichte zur Zeit der Gründung durch die Wikinger sehen, die genau an der Stelle gefunden wurden. Sogar ein Skelett war darunter. 



Auf dem Dach des Kaufhauses Salling konnten wir danach endlich mal draußen sitzen und einfach nur die Aussicht genießen. Das ganze Dach ist mit Treppen, Stufen und Plattformen versehen, wo man sich aufhalten kann. Hier ist im Hintergrund rechts der mit Marmor verkleidete Rathausturm mit Uhr zu sehen. Das Rathaus wurde vom dänischen Architekten Arne Jacobson entworfen und 1941 eröffnet. 





Auf dem Rückweg erstanden wir Schokolade und Schaumküsse für die Familie zu Hause. 



Abends aßen wir fluffigste Pizza aus dem Steinbackofen. Vom Balkon der Ferienwohnung konnten wir später gegen 21 Uhr das Auslaufen eines großen Frachtschiffes beobachten, das in den Tagen vorher mit Containern beladen wurde. Schlepper begleiteten es aus dem Hafen. Da dachten wir noch, dass dieser Frachter groß war...