Dienstag, 29. Oktober 2019

Warnemünde zwischen Tourismus und Umweltschutz



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"Und so sieht ein Strandabschnitt aus, der nicht regelmäßig gesäubert wird." erzählt Rebecca Kain vom NABU Mittleres Mecklenburg und zeigt uns allen ein Foto aus dem Naturschutzgebiet, für das sie als Schutzgebietsbetreuerin zuständig ist. Strand und Dünen sind total vermüllt. Wir sind entsetzt. Solche Strände haben wir schon im Fernsehen gesehen. Irgendwo auf der Welt. Aber doch nicht hier an der Ostsee!

Leider doch. Denn die Strände, die touristisch genutzt werden, sind eben alles andere als ein intakter Lebensraum für Flora und Fauna und vermitteln ein ganz falsches Bild eines Strandes. Damit Touristen den Strand nutzen können, wird der Sand immer wieder aufgefüllt. Und mehrmals pro Woche wird der Strand mit großen Traktoren geharkt. Dabei wird nicht nur Müll ausgesiebt sondern es werden auch kleine und größere Steine aussortiert.

Steine wären aber wichtig für Pflanzen und Tiere, die eigentlich an so einem Ort leben. An Steinen haften z.B. Pflanzen und Muscheln an. Gibt es keine Steine, gibt es auch keine Muscheln. Das ist der Grund warum man z.B. am Strand in Warnemünde so wenig Strandschätze finden kann.

Dafür sind aber ganz andere Dinge am Strand zu finden, die dort gar nicht hingehören. Rebecca kramt in ihrem Stoffbeutel. "Ist doch nur dieses eine Mal! Ist doch soooo ein schönes Ritual!" sagt sie und holt mehrere Fetzen von Luftballons hervor. Lange Bänder aus verdrehten Plastikschnüren hängen noch dran. Herzen sind draufgedruckt. Und stehen da auch noch Namen drauf? Hochzeitsgesellschaften haben wohl Ballons steigen lassen. Ihr Ende finden die Reste der romantischen Feste am Strand und im Meer. Übrigens auch die Reste von umweltfreundlichen Luftballons. Die verrotten doch nicht so schnell, wie man es sich vorstellt.


Dann hat Rebecca ein kleines Ratespiel für uns. Sie holt einen Stapel bunte Getränkeverpackungen hervor. Die kennen wir alle. Rebecca findet immer wieder welche. Massenhaft liegen sie am Strand herum. Schnell konsumiert und dann weggeworfen ist die Verpackung so leicht, dass sie schnell mal wegfliegt.

Das Problem am Plastikmüll ist, dass er nicht verrottet. Er hält sehr, sehr lange und wird nach und nach in immer kleinere Partikel zerrieben. Aber er ist immer noch da. So entsteht Mikroplastik. Als winzig kleine Partikel färbt das Plastik den Sand am Strand bunt. Tiere an Land und im Wasser nehmen das Mikroplastik mit ihrer Nahrung auf. Und der Mensch nimmt das Mikroplastik dann beim Verzehr von z.B. Fisch auf.

Aber zurück zum Ratespiel: Rebecca legt die Getränkeverpackungen aus. Alle hat sie in der letzten Zeit am Strand gefunden. Wir sollen raten, aus welchem Jahr welche Verpackung stammt. 2017 wurde der Name von "Sonne" in "Sun" geändert. So können wir die Verpackungen schonmal grob sortieren. Dann entscheiden wir nach dem Aussehen von Bild und Schriftart. Wir sind gar nicht mal so schlecht. Dann liest Rebecca die aufgedruckten Mindesthaltbarkeitsdaten vor. Wir staunen und sind gleichzeitig geschockt und traurig. Die ältesten Verpackungen sind über 20 Jahre alt und den meisten Verpackungen sieht man ihr Alter überhaupt nicht an. Das ist eine sehr lange Zeit für kurzen 200 Milliliter Getränkegenuss.


Und auch noch andere Verpackungen haben traurige Berühmtheit erlangt. Sie sind sogar schon über 30 Jahre alt. Es ist doch unglaublich, wie lange solche Dinge in der Welt bleiben, oder?!



Und was machen wir nun mit dem Wissen? Zunächst einmal ist es wichtig, in die Natur mitgebrachte Verpackungen wieder mitzunehmen und fachgerecht zu entsorgen, damit die Stoffe recycelt werden können. Schon beim Einkauf sollte auf so wenig Verpackung wie möglich geachtet werden. Für Ausflüge sind wiederverwendbare Flaschen und Behälter sehr praktisch. Darin können dann nämlich auch echte Strandschätze sicher nach Hause transportiert werden.

Zigarettenkippen sind ein großes Problem am Strand und generell in der Natur. Nicht nur wegen der Ästhetik, sondern sie schädigen auch die Umwelt. Die Filter bestehen aus einem Kunststoff, der nicht verrottet sondern sich in immer kleinere Teile zersetzt. Am Strand gehören Zigarettenkippen zu den am häufigsten gefundenen Meeresmüllteilen. Es dauert bis zu 15 Jahre, bis sich ein Filter zersetzt hat. In Salzwasser wird der Zersetzungsprozess sogar noch verlangsamt. In den Filtern sammeln sich eine Menge giftiger Substanzen, die nach und nach an die Umwelt abgegeben werden. Dabei kann ein einziger Zigarettenfilter eine Menge von 40 Litern Wasser verseuchen.

In Warnemünde wurden vom Tourismusverband in Zusammenarbeit mit der Küsten Union Deutschland, dem EUCC-D e.V., mehrere sogenannte "Ostsee-Ascher" aufgestellt. Damit sollen Menschen für das Thema sensibilisiert werden. Außerdem gibt es in der Tourismusinformation und in ausgewählten Geschäften Strandascher, kleine Blechdosen für die Hosentasche, günstig zu erwerben.


In der Jugendherberge Warnemünde lernten wir an unserem Wochenende auch das neuste Projekt vom EUCC-D e.V. für die Umweltbildung von Kindern und Jugendlichen kennen. Mit Hilfe der praktischen Ostseekiste bekommen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer einen spielerischen Zugang zum Thema Meeresmüll und Umweltschutz. Die Kiste ist ein modernes erlebnispädagogisches Werkzeug. Es gibt z.B. Experimente, Rätsel, Spiele und Geocaching. Wir haben Teile davon selbst ausprobiert und viel Spaß dabei gehabt.

Die Ostseekiste steht auch in den Jugendherbergen Prora, Born-Ibenhorst und Ueckermünde bereit. Besonders für Klassenfahrten kann dieses Programm interessant sein. In diesem Interview erzählt die Leiterin der Jugendherberge Warnemünde Monique Starr noch ein bisschen was über die Ostseekiste.



Auf einem Spaziergang durch Warnemünde lernten wir verschiedene Initiativen kennen, die sich vor Ort im Umweltschutz engagieren und untereinander vernetzen. Zum Beispiel eröffnen Janina Goldschmidt und Nadja Reinecke im Dezember Rostocks ersten Unverpackt-Laden "Green-Goldi". Dort soll es neben einem kleinen Café auch Gelegenheit zum Austausch und Workshops geben.

Außerdem trafen wir zwei Rostocker Schülerinnen, die in der Gruppe "Cleaning with meaning" aktiv sind. Diese Gruppe wurde von Jugendlichen im Alter von 12 bis 19 Jahren ins Leben gerufen. Einfach und niedrigschwellig verabreden sich die rund 80 Mitglieder über WhatsApp zu Müllsammelaktionen rund um Rostock und Warnemünde.

All die Personen, die wir in Warnemünde getroffen haben, engagieren sich im offenen Rostocker Meeresmüllstammtisch, in dem ca. 26 Organisationen und Unternehmen miteinander vernetzt sind. Gemeinsam werden Küstenputztage an Land und im Wasser organisiert. Um auf die Dimensionen der Vermüllung aufmerksam zu machen, werden nach solchen Müllsammelaktionen die gesammelten Müllberge ganz bewusst an prominenten Plätzen in der Stadt gezeigt.

Was uns und die vielen engagierten Menschen beschäftigte: reicht unser Vorbild? Ist es nicht für die Müllverursacher sehr bequem, wenn jemand hinter ihnen herräumt? Würden Verbote etwas bringen? Sollten nicht Politik und Industrie mehr Verantwortung übernehmen? Und warum finden nicht alle Menschen, dass sowas Einzigartiges und Wunderbares wie unsere Strände und das Meer mitsamt Pflanzen und Tieren besonders schützenswert ist?












Kommentare:

  1. also für alle, die so wie ich gerne unterwegs rauchen, beim spazierengehen zwischendurch ein rauchpauserl machen, oder auch einfach im schanigarten eines lokals nicht schnell genug einen aschenbecher auf den tisch gestellt bekommen: taschenaschenbecher gibt es schon seit ewig und drei tagen, die waren schon erfunden als ich vor 50 jahren zu rauchen begonnen habe - und seitdem habe ich IMMER einen in der tasche, und verwende ihn auch.

    taschenaschenbecher gibt es ab drei euro in so gut wie jeder grösseren trafik, da gibt es einfach keine ausrede.

    gibt es im übrigen auch für allen anderen müll nicht, wer eine volle flasche oder dose irgendwohin trägt, der kann doch die leere auch wieder zurücktragen. weiss man schon vorher.

    detto (und ich hab auch seit 40 jahren hund in der stadt) die sache mit den hundstrümmerln. dass ein hund vorne beisst und hinten scheisst weiss man schon, wenn man sich so ein ungeheuer ins haus holt. und fressen tut so ein tier auch, und dann stoffwechselt es eben, so wie alle anderen lebewesen, sogar pflanzen stoffwechseln ja. auch da gibt es meiner meinung nach überhaupt gar nie nicht keine entschuldigung dafür, dass man die hinterlassenschaften nicht wegräumt. und ja, ich mach das auch im naturschutzgebiet neben den wegen, und alle meine hunde haben jeweils das kommando "blumen" beherrscht: klingt einfach schöner als "nicht da herpinkeln/kacken". haben alle immer problemlos gelernt, und mit einiger übung auch selbst erkannt wo es möglicherweise unerwünscht sein könnt ...

    manche menschen gehören einfach regelmässig auf den kopf geschlagen, anders kann ich mir nicht erklären wieso das alles so schwer zu behirnen ist.

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    1. Danke für Deinen Kommentar!

      "Blumen" finde ich großartig :-)

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  2. ich kenne Raucherinnen, die seit vielen Jahren immer ihre Kippen in alten Dosen sammeln und später im Müll entsorgen, es könnte alles so einfach sein, wenn die Menschen nur wollen. Liebe Grüße

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