Dienstag, 24. November 2015

Montag

Um 2 Uhr ruft der Adventsjunge aus seinem Bettchen: "Ich will nicht!" Ich stehe auf und decke ihn zu. Danach bin ich eine Stunde wach und denke herum. Um 3:40 Uhr ist der Adventsjunge wieder unruhig und ich bin wach.

Um 4.40 Uhr summt mein Wecker. Ich wanke ins Bad und freue mich, dass der Liebste die automatische Heizungssteuerung so eingestellt hat, dass ich es zu dieser Uhrzeit im Bad schön warm habe. Ich dusche und ziehe mich an. Danach mache ich mir in der Küche einen heißen Milchkaffee und gieße ihn in meinen Thermobecher. Zurück im Bad schminke ich mich und föhne meine Haare.

Danach packe ich meine Tasche und verlasse leise die Wohnung. Draußen ist es frostig und sternenklar. Schnee vom Vortag ist auf dem Fahrradsattel angefroren. Da mein Lastenrad in der Werkstatt ist, fahre ich mit meinem normalen Rad. Unterwegs hole ich mir beim Bäcker frische Hörnchen.

Auf leeren Straßen radle ich zur Schule. Dort schließe ich das Tor zum Schulhof auf und bringe mein Fahrrad zum Fahrradständer. Quer über den stockfinsteren Schulhof laufe ich zu dem Haus, in dem die Frühbetreuung stattfindet. In der Mitte des Schulhofs bleibe ich stehen und bewundere das weite funkelnde Sternenzelt über mir. An diesem Anblick werde ich mich nie sattsehen.

Im Raum angekommen, sehe ich auf der Uhr, dass ich 20 Minuten zu früh bin. Ich lüfte, stelle 20 Stühle an die Tische und höre Morgenradio. Um 6 Uhr kommen die ersten zwei Kinder. Bis kurz vor 8 werden es 20 Kinder sein, die so früh von ihren Eltern gebracht werden. Die Eltern arbeiten im Schichtdienst, meist in der Pflege, im Service oder auf dem Bau.

Kurz nach 8 radle ich wieder nach Hause. Die Sonne geht gerade auf. Der Liebste hat die drei Kleinen zur Schule und in den Kindergarten gebracht und ist nun auf dem Weg ins Büro. Ich habe 1,5 Stunden Luft. Ich mache die Waschmaschine an und räume den Geschirrspüler ein. Ich bringe ein paar Fenstersterne an und freue mich über die hereinscheinende Sonne. Dann schreibe ich den längst überfälligen Eintrag zu unserer neuen Matratze.



Mit der weiteren Planung des Tages im Kopf verlasse ich gegen 9:40 Uhr das Haus. Ich möchte mit dem Bus zur Arbeit fahren, da ich das Fahrrad am Nachmittag nicht gebrauchen kann. Das Lastenrad fehlt mir sehr. Als ich ein Stückchen gegangen bin, fällt mir etwas ein. Ich schicke dem Liebsten eine Nachricht und frage ihn, ob der kleine Bruder seine Utensilien für die Logopädiestunde schon mit dabei hat. "Nein." lautet die Antwort. Und das Mutzelchen hat wohl auch ihre Ballettsachen nicht dabei.

Ich stehe auf der Straße und überlege fieberhaft, wie ich das nun alles regeln soll. Ich habe eigentlich keine Zeit mehr. Ich laufe schnell zurück zur Wohnung, hole die beiden Beutel und nehme jetzt doch das Fahrrad. Damit fahre ich zur Schule der Kinder. Dort ist gerade die Hofpause zu Ende. Der kleine Bruder steht am Aufstellpunkt und bekommt von mir seinen Beutel in die Hand gedrückt. Das Mutzelchen sehe ich nicht, aber eine Freundin nimmt mir ihren Beutel ab.

Ich steige wieder auf mein Rad und beeile mich. Kurz nach 10 bin ich auf meiner Arbeit. 35 Kinder warten schon darauf, von mir und einer Kollegin zum Schwimmunterricht begleitet zu werden. Ein Bus holt uns ab und fährt uns 20 Minuten lang in den Nachbarbezirk zur Schwimmhalle. Dort helfe ich den Kindern beim Umziehen und warte dann mit der Kollegin 45 Minuten lang, bis der Schwimmunterricht vorbei ist. Dann das Ganze wieder retour.

Gegen 12:30 Uhr sind wir alle wieder in der Schule. Ich schaue an den Vertretungsplan, spreche kurz mit einer Kollegin und gehe dann in meinen Gruppenraum. Lüften, Stühle verteilen, Maluntensilien überprüfen, die Gruppenliste kontrollieren. Um 13 Uhr ist der Unterricht beendet und die Kinder trudeln ein. Viele sind überdreht, toben und es ist sehr laut. Ich habe die 40 Kinder in zwei Gruppen aufgeteilt, es sind nicht immer alle anwesend. Meine Helferin geht mit den Größeren schon zum Mittagessen, ich gehe später mit den Kleineren hinterher. Wenn wir beim Essen sind, sind die Großen schon fast fertig und gehen dann schon zu den Hausaufgaben. Ich esse hastig Kartoffeln mit Spinat, im Raum ist es mit noch einer weitern Gruppe sehr laut.

Gegen 14 Uhr bin ich mit den Kleineren bei den Hausaufgaben. Die Kinder, die schnell fertig sind, schicke ich dann auf den Schulhof. Dort gibt es eine Aufsicht. Es ist zwar sehr frisch, aber die Sonne scheint und die Kinder können sich austoben. Ich habe ein bisschen Zeit, mit einigen Kindern intensiver an den Hausaufgaben zu arbeiten. Um 14:30 Uhr ist die Hausaufgabenzeit vorbei und die Kinder verteilen sich auf dem Schulhof, in den anderen Gruppenräumen oder besuchen Kurse.

Meine Helferin verabschiedet sich und ich bin alleine im Gruppenraum. Ich schneide Obst und Gemüse für die Kinder. Einige Kinder möchten malen und basteln, einige bauen mit Lego, ein paar sind im kleinen Nebenraum und ruhen sich aus. Der Nachmittag verläuft zum Glück friedlich, die Kinder werden nach und nach abgeholt. Um 16 Uhr bringe ich vier Kinder meiner Gruppe in die Spätbetreunng. Ich habe es schon wieder eilig, aber ein Kind meiner Gruppe, das nicht im Spätdienst angemeldet ist, wurde noch nicht abgeholt. Ich warte mit ihm vor der Tür. Als nach 15 Minuten noch niemand gekommen ist, bringe ich das Kind auch rein zum Spätdienst.

Ich radle so schnell ich kann zur großen Kreuzung. Dort will ich das Rad abstellen und den Bus ins Ortszentrum bekommen. Der Liebste wartet dort mit den drei Kleinen. Das Mutzelchen wurde von unserer Babysitterin von der Schule abgeholt und zu ihrer Ballettstunde gebracht. Um 16:30 Uhr ist dort Schluss und der Liebste holt sie immer ab. Die beiden kleinen Jungs hat er mitgenommen.

Ich bekomme den Bus. Mir ist in meinen dicken Sachen heiß vom Beeilen. Im Ortszentrum angekommen, laufe ich schnell zum Einkaufszentrum. Im OG wollen wir uns treffen. Ich entdecke meine Kinder und den Liebsten. Die beiden Jungs rennen auf mich zu und freuen sich. Das Mutzelchen ist still und weiß wie die Wand. Oje. Sie hat Fieber. Ich gucke den Liebsten an und will einfach nur noch heulen. Er fährt mit dem Mutzelchen und dem Adventsjungen nach Hause. Ich übernehme den kleinen Bruder.

Meine Füße sind schwer und ich merke, dass ich unterzuckert bin. Es sind noch 40 Minuten bis zum Logopädietermin. Ich setze mich mit dem kleinen Bruder ins Eiscafé und bestelle für uns beide einen Cappuccino mit Zucker und eine Kugel Erdbeereis mit Streuseln. Als wir fertig sind, laufen wir zur Praxis. Wir sind sogar 10 Minuten zu früh dort. Der Liebste schreibt mir, dass sich das Mutzelchen im Auto übergeben hat. Oh nein, dann kann sie am nächsten Tag gar nicht zur Schule gehen. Auf diesen Tag freut sie sich schon seit Wochen, denn es findet das große Adventsbasteln statt. Wie schade.

Um 17:15 Uhr ist der kleine Bruder dran mit seinen Übungen. Ich sage Bescheid, dass ich nochmal kurz zum Einkaufszentrum zurücklaufe und etwas für das kranke Mutzelchen besorgen will. Draußen ist es jetzt stockfinster. Ich beeile mich, denn ich muss den kleinen Bruder wieder pünktlich abholen.

Auf dem Weg zum Einkaufszentrum kommt mir ein alter Mann entgegen, der ein vollbepacktes Fahrrad schiebt. Als er an mir vorbei ist, höre ich hinter mir ein Geräusch und drehe mich um. Seine Ladung ist vom Gepäckträger gerutscht. Er will sie festhalten und in dem Moment dreht sich der Lenker mit dem vollen Fahrradkorb um und das Fahrrad kippt komplett auf den Boden. Die Einkäufe rollen auf die Straße. Sehr gefährlich im Dunklen. Ich laufe zurück und halte das Rad, während der Mann seine Einkäufe wieder verstaut. Das dauert eine Weile, aber ich bleibe geduldig, obwohl ich so wenig Zeit habe. Ich gebe ihm den Tipp, einen Lenkungsdämpfer anzubringen, der verhindert das Umschlagen des Lenkers.

Später finde ich im Buchladen einige wunderschöne Bastelbücher für mein bastelbegeistertes Mutzelchen. Für den kleinen Bruder und den Adventsjungen nehme ich auch gleich noch etwas mit. Bezahlen und schnell wieder zurück zur Logopädiepraxis. Ich habe 10 Minuten, die ich im Wartezimmer verbringe. Ich mache nichts und schaue auf die Wand. Die Logopädin ist ganz begeistert vom kleinen Bruder. Wir werden nur noch 4 Termine benötigen. Eine schöne Nachricht.

Da wir nicht, wie sonst, mit dem Lastenrad fahren können, laufen wir zurück ins Ortszentrum und nehmen von dort den Bus Richtung Heimat. An der Zielhaltestelle holen wir mein normales Fahrrad ab, das ich am Nachmittag dort angeschlossen habe. Um 18:45 Uhr sind wir endlich zu Hause. Das kranke Mutzelchen liegt im Bett und schläft. Der Liebste hat für die Kinder einen bunten Schnittchenteller gemacht. Der Adventsjunge schaut schon das Sandmännchen.

Die beiden Jungs schlafen schnell. Es ist ruhig und der Liebste steht mit offenen Armen da und bietet mir seine Schulter an. Ich lehne mich dankbar an, schließe die Augen und atme durch. So stehen wir einen kostbaren Moment da und halten uns. Danach mache ich uns einen Tee und schaue mir den Inhalt unserer Gemüsekiste an, die geliefert wurde. Mein Magen ist irgendwie verkrampft, so dass ich eigentlich keinen Hunger habe, ich esse aber eine Scheibe vom frisch gelieferten Brot. Mir fällt die Wäsche in der Waschmaschine ein, ich tue sie in den Wäschetrockner.

Danach sinke ich auf den Sessel und mache gar nichts mehr. Der Liebste schaut einen alten Tatort. Später kommt der Teenie von der Uni und erzählt von seinem Tag. Um 21:15 Uhr mache ich mich bettfertig. Der Montag ist im Moment der herausforderndste Tag der ganzen Woche.


Kommentare:

  1. Alles Gute für den Dienstag!
    LG, Micha

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  2. Halte durch!

    Fühl' Dich fest gedrückt von Deiner Frau Tschakka <3

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  3. Liebe Carola,

    als ich gerade deinen Eintrag durchgelesen hab, sind mir die Tränen gekommen. Es ist gar nicht so leicht, immer alles so"einfach" unter einen Hut zu bekommen und es gibt solche Tage, an denen so vieles auf einmal kommt. Ich kann das so gut nachvollziehen! Wie wunderbar ist es dann, wenn man Herzensworte hören darf oder einfach in den Arm genommen wird. So schön!
    Eurem Mutzelchen gute Besserung und einfach viel Kraft für die nächsten Montage.
    Alles Liebe,
    Ev

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  4. Nach so einem Tag kann der nächste nur noch besser werden.....auf eine entspannte Restwoche !
    Viel Kraft !
    LG Claudi

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  5. Uh der kleine Bruder trinkt Cappuccino !!

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  6. Puh. Kann Dir so gut nachfühlen. Gute Besserung für Euer Mutzelchen. Vielleicht zeigst Du mal die Bastelbücher hier oder bei Instagram? Bin ich wegen ebenso bastelbegeistertem Mädchen sehr dran interessiert!

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  7. Hallo Carola, ich bin selbst vierfache Mama mit zwei Teilzeitjobs, kann gut deinen Alltagswahnsinn nachfühlen. Hoffe, dem Mutzelchen geht es wieder besser und die anderen stecken sich nicht an. Habe hier ein paar schöne Zeilen, die mich sehr berühren. Hoffe, sie gefallen dir...

    Mütter
    Mütter, das sind Menschen, die eine Fahne hochhalten, immer, ihr ganzes Leben, eine Fahne besonderer Art, die geflickt ist aus Hoffnung, Vertrauen und Glauben.
    Und selbst die eingenähten Tränen sollen aussehen wie Perlen.
    Und all die zeeschlissenen Stellen müssen geschickt verdeckt sein und so drapiert, dass man die Angst nicht sieht.
    Es ist nicht die alltägliche Arbeit, die müde macht, es ist das Tragen der Fahne.
    Mütter, das sind Menschen, die trotz allem glücklich sind.


    Einen schönen Mittwoch noch!
    Liebe Grüße, Sabine

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    1. Oh, das ist schön!

      Danke und Dir auch viel Kraft!

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  8. Nach dem lesen dieses Beitrages dachte ich, ok ich jammere nie wieder. Ich arbeite auch 33 Stunden die liegen aber viel besser verteilt. Ich fang 8.30 an und höre 14.00 Uhr auf-und meine Kinder schlafen durch / altersbedingt) . Ich habe oft das Gefühl in einem Korsett von Hetze und Pflichten gefangen zu sein, obwohl ich beides liebe Kinder und Arbeit. Aber klar ich arbeite im Kindergarten, manchmal bin ich absout kaputt und dann muss der eine zur KG, der nächste zum Ballett und Elternabende sind da noch nicht mit drin. Nach diesem Blogeintrag dachte ich-Hut ab- Carola-du hast ein Programm das ich nicht wuppen könnte. LG Xeniana

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    1. Danke! Jammern muss erlaubt sein ;-)

      Und es ist hier zum Glück nicht jeden Tag so.

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  9. Das klingt wirklich sehr stressig. Ich weiss, es ist nicht leicht, aber haettest Du die Moeglichkeit, Dir wenigstens montags noch etwas Hilfe zu organisieren?
    LG Nessie

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    1. Es ist zum Glück nur noch bis Ende des Jahres so.

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