Donnerstag, 14. Mai 2026

"Familienleben...


... ist wie ein Mobilé. Kommt ein neues Kind hinzu, gerät das ganze Konstrukt ins Wanken. Es dauert eine Weile, bis sich alles wieder eingeschwungen und ausbalanciert hat."

Das sagte eine meiner Hebammen zu mir, als ich mal wieder kurz nach der Geburt eines neuen Familienmitglieds am Verzweifeln war, wie ich das alles schaffen soll, ob ich allen Kindern gerecht werde, ob der Liebste und ich trotzdem mal ein paar Minuten Zeit für uns haben werden, wann ich endlich mal wieder ein paar Stunden am Stück schlafen würde oder nicht mehr so klapprig auf den Beinen sein werde und, und, und... Tränenreiche Tage waren das. 

Natürlich hatte meine Hebamme Recht. Von meiner Seite war nur Geduld gefragt. Und das Annehmen der Situation, so wie sie ist. Es würde nicht schneller gehen, wenn ich mir zu viele Sorgen mache. NUR!!! Leicht gesagt. Geduld ist nicht gerade einer meiner Stärken. 

Fünf Mal durchlebte ich dieses wahre Wechselbad der Gefühle. Eine sehr sensible Phase war das jedes Mal für die gesamte Familie. Ehrlich gesagt, mochte ich die Zeit direkt nach den Geburten nie besonders. Unter dem unterbrochenen Nachtschlaf habe ich immer am meisten gelitten. Dieses ständige auf Abruf sein mochte ich auch nicht. Babyschreien versetzte meinen Körper jedes Mal in Alarmbereitschaft und brachte mich an meine Grenzen. Wie kann so ein kleiner Mensch nur SO laut sein?! Selbst unter der Dusche hörte ich (fiktives) Babygeschrei. Schlau eingerichtet von der Natur, würde ich sagen, so ist die Versorgung eines so verletzlichen Lebewesens gesichert.

Im Wochenbett hatte ich starke Sehnsucht nach der Gemeinschaft mit meinen größeren Kindern. Sie taten mir leid, weil ich plötzlich nicht mehr so viel Zeit für sie hatte. Ich war wehmütig, weil ein Lebensabschnitt endete. Das hat an mir genagt. Und auch um meine Partnerschaft sorgte ich mich. Würden wir die Paarbeziehung über den schwierigen Alltag retten können? Ich war, wie sagt man heute: "overtouched", hatte also Tag und Nacht ständig Körperkontakt mit einem kleinen Menschen und brauchte eigentlich viel Freiraum für mich. Die Sehnsucht nach Nähe zum Partner war trotzdem da.

Doch weil der Liebste sehr stark eingebunden war in die ganzen Prozesse des Werdens und Wachsens als Familie, war da auch ganz viel gegenseitiges Verständnis und ein starker Wille, das alles gemeinsam zu wuppen. Ohne meinen zugewandten, offenen, engagierten und emanzipierten Mann würde es diese Familie in dieser Form gar nicht geben. Mit ganz viel Zuversicht, Herz und auch Humor haben wir das bis jetzt ganz gut hingekriegt.

Selbstverständlich waren meine Babys die tollsten Geschöpfe der Welt. So schön, so einzigartig, so zart! Und von Anfang an waren sie ganz sie selbst. So wundervoll. Voller Wunder! Jedes Wimpernhaar war perfekt! Jedes winzige Fingerchen, jeder weiche Babyfuß. Und der Duft da am Köpfchen erst! 

Dass ich sie alle nach relativ unkomplizierten Schwangerschaften selbstbestimmt, schnell, völlig ohne Interventionen und vor allem gesund auf die Welt bringen durfte, grenzt an ein Wunder. Das macht mich heute noch demütig aber auch stolz. Die Erfahrungen rund um die Geburten im Geburtshaus oder zu Hause kann mir niemand nehmen und sie haben mich enorm gestärkt. 

Ich empfinde es als großes Geschenk, dieses Wunder mehrfach erlebt haben zu dürfen! Es war und ist eine Freude, meine Kinder beim Aufwachsen begleiten zu dürfen. Das war für mich in meinem Leben immer schon klar, dass ich genau das will: Kinder bekommen und mein Bestes geben, um sie gut ins Leben zu begleiten. Dass es fünf werden sollten, hätte ich selbst nicht gedacht. 

Doch es war nicht immer alles leicht. Meine Vorstellungen und Wünsche wichen ab und zu von der Realität ab. Ich hatte leider überhaupt keine guten Vorbilder. Schon als kleines Kind im Kindergartenalter fragte ich mich, wieso Menschen Kinder bekommen, wenn sie sich nicht gut um sie kümmern wollen und sie obendrein auch noch körperlich und seelisch misshandeln. Ich wusste: so will ich es nicht machen. So auf keinen Fall! Schon in diesen frühen Jahren hatte ich den Respekt vor bestimmten Personen verloren. Was dann ja im Grunde doch irgendwie vorbildhaft war. 

Doch wie genau ich meine Kinder großziehen wollte, musste ich selber herausfinden. Oft musste ich mich stark abgrenzen von dem Verhalten, das ich vorgelebt bekommen hatte. Musste für mich und meine Kinder einstehen, wenn mal wieder gut gemeinte Ratschläge aus der Familie kamen. Manchmal war es sehr schwer, nicht auf erlebte Muster zurückzugreifen. Zu einfach erschien eine kurze Disziplinierungsmaßnahme. Es erforderte enorme Anstrengungen meinerseits, nicht doch schwach zu werden. Ich habe mir sehr große Mühe gegeben, mich ständig zu hinterfragen, wusste ich doch, dass Strenge und Schläge längerfristig nicht zum gewünschten Ergebnis und erst recht nicht zu einer guten Beziehung führen. 

Natürlich habe auch ich nicht alles richtig gemacht. Das werde ich mein ganzes Leben lang mit mir herumtragen müssen. Der gute Wille und die allerbesten Vorsätze allein helfen nicht, ich habe doch auch hier und da Fehler begangen. Das tut mir in der Seele weh und ich werde sicher früher oder später mit meinen Kindern drüber reden, um es ihnen zu ermöglichen, es verarbeiten zu können und vielleicht dennoch für sie alles in gute Bahnen lenken zu können. Egal, was da mal kommen mag, ich werde sie um Verzeihung bitten. Reflektierte Erwachsene hätten mir persönlich gut getan. 

Wie die Kindheit meiner Kinder verlief, variiert durchaus von Kind zu Kind. Was ich auch lernen musste: ich bin nicht für jedes meiner Kinder dieselbe Mutter. Alle Kinder gleich zu behandeln, ist gar nicht möglich. Im Laufe der Zeit hat sich die Familienkonstellation geändert. Meine Erfahrungen haben sich geändert, die Lebensumstände, mein Nervenkostüm. Ich war z.B. mit 22 Jahren was man heutzutage eine junge Mutter nennt, mit 41 gehörte ich dann zu den älteren Müttern. 

Mit den Jahren wurde ich weniger dogmatisch, ja eigentlich kann ich sagen, ich wurde gelassener. Beim dritten, vierten, fünften Kind war es mir nicht mehr so wichtig, ob da im Hintergrund der Fernseher läuft oder nicht, ob das Kind schon mit einem Jahr Kekse mit Zucker bekommt, ob die Klamotten der neusten Mode entsprechen oder vielleicht auch mal Löcher haben, wann das Kind krabbelt oder läuft, ob und wo es schläft... Ich wusste, sie alle würden ihren Weg gehen. Die Hauptsache war für mich immer, mich selber nicht zu verstellen, zu schauen, dass es dabei auch mir gut geht und authentisch zu bleiben. 

Nun sind schon zwei meiner Kinder erwachsen und ausgezogen. Nicht mehr lange, und das nächste Kind wird volljährig. Wie kurz am Ende doch die gemeinsame Zeit im selben Haushalt ist! Sind die Kinder klein, kann man manchmal gar nicht das Ende des Tages abwarten. Und schwupps, sind plötzlich die Jahre vergangen. 

Im Grunde sind das wieder solche Momente, wo der Spruch meiner Hebamme passt. Ein Kind zieht aus. Das Mobilé wackelt genauso, wenn ein Teil des Konstrukts entfernt wird. Alles kommt wieder ins Schwingen und braucht eine Weile, um wieder ins Gleichgewicht zu kommen. Und auch diese Phase ist aufregend und mitunter tränenreich.

Welche Erfahrungen ich mit dieser Phase des Familienlebens gemacht habe, erzähle ich demnächst...