Montag, 30. September 2019

Bachelor 2019

He made it! Mein Großer hat sein Studium beendet! Am Freitag bekam er in seinem Studienort Vallendar ganz offiziell den akademischen Grad "Bachelor of Science" verliehen.

Ich bin am Donnerstag schon ins Rheinland gereist, um bei der Zeremonie dabeizusein. Vom Flughafen Köln/Bonn fuhr ich mit der Bahn eine sehr schöne Strecke immer entlang des Rheins bis nach Vallendar.

Mein Großer war schon dort und holte mich am Bahnhof ab. Zusammen brachten wir meinen Koffer in die Unterkunft. Ich wohnte sehr günstig im Gästehaus St. Josef. Diese Herberge mit Selbstversorgung liegt ein wenig oberhalb des Ortes an einem Hang. Haus und Zimmer waren sehr sauber und es war angenehm ruhig. Danach zeigte mir mein Großer den Ort, die Häuser, in denen er gewohnt hat und seine Uni.

Der Uni-Campus der WHU liegt im Stadtzentrum der kleinen Stadt Vallendar. Die Marienburg ist der alte Teil der Uni mit Gewölbekeller und eigener Kapelle. Drumherum gruppieren sich sehr moderne Gebäude mit vielen Hörsälen und Studienräumen. Die Räume stehen den Studentinnen und Studenten 24 Stunden, 7 Tage die Woche zur Verfügung. Mein Großer zeigte mir alle Stationen seines Studiums. Danach waren wir essen bis wir uns für diesen Tag voneinander verabschiedeten.






Am nächsten Morgen wachte ich zeitig auf. Draußen vor dem Fenster tröpfelte es noch vom Regen und kleine Nebelschwaden zogen über den Hügel. Ich schaute direkt auf einen Wallfahrtsort. Ich frühstückte in meinem Zimmer und machte mich dann schick für den ersten Termin des Tages. Mein Kleid hatte ich vorher extra passend zur Farbe der Schärpe am Talar meines Großen ausgesucht.


Ich lief durch den Ort hinunter zur Stadthalle Vallendar. Unterwegs traf ich schon viele Menschen, die dasselbe Ziel wie ich hatten. An der Uni holten sich die Studentinnen und Studenten ihre Talare und Hüte ab. Mit wehenden Gewändern liefen sie weiter.

In der Stadthalle von Vallendar begann um 10 Uhr die sogenannte Graduation. 220 Studentinnen und Studenten saßen in den vorderen Reihen, die zahlreichen Angehörigen dahinter. In den folgenden zwei Stunden hörten wir Musik und sehr inspirierende Reden (in englischer Sprache) des Rektors und anderer Vertreter von Wirtschaftsunternehmen. Ich habe nur ganz kurz geheult, aber auch nur, weil die Frau neben mir mit einem Taschentuch an ihren Augen herumtupfte.

Am Ende stand die Überreichung der Bachelor-Zeugnisse. Jede Person wurde namentlich aufgerufen und bekam vom Rektor persönlich das Zeugnis überreicht. Als der Fotograf danach ein Gruppenfoto machte, durften die frisch Graduierten endlich, endlich übermütig ihre Hüte hoch in die Luft werfen. Geschafft!



Mein Großer gab seinen Talar wieder ab und wir gingen in ein Ristorante in der Stadt essen. Als wir danach runter zum Rhein liefen, legte gerade ein kleines Fahrgastschiff an. Wir stiegen zu und machten, so schick, wie wir waren, eine Rundfahrt nach Koblenz und wieder zurück. Wir sahen das Deutsche Eck, wo die Mosel in den Rhein fließt, und die Seilbahn zur Festung Ehrenbreitstein von der Wasserseite aus. Das war sehr nett und der entspannteste Teil des Tages.

Als wir nach anderthalb Stunden wieder in Vallendar angelegt hatten, trennten wir uns wieder, um uns für den festlichen Abend umzuziehen. Ungefähr eine Stunde später fuhren wir zusammen mit einem Taxi nach Koblenz.





Im Kurfürstlichen Schloss Koblenz fand gegen 17:30 Uhr zunächst ein kleiner Empfang statt. Viele Fotografen waren über den Park verteilt, die von allen Anwesenden extra Fotos machten. Der Große und ich haben jetzt Bilder von uns in Smoking und Abendkleid. Für die Fotos bekommen alle Gäste später einen Online-Zugang. Wir hatten richtig Glück mit dem Wetter!




Ein Weilchen später liefen wir rüber zur Rhein-Mosel-Halle. Dort begann der Abend mit einem Sektempfang bis die Türen zur großen Halle geöffnet wurden. Dort waren lange Tafeln eingedeckt. Ich glaube, es müssen um die 1000 Gäste gewesen sein. Um 20 Uhr begann das Programm. Wort- und Videobeiträge wechselten sich mit dem Menü ab. Als Vorspeise gab es Kürbissuppe mit Kürbiskernen, der Hauptgang war Roastbeef oder gefüllte Zucchini mit Kartoffelgratin und als Nachspeise gab es Eis und ein kleines leckeres Schokoladentörtchen.

Bis kurz vor Mitternacht wurden wir sehr gut unterhalten.  Eine Live-Band spielte und es wurde auch getanzt. Ich unterhielt mich sehr nett mit meiner Tischnachbarin und den Freunden meines Großen. Die Zeit verflog nur so. Die jungen Leute wollten nach dem offiziellen Abendprogramm im Schloss Koblenz weiterfeiern. Ich machte mich auf den Rückweg und hatte Glück, andere nette Gäste nahmen mich und auch noch ein anderes Paar mit ihrem Auto mit. Gegen 1 Uhr lag ich schließlich im Bett.



Am nächsten Morgen, Samstag, machte ich mich auf den Weg nach Koblenz. Mein Großer und ich wollten uns an diesem Tag die Stadt angucken. Ich setzte mich in Koblenz mit einer Zeitung ins Café und wartete auf den Großen, der eine Stunde später schon nachkam.

Wir liefen zur Seilbahn Koblenz und kauften ein Kombiticket für Seilbahn und Festung. Die Gondeln der Seilbahn sind so groß, da passen sogar Kinderwagen oder Rollstühle locker rein. Oben angekommen, besichtigten wir die Festung Ehrenbreitstein. Sie gehört zum UNESCO-Welterbe Oberes Mittelrheintal. Die Festung liegt gegenüber von Koblenz auf der dreieckigen Spitze eines Bergplateaus. Weil die Wände des Plateaus steil und schroff sind, musste die Festung nur von einer Seite aus verteidigt werden.

Dieser strategisch günstig liegende Ort wurde schon um 4000 v. Chr. besiedelt. Um das Jahr 1000 stand dort die erste Burg. Die Burg wurde irgendwann zur Festung und im Laufe der Zeit immer weiter ausgebaut. Im 19. Jahrhundert gehörte sie dann zu den bedeutendsten Festungsanlagen Europas. Heute ist dort ein Kulturzentrum, verschiedene Museen und auch eine Jugendherberge. Seit der Bundesgartenschau 2011 ist die Festung mit der Seilbahn, der größten Luftseilbahn Deutschlands, zu erreichen.

Nach der Besichtigung fuhren der Große und ich wieder runter nach Koblenz und gingen in einem Restaurant essen. Danach trennten sich unsere Wege. Er fuhr an diesem Tag schon ab und nochmal Richtung Hamburg, bevor er bis zum Frühjahr in Berlin arbeiten wird. Im nächsten Sommer möchte er mit dem Masterstudium weitermachen.




Ich wollte noch ein bisschen bleiben und mir die Gegend anschauen. Deshalb hatte ich meine Rückreise erst für den Sonntag geplant. Ich lief durch die ganze Altstadt von Koblenz bis zu dem Programmkino, wo ich am Abend einen Film ansehen wollte. Ich holte mir eine Kinokarte und hatte aber noch ganz viel Zeit.

Schon am Vormittag hatte ich geplant, mich mal gaaaaaaanz in Ruhe in einen Buchladen zu setzen. Im Handy entdeckte ich eine Buchhandlung mit Café. Zufällig lag sie fast genau neben dem Kino in der Nähe des Bahnhofes Koblenz. Ich trat in die Buchhandlung Reuffel ein und war sofort verliebt in den Laden. Von der Decke rankten ganz viele Grünpflanzen. Sofaecken luden zum Bleiben ein. Es gab sogar ein großes Schallplattenregal mit Plattenspieler, wo man über Kopfhörer Musik hören konnte. In dem kleinen Café suchte ich mir einen schönen Platz am Fenster aus. Ich blätterte in Zeitschriften und Weihnachtsbüchern (da gibt es so schöne neue!), aß einen kleinen pralinigen Brownie, trank Kaffee und stöberte danach noch eine ganze Weile im Laden herum. Herrlich, das ist meine Vorstellung einer perfekten Auszeit!






Dann hatte ich immer noch so viel Zeit, dass ich mit dem Bus zum Deutschen Eck fuhr und dort nochmal ans Wasser und zum Reisterstandbild ging. Die Sonne stand schon tief und es waren viele Leute unterwegs. Ich lief nochmal durch die Altstadt zurück bis zum Kino.

Im Kino sah ich "Ad Astra", den neuen Film mit Brad Pitt. Joar, kann man sich anschauen, ist aber eigentlich gar kein Weltraumfilm. Die Botschaft am Ende ist dann ziemlich simpel und eigentlich universell. Gegen 23 Uhr war ich wieder zurück in meinem Zimmer. Da schaute ich auf meinem Handy nach, wann ich am nächsten Tag den Zug nach Köln nehmen könnte. Die Stadt wollte ich mir auch noch ein bisschen angucken.

Doch da waren Ausrufezeichen an den Zugverbindungen. Ich klickte drauf und erfuhr, dass in der Stadt eine Fliegerbombe entschärft werden sollte und ab 9 Uhr keine Züge mehr fahren würden. Das machte meine Pläne zunichte.

Ich fuhr also am Sonntagmorgen mit dem letztmöglichen Zug vor der Sperrung zum Flughafen und verbrachte dort noch ein bisschen Zeit mit Zeitung und Kaffee bis zu meinem Flug zurück nach Hamburg.


Kommentare:

  1. Gratulation an den großen Sohn und Danke für's Mitnehmen! Mein "Großer" ist vor ein paar Wochen 8 geworden und ich habe bei deinem Bericht darüber nachgedacht, wie schnell das gegangen ist und dass er irgendwann plötzlich auch erwachsen sein wird. Puh...

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    1. Dankeschön!

      Ich sage Dir mein Großer war auch gerade eben noch klein :-)

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  2. Herzlichen Glückwunsch. Berlin also. 💓

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  3. Herzlichen Glückwunsch deinem Großen und dir Danke fürs Zeigen der vielen tollen Fotos!

    Liebe Grüße
    Jessica

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  4. Auch von mir herzlichen Glückwunsch an den Großen.
    Ich wünsche ihm weiterhin viel Spaß und Erfolg bei seiner Arbeit und dem nächsten Studiengang!

    Ich kann mir gerade garnicht vorstellen, wie das sein wird, wenn meine Große in drei Jahren mit der Schule fertig ist 😲
    Die Zeit verfliegt...

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  5. Herzlichen Glückwunsch für den Sohn und auch die Mutter!Viel GLück auf dem weiteren Weg!Was für eine schöne Feier und eine gelungene Auszeit. Sunni

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  6. Ich freu mich mit Dir! Über das wunderbare Wochenende, Deinen Bachelor-Sohn, und Deine Auszeit in der Buchhandlung. Danke das Du mich mitgenommen hast.

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  7. Die Fotos und dein Text erzählen eine wundervolle Geschichte! Und wow, was für eine Abschlussfeier! Bei mir an der Uni Hamburg gab es nur eine schäbige Massenzeugnisverleihung... Aber auch das fand ich damals ziemlich toll :-)

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  8. Herzlichen Glückwunsch! Gut gemacht, Ihr zwei! 😉

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