Dienstag, 15. Januar 2019

Wie machst Du das eigentlich? - Aufräumen




Sehr oft werde ich zu den unterschiedlichsten Themen gefragt "Wie machst Du das eigentlich?". Ich werde ab jetzt in loser Folge von meinen Erfahrungen berichten. Den Anfang macht heute das Aufräumen. 


Zu Beginn eines neuen Jahres habe ich immer das Bedürfnis, tüchtig aufzuräumen und auszumisten. Ich denke, das ist auch ganz normal nach der intensiven Familienzeit im Dezember. Die Wohnung ist Ende des Jahres voller Dekorationen und voller neuer Geschenke. Wenn dann im Januar alles abgeschmückt ist, kommt mir die Wohnung schön leer vor. Ich finde das angenehm und habe es gar nicht so eilig mit neuen Dekorationen. Ich genieße die freien Flächen sehr und kann richtig durchatmen. Nach einem Urlaub in einer Ferienwohnung geht es mir übrigens auch so. Dort haben wir mehrere Tage oder Wochen alle miteinander gelebt, ohne all das Zeug in unseren Schränken. Es geht also sehr gut auch mit weniger.

In der letzten Woche habe ich auf Netflix "Aufräumen mit Marie Kondo" gesehen. Marie Kondo hat vor einigen Jahren den Bestseller "Magic Cleaning" (Amazon-Partner-Link) geschrieben. Sie besucht in der Serie Menschen in ihrem Heim und berät sie, wie sie Ordnung schaffen können. Elfengleich und ewig lächelnd schwebt sie durch die Zimmer und freut sich über Unordnung.

Das Marie Kondo Geheimnis beim Aufräumen lautet kurz gesagt: Brauchst Du das? Sie sagt es noch eindringlicher: Entfacht dieser Gegenstand Freude bei Dir? Wenn ja, darf der Gegenstand bleiben, wenn nicht, wird er aussortiert. Begonnen wird immer bei der Kleidung. Alle Kleidung, die man besitzt, wird aus den Schränken genommen und an einem einzigen Ort gesammelt. Der Anblick von hohen Wäschebergen kann da schon ziemlich therapeutisch wirken. Dann wird jedes Teil einzeln in die Hand genommen und entschieden.

Und so geht es weiter durch das ganze Heim. Freude? Ja oder nein? Behalten oder aussortieren? Um Ordnung in den Schränken zu halten, empfiehlt sie Kisten und Schachteln, für Kleidung bestimmte Falttechniken. In zwei Monaten erscheint übrigens ein Marie Kondo-Buch sogar als Manga (Amazon-Partner-Link), also in Comic-Form.

Außerdem habe ich die Netflix-Serie "Consumed - Jetzt wird ausgemistet" gesehen. In dieser Serie werden Menschen in ihrem Heim besucht, denen all ihr Besitz im wahrsten Sinne des Wortes über den Kopf gewachsen ist. Ich fand es teilweise ziemlich schockierend und auch traurig mitanzusehen, womit sich manche Menschen ihr Leben belasten und wie viel Geld sie für ihren Konsum ausgeben. Sehr oft steckten hinter dem Anhäufen von Dingen noch ganz andere Probleme in den Familien. (Mal ganz davon abgesehen, dass die Haupt"schuld" meistens der Frau im Haushalt zugeschrieben wird. In den gezeigten Beispielen gehen die Männer oft lange arbeiten und sind obendrein am Abend mit ihren Hobbys beschäftigt. Außerdem wird, vor allem bei Marie Kondo, beim eigentlichen Aufräumen nicht darauf eingegangen, wo eigentlich die Kinder sind, während sich die Eltern durch den Haushalt fräsen.)

Spätestens jetzt hatte mich auch die Aufräumlust gepackt. Wenn ich schon keine neuen Tipps mitnehmen konnte, so dienten mir die beiden Serien zumindest als Beispiele, die ich nie nachmachen möchte. Minimalistin werde ich nie, horten tue ich aber auch nicht. Es muss doch also irgendetwas dazwischen geben. In der letzten Woche haben wir jedenfalls fünf Müllsäcke voller Zeug entsorgt.

Zum Thema "Aufräumen" habe ich im März 2013 schon etwas geschrieben. Damals hatte ich vier Kinder, der Adventsjunge war gerade 3 Monate alt. Der Große wohnte noch zu Hause. Mal sehen, ob das heute alles noch so stimmt...

* Am Morgen werden alle Betten gemacht. Das muss einfach sein. Punkt.

Na gut, also zumindest das Bett des Liebsten und mir wird von mir gemacht. Die Kinderbetten mache ich nicht immer, zumal die Kinder tagsüber auch drauf sitzen oder spielen.

* Auf den Regalen und Kommoden steht nicht viel Schnickschnack rum. So können Flächen schneller abgewischt werden. Die Bücherregale haben Glastüren. So stauben die Bücher nicht so schnell ein. Auf der zentralen Kommode sammelt sich schnell ein Stapel aus Reklame, Zeitschriften und Kinderzeichnungen an. Der Stapel wird zügig abgearbeitet, bevor er zu groß wird. Auf dem Schuhschrank im Flur liegen gerne Handschuhe und Mützen rum. Die gehören in die Banktruhe. Die Mützen der Kinder stopfe ich in die Kapuzen ihrer Jacken, so sind sie leichter zu finden.

Ja, ja, ja und ja. Das war so und ist auch heute noch so.

* Für die Post haben der Liebste und ich ein kleines Fach im Flur. Wenn das voll ist, wird aussortiert. Die wichtigen Sachen kommen in unsere Hängemappenboxen (aus Pappe bei Manufactum). Das ist total praktisch, weil man einfach die Zettel von oben in die jeweiligen Ordner stecken kann und schon ist alles sicher untergebracht.

Oh ja! Ohne diese Boxen wären wir echt aufgeschmissen! Mittlerweile musste ich die Boxen selber auch mal aufräumen. Uralte Kontoauszüge, alte Mietverträge und noch mehr kamen in den Hochsicherheits-Schredder (Amazon-Partner-Link). Mit fünf Kindern sammeln sich unendlich viele Anträge und Verträge von Kindergarten und Schule an, es ist ein Traum. (Zum Beispiel muss in Hamburg jedes Jahr für jedes Kind ein neuer Kita-Gutschein beantragt werden...)

* Ich liebe Schubladen und Kisten. Schublade auf, Kram rein, Schublade wieder zu, ordentlich. Hm, na gut, in den Schubladen ist es nicht besonders ordentlich. Sieht man aber nicht. Ich weiß aber immerhin, wo sich die Dinge befinden. Es gibt Schubladen für Tischläufer und Servietten, für Briefmarken und Postkram, für die Malsachen der Kinder, für Kerzen usw.

Immer noch so: ich liebe Schubladen! Und doch, es ist schon Ordnung drin. Ich muss betonen, Frau Kondo hat das System mit den Kisten und Schachteln nicht erfunden. Große und kleine Schubladen können damit prima unterteilt werden. Ähnliche Dinge kommen zusammen in eine Kiste. Das funktioniert bei uns schon lange bei den Medikamenten, bei der Kleidung, Socken oder Unterwäsche liegen in eigenen Kisten, oder auch in der Küche, wo die Backzutaten in Kisten sortiert werden. Für Kleidung mag ich solche Stoffboxen (Amazon-Partner-Link) in unterschiedlichen Größen, in anderen Schubladen befinden sich ausrangierte Plastikboxen.

* In der Küche ist die Arbeitsfläche leer, bis auf den Wasserkocher. Alle Geräte sind in den Schränken untergebracht. Am Abend nach dem Abendbrot räumt der Teenie den Geschirrspüler ein. Das ist seine Aufgabe. Danach räume ich die Küche komplett auf. Alles, was noch rumsteht, wird verstaut. Alle Arbeitsflächen werden abgewischt, das Waschbecken sauber gemacht, der Boden gefegt. Das ist meine allerletzte Tat am Abend, bevor ich zur Tagesschau die Beine hochlege.

Eine ordentliche Küche macht mir richtig Freude, oh ja! Das ist nur leider ein seltener Zustand, für den eine Menge getan werden muss. Ein neues großes Gerät, der Pastamaker ist dazugekommen. Der steht auf der Arbeitsfläche hinten rechts in der Ecke, da wir ihn eh jede Woche benutzen. Der Teenie ist jetzt erwachsen und ausgezogen. Den Geschirrspülerdienst nach dem Abendbrot haben das Mutzelchen und der kleine Bruder übernommen. Ansonsten ist es geblieben: zur Tagesschau mache ich Feierabend.



* Mein Schwachpunkt ist die Wäsche. Die Waschmaschine und der Trockner laufen jeden Tag mindestens ein Mal. Die getrocknete Wäsche kippe ich auf unser Bett. Wenn ich dazu komme, sortiere ich gleich. Jedes Kind bekommt seinen Stapel, der von mir oder ihnen selbst in ihren Schrank geräumt wird. In allen Kleiderschränken haben wir herausziehbare Drahtkörbe und kleine Kisten. Unterwäsche und Socken werden nicht zusammengelegt, sondern landen einfach in der richtigen Kiste.

Sockensuchgeschichten sind woanders total lustig zu lesen, rauben aber kostbare Zeit. Die sparen wir uns seit Jahren, seit wir unsere Sockensammler haben. Ist wirklich keine große Sache, schont aber enorm die Nerven. Die Teile überstehen nun schon seit über drei Jahren Waschmaschine und Trockner ohne Probleme. Der Teenie und der Liebste machen oft mit. Und niemand kann Bettwäsche so glatt und briefmarkenklein zusammenfalten, wie der Liebste. Sogar die Spannbettlaken.

Ah, die Sockensammler (Amazon-Partner-Link) sind also nun schon 9 Jahre alt. Es ist noch kein einziges Teil kaputt gegangen, obwohl sie mehrmals in der Woche ihre Runden in Waschmaschine und Trockner drehen. Ich gestehe, bei den Kindersocken wenden wir sie gar nicht an. Denn es gehört ein System dazu. Am Morgen ein Paar Socken aus der Schublade nehmen, Sockenklammer abmachen und im Regal deponieren, am Abend die benutzten Socken wieder mit der Klammer versehen und sie in den Wäschekorb schmeißen. Die Kinder werfen ihre Socken einfach so in die Wäsche. Dafür machen sie hinterher mit beim fröhlichen Sockenmemory. Das Falten der Wäsche übernehmen wir sehr oft alle zusammen. Das ist einfach Zeit, die wir gemeinsam verbringen und nicht nur lästige Arbeit. Wir quatschen oder singen dabei. Ganz nebenbei lernen die Kinder, wie sie ihre Wäsche falten sollen. Meistens halten wir dabei die Augustschnuppe davon ab, alle Stapel wieder umzuwerfen.

* Das Kinderzimmer wird jeden Abend aufgeräumt. Das machen wir zusammen. Der Boden muss leer sein, damit man in der Nacht nirgendwo drauftritt. Die Kinder haben viele Kisten, da geht das Aufräumen schnell. Gerne verteilen die Kinder ihren Kram in der ganzen Wohnung. Am Abend will ich aber das Wohnzimmer wieder für mich haben und dann kommt alles zurück ins Kinderzimmer. Der Teenie kümmert sich alleine um sein Zimmer. Am Samstagvormittag, wenn wir mit den kleineren Kindern zum Biobauernhof fahren, räumt er auf und saugt Staub. Ich muss manchmal die Woche über seine "Ordnung" ertragen, überlasse es aber ihm und versuche, mich nicht darüber zu ärgern.

Das ist so und bleibt so: am Abend müssen alle Böden leer sein. Gebaute Dinge werden dann hochgestellt, meist aufs Fensterbrett oder die Regale. Die Kisten sind nach wie vor sehr praktisch. Seit die Augustschnuppe mobil ist, leert sie allerdings am liebsten alle Kisten aus. Beim Aufräumen wurde dann alles irgendwo reingeschmissen. Ich habe neulich zwei Stunden ohne die Kinder alle Kisten mal wieder richtig nach Sorte sortiert.


* Generell gilt: jedes Ding soll nur einmal angefasst werden. Wenn ich aufräume, kommt das Ding also gleich sofort an seinen Bestimmungsort. Bei jedem Gang durch die Wohnung kann man immer etwas mitnehmen. Vor etlichen Jahren habe ich mal das Buch "Simplify your Life" gelesen. Das hat mir sehr geholfen. Von dort habe ich auch die Idee mit den Hängemappen.

Das Buch "Simplify your Life" (Amazon-Partner-Link) wurde Anfang der 2000er herausgegeben. Das wirkt bei mir bis jetzt nach. Ich habe gesehen, dass es mittlerweile auch noch spezielle Bände zum Leben mit Kindern, zum Arbeitsleben, zum Kleiderschrank oder zur Partnerschaft gibt. Ich kann mir vorstellen, dass diese ähnlich angenehm zu lesen sind und gute und einfache Tipps bereithalten.

* Wegen des Putzens mache ich mir keinen Stress. Ich habe keinen Putzplan. Lieber mache ich mal den Staub im Vorbeigehen weg, als eine Stunde lang die Wohnung zu wienern. Da vergeht mir schon vorher die Lust. Beim Zähneputzen mache ich das Waschbecken gleich sauber. Die Toilette wird jeden Tag ganz nebenbei geputzt. Und ansonsten bleibe ich locker. Was mich zum Bespiel so gar nicht stört, sind Spinnweben an der Zimmerdecke. Soll die kleine Spinne doch in Ruhe dort sitzen. Sie tut ja keinem was.

Der Versuch, eine Putzhilfe zu beschäftigen, führte bei mir zum Stress. An einem bestimmten Termin wollte ich die Wohnung picobello aufgeräumt haben, damit die Reinigungskraft es leichter hat. Dann fühlte ich mich ein, zwei Stunden lang mit dem Baby fehl am Platz. Ich fand es unangenehm, dass jemand Fremdes unseren Dreck wegmacht. Die Wohnung war hinterher sehr sauber, das stimmt. Aber auch genauso schnell wieder schmutzig, wie sonst. Und das kann dann natürlich nicht eine ganze Woche so bleiben, bis wieder die Putzhilfe kommt.

* Und hier noch ein Trick, den meine Mutter schon angewendet hat: stelle Dir einen Kurzzeitwecker auf 15 Minuten. Nimm Dir für diese begrenzte Zeit vor, etwas aufzuräumen oder zu putzen. Du wirst staunen, was man in so einer kurzen Zeit schaffen kann.

Nun ja... ich verrate mal was: als Kind habe ich den Kurzzeitwecker gehasst! Jetzt ist es raus. Denn meine Mutter entleerte mit einer Armbewegung meine Schränke, die ich dann in 15 Minuten wieder einräumen sollte. Das fand ich als Kind und finde es auch heute noch sehr übergriffig. Mit meinen Kindern mache ich das nicht. Wir räumen oft zusammen auf. Ich habe übrigens bis heute keinen Kurzzeitwecker.


Hui, das ist jetzt ein langer Text geworden! Fehlt noch etwas? Soll ich auf einzelne Punkte noch genauer eingehen? Wollt Ihr sonst noch etwas wissen? Ich freue mich über Rückmeldungen!


Kommentare:

  1. hallo! habe den kondotrailer gesehen. soviel zeug hat doch kein normaler mensch im haus, oder?? kenne niemanden. also bei euch hat jedes ding seinen platz, so wie es in den ratgebern steht ☺️. da wird nichts von einer ecke in die andere geschoben. es sieht so aus, als würdest du/ihr euch nur sachen anschaffen, die ihr wirklich regelmässig verwendet. sichetlich bist du selbst auch sehr aktiv und verräumst die sachen gleich und lässt nix liegen. also konsequent und pragmatisch ist sehr wichtig. und das du es so heimelig und dekorativ machst, ist das i-tüpfelchen. so ist man auch gern zu hause. ich zb schau auch darauf, dass nix unnützes rumsteht zum abstauben oder was unnötig arbeit macht. unbenutzte sachen weggeben. nicht alles aufheben. was die sache mit dem 15 min wecker betrifft. so was in der art kenn ich. mein onkel hat meinen cousinen auch dinge auf den fussboden geschüttet, zum ein- und aussortieren. allerdings ohne wecker. fand das ziemlich arg.

    liebe grüsse

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    1. Danke für den Kommentar!

      Stimmt. Ich merke aber auch mit den Jahren, dass ich immer weniger Lust habe, Dinge zu kaufen. Früher habe ich viel mehr gesammelt, jetzt mag ich das gar nicht mehr so. Denn der Platz in der Wohnung ist ja doch begrenzt.

      Grüße zurück!

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  2. Ganz liebe Grüße euch, räume zZ auch viel aus und miste aus und mit meinem Enkel sortiere ich Playmobil nach Themen

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    1. Oh, nach Themen. Das steht uns irgendwann noch bevor. Momentan leben alle Lego- oder Playmobilmännchen einträchtig in einer Kiste :-)

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