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Samstag, 18. Juni 2022

Eine Reise nach Paris 4



An unserem ersten Tag in Paris waren wir erst gegen Mitternacht im Bett. Unser Zimmer zeigte nach hinten raus, da war es sehr ruhig. Die Vorhänge waren schön dicht, so dass es auch ziemlich dunkel im Zimmer war. Mit der großen Doppeldecke hatten wir uns arrangiert. Leider weckte mich um 5:30 Uhr das Surren einer Mücke an meinem Ohr. Sie hatte mich gerade in die Wange gestochen. Kurz darauf wachte auch das Mutzelchen auf. Weil sie so heftig auf Mückenstiche reagiert, mussten wir auf Mückenjagd gehen. Nach einiger Zeit konnte ich das Insekt erwischen.

Das Mutzelchen schlief nochmal ein. Ich war wach. Gegen 7 ging ich duschen und holte mir schonmal eine erste Tasse Kaffee im Frühstücksraum. Um halb 9 gingen wir zusammen frühstücken. Auf dem Frühstücksbuffet gab es neben allerlei üblichen Lebensmitteln viele französische Leckereien: Croissants, Brioche, Baguette, Pain au Chocolat, Zitronen- und Schokoladenkuchen und natürlich verschiedene Sorten Hart- und Weichkäse. 

Um kurz nach 9 verließen wir das Hotel. Wir hatten uns seeeehr schick gemacht. Ich trug ein dunkelblaues kurzes Cocktailkleid mit Chiffon. Das Mutzelchen hatte sich einen petrolfarbenen eleganten Jump-Suit ausgesucht. Denn nun war der große Tag angebrochen: Wir würden unseren Großen auf dem Campus einer der besten Universitäten Frankreichs und der Welt besuchen. Dort hatte er die letzten beiden Jahre, mit Auslandsunterbrechungen, studiert und in einer großen Zeremonie sollte er an diesem Tag seinen Master verliehen bekommen.

Anderthalb Stunden Fahrt hatten wir vor uns. Immer Richtung Versailles. Vom Bahnhof Jouy-en-Josas nahmen wir einen Linienbus bis zum Campus. Dort angekommen, zeigten wir unsere Einladung vor. Der QR-Code wurde gescannt und wir durften eintreten.  

Das Gelände der Universität ist sehr weitläufig und gehört zu den größten in Europa. Die Universitätsgebäude mit den Hörsälen sind flach, aber langgestreckt. Auf dem Campus befinden sich auch Häuser mit Wohnungen für die Studierenden. 2000 Menschen können hier leben. Es gibt Sportplätze für viele Sportarten, Fitnessräume, mehrere Restaurants und Cafés. Die Gegend ist schön grün.


Der Große hatte schon seinen Talar und den viereckigen Hut mit der Quaste erhalten. Toll sah er aus! Einen Fototermin mit den Beteiligten seines Studienganges hatte er auch schon absolviert. Wir trafen uns an den Food-Trucks, die an diesem Tag Mittagessen anboten. Wir entschieden uns für italienisches Essen, das war sehr gut. Wir setzten uns auf eine Bank im Schatten, aßen und schauten uns das Treiben um uns herum an. 

In der Universität studieren Menschen aus über 100 Nationen. Das war zu spüren und sehr schön anzusehen. Stichwort: interessante Kleidung aus vielen unterschiedlichen Ländern. Dann wollte der Große noch Bekannte treffen. Er sollte an diesem Tag das letzte Mal auf dem Campus sein. 

Das Mutzelchen und ich waren zufällig dabei, als um 13 Uhr das große Zelt für alle Gäste geöffnet wurde. So konnten wir uns unsere Plätze aussuchen. Wir wählten welche an einem Gang, wo niemand vor uns saß und wir die Füße ausstrecken konnten. Wir hatten von dort einen prima Blick auf die Bühne.

Um 14:30 Uhr zogen dann unter viel Jubel, Beifall und Musik alle 1000 Studierenden ein. Jede Person durfte 2 Gäste zur Zeremonie mitbringen. Dementsprechend voll war die Halle. Es dauerte über eine halbe Stunde, bis alle an ihren Plätzen saßen. 

Dann sprach zuerst der sogenannte "Dean" der Universität. Dann der Leiter von L'Oréal, der in den 1970er Jahren auch an der HEC studierte. Dann sprachen noch weitere Absolventinnen und Absolventen von ihren Erfahrungen an der Universität und dem Berufsleben.


Gegen 17 Uhr wurde die Veranstaltung mit einer Art Uni-Hymne beendet. Alle tanzten und sangen und es herrschte eine ausgelassene und feierliche Stimmung. 


Dem Mutzelchen und mir war sehr warm geworden und weil es in der Halle so laut war, waren wir die Ersten, die den Rasen neben der Halle betraten. Dort war alles für den anschließenden Empfang aufgebaut. Verzeihung für die Bilderflut, aber das war alles so sehenswert! Ich konnte das alles fotografieren, bevor die tausenden Menschen den Rasen bevölkerten.

Es gab Fingerfood aus allen Kontinenten. An zusätzlichen Bars wurde auch frisch gebraten und gebrutzelt. Es war natürlich unmöglich, alles zu probieren! Aber das, was wir probieren konnten, war köstlich! Nach den vielen herzhaften Häppchen gab es sogar auch noch süße Köstlichkeiten. Eine Art Häppchen ließ uns schmunzeln: Vollkornbrot mit Pellkartoffeln und Remoulade drauf. Vermutlich exotisch für viele Gäste.









Wir trafen in dem Gewühl unseren Großen wieder. Zuerst haben wir auf seinen erfolgreichen Master-Abschluss angestoßen. Das hat er super hinbekommen! Er kann sehr stolz auf sich sein. Ich bin auf alle Fälle sehr stolz auf ihn. 

Natürlich posierten wir für Fotos in unseren schicken Outfits. Dann trafen wir seine Kommilitoninnen und Kommilitonen. Sogar sein Freund aus dem Bachelor-Studium in Vallendar war dort. Mit dessen Eltern hatte ich damals auf der Feier an einem Tisch gesessen und mich sehr gut unterhalten. Ein Kommilitone erinnerte sich sogar an das Mutzelchen. Er wusste, dass sie Schneekugeln sammelt. Der Große hatte in Singapur welche gesucht und allen davon erzählt. Nur in Singapur gibt es keinen Schnee und somit auch keine Schneekugeln.


Gegen 18:30 Uhr verabschiedeten wir uns vom Großen, der an dem Abend noch weiterfeiern wollte. Das Mutzelchen und ich fuhren zum nächsten Bahnhof und stiegen in den Zug. Das war eine Art Regionalbahn, die ringförmig fährt. Die war schön leer und zuckelte in einem großen Bogen auf Paris zu. In einem seeeehr großen Bogen, denn wir waren in die falsche Richtung eingestiegen.

So hatten wir eine Stunde Zeit, uns gemütlich die Gegend anzusehen. Das war nach dem aufregenden Tag eigentlich ganz schön und entspannend. 

Fortsetzung Teil 5


Ich danke für das Mitlesen und die Anteilnahme. Hier gibt es die Möglichkeit, etwas in die virtuelle Kaffeekasse zu tun. Herzlichen Dank für die Anerkennung!

Donnerstag, 27. August 2020

Donnerstagsschnipsel



* Die Tage werden jetzt merklich kürzer. Morgens geht die Sonne erst nach dem Aufstehen auf. Um zwanzig nach 6 sieht es vor unserem Fenster so aus.

* Mal wieder Verwunderung über das Fortschreiten der Woche. Heute dachte ich nämlich, es sei erst Mittwoch. Wenn es dann doch schon Donnerstag ist, ist die Woche ja quasi fast rum.

* Seit dem letzten Wochenende habe ich Schmerzen im Handgelenk. Ausgerechnet rechts. Ich habe noch im Museumsdorf und im Naturschutzgebiet gearbeitet. Am Montag bin ich noch viel mit dem Fahrrad gefahren. Die leichten Schmerzen habe ich ignoriert und dachte, sie gehen von alleine wieder weg. Doch am Abend war es so schlimm, dass ich meine Hand gar nicht mehr bewegen konnte. Ich rief in der orthopädischen Praxis an. Ich solle am nächsten Morgen um 7 Uhr anrufen. Mit Glück würde ich einen Notfalltermin am selben Tag bekommen.

Am nächsten Morgen versuchte ich eine Viertelstunde lang abwechselnd per Festnetz und Handy in der Praxis durchzukommen. Irgendwann klappte es und ich bekam einen Termin um 13 Uhr. Der Liebste war im Homeoffice und konnte sich um die Augustschnuppe kümmern.

In der Praxis musste ich gar nicht so lange warten. Ja, wie ich schon vermutet hatte: es ist eine Sehnenscheidenentzündung. Sowas Fieses! Sogar der Knochen ist betroffen. Der Arzt drückte so viel dran rum, dass ich Sterne gesehen habe und es hinterher noch doller wehtat. Uh. Ich bekam eine Spritze direkt in die schmerzende Stelle, Schmerzmittel und ein Rezept für eine Bandage. Die trage ich jetzt fleißig und versuche, so gut es geht, meine Hand ruhig zu halten. Auch diesen Text hier tippe ich größtenteils mit nur einer Hand. Heute ist der erste Tag, an dem die Hand ausnahmsweise mal nicht durchgehend schmerzt. (Ach, so lang sollte der Absatz über meine Wehwehchen gar nicht werden.)

* Der Große war in den letzten zwei Wochen hier. Er hat dicke Koffer geschleppt und Kleidersäcke mit Anzügen, seine Wäsche sortiert und Schriftkram geregelt. Dann hat er noch Freundinnen und Freunde getroffen und war sogar noch ein paar Tage in Dänemark beim Camping. Heute Nacht um 3 Uhr ist er Richtung Paris aufgebrochen. Wenn er wochen- oder monatelang nicht hier ist, kann ich, was seine Angelegenheiten betrifft, ganz gut gelassen sein. Jetzt war ich aber doch aufgeregt. Wahrscheinlich mehr als er. Ganz kurz vorher musste er noch einen Corona-Test machen. Dafür ist er extra zur Teststelle zum Hamburger Flughafen gefahren. Während ich das hier schreibe, schickt er mir eine Nachricht, dass er auf dem Uni-Campus in der Nähe von Paris angekommen ist. Er hat ein Zimmer direkt auf dem Campus und entdeckt gerade seinen Wohnort für die nächsten zwei Jahre (bis auf die Auslandssemester).

* Die Augustschnuppe ist in dieser Woche im Kindergarten schon ein bisschen heimisch geworden. Ich darf mich schon kurz nach dem Eintreffen von ihr verabschieden. Sie bleibt fröhlich da und wird von einigen Kindern schon ins Spiel eingebunden. Wenn ich zweieinhalb Stunden später wiederkomme, sitzt sie inmitten der Kinder und spielt. Wenn sie mich sieht, kriegt sie schlechte Laune. Manchmal weint sie auch. Sie will gerne noch dableiben. Und wahrscheinlich ist es auch die Anspannung, die sie sich dann traut, zu zeigen.

Neulich haben wir neue Gummistiefel gekauft. Dann trat sie mit den neuen Stiefeln an den Füßen das erste mal vor die Tür und rief laut und bestimmt: "So. Wo sind jetzt die Pfützen?!" Das war witzig. Als sie nun heute die Pfützen sah, fand sie sie aber gar nicht so toll und viel zu matschig.


* Und nun ist Zeit für das obligatorische Ende-August-Foto. Nee, es wird nicht jedes Jahr früher. Das war auch schon 2009 so :-)





Montag, 30. September 2019

Bachelor 2019

He made it! Mein Großer hat sein Studium beendet! Am Freitag bekam er in seinem Studienort Vallendar ganz offiziell den akademischen Grad "Bachelor of Science" verliehen.

Ich bin am Donnerstag schon ins Rheinland gereist, um bei der Zeremonie dabeizusein. Vom Flughafen Köln/Bonn fuhr ich mit der Bahn eine sehr schöne Strecke immer entlang des Rheins bis nach Vallendar.

Mein Großer war schon dort und holte mich am Bahnhof ab. Zusammen brachten wir meinen Koffer in die Unterkunft. Ich wohnte sehr günstig im Gästehaus St. Josef. Diese Herberge mit Selbstversorgung liegt ein wenig oberhalb des Ortes an einem Hang. Haus und Zimmer waren sehr sauber und es war angenehm ruhig. Danach zeigte mir mein Großer den Ort, die Häuser, in denen er gewohnt hat und seine Uni.

Der Uni-Campus der WHU liegt im Stadtzentrum der kleinen Stadt Vallendar. Die Marienburg ist der alte Teil der Uni mit Gewölbekeller und eigener Kapelle. Drumherum gruppieren sich sehr moderne Gebäude mit vielen Hörsälen und Studienräumen. Die Räume stehen den Studentinnen und Studenten 24 Stunden, 7 Tage die Woche zur Verfügung. Mein Großer zeigte mir alle Stationen seines Studiums. Danach waren wir essen bis wir uns für diesen Tag voneinander verabschiedeten.






Am nächsten Morgen wachte ich zeitig auf. Draußen vor dem Fenster tröpfelte es noch vom Regen und kleine Nebelschwaden zogen über den Hügel. Ich schaute direkt auf einen Wallfahrtsort. Ich frühstückte in meinem Zimmer und machte mich dann schick für den ersten Termin des Tages. Mein Kleid hatte ich vorher extra passend zur Farbe der Schärpe am Talar meines Großen ausgesucht.


Ich lief durch den Ort hinunter zur Stadthalle Vallendar. Unterwegs traf ich schon viele Menschen, die dasselbe Ziel wie ich hatten. An der Uni holten sich die Studentinnen und Studenten ihre Talare und Hüte ab. Mit wehenden Gewändern liefen sie weiter.

In der Stadthalle von Vallendar begann um 10 Uhr die sogenannte Graduation. 220 Studentinnen und Studenten saßen in den vorderen Reihen, die zahlreichen Angehörigen dahinter. In den folgenden zwei Stunden hörten wir Musik und sehr inspirierende Reden (in englischer Sprache) des Rektors und anderer Vertreter von Wirtschaftsunternehmen. Ich habe nur ganz kurz geheult, aber auch nur, weil die Frau neben mir mit einem Taschentuch an ihren Augen herumtupfte.

Am Ende stand die Überreichung der Bachelor-Zeugnisse. Jede Person wurde namentlich aufgerufen und bekam vom Rektor persönlich das Zeugnis überreicht. Als der Fotograf danach ein Gruppenfoto machte, durften die frisch Graduierten endlich, endlich übermütig ihre Hüte hoch in die Luft werfen. Geschafft!



Mein Großer gab seinen Talar wieder ab und wir gingen in ein Ristorante in der Stadt essen. Als wir danach runter zum Rhein liefen, legte gerade ein kleines Fahrgastschiff an. Wir stiegen zu und machten, so schick, wie wir waren, eine Rundfahrt nach Koblenz und wieder zurück. Wir sahen das Deutsche Eck, wo die Mosel in den Rhein fließt, und die Seilbahn zur Festung Ehrenbreitstein von der Wasserseite aus. Das war sehr nett und der entspannteste Teil des Tages.

Als wir nach anderthalb Stunden wieder in Vallendar angelegt hatten, trennten wir uns wieder, um uns für den festlichen Abend umzuziehen. Ungefähr eine Stunde später fuhren wir zusammen mit einem Taxi nach Koblenz.





Im Kurfürstlichen Schloss Koblenz fand gegen 17:30 Uhr zunächst ein kleiner Empfang statt. Viele Fotografen waren über den Park verteilt, die von allen Anwesenden extra Fotos machten. Der Große und ich haben jetzt Bilder von uns in Smoking und Abendkleid. Für die Fotos bekommen alle Gäste später einen Online-Zugang. Wir hatten richtig Glück mit dem Wetter!




Ein Weilchen später liefen wir rüber zur Rhein-Mosel-Halle. Dort begann der Abend mit einem Sektempfang bis die Türen zur großen Halle geöffnet wurden. Dort waren lange Tafeln eingedeckt. Ich glaube, es müssen um die 1000 Gäste gewesen sein. Um 20 Uhr begann das Programm. Wort- und Videobeiträge wechselten sich mit dem Menü ab. Als Vorspeise gab es Kürbissuppe mit Kürbiskernen, der Hauptgang war Roastbeef oder gefüllte Zucchini mit Kartoffelgratin und als Nachspeise gab es Eis und ein kleines leckeres Schokoladentörtchen.

Bis kurz vor Mitternacht wurden wir sehr gut unterhalten.  Eine Live-Band spielte und es wurde auch getanzt. Ich unterhielt mich sehr nett mit meiner Tischnachbarin und den Freunden meines Großen. Die Zeit verflog nur so. Die jungen Leute wollten nach dem offiziellen Abendprogramm im Schloss Koblenz weiterfeiern. Ich machte mich auf den Rückweg und hatte Glück, andere nette Gäste nahmen mich und auch noch ein anderes Paar mit ihrem Auto mit. Gegen 1 Uhr lag ich schließlich im Bett.



Am nächsten Morgen, Samstag, machte ich mich auf den Weg nach Koblenz. Mein Großer und ich wollten uns an diesem Tag die Stadt angucken. Ich setzte mich in Koblenz mit einer Zeitung ins Café und wartete auf den Großen, der eine Stunde später schon nachkam.

Wir liefen zur Seilbahn Koblenz und kauften ein Kombiticket für Seilbahn und Festung. Die Gondeln der Seilbahn sind so groß, da passen sogar Kinderwagen oder Rollstühle locker rein. Oben angekommen, besichtigten wir die Festung Ehrenbreitstein. Sie gehört zum UNESCO-Welterbe Oberes Mittelrheintal. Die Festung liegt gegenüber von Koblenz auf der dreieckigen Spitze eines Bergplateaus. Weil die Wände des Plateaus steil und schroff sind, musste die Festung nur von einer Seite aus verteidigt werden.

Dieser strategisch günstig liegende Ort wurde schon um 4000 v. Chr. besiedelt. Um das Jahr 1000 stand dort die erste Burg. Die Burg wurde irgendwann zur Festung und im Laufe der Zeit immer weiter ausgebaut. Im 19. Jahrhundert gehörte sie dann zu den bedeutendsten Festungsanlagen Europas. Heute ist dort ein Kulturzentrum, verschiedene Museen und auch eine Jugendherberge. Seit der Bundesgartenschau 2011 ist die Festung mit der Seilbahn, der größten Luftseilbahn Deutschlands, zu erreichen.

Nach der Besichtigung fuhren der Große und ich wieder runter nach Koblenz und gingen in einem Restaurant essen. Danach trennten sich unsere Wege. Er fuhr an diesem Tag schon ab und nochmal Richtung Hamburg, bevor er bis zum Frühjahr in Berlin arbeiten wird. Im nächsten Sommer möchte er mit dem Masterstudium weitermachen.




Ich wollte noch ein bisschen bleiben und mir die Gegend anschauen. Deshalb hatte ich meine Rückreise erst für den Sonntag geplant. Ich lief durch die ganze Altstadt von Koblenz bis zu dem Programmkino, wo ich am Abend einen Film ansehen wollte. Ich holte mir eine Kinokarte und hatte aber noch ganz viel Zeit.

Schon am Vormittag hatte ich geplant, mich mal gaaaaaaanz in Ruhe in einen Buchladen zu setzen. Im Handy entdeckte ich eine Buchhandlung mit Café. Zufällig lag sie fast genau neben dem Kino in der Nähe des Bahnhofes Koblenz. Ich trat in die Buchhandlung Reuffel ein und war sofort verliebt in den Laden. Von der Decke rankten ganz viele Grünpflanzen. Sofaecken luden zum Bleiben ein. Es gab sogar ein großes Schallplattenregal mit Plattenspieler, wo man über Kopfhörer Musik hören konnte. In dem kleinen Café suchte ich mir einen schönen Platz am Fenster aus. Ich blätterte in Zeitschriften und Weihnachtsbüchern (da gibt es so schöne neue!), aß einen kleinen pralinigen Brownie, trank Kaffee und stöberte danach noch eine ganze Weile im Laden herum. Herrlich, das ist meine Vorstellung einer perfekten Auszeit!






Dann hatte ich immer noch so viel Zeit, dass ich mit dem Bus zum Deutschen Eck fuhr und dort nochmal ans Wasser und zum Reisterstandbild ging. Die Sonne stand schon tief und es waren viele Leute unterwegs. Ich lief nochmal durch die Altstadt zurück bis zum Kino.

Im Kino sah ich "Ad Astra", den neuen Film mit Brad Pitt. Joar, kann man sich anschauen, ist aber eigentlich gar kein Weltraumfilm. Die Botschaft am Ende ist dann ziemlich simpel und eigentlich universell. Gegen 23 Uhr war ich wieder zurück in meinem Zimmer. Da schaute ich auf meinem Handy nach, wann ich am nächsten Tag den Zug nach Köln nehmen könnte. Die Stadt wollte ich mir auch noch ein bisschen angucken.

Doch da waren Ausrufezeichen an den Zugverbindungen. Ich klickte drauf und erfuhr, dass in der Stadt eine Fliegerbombe entschärft werden sollte und ab 9 Uhr keine Züge mehr fahren würden. Das machte meine Pläne zunichte.

Ich fuhr also am Sonntagmorgen mit dem letztmöglichen Zug vor der Sperrung zum Flughafen und verbrachte dort noch ein bisschen Zeit mit Zeitung und Kaffee bis zu meinem Flug zurück nach Hamburg.


Freitag, 13. April 2018

Spaziergang in Barcelona (3)


13. März 2018

Nach unserem bewegenden Besuch der Basilika Sagrada Familia gibt mir mein Großer einen Kaffee aus. Dann machen wir uns auf den Weg Richtung Berge. Ich möchte Barcelona gerne von oben sehen. Zum Sonnenuntergang sollten wir es schaffen. Die Inspiration habe ich auf Instagram gefunden, wo ich unter dem Barcelona-Hashtag nach interessanten Orten gesucht habe.

Den Tibidabo, einen der Hausberge Barcelonas, erreichen wir nicht mehr pünktlich. Dort wollten wir eigentlich mit der Seilbahn, Funicular genannt, hochfahren. Die fährt aber in den Wintermonaten so spät nicht mehr. Also fahren wir mit der U-Bahn in die Vororte. Dort erhaschen wir Einblicke abseits vom Touristenrummel. Zwei kleine Jungen kicken einen Ball vor sich her und wollen den Ball durch die Beine des Großen rollen lassen. Da haben sie aber die Rechnung ohne den ehemaligen Fußballer gemacht. Der Große schnappt sich den Ball und dribbelt ihn von Fuß zu Knie und zurück. Die Jungs staunen und lachen.

Mit der spanischen Sprache kommt man in den Vororten nicht weiter. Hier wird katalanisch gesprochen. Da kommt auch endlich unser Minibus, der die engen und extrem steilen Gassen förmlich hinaufklettert. Ziemlich abenteuerlich, das Ganze! Wo wir aussteigen müssen, verrät uns, wie immer, Google Maps auf dem Handy.



Dann sind wir angekommen, steigen aus und laufen durch eine ziemlich verlassen aussehende Wohnsiedlung. Sommerhäuser, vielleicht. Der Weg wird immer steiler. Und endlich erreichen wir die Bunker. Die Bunkers del Carmel wurden 1937 im spanischen Bürgerkrieg errichtet. Große terrassenförmige Betonstufen sind übrig geblieben und waren jahrelang vergessen.

Nun hat es sich herumgesprochen, dass man von dort oben den besten Panoramablick auf Barcelona hat. Sogar in alle Himmelsrichtungen. Und das stimmt! Sofort erkennen wir im Stadtbild natürlich die Sagrada Familia. Unverwechselbar ragt sie zwischen den Häusern auf. Mein Großer kann mir dazu noch einige Anekdoten erzählen, von denen er in Barcelona gehört hat.

Und so stehen wir einfach nur da, atmen und schauen auf die Stadt runter. Möwen drehen im Wind am Berg ihre Kreise. Einen schönen Ort hat sich mein Großer da zum Studieren ausgesucht! Ich beneide ihn ein bisschen für seine Möglichkeiten und gönne es ihm so sehr.

Nach und nach treffen immer mehr, meist junge, Menschen ein. Sie suchen sich ein Plätzchen auf den Stufen und packen Essen und Getränke aus. Der Geruch von Haschisch wabert durch die Luft. Die Stimmung ist entspannt sommerlich.







Als wir genug haben, laufen wir wieder runter zur Bushaltestelle. Wir schicken zwischendurch ein paar Fotos von uns und der Gegend an die Familie zu Hause. Die Buslinie führt bis ins Stadtzentrum. Ungefähr 45 Minuten fahren wir und können uns dabei noch mehr von der Stadt anschauen.

Der Große hat vor meinem Besuch extra seine Freunde nach einer guten Tapas-Bar gefragt, in die er mich führen kann. Es gibt davon so viele, da kann jeder seine eigenen Vorlieben haben. Wir erreichen die kleine Bar in der Altstadt und bestellen eine bunte Mischung der Angebote. Die leckeren Kartoffeln mit der scharfen Sauce, Patatas Bravas, sind auf alle Fälle dabei. Dann auch Mini-Hamburger, Käseauflauf und natürlich Serrano-Schinken mit geröstetem Brot. Die Speisen teilen wir uns alle.

Am Ende des Abends spazieren wir in die Richtung meines Hotels. Der Große bringt mich noch bis zur Tür. Ich habe die gemeinsame Zeit sehr genossen und bin sehr stolz auf ihn. Der Besuch war leider viel zu kurz. Ich gehe dann in meinem Hotelzimmer nicht allzu spät schlafen, denn am nächsten Morgen muss ich früh aufstehen.




Gleich um 7 Uhr, als das Frühstücksbuffet im Motel One eröffnet, stehe ich parat. Ich habe nicht mehr viel Zeit, denn ich möchte pünktlich am Flughafen sein. Das Frühstücksangebot ist reichhaltig und bietet auch typisch spanische Spezialitäten. Hier die "Toaststation" für das geröstete Brot und mit Serrano-Schinken.


Ich lasse mir ein Taxi rufen, das auch prompt kommt. Auf dem Weg über die Schnellstraße am Meer entlang bewundere ich die Fahrkünste der Motorrollerfahrer im Berufsverkehr. Sie fahren in Kolonnen und mit hoher Geschwindigkeit auf der Mittelspur zwischen den fahrenden Autos.

Am Flughafen habe ich noch ein bisschen Zeit bis zum Einstieg. Diesmal sitze ich in der ersten Reihe und habe richtig viel Beinfreiheit. Das Flugzeug rollt eine ganze Weile bis zur Startbahn, aber dann hebt es ab und dreht eine große Runde übers Mittelmeer. Bei Marseille fliegen wir wieder über Land und über die Alpen. Sehr beeindruckend! Hamburg empfängt mich diesig und grau. Ich bin zurück!


die Alpen

die Elbe und der Hamburger Hafen