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Sonntag, 18. Februar 2024

Wochenendausflug

Am letzten Wochenende sind wir in die Heimat des Liebsten gefahren. Die beiden Großen hatten ihre komplette erste Ferienwoche bei ihrer Oma verbracht. Sie haben viele Ausflüge gemacht, lecker gegessen und ganz viel Rommé gespielt. Wir anderen sind am Wochenende dazugekommen und so hatten wir alle eine sehr schöne Zeit miteinander. 

Am Freitag kamen wir auf dem Weg nach Coswig in der Abenddämmerung am Schloss Moritzburg vorbei. Das war schön, als wir im Advent 2022 in der Aschenbrödel- Ausstellung waren. 

Am Samstagvormittag fuhren wir alle mit der Bahn nach Dresden. Ich war zuletzt irgendwann in den 80er Jahren dort. Ich muss ungefähr 10 Jahre alt gewesen sein, ich kann mich nur noch an den großen Hof des Zwingers erinnern und an das Hygiene-Museum mit der gläsernen Frau. Außerdem lief im Museum ein ziemlich nüchterner Schwarz-Weiß-Film einer Geburt. Die Frau in Rückenlage, die Kamera hielt voll drauf, was mich damals ähm... etwas verstört hatte. 

Ich war also sehr gespannt auf Dresden. Zuerst liefen wir an der Oper und dem Zwinger entlang. Zwinger nennt man den Bereich zwischen äußeren und inneren Festungsmauern einer Stadt. Früher wurden an solch einem Ort Hunde oder wilde Tiere eingesperrt, die für zusätzliche Sicherheit sorgen sollten und bei Gefahr Alarm schlugen. 

In Dresden entstand daraus Anfang des 18. Jahrhundert unter August dem Starken nach französischem Vorbild zuerst eine Orangerie und dann ein besonders repräsentativer Festplatz. Der wird gerade restauriert.




Weiter ging es in die Stadt. Die einzige Sehenswürdigkeit, die ich auf alle Fälle sehen wollte, war die Frauenkirche. Auf dem Weg dorthin schauten wir in kleine Gassen, hübsche Geschäfte und ließen uns einfach treiben. 






Dann blickten wir die Münzgasse entlang und sahen endlich die Frauenkirche. 


Zufällig waren wir rund um ein sehr geschichtsträchtiges Datum in der Stadt. Die Frauenkirche wurde am Ort einiger Vorgängerkirchen 1743 nach 17jähriger Bauzeit fertiggestellt. In der Nacht vom 13. auf den 14. Februar 1945 wurden große Teile Dresdens durch Bombardierungen zerstört.  Die Kirche stürzte ausgebrannt am 15. Februar 1945 ein. Diese Daten haben sich in das Gedächtnis der Stadt wortwörtlich eingebrannt. 

Die Trümmer wurden liegen gelassen und eingezäunt. 1966 wurde beschlossen, den Ort als Mahnmal so zu belassen. Auf YouTube kann man sehen, wie der Ort 1990 aussah. Anfang der 90er Jahre nahm ein Verein seine Arbeit auf und sammelte Spenden im In- und Ausland für den Wiederaufbau. 1993 wurde mit dem Wiederaufbau der Kirche begonnen. Ende 2005 wurde die neue Frauenkirche in einem großen Festakt schließlich geweiht. 

Das nur mal als Schnelldurchlauf. Ich war überrascht von der eleganten kleinen Kirche. Hier sieht man gut den schwarzen Teil, der aus dem Trümmerberg ragte. 45% der historischen Steine wurden wiederverwendet. Die hellen Steine sind alle neu.


Nachdem wir von der Mama des Liebsten nebenan im Cosel-Palais zum sehr guten Essen eingeladen wurden, wollten wir die Frauenkirche besichtigen. Wegen einer Veranstaltung war das Innere geschlossen. Doch der Aufstieg zur Kuppel war möglich. 

Zuerst stiegen wir eine Steintreppe empor. Dann liefen wir eine Rampe hoch, die sich um das Innere der Kuppel emporschraubte. Alle paar Meter ermöglichten Glasfenster Einblicke in die Kirche. Wir hatten einen guten Blick auf die steilen Emporen und die reiche Ausstattung der Kirche. Alles war luftig hell und freundlich. 




Auf der kleinen Aussichtsplattform in 67 Metren Höhe angekommen, hatten wir einen wunderbaren Blick auf die Altstadt und auf die Elbe. 





Sehr zufrieden entfernten wir uns langsam aus der Altstadt. Wir bekamen noch ein paar nostalgische Anblicke zu sehen. Wir kauften noch ein paar Kleinigkeiten, besuchen einen großen Spielplatz und liefen zum Hauptbahnhof. Auf dem Rückweg war die Stadt sehr voll. Es gab eine Demo und ein Fußballspiel. Die Bahnfahrt zurück nach Coswig war nicht so erfreulich, aber zum Glück sehr kurz. 


Warum ich manchmal ewig für einen Blogeintrag brauche am Beispiel dieses Eintrags: ich schaue nach, wann wir im Schloss Moritzburg waren. Lese mir meinen Eintrag von damals durch. Überlege, wann ich das letzte Mal in Dresden war. Recherchiere, ob es diesen Film aus dem Hygiene-Museum noch irgendwo gibt. Schaue mir die Seite und die Angebote des Museums von heute an. Forsche nach der Wortherkunft von "Zwinger". Lese nach, wo es noch überall Zwinger gab. Informiere mich über die Person August des Starken. Informiere mich über das Leben von Gräfin Cosel. Schaue mir Bilder und Filme der Frauenkirche an. Überlege, welchen Film ich gesehen habe, in dem das große Feuer von Dresden Thema war. Lese alles zur Architektur der Kirche nach. Über die Orgel, die Emporen, den Baumeister, die Glocken, die Neustadt, die Altstadt. Überlege, warum ich keine Eierschecke gegessen habe. Suche Rezepte. usw. usw. 

Und deshalb dauert bloggen eben manchmal ein bisschen länger.






Ich danke für das Mitlesen und die Anteilnahme. Hier gibt es die Möglichkeit, etwas in die virtuelle Kaffeekasse zu tun. Vielen Dank dafür!

Sonntag, 4. Dezember 2022

Das zweite Adventswochenende...

... haben wir in der Heimat des Liebsten verbracht. Am Freitag haben wir extra eine bestimmte Autobahnausfahrt genommen, so konnten wir kurz vor unserem Zielort beim Vorbeifahren schonmal diesen Anblick erhaschen:
 

In Coswig angekommen, bezogen wir unsere Ferienwohnung und liefen dann mit der Mama des Liebsten zum kleinen Weihnachtsmarkt in der Stadtmitte. Herrnhuter Sterne sind in der Gegend weit verbreitet. 


Wir kamen zufällig genau pünktlich zum Anschneiden von 5 Meter Stollen. Im Beisein des "Stollenmädchens" wurden dann Scheiben an das Publikum verteilt. Der Stollen war wunderbar saftig, schmeckte fruchtig und war schön dick mit Puderzucker bestäubt. Ich habe mich gleich in das wunderschöne und praktische Stollenmesser nach historischem Vorbild verguckt!

Das hat eine spannende Geschichte: Anno 1730 richtete August der Starke, Kurfürst von Sachsen und König von Polen, ein legendäres Fest aus, dass im Rahmen des "Zeithainer Lustlagers" wegen seiner ausschweifenden Umtriebe bis heute als Inbegriff barocker Lebensart gilt. Der damalige Hofbbäckermeister Zacharias präsentierte zu diesem Zeitpunkt einen Riesenstollen von 1,8 Tonnen, der 6 Stunden im Ofen gebacken wurde.

Eigens für diesen Stollen wurde das "Große Dresdner Stollenmesser" gefertigt. Das Messer mit Silbergriff und einer Klingenlänge von 1,60m wurde anschließend rund 200 Jahre in der Hofsilberkammer im Grünen Gewölbe verwahrt. Im Jahr 1924 wurde das Stollenmesser zusammen mit der kompletten Hofsilberkammer an das Fürstenhaus Wettin übergeben. Diese bewahrten die Schätze im Schloss Moritzburg auf. Ende des zweiten Weltkrieges wurden sämtliche dieser Schätze versteckt und vergraben. Seitdem gilt das riesige Stollenmesser als verschollen. 


In der alten Adler-Brauerei schauten wir uns die kleine Modellbahn-Ausstellung an. 


Am Samstagmorgen, den 3. Dezember, waren wir bei der Schwiegermutter frühstücken. Es war ihr Geburtstag, wie auch der 24. Geburtstag meines Großen. Erst jetzt haben wir gemerkt, dass die Beiden genau 40 Jahre auseinander sind. 

Ich lief am Vormittag noch schnell in die Stadt, denn wir hatten warme Strumpfhosen für die Augustschnuppe vergessen. Nach dem Kauf war der örtliche Kunsthandwerksladen mein Ziel. Von dort haben wir in den letzten Jahren schon viele schöne Dinge geschenkt bekommen. Jetzt wollte ich mich mal kurz vor Ort umschauen. 


Der sehr gut besuchte Laden war von oben bis unten voller herrlicher Dinge. Ich wollte ganz bestimmte Figuren kaufen und hatte Glück: die letzten Exemplare wurden meine. Es sollte ein Weihnachtsgeschenk für den Liebsten werden.


Zum Mittagessen trafen wir uns mit der ganzen erweiterten Familie in einem Wildrestaurant am Fasanenschlösschen. Der anschließende Spaziergang führte uns zu Sachsens einzigen historischen Leuchtturm. Der Moritzburger Leuchtturm wurde im 18. Jahrhundert als Kulisse für nachgestellte Seeschlachten errichtet. Er steht auf einer Mole an einem See.

Leider konnte der Liebste erst ganz zum Schluss dabei sein. Unser Auto meldete am Morgen plötzlich einen Schaden, der das Weiterfahren unmöglich machte. Er musste auf den ADAC warten, das Auto in die Werkstatt abschleppen lassen und dann auf die Zusage für einen Leihwagen warten. Nicht einfach bei einem Siebensitzer. Schließlich wurde doch noch ein Auto für uns gefunden, aber in Dresden. So verpasste er leider das Essen.


Nach der Verabschiedung der großen Familie gingen wir mit der Schwiegermutter und ihrem Mann zum Schloss Moritzburg. Das war Kulisse für einen der Kultfilme in der Adventszeit. Wir hatten Karten für die Aschenbrödel-Ausstellung gebucht. Erstmal ging es außen rum zu DER Treppe! Wir waren vor vielen Jahren schonmal dort, da gab es noch keinen nachgemachten Schuh an dieser Stelle.



Dann ging es hinein ins Schloss.


Uns wurde ganz festlich zumute. Wir sahen ganz viele Original-Kostüme aus dem Film, die sehr schön präsentiert wurden. Museumspädagogisch wunderbar aufgebaut und mit Witz und Charme präsentiert, hat mir die Ausstellung ausgezeichnet gefallen. Natürlich war das Schloss an diesem Adventssamstag sehr gut besucht, so dass wir nicht alles mit ausreichender Ruhe angeschaut haben. Es war aber trotzdem ein sehr schönes Erlebnis.








Am heutigen Adventssonntag haben wir bei der Schwiegermutter gefrühstückt und sind dann mit unserem Leihwagen nach Hause gefahren. Am späten Nachmittag machten wir es uns bei Weihnachtsgebäck auf dem Sofa gemütlich und schauten uns zusammen natürlich "Drei Haselnüsse für Aschenbrödel" an. 

Um den Liebsten ein bisschen aufzuheitern, habe ich ihm sein Geschenk schon überreicht: es sind die Striezelkinder. Die Figuren wurden Anfang der 1930 Jahre von Max Schanz geschaffen. Der langjährige Direktor der Seiffener Fachschule für Holzspielzeug und Holzgestaltung gestaltete die Symbolfiguren des Dresdner Striezelmarkts nach Motiven eines Holzschnittes von Ludwig Richter aus dem Jahre 1853. Diese beiden Figuren sind die bekannteste Darstellung der Striezelkinder aus dem Erzgebirge. Im Jahr 1910 wurde diese Art der Kinderarbeit untersagt. 

Die linke Figur bietet im Bauchladen eine Besonderheit an. Und zwar heißen die schwarzen Figuren "Pflaumentoffel". Seit dem 17. Jahrhundert kennt man den Pflaumentoffel als "Männlein aus Backpflaumen" zu Weihnachten. Die Pflaumen wurden auf Holzspieße gesteckt. Eine Papierkugel mit Zylinder diente als Kopf. Im 19. Jahrhundert boten die sogenannten "Strietzelkinder" selbstgebastelte Pflaumentoffel auf sächsischen und erzgebirgischen Weihnachtsmärkten an. 



Ich danke für das Mitlesen und die Anteilnahme. Hier gibt es die Möglichkeit, etwas in die virtuelle Kaffeekasse zu tun. Herzlichen Dank für die Anerkennung!