Posts mit dem Label Erinnerungen werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Erinnerungen werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Sonntag, 9. August 2026

Familienleben 2


Im ersten Teil meiner Gedanken zum Familienleben erzählte ich von dem Bild des schwankenden Mobilés wenn ein Kind geboren wird. So fühlt es sich auch wieder an, wenn ein Kind auszieht. Alles kommt ins Schwanken und braucht eine Weile, bis es sich unter den neuen Bedingungen wieder eingeschwungen hat. 

Genau zehn Jahre ist es nun her, dass der Große mit nur 17 Jahren auszog. Ich erinnere mich noch: am 16. Juli 2016 feierten wir sein Abitur im historischen Gewölbekeller des Hamburger Rathauses. Nur ein paar Wochen später fuhren wir ihn in Hamburg zum Bahnhof. Dort warteten schon seine langjährigen Schulfreundinnen und -freunde, um ihn zu verabschieden. Ich empfand das als eine ganz liebevolle Geste. 

Geweint habe ich an dem Tag erst später. Seitdem immer wieder mal. Im Trubel des Familienlebens, der einfach so weiterging, blieb mir gar nicht so viel Zeit, die Ereignisse zu verarbeiten. Der Alltag mit drei kleinen Kindern ging einfach weiter. Ich war gerade schwanger mit einem Kind, das leider nicht bleiben konnte. Kurz darauf war ich aber wieder schwanger mit unserer Jüngsten, die im August 2017 geboren wurde.

Aus der Ferne verfolgte ich das Studentenleben in Koblenz, das den Großen aber auch nach Barcelona, Singapur oder Lissabon führte und freute mich über die Möglichkeiten, die er bekommen hatte. Den Abschluss des Bachelor durfte ich mitfeiern, genauso wie den Masterabschluss nach dem Studium in Paris. Ich war ziemlich stolz auf meinen Großen, der toll durch sein Studium kam. 


Doch zu Hause drehte sich die Welt auch weiter. Manchmal sah ich auf der Straße in der Ferne einen jungen Mann, der mich in Aussehen oder Bewegungen an meinen Großen erinnerte. Ich kochte weiterhin große Mengen, kaufte öfters ein Stück Kuchen zuviel in der Bäckerei. Zwischendurch piekste es manchmal in meinem Herzen, weil da ein Lebensabschnitt zu Ende gegangen war und ich vielleicht gar nicht genug die letzten Male gewürdigt hatte. 

Sind die Kinder klein, sind da so viele erste Male, die man sorgfältig notiert oder sich für immer merkt: das erste Lächeln, das erste Drehen vom Rücken auf den Bauch, das erste Krabbeln, der erste Zahn, die ersten Schritte, der erste Tag im Kindergarten, die Einschulung… doch die letzten Male passieren oft unbemerkt. Wann hat das Kind eigentlich das letzte Mal in unserem Bett geschlafen? Wann brauchte es zuletzt Hilfe bei den Hausaufgaben? Wann war der letzte gemeinsame Ausflug? Im gemeinsamen Urlaub wussten wir noch gar nicht, dass es das letzte Mal in der Kindheit war. Ein gemeinsamer Lebensabschnitt ging ganz unbemerkt zu Ende. 

Ein Jahr ist es nun her, dass auch das nächste Kind auszog. Auch wieder mit 17 Jahren. So weit weg, dass wir uns nicht mal eben treffen können. Ich bewundere abermals den Mut, ganz alleine an einem neuen Ort zu starten und gönne dem Kind so sehr die neuen Erfahrungen. Auch diesmal war es wieder so, dass die Erkenntnis über die verflossene Kindheit erst eine Weile später bei mir ankam. Ich erinnere mich, wie ich im November letzten Jahres im Laden Adventskalender sah und daran dachte, dem Kind in Münster einen zu schicken. Zack, stand ich da in den Gängen und weinte. 


Ich habe erst nach und nach begriffen, wie kurz die gemeinsame Zeit mit den Kindern im Haus wirklich ist. Wie kurz eine Kindheit im Grunde ist. Als die die Kinder klein waren, waren die Tage manchmal soooo lang! Sie konnten für mich manchmal nicht schnell genug enden. So herausfordernd war das Kümmern Tag und Nacht, das Schleppen, die Lautstärke, der Schlafmangel, die Unordnung, die vielen, vielen Termine und alles drumherum. Doch plötzlich sind die Jahre nur so verflogen. 

Manchmal trauere ich verpassten Chancen nach. Vielleicht hätte ich mehr vorlesen sollen? Wir haben gar keine Strohsterne zusammen gebastelt! An dieser Stelle hätte ich vielleicht geduldiger sein müssen. Um diese Sache hätte ich mich eher kümmern müssen. Worauf hätte ich sie noch vorbereiten sollen? Habe ich den Kindern oft genug gesagt, dass ich sie lieb habe? 

Plötzlich ziehen die Kinder aus und lassen mich zurück mit all meinen Erinnerungen und nehmen einen Teil meines Herzens mit. 


An die Stelle des Familienalltags tritt mit erwachsenen Kindern eine andere Qualität von gemeinsam verbrachter Zeit. Da der Große woanders studiert hat, woanders seine erste Arbeit hatte und nun im Ausland lebt, sehen wir uns im Jahresverlauf nicht so oft. Das Mutzelchen ist im Moment schon noch öfter in Wismar. Die gemeinsam verbrachte Zeit ist aber immer sehr kurz und kostbar. 

Auch das nächste Kind steht schon am Nestrand und ist bereit zum Fliegen. Das letzte Schuljahr steht bevor, im nächsten Jahr wird wohl der kleine Bruder nach dem Abitur hinaus in die Welt ziehen. Dann wird die Wohnung noch leerer. Im Alltag…

... denn an manchen Tagen füllt sie sich doch wieder. Sogar mehr als vorher! Denn plötzlich kommen die großen Kinder nicht mehr alleine nach Hause, sondern haben Partnerinnen oder Partner dabei. Oder Freundinnen und Freunde sind zufällig auch auf Heimaturlaub und schauen auch mal vorbei. Da heißt es plötzlich Tische anbauen, Betten ausklappen, extra Stühle bereitstellen und den Kühlschrank wieder bis obenhin füllen. Das ist aufregend, ja! Eine ganz neue Phase des Familienlebens ist angebrochen. Die gemeinsame Zeit ist ja längst nicht vorbei, sie verändert sich nur. So ist das Leben. Die Bande bleiben. Und die Liebe sowieso. 



Freitag, 10. Juli 2026

Eine Reise und ein Jubiläum

tldr: Ich war an einem superheißen Wochenende in Berlin, besuchte ein Konzert und feierte einen runden Geburtstag. Ein Bericht mit vielen Bildern. 

Da ist sie also, die Zahl. Hui. Seit einer Woche bin ich tatsächlich 50 Jahre alt. Früher dachte ich, da wäre ich alt und erwachsen. Erstaunlich, dass mein Wesen an sich gar nicht gealtert ist. Ich durfte viele, viele Erfahrungen sammeln, gute wie schlechte, und bin dankbar für jeden neuen Tag, der mir gegeben wird. 


Zum Geburtstag schenkte ich mir selber eine Reise nach Berlin. Schon letztes Jahr im Oktober hatte ich das geplant. Ich konnte ja nicht ahnen, dass ich das heißeste Wochenende des Jahres erwischen würde!

Am Samstag, den 27. Juni, verzögerte sich die Anreise mit der Bahn mit vorheriger Ansage. Die Bahn selber riet nämlich vom Reisen ab. Der Zug hielt mehrmals auf der Strecke. Ich kam dann auch nur zwei Stunden zu spät in Berlin an. Immerhin war mein Wagen klimatisiert, Wasser wurde auch ausgeteilt, das war alles hinnehmbar.

In Berlin war es heiß!!! Laut den Wetteraufzeichnungen war das Wochenende das heißeste, das je dokumentiert wurde. Es war so heiß, dass die Wasserwerfer der Berliner Polizei eine ganz neue Aufgabe bekamen: Menschen abkühlen, wie hier direkt vor dem Fernsehturm.


Nachdem ich meine Sachen ins Hotel gebracht hatte, begab ich mich am Abend zu meinem ersten Ziel in Berlin. Ich überquerte den Alexanderplatz...


... kam vorbei an dem Haus, an dem der Schriftzug "ALLESANDERSPLATZ" prangt. (Menschen meines Alters erinnern sich, dass an diesem Platz tatsächlich mal alles ganz anders war, Irgendwo in Berlin steht auch ein Haus, an dem steht geschrieben "Dieses Haus stand einmal in einem anderen Land.") ... 


... und erreichte das Kino "International", das nach der Renovierung wieder vertraut strahlte. Dort sah ich in dem fast ausverkauften großen Saal den wunderbaren Film "Ingeborg Bachmann" mit der von mir sehr geschätzten Sandra Hüller. Von mir aus hätte der Film noch viel länger dauern können.


Blick am nächsten Morgen um 5 Uhr aus meinem Hotelzimmerfenster. Meine normale Aufstehzeit. Natürlich. Doch ich drehte mich nochmal um und schlief ein bisschen weiter. Dank des klimatisierten Hotelzimmers war das zum Glück kein Problem.


Der Sonntag sollte einer der heißesten Tage der bisherigen Wetteraufzeichnungen werden. An die 40 Grad Celsius wurden für Berlin registriert. Ich trottete die Oranienburger Straße in Berlin-Mitte entlang. Es waren fast keine Menschen auf der Straße unterwegs. Es fühlte sich an, wie in einem Airfryer. 

Ich hoffte auf Abkühlung im Kino der Hackeschen Höfe. Doch die Klimaanlage schaffte es nicht mehr. Wir waren aber nur zu sechst im sehr interessanten Film "Rose", wieder mit Sandra Hüller. Irgendwann wurde es aber doch ein bisschen kuschlig im plüschigen Kinosessel. Immerhin konnte man sich im Kino keinen Sonnenbrand holen.


Nach dem Film lief ich wieder gaaaanz langsam die Oranienburger Straße runter bis zum "Tacheles". Das ehemalige Kaufhaus wurde 1909 eröffnet und war damals die zweitgrößte Einkaufspassage Berlins. Nach einer sehr wechselvollen Geschichte mit ganz unterschiedlichen Nutzungen sollte der Rest des Gebäudes abgerissen werden. Im Jahr 1990 wurde das Gebäude aber von einer Künstlerinitiative besetzt und war bis 2010 ein Kunst- und Veranstaltungszentrum. Ich war dort früher auch auf diversen Veranstaltungen, wie Lesungen, Konzerten, habe das Café besucht und tanzte in den Sommernächten im Hinterhof am Lagerfeuer. 

Genau gegenüber befindet sich heute ein neuer Spruch an einer Hauswand, der das bekannte Wandbild "How long is now" am Tacheles aufgreift. 


Mein Ziel war das Fotografiemuseum "Fotografiska", das ich schon lange mal besuchen wollte. Das Gelände des Tacheles wurde in den letzten Jahren verkauft, saniert und neu mit Büros, Wohnungen und Geschäftshäusern bebaut. Dabei wurde der Mittelteil des ehemaligen Kaufhauses erhalten. 

Beim Betreten des Treppenhauses wurde ich wieder in der Zeit zurückgeworfen. Whoah, genau so sah das Treppenhaus damals schon aus! Interessiert beobachtete ich meine Emotionen bei diesem Anblick. Gefühlt hatte ich dieses Treppenhaus gerade erst passiert! Nur sind seitdem an die dreißig Jahre vergangen. Die Zeit ist schon ein merkwürdiges Konstrukt. 

(Warum ich immer ein bisschen länger für meine Blogeinträge brauche: an dieser Stelle recherchiere ich zum Begriff der Zeit und zum Zeitempfinden und lese sehr interessante Dinge darüber.)


Die Fotos von Anton Corbijn waren mein Ziel. Total vertraut kamen sie mir vor, ich hatte sehr viele von ihnen schon irgendwo gesehen. Kein Wunder, der niederländische Künstler prägte mit seinen Arbeiten das visuelle Erscheinungsbild von Bands wie U2 und Depeche Mode und hatte in fast fünf Jahrzehnten viele unterschiedliche Stars vor seiner Kamera. Anton Corbijn war auch verantwortlich für Musikvideos und drehte einige Spielfilme.


Hier auch ein kleiner Hinweis zum Hauptgrund meiner Reise:


Am Abend wollte ich an einem der schönsten Orte in Berlins Mitte entspannen. Ich erhoffte mir ein bisschen Abkühlung an der Spree. Ich lief an Dom und Lustgarten entlang...



... bis zur Museumsinsel. Am Monbijoupark genau gegenüber vom Bodemuseum fand wieder das Tanzen zu lateinamerikanischen Rhythmen statt, da schaute ich eine Weile zu. Ich holte mir eine tolle frische Pizza aus dem Steinbackofen und teilte sie mit zwei jungen Frauen. Ich hatte außerdem ein kühles Getränk und liebte Berlin in diesem Moment bei Sonnenuntergang wieder sehr, sehr, sehr. 




Ausblick gegen Mitternacht aus meinem Hotelzimmerfenster:


Am Montagvormittag war ich in Lichterfelde-West verabredet. Auch hier wandelte ich wieder auf alten Pfaden. Mein erster Mann wohnte hier Anfang der 90er Jahre in einer WG. Und Ende der 90er Jahre hütete ich in einer wunderschönen alten Villa zwei Kinder einer Arztfamilie, bis ich selber mein erstes Kind bekam. Das war eine schöne Zeit und tatsächlich war hier in dieser ruhigen und grünen Wohngegend gefühlt am wenigsten Zeit vergangen.

Meine Verabredung war wunderschön! Ich will an dieser Stelle nicht zu viel erzählen, so kostbar war dieses Treffen für mich. Aber die Stunden mit einer mir sehr vertrauten verwandten Person machten vieles wieder gut und ich habe das Gefühl, es entstand wieder eine ganz neue Verbundenheit zwischen uns. Innerlich sehr weich und glücklich, mit ein paar Tränen in den Augen, machte ich mich wieder auf den Weg...  



... in noch eine Gegend, die mir auch sehr vertraut war. In Berlin-Steglitz wohnte ich, als ich mein erstes Kind zur Welt brachte. Genau da am "Bierpinsel", einem ehemaligen Turmrestaurant, lief ich auf meinen Spaziergängen mit dem Kinderwagen fast täglich entlang....


... vorbei an einem der besten Spielzeugläden der Stadt. Die Architektur der 70er Jahre an dieser Stelle muss man allerdings schon mögen.


Foto, weil ich das vom Leben in einer Kleinstadt nicht mehr gewohnt bin: die nächste U-Bahn lässt nicht lange auf sich warten. Das finde ich immernoch grandios! 


Meine Abendverabredung führte mich in die "City West", also die Gegend rund um den Bahnhof Zoologischer Garten. Im Theater des Westens läuft aktuell ein Musical, das in den 90er Jahren verortet ist. 


Ich sah aber mit meiner Freundin in dem schönen historischen Delphi Filmpalast den Film "Das Sommerbuch" nach dem gleichnamigen Buch von Tove Jansson. Wunderbar! Genau mein Film! Ganz gemächlich plätschert der Film dahin, mit wunderschönen Bildern von skandinavischem Meer und Himmel, untermalt mit wunderbarer Musik und gut gespielt u.a. von Glen Close!


Dienstag der 30. Juni stand schließlich ganz im Zeichen des Hauptgrunds meiner Reise: dem Konzert von Nick Cave und seiner Band in der Berliner Waldbühne. Vormittags war ich noch ein paar Dinge einkaufen, mittags machte ich im Hotelzimmer ein Nickerchen, bis ich am frühen Abend in die S-Bahn Richtung Westen zur Waldbühne in der Nähe des Olympiastadions stieg. 

Ich hatte noch gedacht, ich könnte auf der knapp halbstündigen Fahrt gemütlich meine Zeitung lesen, nein, ich stand, die Bahn war ab Hauptbahnhof mit offensichtlichen Nick-Cave-Fans völlig überfüllt. Gegen 18:15 Uhr erreichte ich die Waldbühne. Nach einem kurzen Spaziergang durchs Grüne lief der Einlass schnell und problemlos. 

Es ist übrigens wirklich eine Bühne mitten im Wald! Die Ränge steigen in dieser natürlichen Schlucht steil an wie in einem Amphitheater. Von allen Plätzen hat man eine sehr gute Sicht. 

Als ich ankam, waren die Ränge noch ziemlich leer. Ich schaute kurz nach meinem Platz und lief dann eine Weile umher, holte mir an einem der unzähligen Stände etwas zu essen und zu trinken und saugte die Atmosphäre in mich auf. Weil die Sonne genau auf meinen Platz noch ziemlich herunterbrannte, wollte ich so lange wie möglich im Schatten bleiben. 


Gerade als ich überlegte, ob es eigentlich eine Vorband geben würde, erklang um 19:25 Uhr schon die erste Musik. Überpünktlich! Oh, nun musste ich mich beeilen! Nun waren die Ränge schon gut gefüllt. Um die 22.000 Personen passen in die Waldbühne hinein. Ich hatte einen schönen Platz, es war beim Buchen im Oktober einer der letzen guten Plätze. Neben mir saßen sehr nette Paare. 


Die Sonne blendete noch ziemlich, ich trug Sonnenbrille, musste aber die meiste Zeit meine Augen mit den Händen abschirmen. Das Publikum war gleich vom ersten Lied an in den Bann gezogen. Ganz andächtig lauschten wir alle dem Gesang von Nick Cave und verfolgten das Spiel der Bandmitglieder. Die Akustik war sehr gut, auf zwei großen Leinwänden links und rechts der Bühne konnten wir das Geschehen in verfolgen. Teilweise saßen wir mit offenem Mund da, weil wir gar nicht glauben konnten, was wir da gerade sehen und hören durften. 

Die Musik von Nick Cave ist ja teilweise sehr melancholisch oder fast düster, ihn aber live beim Singen zu beobachten und seine tolle tiefe Stimme zu hören, war ein ganz besonderer Genuss. Er nahm besonders mit dem Publikum direkt vor der Bühne sehr engen Kontakt auf. Das Publikum war ansonsten in dieser riesigen Arena fast mucksmäuschenstill. Ich hatte das Gefühl, niemand wollte auch nur eine einzige Note verpassen. 


Gegen 20:20 Uhr verschwand die Sonne langsam hinter den Bäumen.


Um 21 Uhr hatte ich genug vom Sitzen. Ich wollte mich bewegen und tanzen. Ich holte mir noch ein Getränk, lief die Ränge entlang und hielt Ausschau nach einem guten Platz zum Stehen. Das war gar nicht so einfach, alle Plätze mit guter Sicht waren schon besetzt und das Servicepersonal sorgte penibel dafür, dass alle Treppen und Fluchtwege freiblieben. Oben am Rand einer großen Treppe fand ich noch einen Ort für mich. Den Rest des Konzertes tanzte ich. Die Stimmung unter den Fans um mich herum war wohlmeinend und richtig gut. 


Gegen 22 Uhr endete das Konzert. Ganz beseelt mit viel Musik im Kopf machte ich mich mit der S-Bahn auf den Weg zurück ins Hotel, wo ich erst gegen 1 Uhr einschlief. 


Am 1. Juli fuhr ich ohne Probleme mit der Bahn von Berlin zurück nach Wismar. Zu Hause waren die Kinder in der Küche gerade dabei, einen Kuchen für den nächsten Morgen zu backen. Ich meinte, sie sollen sich keinen Stress machen, der Kuchen würde auch ohne Schokoladenglasur schmecken. Puderzucker würde auch gut passen.

Bei der Zahnpflege am Abend fiel mir erneut meine Zahnkrone raus. Sehr unschön. Ich überstand die Nacht und plante einen Besuch bei meiner Zahnärztin.

Sonnenaufgang an meinem Geburtstag:


Am Frühstückstisch haben wir dann alle zusammen herzlich gelacht, als uns auffiel, dass ich lieber nicht riskieren sollte, die Kerzen auszupusten. Der Puderzucker würde uns um die Ohren fliegen. Also blieben die Kerzen lieber aus. Es war trotzdem ein schöner Morgen. Auf der Arbeit spendierte ich dem Team Kaffee und Kuchen, ich selber konnte wegen meiner Zahnsituation nicht so gut teilhaben.

Am frühen Nachmittag endlich wurde das Zahnproblem behoben. Es wurde dann noch ein sehr angenehmer Tag, der mit einem abendlichen Familienessen im Restaurant (Nachtisch mit Feuerwerksfontäne!) und einem kleinen Open-Air-Konzert in Wismars Innenstadt ausklang. Die richtig große Feier folgt noch...


Donnerstag, 14. Mai 2026

"Familienleben...


... ist wie ein Mobilé. Kommt ein neues Kind hinzu, gerät das ganze Konstrukt ins Wanken. Es dauert eine Weile, bis sich alles wieder eingeschwungen und ausbalanciert hat."

Das sagte eine meiner Hebammen zu mir, als ich mal wieder kurz nach der Geburt eines neuen Familienmitglieds am Verzweifeln war, wie ich das alles schaffen soll, ob ich allen Kindern gerecht werde, ob der Liebste und ich trotzdem mal ein paar Minuten Zeit für uns haben werden, wann ich endlich mal wieder ein paar Stunden am Stück schlafen würde oder nicht mehr so klapprig auf den Beinen sein werde und, und, und... Tränenreiche Tage waren das. 

Natürlich hatte meine Hebamme Recht. Von meiner Seite war nur Geduld gefragt. Und das Annehmen der Situation, so wie sie ist. Es würde nicht schneller gehen, wenn ich mir zu viele Sorgen mache. NUR!!! Leicht gesagt. Geduld ist nicht gerade einer meiner Stärken. 

Fünf Mal durchlebte ich dieses wahre Wechselbad der Gefühle. Eine sehr sensible Phase war das jedes Mal für die gesamte Familie. Ehrlich gesagt, mochte ich die Zeit direkt nach den Geburten nie besonders. Unter dem unterbrochenen Nachtschlaf habe ich immer am meisten gelitten. Dieses ständige auf Abruf sein mochte ich auch nicht. Babyschreien versetzte meinen Körper jedes Mal in Alarmbereitschaft und brachte mich an meine Grenzen. Wie kann so ein kleiner Mensch nur SO laut sein?! Selbst unter der Dusche hörte ich (fiktives) Babygeschrei. Schlau eingerichtet von der Natur, würde ich sagen, so ist die Versorgung eines so verletzlichen Lebewesens gesichert.

Im Wochenbett hatte ich starke Sehnsucht nach der Gemeinschaft mit meinen größeren Kindern. Sie taten mir leid, weil ich plötzlich nicht mehr so viel Zeit für sie hatte. Ich war wehmütig, weil ein Lebensabschnitt endete. Das hat an mir genagt. Und auch um meine Partnerschaft sorgte ich mich. Würden wir die Paarbeziehung über den schwierigen Alltag retten können? Ich war, wie sagt man heute: "overtouched", hatte also Tag und Nacht ständig Körperkontakt mit einem kleinen Menschen und brauchte eigentlich viel Freiraum für mich. Die Sehnsucht nach Nähe zum Partner war trotzdem da.

Doch weil der Liebste sehr stark eingebunden war in die ganzen Prozesse des Werdens und Wachsens als Familie, war da auch ganz viel gegenseitiges Verständnis und ein starker Wille, das alles gemeinsam zu wuppen. Ohne meinen zugewandten, offenen, engagierten und emanzipierten Mann würde es diese Familie in dieser Form gar nicht geben. Mit ganz viel Zuversicht, Herz und auch Humor haben wir das bis jetzt ganz gut hingekriegt.

Selbstverständlich waren meine Babys die tollsten Geschöpfe der Welt. So schön, so einzigartig, so zart! Und von Anfang an waren sie ganz sie selbst. So wundervoll. Voller Wunder! Jedes Wimpernhaar war perfekt! Jedes winzige Fingerchen, jeder weiche Babyfuß. Und der Duft da am Köpfchen erst! 

Dass ich sie alle nach relativ unkomplizierten Schwangerschaften selbstbestimmt, schnell, völlig ohne Interventionen und vor allem gesund auf die Welt bringen durfte, grenzt an ein Wunder. Das macht mich heute noch demütig aber auch stolz. Die Erfahrungen rund um die Geburten im Geburtshaus oder zu Hause kann mir niemand nehmen und sie haben mich enorm gestärkt. 

Ich empfinde es als großes Geschenk, dieses Wunder mehrfach erlebt haben zu dürfen! Es war und ist eine Freude, meine Kinder beim Aufwachsen begleiten zu dürfen. Das war für mich in meinem Leben immer schon klar, dass ich genau das will: Kinder bekommen und mein Bestes geben, um sie gut ins Leben zu begleiten. Dass es fünf werden sollten, hätte ich selbst nicht gedacht. 

Doch es war nicht immer alles leicht. Meine Vorstellungen und Wünsche wichen ab und zu von der Realität ab. Ich hatte leider überhaupt keine guten Vorbilder. Schon als kleines Kind im Kindergartenalter fragte ich mich, wieso Menschen Kinder bekommen, wenn sie sich nicht gut um sie kümmern wollen und sie obendrein auch noch körperlich und seelisch misshandeln. Ich wusste: so will ich es nicht machen. So auf keinen Fall! Schon in diesen frühen Jahren hatte ich den Respekt vor bestimmten Personen verloren. Was dann ja im Grunde doch irgendwie vorbildhaft war. 

Doch wie genau ich meine Kinder großziehen wollte, musste ich selber herausfinden. Oft musste ich mich stark abgrenzen von dem Verhalten, das ich vorgelebt bekommen hatte. Musste für mich und meine Kinder einstehen, wenn mal wieder gut gemeinte Ratschläge aus der Familie kamen. Manchmal war es sehr schwer, nicht auf erlebte Muster zurückzugreifen. Zu einfach erschien eine kurze Disziplinierungsmaßnahme. Es erforderte enorme Anstrengungen meinerseits, nicht doch schwach zu werden. Ich habe mir sehr große Mühe gegeben, mich ständig zu hinterfragen, wusste ich doch, dass Strenge und Schläge längerfristig nicht zum gewünschten Ergebnis und erst recht nicht zu einer guten Beziehung führen. 

Natürlich habe auch ich nicht alles richtig gemacht. Das werde ich mein ganzes Leben lang mit mir herumtragen müssen. Der gute Wille und die allerbesten Vorsätze allein helfen nicht, ich habe doch auch hier und da Fehler begangen. Das tut mir in der Seele weh und ich werde sicher früher oder später mit meinen Kindern drüber reden, um es ihnen zu ermöglichen, es verarbeiten zu können und vielleicht dennoch für sie alles in gute Bahnen lenken zu können. Egal, was da mal kommen mag, ich werde sie um Verzeihung bitten. Reflektierte Erwachsene hätten mir persönlich gut getan. 

Wie die Kindheit meiner Kinder verlief, variiert durchaus von Kind zu Kind. Was ich auch lernen musste: ich bin nicht für jedes meiner Kinder dieselbe Mutter. Alle Kinder gleich zu behandeln, ist gar nicht möglich. Im Laufe der Zeit hat sich die Familienkonstellation geändert. Meine Erfahrungen haben sich geändert, die Lebensumstände, mein Nervenkostüm. Ich war z.B. mit 22 Jahren was man heutzutage eine junge Mutter nennt, mit 41 gehörte ich dann zu den älteren Müttern. 

Mit den Jahren wurde ich weniger dogmatisch, ja eigentlich kann ich sagen, ich wurde gelassener. Beim dritten, vierten, fünften Kind war es mir nicht mehr so wichtig, ob da im Hintergrund der Fernseher läuft oder nicht, ob das Kind schon mit einem Jahr Kekse mit Zucker bekommt, ob die Klamotten der neusten Mode entsprechen oder vielleicht auch mal Löcher haben, wann das Kind krabbelt oder läuft, ob und wo es schläft... Ich wusste, sie alle würden ihren Weg gehen. Die Hauptsache war für mich immer, mich selber nicht zu verstellen, zu schauen, dass es dabei auch mir gut geht und authentisch zu bleiben. 

Nun sind schon zwei meiner Kinder erwachsen und ausgezogen. Nicht mehr lange, und das nächste Kind wird volljährig. Wie kurz am Ende doch die gemeinsame Zeit im selben Haushalt ist! Sind die Kinder klein, kann man manchmal gar nicht das Ende des Tages abwarten. Und schwupps, sind plötzlich die Jahre vergangen. 

Im Grunde sind das wieder solche Momente, wo der Spruch meiner Hebamme passt. Ein Kind zieht aus. Das Mobilé wackelt genauso, wenn ein Teil des Konstrukts entfernt wird. Alles kommt wieder ins Schwingen und braucht eine Weile, um wieder ins Gleichgewicht zu kommen. Und auch diese Phase ist aufregend und mitunter tränenreich.

Welche Erfahrungen ich mit dieser Phase des Familienlebens gemacht habe, erzähle ich hier im zweiten Teil. 

Donnerstag, 20. November 2025

19 Jahre Liebe

Als ich November 2006 von meinem ersten Treffen mit diesem Mann "aus dem Internet" zurückkam, fragte mich meine Nachbarin, wie es war. Sie hatte am Nachmittag auf meinen Sohn aufgepasst. "Er ist total nett!" sagte ich erstaunt. Ich hatte an diesem rundherum tollen Nachmittag keinen einzigen Haken entdeckt. Nach diversen anderen Erlebnissen während der Partnersuche war ich zunächst skeptisch. 

Eine Woche später waren der Liebste und ich ein Paar und planten unsere gemeinsame Zukunft. Sieben Wochen später zogen wir zusammen und erwarteten unser erstes gemeinsames Kind.

Nach mittlerweile 19 gemeinsamen Jahren ist da immernoch kein Haken. Es war von Anfang an so leicht! Keine Spielchen, kein Zögern, kein Verbiegen, kein Taktieren - einfach nur Ehrlichkeit, Vertrauen, Echtheit, Offenheit, Zuhören, Reden, Humor und Liebe, Liebe, Liebe.

Das vergangene Wochenende haben der Liebste und ich in Kühlungsborn verbracht. Wie schon im letzten Jahr haben wir wieder beim Ehewochenende mitgeholfen. Es war wieder sehr schön und inspirierend, mit anderen Paaren zusammenzukommen. Neben unserer Aufgabe am Freitagabend und am Sonntagnachmittag hatten wir selber auch ein schönes Wochenende miteinander. 

Am Freitag hatte es durchgehend geregnet. An der Seebrücke leuchteten schon die ersten Lichterketten in den Bäumen. 


Nach einem leckeren Abendessen teilten wir uns Applecrumble mit Vanilleeis. Danach fielen wir in unserer gemütlichen Ferienwohnung müde ins Bett und ließen uns vom Rauschen der Wellen in den Schlaf wiegen.


Am Samstag war es trocken, aber windig und kalt. Perfekt für einen Spaziergang einmal durch den ganzen Ort. Wir stöberten in den Läden, tranken mehrmals Kaffee, kauften weihnachtliche Dekorationen, eine warme Jacke und genossen einfach die Zeit in unserem Herzensort. Am Nachmittag machten wir es uns in der Ferienwohnung auf dem Sofa gemütlich und schauten einen Film. Für den Abend hatten wir einen Tisch im Restaurant reserviert. Dort aßen wir ganz hervorragend.





Am Sonntag fuhren wir nach dem späten Frühstück eine Runde mit der Molli-Bahn. So entspannt!


Endlich konnten wir auch das recht neue Café "eena" in Kühlungsborn-West ausprobieren. Tja, wir waren sogar gleich zwei Mal da :-)


Vor unserem Hochzeitsrathaus wurde schon die große Pyramide aufgebaut. 


Auf dem Heimweg am Sonntag wurden wir von einem spektakulären Sonnenuntergang begleitet. Von dieser schönen Auszeit zu zweit können wir jetzt wieder ganz lange zehren.