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Samstag, 6. Juli 2019
Digitaler Elternkompass
Wir sind hier im Ferienmodus. Wir bleiben lange wach, schlafen lange und den ganzen Tag ist Faulenzen und ein bisschen Familientrubel angesagt. Deshalb habe ich nur selten Zeit, hier etwas zu schreiben. Diesen Text habe ich über mehrere Tage verteilt fertig gestellt, denn ich möchte über das wichtige Thema unbedingt berichten.
Mitte Juni habe ich die Veranstaltung #blogfamiliär besucht. Die kleine Schwester der jährlichen Elternbloggerkonferenz Blogfamilia findet übers Jahr verteilt in kleinerem Rahmen in wechselnden Städten statt. Diesmal also Hamburg. Das wollte ich mir nicht entgehen lassen. Zum einen, weil ich dann wieder die Möglichkeit hatte, bekannte und unbekannte Gesichter zu treffen. Zum anderen, um mich einzunorden, was mein Elternwissen zu den digitalen Medien betrifft. Der Elternkompass sollte mir dabei helfen.
Bei meinem Großen war das mit den Medien noch relativ einfach. 1998 geboren, wuchs er in den frühen Jahren mit Kassetten, Schallplatten, Videos und dem KIKA auf. Fertig. Internet hatten wir erst, als er um die acht Jahre alt war. Das Internet damals war langsam, teuer und wurde selten eingeschaltet. Handys waren noch ohne Internetzugriff. Es dauerte noch eine ganze Weile bis er als Teenager, wie seine Freunde, einen Facebook-Account haben wollte und anfing, online Computerspiele zu spielen. Facebook war ziemlich schnell wieder uninteressant. Die Spiele waren schon interessanter, aber mit Absprachen klappte es ganz gut.
Meine vier jüngeren Kinder wachsen nun ganz selbstverständlich mit digitalen Medien auf. Hörspiele kommen von einer Playlist, Kinderfilme sind auf Abruf rund um die Uhr verfügbar, Tablets sind ganz normale Gerätschaften im Kinderzimmer. Schon in der Grundschule lernen die Kinder, selbst im Internet zu recherchieren. Das Mutzelchen hat, seit sie auf die weiterführende Schule geht, ein Handy und kommuniziert darüber über Telegram nachmittags mit ihren Freundinnen. Der kleine Bruder äußerte nun erstmals den Wunsch nach einem eigenen Handy.
Vielleicht dauert es nicht mehr lange und die Kinder wollen einen Instagram-Account oder ein Facebook-Profil haben. Klingt besorgniserregend? Zuvor sollte man doch mal überlegen, wovor die meisten Eltern in Bezug auf digitale Medien Angst haben.
Katja Seide, Autorin der sehr empfehlenswerten Bücher mit den schönen langen Namen "Mein gewünschtestes Wunschkind treibt mich in den Wahnsinn: Der entspannte Weg durch Trotzphasen" und "Mein gewünschtestes Wunschkind treibt mich in den Wahnsinn: Gelassen durch die Jahre 5-10" (beides Amazon-Partner-Links) hielt dazu auf der #blogfamiliär einen interessanten und erfrischenden Vortrag.
Die meisten Eltern haben tatsächlich Angst davor, dass das Kind abhängig von der Spielekonsole oder dem Handy wird. Sie befürchten Streit in der Familie und Kontrollverlust, sie befürchten, das Kind vernachlässigt Schule und Freundinnen oder Freunde und igelt sich infolgedessen noch mehr ein und sitzt dann noch öfter vor den Geräten. Und *zack* ist (überspitzt gesagt) die Zukunft des Kindes ist versaut.
Die Angst kommt nicht von ungefähr. Viele Eltern fühlen sich ohnmächtig, wenn sie sehen, wie ihr Kind von den digitalen Medien magisch angezogen wird.
Sehr viele Eltern haben schon die Erfahrung gemacht, dass das Kind aggressiv reagiert, wenn es das Tablet oder den Fernseher ausschalten soll. Das kommt daher, dass (aggressive) Impulse im menschlichen Gehirn durch eine "Kontrollschleife", den präfrontalen Cortex, geschickt werden. Dort wird entschieden, wie stark man einem Impuls nachgehen sollte. Von Kleinkindern kennen wir das: Impulsen wird sofort und ungefiltert nachgegangen. Die Kontrollschleife muss erst noch trainiert werden.
Bei Müdigkeit, unter Alkoholeinfluss und nach längerer Bildschirmzeit geht die Kontrollschleife in den Ruhemodus, Impulse werden nicht mehr mäßigend gesteuert. Kinder können dann sehr wütend werden, hauen oder schreien. Dann hilft es allerdings nicht, zu schimpfen. Wir sollten abwarten und dann miteinander reden.
Natürlich haben Eltern die Pflicht, ihr Kind vor schädlichen Einflüssen zu schützen. Aber Regeln aufzustellen, nur weil wir als Erwachsene Angst haben, ist keine gute Idee. Es liegt an uns Eltern, Regelungen in der Familie zu treffen, die für alle Familienmitglieder passen. Deshalb müssen wir genau hinsehen: Was genau tut das Kind da? Vielleicht trainiert es eine neue Fähigkeit? Vielleicht lernt es gerade etwas? Wieviel Zeit verbringt das Kind denn wirklich am Computer oder mit Freundinnen und Freunden oder in der Natur?
Ah, gerade habe ich auf der Blogfamilia-Seite Auszüge des Vortrags entdeckt. Danke Katja! Ihre Bücher wachsen immer mit ihren eigenen Kindern mit. Deshalb dürfen wir sicher bald das Buch "Das gewünschteste Wunschkind treibt mich in den Wahnsinn: Chill mal, sagt mein Teenie" erwarten ;-)
Einen vernünftigen Umgang mit den digitalen Medien erreicht man also nur, wenn man sich mit den Dingen beschäftigt, die die Kinder interessiert. Da sind wir als Eltern, ob wir es wollen, oder nicht, gefordert. Vor der Geburt eines Kindes besuchen wir Eltern doch auch einen Geburtsvorbereitungskurs, um uns zu informieren, oder?!
Zugegeben war ich anfangs skeptisch, als ich hörte, dass Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Facebook, Instagram und der Telekom auf der Veranstaltung Vorträge halten sollten. Aber es stellte sich heraus, dass ich sachliche Informationen und ganz praktische Tipps erhalten sollte. Außerdem finde ich es eigentlich logisch, dass Unternehmen, die so eine große Rolle in unserer aller Leben spielen, Verantwortung übernehmen und uns Werkzeuge zur sinnvollen Nutzung an die Hand geben.
Wusstest Du, dass es z.B. bei Facebook einen Sicherheitsbereich gibt, der auch ein Elternportal enthält? Ich wusste das nicht und finde die Tipps dort sehr hilfreich, z.B. wie ich mein Kind vor Mobbing in diesem Portal schützen kann oder was ich tun kann, wenn es schon passiert ist. Und auch Instagram hält einen sehr umfangreichen Instagram-Leitfaden für Eltern bereit. Es lohnt sich, sich dort einmal umzuschauen. Schön finde ich z.B. die zehn Fragen, um eine Unterhaltung mit Teenagern über Instagram zu beginnen. Constanze Osei Becker von Facebook, die an dem Abend auch einen Vortrag gehalten hat, hat hier auf der Seite der Blogfamilia ein Interview gegeben.
Noch einen sehr informativen Vortrag hat Thomas Schmidt von der Initiative Teachtoday der Telekom gehalten. Diese mehrfach prämierte Initiative setzt sich für Kinder und Jugendliche ein, um ihnen einen sicheren Umgang mit Medien zu vermitteln. Anhand von ansprechenden Projekten können Kinder und Jugendliche z.B. ihr Verhalten im Netz reflektieren und spielerisch einüben. Es gibt auf der Seite Medienkompetenztests und Themendossiers zu wichtigen Themen. Teachtoday ist für Kinder und Jugendliche, aber auch für Eltern und für pädagogische Fachkräfte sehr hilfreich.
Im Vortrag erfuhren wir etwas zum Nutzungsverhalten der digitalen Medien von Kindern und Jugendlichen. Dafür bräuchten die Kinder und Jugendlichen Medienkompetenz, also die Fähigkeit, in bestimmten Situationen kreativ und selbstorganisiert mit der Situation und ihren Grenzen und Möglichkeiten umzugehen. Dafür braucht man z.B. Kommunikationsfähigkeit, Kooperationsfähigkeit, Kreativität und Beurteilungsvermögen (hier näher erläutert von Das Kompetenzlabor, auch eine sehr sinnvolle Seite übrigens).
Kernpunkt auch dieses Vortrags: wir sollten mit Kindern über digitale Medien sprechen. Und zwar ehrlich, auf Augenhöhe, mit unterhaltsamen Inhalten und mit Emotionen verbunden. Wie eigentlich über jedes andere Thema auch. Teachtoday hat dafür ein unterhaltsames Medienmagazin namens Scroller herausgegeben, das man hier herunterladen oder als Druckausgabe bestellen kann.
Neulich meinte mein Großer zu mir "Mama, weißt du noch, als du mir Facebook nicht erlauben wolltest?" Das wusste ich tatsächlich nicht mehr. Damals wusste ich allerdings auch noch nichts von dem vielen Tipps für Eltern. Es gab sie auch noch nicht in dem Umfang wie heute. Ich fühlte mich hilflos und habe es deshalb vorsichtshalber abgelehnt. Heute können der Große und ich gemeinsam drüber lachen und es ist schön, dass wir darüber ins Gespräch kommen können. Er nutzt die digitalen Medien nun ganz selbstverständlich und sie sind ihm beim Studium und im anstehenden Berufsleben sehr hilfreich.
Also, falls Ihr mal eine #blogfamiliär-Veranstaltung in Eurer Nähe entdeckt, geht gerne hin. Manchmal gibt es auch Vorträge zu diesen Themen an Schulen oder in Elternzentren. Die digitalen Medien sind da und gehen nicht mehr weg. Es ist besser, wir haben keine Angst sondern Ahnung davon. Für uns und unsere Kinder.
Sonntag, 16. Juni 2019
Wochenende am 15. und 16. Juni
Meine Woche endet am Freitag mit einem neuen Einsatz im Museumsdorf Volksdorf. Eine Schulklasse aus der Umgebung hat eine Aktion gebucht. Die 27 Kinder werden in zwei Gruppen aufgeteilt. Eine Gruppe bekommt eine Führung über das Gelände. Da sehen die Kinder die Gebäude und die Tiere. Die andere Gruppe nehmen wir im alten Bauernhaus in Empfang.
Nach der Begrüßung erzählen wir am Feuer vom Leben früher und erklären alle Geräte in der Küche. Danach dürfen die Kinder selber tätig werden. Am Tisch wird Speck für die Pfanne kleingeschnitten, es wird Pfannkuchenteig aus Buchweizenmehl und Buttermilch angerührt und mit einem Quirl aus Sahne wird selber Butter geschlagen. An einer Steinmühle darf Buchweizen zu Mehl gemahlen werden. Danach werden Butterbrote geschmiert und von einer Kollegin werden in der Pfanne über dem Feuer kleine Pfannkuchen gebacken. Zum Schluss dürfen alle zusammen essen.
Das Ganze dauert eine Stunde. Dann werden die Gruppen getauscht und das Programm beginnt nochmal von vorn. Mit Vor- und Nachbereitung bin ich von halb 10 bis ca. 12:30 Uhr im Museumsdorf beschäftigt. Die Augustschnuppe ist die ganze Zeit dabei. Sie rennt zwischen den Kindern hin und her und klettert die Bänke hoch und runter. Auf dem Rückweg mit dem Bus schläft sie im Kinderwagen ein. Wir beide duften wegen des offenen Feuers im Museumsdorf wie frische Holzofenbrote.
Zu Hause trudeln dann bald die Schulkinder ein. Ach nee, zunächst nur das Mutzelchen. Der kleine Bruder geht nach der Schule erstmal zu seinem besten Freund. Den Adventsjungen brauche ich gar nicht abholen, denn seine Vorschulgruppe macht eine Übernachtung im Kindergarten. Das Mutzelchen fährt am Nachmittag zum Balletttraining.
Der Liebste kommt ein bisschen früher nach Hause, dann kann ich los und fahre in die Innenstadt. Ich besuche dort eine Veranstaltung der Blogfamilia. Die kleine Schwester nennt sich #blogfamiliär, findet bundesweit in verschiedenen Städten statt und behandelt an einem Abend bestimmte Schwerpunktthemen. In Hamburg geht es diesmal um einen Digitalen Elternkompass. Veranstaltungsort ist das Büro von Facebook mit einem tollen Ausblick Richtung Michel und Hamburger Hafen.
Die Veranstaltung ist gut besucht. Ich treffe auf viele vertraute Bloggerinnen und Blogger und lerne ein paar neue Gesichter kennen. Die Vorträge sind sehr informativ, ich lerne tatsächlich noch etwas dazu. Es gibt Getränke, Eis und leckere kleine Gerichte. Von der Veranstaltung berichte ich nochmal gesondert.
Während ich zuhöre, schaue ich immer wieder nach draußen, wo die Abendsonne so langsam alles in herrliches Licht taucht. Ich beschließe, wenn ich schonmal in der Innenstadt bin, im Anschluss nochmal schnell zum Hafen zu fahren.
Ich laufe eine Viertelstunde zum passenden S-Bahnhof. An den Landungsbrücken raus. Um kurz nach 21 Uhr blicke ich endlich aufs Wasser. Mein Blick schweift über die zarten Wellen, ich beobachte Möwen bei ihrem Flug über die Elbe und bewundere die Farben des Abendhimmels. Sofortige Entspannung tritt ein. Ah, das habe ich so gebraucht!
Ich könnte doch noch ein Stückchen mit der Fähre fahren. Nur bis zur Elbphilharmonie. Ich müsste dann zwar noch ein ganzes Stück zu meiner U-Bahnstation laufen, aber das wäre es mir wert. Das würde ganz schön spät werden. Aber Fähre fahren!
Die Fähre hätte schon längst da sein müssen. Hmpf, die nächste kommt erst in zwanzig Minuten. Soll ich wirklich so lange warten? Ich gehe langsam die Fußgängerbrücke hoch. Da kommt doch noch die Fähre. Ich laufe schnell wieder zurück und steige ein. Wir stehen noch ein bisschen im Hafen und dann geht es endlich los. Es ist herrlich! Die Schwüle des Tages ist zum Glück weg. Auf dem Wasser weht eine schöne frische Brise.
Hinter uns geht die Sonne knallrot unter. Einige Fensterscheiben und auch die goldene Turmuhr am Michel scheinen lichterloh zu brennen. Viel zu schnell erreichen wir die Haltestelle an der Elbphilharmonie. Ich lasse die Fähre fahren und stehe noch ein bisschen am Wasser. Türkisblau leuchtet es nun. Gegenüber recken sich die Hafenkräne in den Himmel, wo schon der fast volle Mond friedlich leuchtet. Ich bin ein bisschen melancholisch. Warum kann ich nicht für immer am Wasser bleiben?
Doch ich muss weiter. 20 Minuten Fußweg liegen noch vor mir bis zur U-Bahn. Ich bin nach dem langen Tag ziemlich geschafft. Noch dazu trage ich eine ziemlich schwere "Goodie-Bag" von der Veranstaltung mit mir. Drin sind Broschüren und kleine Geschenke der Sponsoren.
Mein Weg führt mich durch die Hafencity und die Speicherstadt. Die Speicherstadt liebe ich ja. Backstein sowieso! Mittlerweile ist es 22 Uhr. Der Himmel hat sich passend zu den Gebäuden in der Speicherstadt orangerot eingefärbt. Im Wasser der Kanäle spiegelt sich die Szenerie wider. Die Luft ist ganz lau. Es ist ein Abend wie aus Samt. Die Straßen sind noch voller Menschen.
Mit müden Füßen erreiche ich den U-Bahnhof. Meine Bahn kommt sofort. Um kurz vor 23 Uhr bin ich endlich zu Hause.
Am nächsten Morgen bin ich schon früh wach. Draußen ist es stockdunkel und es gewittert. Ich frühstücke Müsli und Aufbackbrezeln mit den Kindern. Der kleine Bruder hat am vorherigen Abend noch seinen besten Freund zum Übernachten mitgebracht. Der Liebste geht den Adventsjungen aus dem Kindergarten abholen. Um 8:30 Uhr ist dort Frühstück mit den Eltern.
Um kurz vor 10 sind die beiden wieder zurück. Für mich ist es Zeit, loszufahren. Ich werde wieder im Museumsdorf gebraucht. Eine Gruppe Erwachsener macht einen Betriebsausflug und hat unsere Aktion am Feuer dafür gebucht. Das wird ein sehr netter Tag. Ich hatte zuerst ein bisschen Bammel vor den Fragen der Erwachsenen, aber das war gar nicht nötig. Sie waren sehr interessiert und haben mit großer Begeisterung mitgemacht. Im Anschluss an die zwei Stunden hat die Gruppe auch ein Kaffeetrinken gebucht. Dafür haben wir Mitarbeiterinnen vorher eingedeckt und servieren nun selbstgebackenen Kuchen und schenken Kaffee oder Tee ein.
Gegen 14:30 Uhr bin ich wieder zu Hause. Der Liebste war zwischendurch mit dem Adventsjungen und er Augustschnuppe in der Schwimmhalle. Der Schwimmkurs des Adventsjungen neigt sich bald dem Ende zu. Jetzt fährt der Liebste noch schnell einkaufen. Die Kinder spielen drinnen und draußen.
Die Augustschnuppe, die doch noch nicht ganz ohne Mittagsschlaf auskommt, aber dann eben noch ziemlich fit ist, leistet uns am Abend wieder Gesellschaft. Sie sieht das dann gegen 22 Uhr aus. Wir sitzen auf dem Sofa, unterhalten uns und schauen eine Naturdokumentation. Sie spielt, bis sie schließlich reif fürs Bett ist.
Unser Sonntag ist schnell erzählt: Kruscheltag. Wohnung aufräumen und putzen. Papiere sortieren. Das Lager mit Schulmaterialien für das neue Schuljahr sichten. Spiele spielen. Lesen. Mittags Maultaschen, nachmittags Erdbeerkuchen. Und die Augustschnuppe beginnt, Spuren auf Papier zu hinterlassen.
Das Wochenende in Bildern gibts bei Alu und Konsti. Da trage ich mich auch ein.
Nach der Begrüßung erzählen wir am Feuer vom Leben früher und erklären alle Geräte in der Küche. Danach dürfen die Kinder selber tätig werden. Am Tisch wird Speck für die Pfanne kleingeschnitten, es wird Pfannkuchenteig aus Buchweizenmehl und Buttermilch angerührt und mit einem Quirl aus Sahne wird selber Butter geschlagen. An einer Steinmühle darf Buchweizen zu Mehl gemahlen werden. Danach werden Butterbrote geschmiert und von einer Kollegin werden in der Pfanne über dem Feuer kleine Pfannkuchen gebacken. Zum Schluss dürfen alle zusammen essen.
Das Ganze dauert eine Stunde. Dann werden die Gruppen getauscht und das Programm beginnt nochmal von vorn. Mit Vor- und Nachbereitung bin ich von halb 10 bis ca. 12:30 Uhr im Museumsdorf beschäftigt. Die Augustschnuppe ist die ganze Zeit dabei. Sie rennt zwischen den Kindern hin und her und klettert die Bänke hoch und runter. Auf dem Rückweg mit dem Bus schläft sie im Kinderwagen ein. Wir beide duften wegen des offenen Feuers im Museumsdorf wie frische Holzofenbrote.
Zu Hause trudeln dann bald die Schulkinder ein. Ach nee, zunächst nur das Mutzelchen. Der kleine Bruder geht nach der Schule erstmal zu seinem besten Freund. Den Adventsjungen brauche ich gar nicht abholen, denn seine Vorschulgruppe macht eine Übernachtung im Kindergarten. Das Mutzelchen fährt am Nachmittag zum Balletttraining.
Der Liebste kommt ein bisschen früher nach Hause, dann kann ich los und fahre in die Innenstadt. Ich besuche dort eine Veranstaltung der Blogfamilia. Die kleine Schwester nennt sich #blogfamiliär, findet bundesweit in verschiedenen Städten statt und behandelt an einem Abend bestimmte Schwerpunktthemen. In Hamburg geht es diesmal um einen Digitalen Elternkompass. Veranstaltungsort ist das Büro von Facebook mit einem tollen Ausblick Richtung Michel und Hamburger Hafen.
Die Veranstaltung ist gut besucht. Ich treffe auf viele vertraute Bloggerinnen und Blogger und lerne ein paar neue Gesichter kennen. Die Vorträge sind sehr informativ, ich lerne tatsächlich noch etwas dazu. Es gibt Getränke, Eis und leckere kleine Gerichte. Von der Veranstaltung berichte ich nochmal gesondert.
Während ich zuhöre, schaue ich immer wieder nach draußen, wo die Abendsonne so langsam alles in herrliches Licht taucht. Ich beschließe, wenn ich schonmal in der Innenstadt bin, im Anschluss nochmal schnell zum Hafen zu fahren.
Ich laufe eine Viertelstunde zum passenden S-Bahnhof. An den Landungsbrücken raus. Um kurz nach 21 Uhr blicke ich endlich aufs Wasser. Mein Blick schweift über die zarten Wellen, ich beobachte Möwen bei ihrem Flug über die Elbe und bewundere die Farben des Abendhimmels. Sofortige Entspannung tritt ein. Ah, das habe ich so gebraucht!
Ich könnte doch noch ein Stückchen mit der Fähre fahren. Nur bis zur Elbphilharmonie. Ich müsste dann zwar noch ein ganzes Stück zu meiner U-Bahnstation laufen, aber das wäre es mir wert. Das würde ganz schön spät werden. Aber Fähre fahren!
Die Fähre hätte schon längst da sein müssen. Hmpf, die nächste kommt erst in zwanzig Minuten. Soll ich wirklich so lange warten? Ich gehe langsam die Fußgängerbrücke hoch. Da kommt doch noch die Fähre. Ich laufe schnell wieder zurück und steige ein. Wir stehen noch ein bisschen im Hafen und dann geht es endlich los. Es ist herrlich! Die Schwüle des Tages ist zum Glück weg. Auf dem Wasser weht eine schöne frische Brise.
Hinter uns geht die Sonne knallrot unter. Einige Fensterscheiben und auch die goldene Turmuhr am Michel scheinen lichterloh zu brennen. Viel zu schnell erreichen wir die Haltestelle an der Elbphilharmonie. Ich lasse die Fähre fahren und stehe noch ein bisschen am Wasser. Türkisblau leuchtet es nun. Gegenüber recken sich die Hafenkräne in den Himmel, wo schon der fast volle Mond friedlich leuchtet. Ich bin ein bisschen melancholisch. Warum kann ich nicht für immer am Wasser bleiben?
Doch ich muss weiter. 20 Minuten Fußweg liegen noch vor mir bis zur U-Bahn. Ich bin nach dem langen Tag ziemlich geschafft. Noch dazu trage ich eine ziemlich schwere "Goodie-Bag" von der Veranstaltung mit mir. Drin sind Broschüren und kleine Geschenke der Sponsoren.
Mein Weg führt mich durch die Hafencity und die Speicherstadt. Die Speicherstadt liebe ich ja. Backstein sowieso! Mittlerweile ist es 22 Uhr. Der Himmel hat sich passend zu den Gebäuden in der Speicherstadt orangerot eingefärbt. Im Wasser der Kanäle spiegelt sich die Szenerie wider. Die Luft ist ganz lau. Es ist ein Abend wie aus Samt. Die Straßen sind noch voller Menschen.
Mit müden Füßen erreiche ich den U-Bahnhof. Meine Bahn kommt sofort. Um kurz vor 23 Uhr bin ich endlich zu Hause.
Am nächsten Morgen bin ich schon früh wach. Draußen ist es stockdunkel und es gewittert. Ich frühstücke Müsli und Aufbackbrezeln mit den Kindern. Der kleine Bruder hat am vorherigen Abend noch seinen besten Freund zum Übernachten mitgebracht. Der Liebste geht den Adventsjungen aus dem Kindergarten abholen. Um 8:30 Uhr ist dort Frühstück mit den Eltern.
Um kurz vor 10 sind die beiden wieder zurück. Für mich ist es Zeit, loszufahren. Ich werde wieder im Museumsdorf gebraucht. Eine Gruppe Erwachsener macht einen Betriebsausflug und hat unsere Aktion am Feuer dafür gebucht. Das wird ein sehr netter Tag. Ich hatte zuerst ein bisschen Bammel vor den Fragen der Erwachsenen, aber das war gar nicht nötig. Sie waren sehr interessiert und haben mit großer Begeisterung mitgemacht. Im Anschluss an die zwei Stunden hat die Gruppe auch ein Kaffeetrinken gebucht. Dafür haben wir Mitarbeiterinnen vorher eingedeckt und servieren nun selbstgebackenen Kuchen und schenken Kaffee oder Tee ein.
Gegen 14:30 Uhr bin ich wieder zu Hause. Der Liebste war zwischendurch mit dem Adventsjungen und er Augustschnuppe in der Schwimmhalle. Der Schwimmkurs des Adventsjungen neigt sich bald dem Ende zu. Jetzt fährt der Liebste noch schnell einkaufen. Die Kinder spielen drinnen und draußen.
Die Augustschnuppe, die doch noch nicht ganz ohne Mittagsschlaf auskommt, aber dann eben noch ziemlich fit ist, leistet uns am Abend wieder Gesellschaft. Sie sieht das dann gegen 22 Uhr aus. Wir sitzen auf dem Sofa, unterhalten uns und schauen eine Naturdokumentation. Sie spielt, bis sie schließlich reif fürs Bett ist.
Unser Sonntag ist schnell erzählt: Kruscheltag. Wohnung aufräumen und putzen. Papiere sortieren. Das Lager mit Schulmaterialien für das neue Schuljahr sichten. Spiele spielen. Lesen. Mittags Maultaschen, nachmittags Erdbeerkuchen. Und die Augustschnuppe beginnt, Spuren auf Papier zu hinterlassen.
Das Wochenende in Bildern gibts bei Alu und Konsti. Da trage ich mich auch ein.
Donnerstag, 30. Mai 2019
Berlin, Berlin
Es scheint, als ob die Augustschnuppe so nach und nach ihren Mittagsschlaf abschaffen würde. Manchmal schafft sie es bis zum Abend ohne Schlaf. Das heißt, es gibt am Tag keine Pause für mich. Schläft sie, habe ich zwar mittags ein bisschen Pause, dafür hält sie dann aber am Abend bis gegen 22 Uhr durch.
Am Nachmittag ist hier ein Kommen und Gehen. Die Schulkinder kommen zu unterschiedlichen Zeiten und gehen dann auch wieder ihren Hobbys nach oder besuchen Freundinnen und Freunde. Ich nehme Elternpost entgegen, reiche Getränke und Essen. Viel Essen. Was ich damit sagen will: wenig Zeit zum Gedanken zu Ende denken, für eigene Anliegen, geschweige denn Hobbys oder Bloggen.
Als ich vor zwei Wochen nach Berlin gefahren bin, habe ich meine freie Zeit deshalb so richtig genossen. Meine zwei Bücher blieben ungelesen im Koffer. Ich saß während der kurzen Bahnfahrt einfach nur da und schaute aus dem Fenster.
Mein Hotelzimmer hoch oben über den Dächern der Stadt und vor allem des Hauptbahnhofs mochte ich besonders wegen der Aussicht. Die Gegend gehört im Moment zu den hässlichsten Ecken Berlins. Unglaublich, wie Touristen an diesem Ort in einer Millionenstadt begrüßt werden. Ich aber liebe die mir sehr vertrauten Geräusche so sehr. Da ist das Surren der S-Bahn beim Anfahren, das Bimmeln der Straßenbahn und ihr Quietschen, wenn sie um die Kurve fährt, das Hupen der Autos und Gesprächsfetzen der vielen Menschen da unten. In der Nacht war es dort übrigens erstaunlich ruhig.
Neben meinem Besuch der Elternbloggerkonferenz Blogfamilia, dem Hauptgrund meiner Reise, hatte ich mir noch viel Zeit zum Treiben lassen und für ein bisschen Kultur eingeplant. Als ich am Freitag, den 17. Mai, meinen Koffer in mein Hotelzimmer gebracht hatte, saß ich erstmal eine Weile da oben in der 10. Etage am Fenster und ließ mir die Berliner Luft um die Nase wehen.
Dann machte ich mich auf den Weg in die Stadt. Zuerst fragte ich im Friseursalon im Hauptbahnhof nach einem kurzfristigen Termin. Zu Hause war ich vor ca. zwei Wochen beim Friseur, war aber nicht ganz zufrieden und schnippelte mir selber ein paar Fransen an den Seiten ab. Hmpf, das hat es nicht besser gemacht. Im Hauptbahnhof war nichts für mich frei. So fuhr ich zum Bahnhof Friedrichstraße und fragte im dortigen Salon nach. "Klar, ick rette Sie!" rief mir eine patente Frau entgegen. Und das tat sie auch. Prima!
Danach hatte ich noch ein bisschen Zeit bis zu meinem Abendtermin. Ich nahm die S-Bahn Richtung Zoologischer Garten. Weil das Wetter so schön war, beschloss ich, schon am Bahnhof Tiergarten auszusteigen und ein Stück die Straße des 17. Juni runterzulaufen. Das war eine gute Idee, es war wunderbar. Die Abendsonne tauchte alles in orange-goldenes Licht, in der Luft schwebten fluffige Samen von Bäumen und der Himmel war lieblingsfarben.
Ich kam am Charlottenburger Tor vorbei, an der Technischen Universität und erreichte den Ernst-Reuter-Platz. Da befand sich mein Ziel des Abends, das Schillertheater. Auf dieser Bühne wurde an dem Abend das Stück "Unterleuten" von Juli Zeh nach ihrem gleichnamigen Roman (Amazon-Partner-Link) gegeben. Es war ein Gastspiel von Schauspielerinnen und Schauspielern der Komödie am Kurfürstendamm. Auf der Bühne ein Wald und Häuser und viele Menschen, die in dem fiktiven brandenburgischen Dorf zwanzig Jahre nach der Wende versuchen, dort miteinander zu leben. Es kommen Investoren, es brechen uralte Konflikte auf und am Ende wird es Gewinner und Verlierer geben.
Das Stück hat mir gut gefallen, auch wenn es an manchen Stellen etwas langatmig war. Aber überhaupt mal wieder die Theaterluft atmen! Es dauerte bis 23 Uhr. Kurz überlegte ich, die Bismarckstraße hinunterzulaufen, um mir mal wieder meine frühere Ausbildungsstätte anzuschauen, die ich mit Babypause fast 9 Jahre lang besucht habe. Dann entschied ich mich aber doch für eine schnelle Rückfahrt zum Hotel.
Oben überm nächtlichen Berlin schaute ich noch ein bisschen aus dem Fenster. Unter mir summte die Stadt ganz leise. Unterm Baukran hing der leuchtende Vollmond am hellen Nachthimmel und begleitete mich in den Schlaf.
Als ich am nächsten Morgen um 4:30 Uhr erwachte, war es schon wieder fast ganz hell. Typisch, die Sache mit dem Ausschlafen habe ich wohl für immer verlernt. Ich drehte mich nochmal um und schlief bis ca. halb 8. Dann machte ich mich schick für die Blogfamilia. Ich brauchte nur ein Stückchen mit der Straßenbahn fahren, dann erreichte ich nach einem kurzen Spaziergang den Veranstaltungsort.
Am frühen Abend war ich leergequasselt und ein bisschen müde. Ich fuhr zurück zum Hotel, um meine Goodiebag unterzubringen und mich frisch zu machen. Ich hatte mir für den Abend eine Kinokarte gekauft und wollte deshalb zufällig schon wieder in Richtung Zoologischer Garten fahren.
Ich lief durch den Hauptbahnhof hindurch und auf der anderen Seite über die Spree. Massen von Menschen waren unterwegs. Mir kamen viele Läuferinnen in Sportkleidung entgegen. In der Ferne, aus der Richtung Brandenburger Tor wummerten die Bässen von lauter Musik. Ich lief weiter, war mir aber nicht so sicher, ob ich wirklich in eine Großveranstaltung geraten wollte. Im Regierungsviertel waren alle Grünflächen durch Bauzäune abgesperrt.
Mein Plan war, mit dem 100er Bus einmal quer durch die Stadt bis zum Bahnhof Zoo zu fahren. Neben dem Reichstag wartete ich eine ganze Weile auf den Bus, der wahrscheinlich wegen der Veranstaltung Verspätung hatte. Proppenvoll kam er dann doch, ich bekam einen Platz im Oberdeck. Wir schaukelten durch den Tiergarten und am Schloss Bellevue vorbei. Die Goldelse auf der Siegessäule strahlte und funkelte wie frisch geputzt. Am Ku'damm wieder dieses für mich ungewohnte Bild mit den ganzen Hochhäusern.
Meine Kinokarte galt für das ziemlich neue Kino Delphi Lux. Das wollte ich mal testen. Weil ich noch Zeit hatte, lief ich noch ein Stückchen um die Ecke bis zum alten Kino Delphi. Hier habe ich schon unzählige Filme gesehen, früher. Gerne auch am Sonntag in der Matinée.
Immer, wenn ich in dieser Straße bin, halte ich inne und schaue hoch zu den Fenstern in der 2. Etage des Hauses Kant-/ Ecke Fasanenstraße. Dort lebte die Familie von Isaak Behar, der Anfang der neunziger Jahre als Zeitzeuge in meiner Schule war und von seinen Erlebnissen im 2. Weltkrieg berichtete. Nur durch Zufall war er nicht in der Wohnung als seine Eltern und seine zwei Schwestern von der Gestapo abgeholt wurden. Die Familie wurde deportiert und in Auschwitz ermordet. Der damals 19jährige Isaak Behar konnte sich verstecken und überlebte mit viel Glück. Seine bewegende Geschichte hat er in dem Buch "Versprich mir, dass du am Leben bleibst" (Amazon-Partner-Link) aufgeschrieben. Isaak Behar lebte bis 2011.
Im Kino Delphi Lux betrat ich einen sehr plüschigen und komplett flamingofarbenen Kinosaal. Gemütlich auf alle Fälle. Ich hatte mir den Film "Van Gogh - An der Schwelle zur Ewigkeit" mit Willem Dafoe ausgesucht. Ich dachte, ein ruhiger Film mit schönen Landschaftsaufnahmen über den Maler wäre ein entspannter Abschluss eines langen Tages. So versprach es zumindest der Trailer. Nun, Entspannung trat nicht ein, denn der Film war sehr herausfordernd. Kameraführung bis zum Schwindelgefühl und unharmonische laute Klaviermusik erforderten meine ganze Aufmerksamkeit. Ein Meisterwerk, keine Frage. Aber sehr gewöhnungsbedürftig.
Wieder war ich erst gegen Mitternacht in meinem Hotelzimmer. In der folgenden Nacht schlief ich recht gut. Am nächsten Morgen holte ich mir den Tagesspiegel und stieg in den Zug. Als ich die Zeitung durch hatte, war ich schon wieder zurück in Hamburg.
Am Nachmittag ist hier ein Kommen und Gehen. Die Schulkinder kommen zu unterschiedlichen Zeiten und gehen dann auch wieder ihren Hobbys nach oder besuchen Freundinnen und Freunde. Ich nehme Elternpost entgegen, reiche Getränke und Essen. Viel Essen. Was ich damit sagen will: wenig Zeit zum Gedanken zu Ende denken, für eigene Anliegen, geschweige denn Hobbys oder Bloggen.
Als ich vor zwei Wochen nach Berlin gefahren bin, habe ich meine freie Zeit deshalb so richtig genossen. Meine zwei Bücher blieben ungelesen im Koffer. Ich saß während der kurzen Bahnfahrt einfach nur da und schaute aus dem Fenster.
Mein Hotelzimmer hoch oben über den Dächern der Stadt und vor allem des Hauptbahnhofs mochte ich besonders wegen der Aussicht. Die Gegend gehört im Moment zu den hässlichsten Ecken Berlins. Unglaublich, wie Touristen an diesem Ort in einer Millionenstadt begrüßt werden. Ich aber liebe die mir sehr vertrauten Geräusche so sehr. Da ist das Surren der S-Bahn beim Anfahren, das Bimmeln der Straßenbahn und ihr Quietschen, wenn sie um die Kurve fährt, das Hupen der Autos und Gesprächsfetzen der vielen Menschen da unten. In der Nacht war es dort übrigens erstaunlich ruhig.
Neben meinem Besuch der Elternbloggerkonferenz Blogfamilia, dem Hauptgrund meiner Reise, hatte ich mir noch viel Zeit zum Treiben lassen und für ein bisschen Kultur eingeplant. Als ich am Freitag, den 17. Mai, meinen Koffer in mein Hotelzimmer gebracht hatte, saß ich erstmal eine Weile da oben in der 10. Etage am Fenster und ließ mir die Berliner Luft um die Nase wehen.
Dann machte ich mich auf den Weg in die Stadt. Zuerst fragte ich im Friseursalon im Hauptbahnhof nach einem kurzfristigen Termin. Zu Hause war ich vor ca. zwei Wochen beim Friseur, war aber nicht ganz zufrieden und schnippelte mir selber ein paar Fransen an den Seiten ab. Hmpf, das hat es nicht besser gemacht. Im Hauptbahnhof war nichts für mich frei. So fuhr ich zum Bahnhof Friedrichstraße und fragte im dortigen Salon nach. "Klar, ick rette Sie!" rief mir eine patente Frau entgegen. Und das tat sie auch. Prima!
Danach hatte ich noch ein bisschen Zeit bis zu meinem Abendtermin. Ich nahm die S-Bahn Richtung Zoologischer Garten. Weil das Wetter so schön war, beschloss ich, schon am Bahnhof Tiergarten auszusteigen und ein Stück die Straße des 17. Juni runterzulaufen. Das war eine gute Idee, es war wunderbar. Die Abendsonne tauchte alles in orange-goldenes Licht, in der Luft schwebten fluffige Samen von Bäumen und der Himmel war lieblingsfarben.
Ich kam am Charlottenburger Tor vorbei, an der Technischen Universität und erreichte den Ernst-Reuter-Platz. Da befand sich mein Ziel des Abends, das Schillertheater. Auf dieser Bühne wurde an dem Abend das Stück "Unterleuten" von Juli Zeh nach ihrem gleichnamigen Roman (Amazon-Partner-Link) gegeben. Es war ein Gastspiel von Schauspielerinnen und Schauspielern der Komödie am Kurfürstendamm. Auf der Bühne ein Wald und Häuser und viele Menschen, die in dem fiktiven brandenburgischen Dorf zwanzig Jahre nach der Wende versuchen, dort miteinander zu leben. Es kommen Investoren, es brechen uralte Konflikte auf und am Ende wird es Gewinner und Verlierer geben.
Das Stück hat mir gut gefallen, auch wenn es an manchen Stellen etwas langatmig war. Aber überhaupt mal wieder die Theaterluft atmen! Es dauerte bis 23 Uhr. Kurz überlegte ich, die Bismarckstraße hinunterzulaufen, um mir mal wieder meine frühere Ausbildungsstätte anzuschauen, die ich mit Babypause fast 9 Jahre lang besucht habe. Dann entschied ich mich aber doch für eine schnelle Rückfahrt zum Hotel.
Oben überm nächtlichen Berlin schaute ich noch ein bisschen aus dem Fenster. Unter mir summte die Stadt ganz leise. Unterm Baukran hing der leuchtende Vollmond am hellen Nachthimmel und begleitete mich in den Schlaf.
Als ich am nächsten Morgen um 4:30 Uhr erwachte, war es schon wieder fast ganz hell. Typisch, die Sache mit dem Ausschlafen habe ich wohl für immer verlernt. Ich drehte mich nochmal um und schlief bis ca. halb 8. Dann machte ich mich schick für die Blogfamilia. Ich brauchte nur ein Stückchen mit der Straßenbahn fahren, dann erreichte ich nach einem kurzen Spaziergang den Veranstaltungsort.
Am frühen Abend war ich leergequasselt und ein bisschen müde. Ich fuhr zurück zum Hotel, um meine Goodiebag unterzubringen und mich frisch zu machen. Ich hatte mir für den Abend eine Kinokarte gekauft und wollte deshalb zufällig schon wieder in Richtung Zoologischer Garten fahren.
Ich lief durch den Hauptbahnhof hindurch und auf der anderen Seite über die Spree. Massen von Menschen waren unterwegs. Mir kamen viele Läuferinnen in Sportkleidung entgegen. In der Ferne, aus der Richtung Brandenburger Tor wummerten die Bässen von lauter Musik. Ich lief weiter, war mir aber nicht so sicher, ob ich wirklich in eine Großveranstaltung geraten wollte. Im Regierungsviertel waren alle Grünflächen durch Bauzäune abgesperrt.
Mein Plan war, mit dem 100er Bus einmal quer durch die Stadt bis zum Bahnhof Zoo zu fahren. Neben dem Reichstag wartete ich eine ganze Weile auf den Bus, der wahrscheinlich wegen der Veranstaltung Verspätung hatte. Proppenvoll kam er dann doch, ich bekam einen Platz im Oberdeck. Wir schaukelten durch den Tiergarten und am Schloss Bellevue vorbei. Die Goldelse auf der Siegessäule strahlte und funkelte wie frisch geputzt. Am Ku'damm wieder dieses für mich ungewohnte Bild mit den ganzen Hochhäusern.
Meine Kinokarte galt für das ziemlich neue Kino Delphi Lux. Das wollte ich mal testen. Weil ich noch Zeit hatte, lief ich noch ein Stückchen um die Ecke bis zum alten Kino Delphi. Hier habe ich schon unzählige Filme gesehen, früher. Gerne auch am Sonntag in der Matinée.
Immer, wenn ich in dieser Straße bin, halte ich inne und schaue hoch zu den Fenstern in der 2. Etage des Hauses Kant-/ Ecke Fasanenstraße. Dort lebte die Familie von Isaak Behar, der Anfang der neunziger Jahre als Zeitzeuge in meiner Schule war und von seinen Erlebnissen im 2. Weltkrieg berichtete. Nur durch Zufall war er nicht in der Wohnung als seine Eltern und seine zwei Schwestern von der Gestapo abgeholt wurden. Die Familie wurde deportiert und in Auschwitz ermordet. Der damals 19jährige Isaak Behar konnte sich verstecken und überlebte mit viel Glück. Seine bewegende Geschichte hat er in dem Buch "Versprich mir, dass du am Leben bleibst" (Amazon-Partner-Link) aufgeschrieben. Isaak Behar lebte bis 2011.
Im Kino Delphi Lux betrat ich einen sehr plüschigen und komplett flamingofarbenen Kinosaal. Gemütlich auf alle Fälle. Ich hatte mir den Film "Van Gogh - An der Schwelle zur Ewigkeit" mit Willem Dafoe ausgesucht. Ich dachte, ein ruhiger Film mit schönen Landschaftsaufnahmen über den Maler wäre ein entspannter Abschluss eines langen Tages. So versprach es zumindest der Trailer. Nun, Entspannung trat nicht ein, denn der Film war sehr herausfordernd. Kameraführung bis zum Schwindelgefühl und unharmonische laute Klaviermusik erforderten meine ganze Aufmerksamkeit. Ein Meisterwerk, keine Frage. Aber sehr gewöhnungsbedürftig.
Wieder war ich erst gegen Mitternacht in meinem Hotelzimmer. In der folgenden Nacht schlief ich recht gut. Am nächsten Morgen holte ich mir den Tagesspiegel und stieg in den Zug. Als ich die Zeitung durch hatte, war ich schon wieder zurück in Hamburg.
Samstag, 25. Mai 2019
Blogfamilia 2019

Genau eine Woche ist die Blogfamilia schon wieder her. Zum fünften Mal trafen sich am 18. Mai 2019 rund 200 Bloggerinnen und Blogger aus ganz Deutschland und auch Österreich, die über Familienthemen schreiben, in Berlin. Für mich war es der vierte Besuch.
Und so fühlte es sich für mich an, wie nach Hause zu kommen. Schon bevor ich mich am Infostand angemeldet hatte, wurde ich schon mehrmals sehr herzlich umarmt. Dann bekam ich mein Namensschild mit meinem Namen und dem Namen des Blogs. Sehr hilfreich auf so einer Veranstaltung, denn viele Blogs kenne ich vom Lesen, aber nicht den Namen der Person dahinter. Dann wurde mir schon die sogenannte "Goodie-Bag" ausgehändigt. Die war üppig gefüllt mit vielen kleinen Geschenken der Sponsoren. Ich bewahrte sie an der Garderobe auf.
Sponsoren sind für die Blogfamilia wichtig, denn für die Teilnehmerinnen und Teilnehmer fällt nur eine geringe Anmeldegebühr von 10 Euro an. So eine große Veranstaltung wäre also ohne anderweitige Unterstützung gar nicht möglich.
Veranstaltungsort war wieder das Hotel und Tagungszentrum Aquino. Das ist ein ganz wunderbarer Ort mitten in der Berliner Innenstadt. Wir wurden den ganzen Tag über mit Kaffee und Getränken, kleinen Snacks, einem großen Mittagsbuffet und Kuchen versorgt. Besonders positiv ist mir der Gebrauch von richtigem Geschirr aufgefallen. Milch für den Kaffee gab es in Kannen und Wasser in Mehrwegflaschen aus Glas. Emsiges Personal sorgte den ganzen Tag dafür, dass benutztes Geschirr auch zügig wieder abgeräumt wurde.
Ich kam genau richtig zur Begrüßungsrede des Blogfamilia-Teams. Nach der ganzen monatelangen Organisation standen sie alle sehr gut gelaunt auf der Bühne des großen Veranstaltungssaales. Ich habe großen Respekt vor dem ganzen Team und den Helferinnen und Helfern, die diese Veranstaltung wohlgemerkt ehrenamtlich noch neben Familie und Beruf wuppen. Ich will sie deshalb hier nochmal besonders hervorheben: Laura von Heute ist Musik, Lisa von Stadt Land Mama, Christian vom Familienbetrieb, Henrike von Nieselpriem, Janni, Thomas und Thomas von Ich bin dein Vater, Alu und Konsti von Große Köpfe und an diesem Tag leider nicht mit dabei: Jürgen von Filterkaffeeliebe. Hut ab!
Nach der Begrüßung kam ein Mann auf die Bühne, von dem ich schon gehört hatte: Sebastian Fitzek. Der sehr erfolgreiche Schriftsteller und Journalist war mir vor allem aus der Buchhandlung bekannt, wo mein Blick schon öfter über seine bekannten Psychothriller wanderte. Was er uns in seiner Eröffnungsrede auf der Blogfamilia zu sagen hatte? Zunächst einmal, dass alle Geschichten in der Familie beginnen. Alte und neue, Bücher, Serien und Filme, der Kern ist eigentlich immer eine Familiengeschichte. Und jede Geschichte ist eine Reise, auf die wir die Leserinnen und Leser mitnehmen können. Wichtig ist, dass wir losgehen.
Gerade ist von Sebastian Fitzek ein neues Werk erschienen. In dem Buch "Fische, die auf Bäume klettern" (Amazon-Partner-Link) erzählt er in ganz persönlichen Worten, was er seinen Kindern für ihre Lebensreise mitgeben möchte. Was ist wichtig im Leben? Wie lerne ich aus Niederlagen? Das Buch soll ein Kompass für die Lebensreise sein und ist leicht und herzerwärmend geschrieben. Nach seinem ermunternden Vortrag signierte Sebastian Fitzek seine Bücher und war noch den ganzen Tag über für nette Gespräche zu haben.
Nach der Eröffnung begannen die Workshops und Vorträge in einigen kleineren Räumen. Es drehte sich unter anderem um Kinderrechte in der digitalen Welt, um Familienfinanzen, um Blogoptimierung oder das Schreiben an sich. Die Sponsoren waren an ihren Ständen für Gespräche und Tests bereit.
Ich habe mich ganz traditionell ins Getümmel gestürzt und wurde wieder viel umarmt und herzlich begrüßt. Das ist für mich immer das Wichtigste und Schönste an der Blogfamilia. Ich treffe hier Menschen in echt, mit denen ich übers Jahr im Internet mehr oder weniger in Kontakt bin. Ich fühle tiefe Verbundenheit ohne viele Worte und Respekt vor anderen Lebensmodellen. Das ist eine sehr schöne und bereichernde Erfahrung.
Dann war es schon Zeit für das Mittagessen. Im Hotelrestaurant gab es ein üppiges Buffet mit frischen Salaten, warmen Essen, Desserts und sogar einem Kinderbuffet. Für Kinder wurde auch diesmal wieder gut gesorgt, es gab den ganzen Tag über eine professionelle Kinderbetreuung in schönen Räumen, eine gut ausgestattete Wickelstation und Hochstühle.
Nach dem Essen kamen wir alle wieder im großen Saal zusammen, um diesmal Nicole Staudinger zuzuhören. Manche kennen sie vielleicht schon von ihren Vorträgen und Büchern wie Schlagfertigkeitsqueen oder Stehaufqueen. Mit Anfang 30 hatte sie einen Knoten in der Brust ertastet und lebt dann ein Leben zwischen Kindern, Karriere und Chemotherapie. Sie wollte weiterleben und nach unzähligen Operationen schrieb sie Brüste umständehalber abzugeben. Das neuste Werk lautet nun Ich nehm schon zu, wenn andere essen (alles Amazon-Partner-Links) und handelt von ihrer Lebensumstellung und einem Gewichtsverlust von 30 Kilogramm. Ich sage es jetzt schonmal vorweg: die Frau ist eine Wucht! Sie schaffte es, den ganzen Saal zum Lachen, Weinen, Tanzen und Singen zu bringen.
In ihrem bewegenden Vortrag ging es um Eigenmotivation und wie man es schaffen kann, aus einem Loch wieder herauszukommen. Zunächst einmal sei es wichtig, den Zustand anzuerkennen. Man darf auch mal im Loch sitzen bleiben und sich Zeit nehmen, die Wunden zu lecken. Man darf auch Selbstmitleid haben. Selbst-Mitleid! Man darf sanft zu sich sein und nicht so streng. Man sollte versuchen, sich gut um sich kümmern und sich vor allem mit Menschen umgeben, die einem in dieser Situation gut tun. So eine Situation kann kürzer oder länger dauern und wenn man dann genug gelitten hat, ist es auch gut, wieder aus dem Loch herauszuklettern und weiterzumachen. Nicole Staudinger erzählte das so mitreißend, es tat so gut!
Sie sagte uns auch, sie habe kein Patentrezept. Im Saal sitzen um die 100 Menschen mit 100 Rucksäcken. Jede Person trägt ihren eigenen Rucksack mit sich herum. Und deshalb gibt es kein Rezept für alle. Nicole Staudinger wäre es auch lieber, da würden keine Bücher auf dem Büchertisch von ihr liegen, denn dann hätte sie nicht das durchmachen müssen, was sie durchgemacht hat. Aber sie liebt das Leben und ist froh und dankbar für jeden einzelnen Tag, den sie noch auf dieser Welt sein darf. Sie hat beschlossen, sich keine Sorgen mehr zu machen. Denn Sorgen ändern nichts aber auch gar nichts an den Dingen, die kommen. Die Sorgen haben einem dann nur die Tage verdorben, die man hätte besser verbringen können.
Mit diesen letzten Worten hat Nicole Staudinger mich vor einem Sorgenkarussell gerettet, das ich sonst vor meiner geplanten Operation am übernächsten Tag gehabt hätte. Ich bin ihr so dankbar dafür! Ich habe in den nächsten beiden Nächten ungewöhnlich gut geschlafen und alle Sorgen vergessen. Und dann holte Nicole Staudinger einen großen Lautsprecher raus und brachte uns mit ihrer Frohnatur dazu, mitzusingen. "Für mich solls rote Rosen regen...", "Was kann mir schon geschehen? Glaub mir, ich liebe das Leben..." und andere bekannte Songs. Zum Schluss stand der ganze Saal, klatschend, mit Tränen in den Augen und einem Lächeln im Gesicht. Es war großartig!
Nach diesem grandiosen Vortrag musste ich erstmal durchatmen. Ich bewegte mich wieder zwischen den Sponsorenständen und dem Innenhof hin und her und traf wieder viele liebe Menschen. Das Wetter war, wie übrigens immer am Blogfamilia-Wochenende, angenehm sonnig mit einer frischen Brise. Einfach perfekt!
Am Nachmittag gab es zur Feier des Tages eine große dreistöckige Geburtstagstorte. Für mich war dann diesmal mein Limit erreicht. Ich holte unauffällig meine Sachen aus der Garderobe und verließ den Veranstaltungsort. Ich verpasste den großen Vortrag von Nora Imlau und Katharina Saalfrank zum Thema "Gewaltfreie Kindheit". Und ich erfuhr später über das Internet, wer den diesjährigen Blogfamilia-Award gewonnen hat. Die drei Preise gingen an die großartigen Frauen Sassi von liniert-kariert, Nina von Juramama und Anne von x-mal anders sein.
Ich habe meinen Aufenthalt auf der Blogfamilia sehr genossen und bin sehr froh ein kleiner Teil davon zu sein. Elternblogs sind schon lange keine Nische mehr. Es gibt so viele da draußen, die sich fleißig engagieren und das Internet zu einem guten Ort machen. Ich freue mich schon auf das nächste Jahr in Berlin. Oder vielleicht sehen wir uns auf einem der kleinen Blogfamilia-Ableger blogfamiliär in verschiedenen Städten?
Noch mehr Beiträge sind auf der Seite der Blogfamilia versammelt.
Montag, 7. Mai 2018
Blogfamilia 2018
Auch in diesem Jahr habe ich wieder die Elternbloggerkonferenz Blogfamilia besucht. Berlin empfing mich mit schönstem Maiwetter. Kein Wölkchen war am knallblauen Himmel zu sehen. Nach meiner Nacht im Hotel war ich am Samstag früh wach. Von wegen endlich mal ausschlafen. Aber das war okay. So hatte ich vor der Veranstaltung noch Zeit, mir die Mauergedenkstätte Bernauer Straße genauer anzusehen, davon berichte ich hier.
Gegen 9:30 Uhr erreichte ich dann den Veranstaltungsort in Berlin-Mitte. Ich war ganz gespannt, denn der Ort im letzten Jahr hatte mir schon so gut gefallen, ich war mir nicht sicher, ob das noch besser gehen sollte. Aber meine Sorge war unbegründet. Der Ort in einem Hotel war wieder sehr gut ausgesucht und passte zur gewachsenen Anzahl der Besucherinnen und Besucher. In diesem Jahr waren es nämlich schon 180 Bloggerinnen und Blogger.
Gleich auf dem Hof traf ich die Frau, die dem Adventsjungen und der Augustschnuppe ihre ersten Mützchen gestrickt hatte. Wir haben uns noch nie persönlich getroffen und ich hatte gleich das erste Mal ein Tränchen im Auge. Das sollte den ganzen Tag so weitergehen.
Bei der Anmeldung bekam ich ein Schild mit meinem Namen und dem Blognamen. Sehr praktisch, um Menschen zu erkennen, von denen man vorher nur im Internet gelesen hat. Und dann ging es weiter und weiter mit vielen Begrüßungen und Umarmungen. Das ist tatsächlich so schön und herzerwärmend und eine tolle Bestätigung, dass das Internet eben nicht anonym und unverbindlich ist, denn es wird von Menschen gemacht.
Im großen Saal sollte das Eröffnungsprogramm stattfinden. In der Halle davor befanden sich Stände von Sponsoren, ohne die die Veranstaltung nicht in diesem Umfang stattfinden könnte. Denn sie ist für alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer fast kostenfrei, bis auf 10 Euro Anmeldegebühr. Dafür stehen den ganzen Tag Getränke bereit, es gibt kleine Snacks, ein reichhaltiges Mittagessenbuffet, Kaffee und Kuchen und auch Kinderbetreuung. Es gibt sogar Fahrkostenzuschüsse. Die Anmeldegebühren fließen in den Blogfamilia-Award, mit dem Bloggerinnen und Blogger geehrt werden, die sich in irgendeiner Form im Internet engagieren.
Um 10 Uhr begann der offizielle Teil der Veranstaltung. Alu und Janni vom Blogfamilia-Team begrüßten uns alle und dann kam die Bundesfamilienministerin Frau Dr. Franziska Giffey auf die Bühne, um das Grußwort zu sprechen. Eine tolle Bestätigung für alle Bloggerinnen und Blogger, weiter ihre Erlebnisse zu teilen, um anderen Mut zu machen und sich gegenseitig zu unterstützen. Sie sprach sehr sympathisch über ihre eigenen Erlebnisse als Mutter und sparte in ihrer Rede nicht aus, dass es noch viel zu tun gäbe in den Punkten Vereinbarkeit von Familie und Beruf, Kinderbetreuung, Unterstützung von getrennten Familien und eben den Themen, die für Familien wichtig sind. Sie hat da Ahnung und hoffentlich wird das auch in der Politik spürbar werden. Und weil sie kurz zuvor Geburtstag hatte, sangen wir ihr zum Abschied alle noch ein Ständchen.
Danach sprach Teresa Bücker in ihrer Keynote, also der Eröffnungsrede, von Themen, die Eltern heute unter den Nägeln brennen. Sehr stark fand ich, dass sie öffentlich eingestand, viel zu früh wieder gearbeitet zu haben und somit sehr zerrissen war und sehr viel Zeit mit ihrem kleinen Kind verpasst hat. Das fand ich sehr mutig aus dem Mund einer feministischen Frau wie ihr. Heutzutage wird nur selten darüber gesprochen, was die frühe Trennung von Mutter und Kind für Auswirkungen hat. Dieses Thema wird sicher noch diskutiert werden. Verwandte Themen sind die Qualität der Kinderbetreuung in unserem Land, Präsenzzeiten am Arbeitsplatz und auch der Mangel an Hebammen, Kinderärztinnen, Lehrerinnen usw. Ich freue mich, dass ihre tolle Rede hier bei Edition F auch online verfügbar ist.
Danach ging es los mit Workshops zu verschiedenen Themen, die das Elternsein und/ oder das Bloggen betrifft. Es gab so viele gute Themen, dass ich mich gar nicht entscheiden konnte. Schließlich hielt ich mich doch die meiste Zeit in der Halle oder draußen auf, denn ich traf immer wieder bekannte Gesichter oder wurde angesprochen. Der Umgang untereinander ist so herzlich, das kann ich schwer beschreiben. Auch wenn man unterschiedliche Themen hat, ist so ein Treffen immer sehr bereichernd.
Zwischendurch gab es Mittagessen im Hotelrestaurant. Die Tische waren ganz edel eingedeckt, es gab schmackhaftes warmes Essen mit Salat und Nachtisch und sogar ein Kinderbuffet.
Irgendwie war es plötzlich Nachmittag. So langsam war ich etwas heiser und meine Beine taten weh. Ich hatte außer zum Mittagessen fast gar nicht gesessen. Zeit für Fotos hatte ich irgendwie auch nicht. Aber das wusste ich noch vom letzten Mal, ich will einfach ganz im Moment sein. Am Ende der Veranstaltung wurde der Blogfamilia-Award verliehen, was wieder ein emotionaler Moment war.
Am Abend saß ich noch mit einigen Lieblingsfrauen zusammen, die mich schon seit Jahren in meinem Internet begleiten. Die Gespräche mit ihnen sind jedes Mal sehr persönlich und wertschätzend. Das wärmt mein Herz und deshalb werde ich noch lange, lange weiterbloggen. Vielleicht werde ich in Zukunft noch ein bisschen politischer. Als Mutter von fünf Kindern und Erzieherin habe ich mittlerweile doch einen ziemlich großen Erfahrungsschatz aus beiden Welten, die Eltern interessiert.
Gegen 23 Uhr habe ich in meinem Hotelzimmer in die große schwere Goodie-Bag der Blogfamilia geschaut. Sie war gefüllt mit netten Geschenken der Sponsoren, die zu Hause unter meinen Kindern aufgeteilt wurden.
Ich freue mich sehr, dass ich in diesem Jahr wieder dabei sein durfte. Ich ziehe meinen Hut vor dem ganzen Team der Blogfamilia, das die Veranstaltung wohlgemerkt noch neben Familie, Beruf und Studium organisiert hat. Das ist eine tolle Leistung!
Noch mehr Eindrücke von anderen Bloggerinnen und Bloggern sind hier auf der Seite der Blogfamilia versammelt.
Gegen 9:30 Uhr erreichte ich dann den Veranstaltungsort in Berlin-Mitte. Ich war ganz gespannt, denn der Ort im letzten Jahr hatte mir schon so gut gefallen, ich war mir nicht sicher, ob das noch besser gehen sollte. Aber meine Sorge war unbegründet. Der Ort in einem Hotel war wieder sehr gut ausgesucht und passte zur gewachsenen Anzahl der Besucherinnen und Besucher. In diesem Jahr waren es nämlich schon 180 Bloggerinnen und Blogger.
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| immer den Ballons folgen |
Gleich auf dem Hof traf ich die Frau, die dem Adventsjungen und der Augustschnuppe ihre ersten Mützchen gestrickt hatte. Wir haben uns noch nie persönlich getroffen und ich hatte gleich das erste Mal ein Tränchen im Auge. Das sollte den ganzen Tag so weitergehen.
Bei der Anmeldung bekam ich ein Schild mit meinem Namen und dem Blognamen. Sehr praktisch, um Menschen zu erkennen, von denen man vorher nur im Internet gelesen hat. Und dann ging es weiter und weiter mit vielen Begrüßungen und Umarmungen. Das ist tatsächlich so schön und herzerwärmend und eine tolle Bestätigung, dass das Internet eben nicht anonym und unverbindlich ist, denn es wird von Menschen gemacht.
Im großen Saal sollte das Eröffnungsprogramm stattfinden. In der Halle davor befanden sich Stände von Sponsoren, ohne die die Veranstaltung nicht in diesem Umfang stattfinden könnte. Denn sie ist für alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer fast kostenfrei, bis auf 10 Euro Anmeldegebühr. Dafür stehen den ganzen Tag Getränke bereit, es gibt kleine Snacks, ein reichhaltiges Mittagessenbuffet, Kaffee und Kuchen und auch Kinderbetreuung. Es gibt sogar Fahrkostenzuschüsse. Die Anmeldegebühren fließen in den Blogfamilia-Award, mit dem Bloggerinnen und Blogger geehrt werden, die sich in irgendeiner Form im Internet engagieren.
Um 10 Uhr begann der offizielle Teil der Veranstaltung. Alu und Janni vom Blogfamilia-Team begrüßten uns alle und dann kam die Bundesfamilienministerin Frau Dr. Franziska Giffey auf die Bühne, um das Grußwort zu sprechen. Eine tolle Bestätigung für alle Bloggerinnen und Blogger, weiter ihre Erlebnisse zu teilen, um anderen Mut zu machen und sich gegenseitig zu unterstützen. Sie sprach sehr sympathisch über ihre eigenen Erlebnisse als Mutter und sparte in ihrer Rede nicht aus, dass es noch viel zu tun gäbe in den Punkten Vereinbarkeit von Familie und Beruf, Kinderbetreuung, Unterstützung von getrennten Familien und eben den Themen, die für Familien wichtig sind. Sie hat da Ahnung und hoffentlich wird das auch in der Politik spürbar werden. Und weil sie kurz zuvor Geburtstag hatte, sangen wir ihr zum Abschied alle noch ein Ständchen.
Danach sprach Teresa Bücker in ihrer Keynote, also der Eröffnungsrede, von Themen, die Eltern heute unter den Nägeln brennen. Sehr stark fand ich, dass sie öffentlich eingestand, viel zu früh wieder gearbeitet zu haben und somit sehr zerrissen war und sehr viel Zeit mit ihrem kleinen Kind verpasst hat. Das fand ich sehr mutig aus dem Mund einer feministischen Frau wie ihr. Heutzutage wird nur selten darüber gesprochen, was die frühe Trennung von Mutter und Kind für Auswirkungen hat. Dieses Thema wird sicher noch diskutiert werden. Verwandte Themen sind die Qualität der Kinderbetreuung in unserem Land, Präsenzzeiten am Arbeitsplatz und auch der Mangel an Hebammen, Kinderärztinnen, Lehrerinnen usw. Ich freue mich, dass ihre tolle Rede hier bei Edition F auch online verfügbar ist.
Danach ging es los mit Workshops zu verschiedenen Themen, die das Elternsein und/ oder das Bloggen betrifft. Es gab so viele gute Themen, dass ich mich gar nicht entscheiden konnte. Schließlich hielt ich mich doch die meiste Zeit in der Halle oder draußen auf, denn ich traf immer wieder bekannte Gesichter oder wurde angesprochen. Der Umgang untereinander ist so herzlich, das kann ich schwer beschreiben. Auch wenn man unterschiedliche Themen hat, ist so ein Treffen immer sehr bereichernd.
Zwischendurch gab es Mittagessen im Hotelrestaurant. Die Tische waren ganz edel eingedeckt, es gab schmackhaftes warmes Essen mit Salat und Nachtisch und sogar ein Kinderbuffet.
Irgendwie war es plötzlich Nachmittag. So langsam war ich etwas heiser und meine Beine taten weh. Ich hatte außer zum Mittagessen fast gar nicht gesessen. Zeit für Fotos hatte ich irgendwie auch nicht. Aber das wusste ich noch vom letzten Mal, ich will einfach ganz im Moment sein. Am Ende der Veranstaltung wurde der Blogfamilia-Award verliehen, was wieder ein emotionaler Moment war.
Am Abend saß ich noch mit einigen Lieblingsfrauen zusammen, die mich schon seit Jahren in meinem Internet begleiten. Die Gespräche mit ihnen sind jedes Mal sehr persönlich und wertschätzend. Das wärmt mein Herz und deshalb werde ich noch lange, lange weiterbloggen. Vielleicht werde ich in Zukunft noch ein bisschen politischer. Als Mutter von fünf Kindern und Erzieherin habe ich mittlerweile doch einen ziemlich großen Erfahrungsschatz aus beiden Welten, die Eltern interessiert.
Gegen 23 Uhr habe ich in meinem Hotelzimmer in die große schwere Goodie-Bag der Blogfamilia geschaut. Sie war gefüllt mit netten Geschenken der Sponsoren, die zu Hause unter meinen Kindern aufgeteilt wurden.
Ich freue mich sehr, dass ich in diesem Jahr wieder dabei sein durfte. Ich ziehe meinen Hut vor dem ganzen Team der Blogfamilia, das die Veranstaltung wohlgemerkt noch neben Familie, Beruf und Studium organisiert hat. Das ist eine tolle Leistung!
Noch mehr Eindrücke von anderen Bloggerinnen und Bloggern sind hier auf der Seite der Blogfamilia versammelt.
Dienstag, 16. Mai 2017
Blogfamilia 2017
Schon seit einem Jahr habe ich mich auf die Blogfamilia in Berlin gefreut. Vor drei Jahren wurde die Konferenz für Familienbloggerinnen und -blogger ins Leben gerufen. Im letzten Jahr war ich auch schon dabei. Von ehemals 50 Teilnehmerinnen und Teilnehmern ist die Konferenz aktuell auf 160 Beteiligte angewachsen.
Ich bin letzte Woche schon einen Tag eher nach Berlin gereist. Ich habe mir ein eigenes Zimmer im Motel One direkt am Hauptbahnhof gegönnt. Vor meinem Fenster in der 10. Etage breitete sich der weite Berliner Himmel aus. Ich konnte von der City West, über den Potsdamer Platz und Hauptbahnhof bis weit in den Osten schauen. Herrlich! Wenn ich nicht geschlafen habe, habe ich in dem Zimmer die meiste Zeit aus dem Fenster geguckt.
Am Abend war ich noch in einer frühen Vorstellung im Kino in der Kulturbrauerei und habe den Film "Rückkehr nach Montauk" mit Nina Hoss und Stellan Skarsgård gesehen. Meine Erwartungen wurden nicht ganz erfüllt, obwohl ich die beiden immer wahnsinnig gerne spielen sehe. Jetzt will ich auf alle Fälle nach Jahrzehnten mal wieder Max Frischs "Montauk"* lesen.
Durch den lauen Abend und tiefstehenden goldenen Sonnenschein bin ich dann noch ein bisschen durch mein Berlin geschlendert. Ganz in Ruhe und allein. So viel Leben! So viele Möglichkeiten! Letztendlich bin ich dann doch ziemlich früh in meinem Hotelzimmer gelandet. Mit einer Schachtel Pommes saß ich am Fenster und als das Mutzelchen mich per Threema auf dem Handy fragte, was ich so mache, sagte ich ihr genau das. Sie war neidisch und schrieb: "Toll! Ich will das auch machen! Das klingt super! Ich lese gerade Harry Potter. Mehr mache ich nicht. Das ist sowas von normal. Ich will auch sowas außergewöhnliches machen wie du!" Ach, Mutzi! Das machen wir auf alle Fälle mal!
Die Nacht war dann doch ziemlich kurz. Ich schlafe woanders alleine nicht so gut, wie ich es mir immer vorstelle und wünsche. Um 6 Uhr ging der Fernseher in meinem Zimmer an. Da war wohl noch ein Wecksignal einer anderen Person eingestellt. Nach noch ein bisschen flachem Schlaf war ich gegen halb 8 wach. Duschen, fein machen und ab zum Frühstück. Das Buffet im Hotel war reichlich und lecker mit Bio- und Fair-Trade-Produkten gedeckt.
Und dann gings endlich los! Nur 200 Meter um die Ecke befand sich der Veranstaltungsort der Blogfamilia. Gegen 10 Uhr checkte ich dort ein. Es dauerte nur ein paar Sekunden, bis ich die ersten bekannten Gesichter entdeckte. In den großzügigen Räumen der Stadtmission war es hell und freundlich. Den ganzen Tag war die Kaffee- und Saftbar geöffnet. Mittags gab es Salate und Suppe, nachmittags reichlich Kuchen und am Abend wurde gegrillt. Im großen Saal fanden Vorträge statt, in kleineren Räumen Workshops und Diskussionen. In einem extra Raum präsentierten sich an Ständen und mit freundlichem Personal die Sponsoren der Veranstaltung. Im Innenhof unter den großen Kiefern konnte man sich treffen und draußen sitzen. Soweit die Fakten.
Und wie war es denn nun? Für mich fühlte sich der Tag an wie ein wohliges Bad in warmen Wasser. Ich fühlte mich einfach rundum gut. Es war die pure Freude, vertraute Gesichter wiederzusehen oder neue kennenzulernen. Ich habe sehr viel umarmt, gelacht und gequatscht. Mit purer Absicht habe ich meine Kamera zu Hause gelassen und die Workshops geschwänzt, denn ich wollte voll da sein für die Menschen, die mir über den Weg laufen würden. Das waren sehr, sehr viele, aber längst nicht alle!
Als ich vor bald 9 Jahren anfing, zu bloggen, gab es das Label "Elternblog" in dem Sinne noch gar nicht. Mittlerweile gibt es eine unüberschaubare Anzahl von Blogs in dieser Richtung. Sie sind so vielfältig wie die Menschen und Familien dahinter. Sie sind groß oder klein, laut oder leise, ernsthaft, lustig, bunt, mehr oder weniger politisch... Jedes Blog erzählt eine Geschichte des Lebens mit Kindern in unserer Gegenwart. Das ist interessant und ermöglicht mir als Frau, Mutter und auch als Pädagogin einen Blick über den Tellerrand und hilft mir, andere Menschen besser zu verstehen.
Auch in diesem Jahr wurde wieder der Blogfamilia-Award an Bloggerinnen und Blogger mit besonderem gesellschaftlichen Engagement verliehen. Die Preise gingen an Mareice von Kaiserinnenreich, an Christine von Mama arbeitet und an Markus von Herr Bock. Die Preisverleihung war sehr schön und emotional. Alle Preisgelder gehen an Projekte, die den Ausgezeichneten am Herzen liegen.
Am Ende des Tages, gegen 23 Uhr, war ich komplett leergequasselt und angefüllt mit schönen Eindrücken. Ich hätte nicht gedacht, dass ich so lange durchhalte, denn das wachsende Augustbaby fordert ja auch seine Rechte ein. Als schon die Lichter am Veranstaltungsort ausgingen, schlenderte ich zurück ins Hotel. Ich lag noch lange wach um meine Erlebnisse des Tages im Kopf zu sortieren.
Ich habe großen Respekt für das gesamte Team der Blogfamilia! Ich bedanke mich für diesen tollen Tag! Es wurde eine großartige Veranstaltung auf die Beine gestellt. Der Ort war perfekt für diesen Tag ausgewählt. Sehr zentral und gut mit den Verkehrsmitteln zu erreichen. Groß genug für so viele Menschen. Die Sponsoren passten gut. Die Bewirtung war üppig und schmackhaft. Besonders aufmerksam und fleißig waren die Personen, die für das Essen sorgten und später das Geschirr holten.
Auf dieser Seite der Blogfamilia sind schon ganz viele Berichte über die Veranstaltung von anderen Bloggerinnen und Bloggern zu sehen. Nach und nach kommen auch noch mehr Bilder, Berichte und Videos dazu. Ich freue mich, wenn die Konferenz hoffentlich nächstes Jahr in eine neue Runde geht!
...........
Und nun habe ich noch eine kleine Verlosung für Euch: ein paar Tage vor der Blogfamilia erreichten mich 3 Rezensionsexemplare des neuen Familienheftes der Süddeutschen Zeitung. Unter dem Motto "Mein Heft ist dein Heft" ist das eine Ausgabe für die ganze Familie. Denn die Zeitschrift lässt sich problemlos in der Mitte auseinandernehmen. Die Kinder bekommen ihre werbefreie (!) Ausgabe und die Eltern ihre.
Im Kinderheft befinden sich viele interessante und lehrreiche Berichte. Es ist vor allem aber ein Mitmachheft. Auf dem matten Papier lässt sich prima malen und schreiben. Es gibt Seiten zum Ausschneiden und auch Sticker. Vor allem meine Grundschulkinder sind begeistert.
Im Elternheft hat mir besonders die angenehm schlichte Aufmachung gefallen. Es ist nicht zu bunt und besitzt eine klare Gliederung. Besonders in Erinnerung geblieben ist mir das sehr gute Interview zum Thema "Wie erklärt man Kindern das Böse". Aber auch die Themen zur Gesellschaft und zur Partnerschaft haben mir sehr gut gefallen. Das Heft gibt es ab sofort alle zwei Monate im Handel.
Wer gerne ein Exemplar der Zeitschrift von mir geschickt haben möchte, sagt hier in einem Kommentar bis zum 20. Mai 2017, 24 Uhr, Bescheid. Die Gewinnerinnen oder Gewinner werden ausgelost und stellen mir zwecks Zusendung der Zeitschrift ihre Adresse zur Verfügung. Viel Glück!
* Amazon-Partner-Link
Montag, 9. Mai 2016
Blogfamilia 2016
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| Spree mit Bodemuseum und Fernsehturm |
Letzte Woche führte ich meiner Familie ein neues Kleid für die Berlinreise vor. "Mama, Du siehst aus, als würdest Du auf eine Party gehen!" sagten die Kinder. Genau das hatte ich vor. Und genau so ist es gekommen. Auf der ElternbloggerInnenkonferenz Blogfamilia.
Dass ich den ganzen Tag über tatsächlich nur eine Handvoll Fotos gemacht habe, ist ein Zeichen für eine ausgefüllte wunderbare Zeit. Ich kann es fast gar nicht mit Worten beschreiben, wie schön das alles für mich war.
Aber von vorn: Am Himmelfahrtstag summt um 4 Uhr mein Wecker. Früh! Vor allem, weil ich erst gegen Mitternacht eingeschlafen war. Ich stehe unter der Dusche und kriege meine täglichen Abläufe gar nicht richtig auf die Reihe. Um kurz vor 5 verlasse ich die schlafruhige Wohnung und gehe zur Bushaltestelle. So früh und zudem an einem Feiertag fährt hier am Hamburger Stadtrand nur sehr selten ein Bus zur nächsten U-Bahn, weshalb die Fahrt zum Hamburger Hauptbahnhof fast eine Stunde dauert. Das Vogelkonzert ist grandios und es ist schon richtig hell.
Während der Fahrt zum Hauptbahnhof freue ich mich schon auf die Bahnhofsbuchhandlung. Dort will ich mich mit Reiselektüre eindecken. Um 6 Uhr am Bahnhof angekommen, die Entdeckung: alle Läden öffnen wegen des Feiertages erst viel später. Zum Glück habe ich noch ein Buch im Gepäck.
Der ICE fährt pünktlich los und ist ganz leer. Ich versuche, ein bisschen zu lesen, aber meine Augen fallen zu. So falte ich meine Jacke zum Kopfkissen und nicke richtig ein. Als ich aufwache, hat der Zug schon Berlin-Spandau erreicht. Um halb 9 steige ich am Berliner Hauptbahnhof aus. Heimatluft und Heimatboden! Ab jetzt finden meine Füße von ganz alleine ihren Weg.
Ich steige am Bahnhof Friedrichstraße aus und laufe an der Spree entlang. Der Morgen ist frisch und hell, das Wasser glitzert silbrigblau in der Sonne. Ich habe mich zum Frühstück mit Frau Mutti verabredet, die mit ihrem Mann in der Stadt weilt. Um sicherzugehen, hatte ich online einen Tisch im Oranium in der Oranienburger Straße reserviert. Aber so kurz nach Öffnung des Lokals ist noch gar nichts los und in den nächsten zwei Stunden haben wir gute Gespräche und viel Spaß. Kleine Anekdote am Rande: in genau diesem Restaurant waren der Liebste und ich bei unserer ersten Verabredung.
Dann fahre ich mit der S-Bahn zur Station Bornholmer Straße und von dort zum Hotel im Prenzlauer Berg, meiner Bleibe für die nächsten Tage. Ich bekomme zum Glück schon meinen Zimmerschlüssel und kann mich in Ruhe frisch machen. Für mein Kleid habe ich extra ein Bügeleisen mitgenommen und die hohen Schuhe. Dann gehts los und ich nehme mir vor der Tür ein Taxi für die letzte Strecke zur Blogfamilia im Pfefferberg, einem Veranstaltungsort in einer alten Brauerei aus dem 19. Jahrhundert.
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| Oranienburger Straße, menschenleer, mit Synagoge und Fernsehturm |
Als ich den Veranstaltungsort erreiche, fallen mir zuerst die hohen Kastanien auf, die schon in voller Blüte stehen. Dann folge ich den Bündeln von bunten Luftballons, die den Weg säumen. Und da sehe ich schon vertraute Gesichter einiger Bloggerinnen. Wie herrlich, dass wir uns hier treffen können!
Ich komme keinen Meter weit, da werde ich schon erkannt und bekomme viele Umarmungen. Hach! In der nächsten halben Stunde, ach, den ganzen Tag lang! gibt es noch viele weitere Umarmungen und nur strahlende Gesichter. Ich reihe mich in die Warteschlange an der Anmeldung ein. Dort bekomme ich ein Namensschild mit meinem Blognamen und meinem "echten" Namen. Außerdem wird mir ein großer schwerer Beutel mit Geschenken der Sponsoren überreicht. Meine Kinder werden ein paar Tage später davon sehr begeistert sein!
Um 13 Uhr geht es los mit dem ersten Vortrag mit der Überschrift "Professionalisierung und Monetarisierung von Blogs". Er dient nur zum Überblick, was mit Blogs möglich sein kann, wenn man es möchte. Ich muss gestehen, dass ich die folgenden Vorträge über Instagram und SEO für Blogs zugunsten von persönlichen Gesprächen draußen im Hof geschwänzt habe.
Maximilian Buddenbohm hat sich in seinem Vortrag überlegt, worin sich JournalistInnen und BloggerInnen eigentlich unterscheiden. Oder gibt es keine Unterschiede sondern eher Gemeinsamkeiten? Oder können beide Gruppen voneinander lernen? Ja! BloggerInnen können das Müssen lernen, das Verbindliche, als MarktteilnehmerInnen zu denken. Und JournalistInnen das Spielen, das Entdecken, das Erfinden, das Scheitern und den Spaß.
Die grandiose Juramama, Nina, meint in ihrem Vortrag, den Spaß haben wir als Bloggerinnen und Blogger längst überschritten. Denn Rechtliches macht erstmal keinen Spaß und es gibt einige Dinge zu beachten: Jedes Blog, das öffentlich zu lesen ist, braucht ein Impressum mit kompletter Adresse. Ein Postfach ist nicht erlaubt. Außerdem gibt es diverse Vorschriften bezüglich dem Einstellen von Fotos, zum Urheberrecht und zur Datenschutzerklärung. Informationen dazu gibt es vielfach im Internet.
Zwischendurch gibt es immer wieder Pausen. Es gibt Getränke und Obstkörbe an vielen Ecken. Die anwesenden Kinder werden betreut oder wuseln zwischen unseren Beinen hindurch. Dann gibt es ein Kuchenbuffet und am Abend auch herzhafte Speisen. Die tollen Sponsoren präsentieren sich dezent an liebevoll dekorierten Ständen.
Den Abschluss bildet eine Podiumsdiskussion zum Thema Hate Speech und die Schattenseiten der Öffentlichkeit im Internet. Da beeindrucken vor allem Nicole von Horst, Mitinitiatorin von #Aufschrei und Mareice Kaiser vom Kaiserinnenreich. Dazu gibt es sehr bewegende Reden aus dem Publikum. Wir beschließen, noch stärker zusammenzuhalten und dem Hass die geballte BloggerInnenliebe entgegenzusetzen.
Wir sitzen noch lange nach Einbruch der Dunkelheit im Biergarten unter den bunten Lampions zusammen und führen wunderbare, ehrliche und lustige Gespräche. Der ganze Tag ist ein ganz großartiges Geschenk, das vor allem die starke Alu, mit Unterstützung von Bella, Christian und den Männern von Ich bin dein Vater, für über 125 Bloggerinnen und Blogger gestemmt hat. Das ist sehr bewundernswert!
Ich denke mit Bauchkribbeln und einem Herzen angefüllt von Liebe zurück an diesen Tag. Ich habe nur tolle Menschen getroffen und bestimmt noch ein paar verpasst. Ich traue mich gar nicht, einzelne zu nennen, weil ich Sorge habe, jemanden zu vergessen. Ich sage es immer wieder: das Internet wird von Menschen gemacht. Und diese Menschen sind einfach großartig. Ich bin froh, dass ich ein Teil davon sein darf. Das will ich nicht mehr missen. Danke!
Gegen Mitternacht falle ich in mein Hotelbett und kann vor Aufregung gar nicht einschlafen....
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