Posts mit dem Label Geburt werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Geburt werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Donnerstag, 14. Mai 2026

"Familienleben...


... ist wie ein Mobilé. Kommt ein neues Kind hinzu, gerät das ganze Konstrukt ins Wanken. Es dauert eine Weile, bis sich alles wieder eingeschwungen und ausbalanciert hat."

Das sagte eine meiner Hebammen zu mir, als ich mal wieder kurz nach der Geburt eines neuen Familienmitglieds am Verzweifeln war, wie ich das alles schaffen soll, ob ich allen Kindern gerecht werde, ob der Liebste und ich trotzdem mal ein paar Minuten Zeit für uns haben werden, wann ich endlich mal wieder ein paar Stunden am Stück schlafen würde oder nicht mehr so klapprig auf den Beinen sein werde und, und, und... Tränenreiche Tage waren das. 

Natürlich hatte meine Hebamme Recht. Von meiner Seite war nur Geduld gefragt. Und das Annehmen der Situation, so wie sie ist. Es würde nicht schneller gehen, wenn ich mir zu viele Sorgen mache. NUR!!! Leicht gesagt. Geduld ist nicht gerade einer meiner Stärken. 

Fünf Mal durchlebte ich dieses wahre Wechselbad der Gefühle. Eine sehr sensible Phase war das jedes Mal für die gesamte Familie. Ehrlich gesagt, mochte ich die Zeit direkt nach den Geburten nie besonders. Unter dem unterbrochenen Nachtschlaf habe ich immer am meisten gelitten. Dieses ständige auf Abruf sein mochte ich auch nicht. Babyschreien versetzte meinen Körper jedes Mal in Alarmbereitschaft und brachte mich an meine Grenzen. Wie kann so ein kleiner Mensch nur SO laut sein?! Selbst unter der Dusche hörte ich (fiktives) Babygeschrei. Schlau eingerichtet von der Natur, würde ich sagen, so ist die Versorgung eines so verletzlichen Lebewesens gesichert.

Im Wochenbett hatte ich starke Sehnsucht nach der Gemeinschaft mit meinen größeren Kindern. Sie taten mir leid, weil ich plötzlich nicht mehr so viel Zeit für sie hatte. Ich war wehmütig, weil ein Lebensabschnitt endete. Das hat an mir genagt. Und auch um meine Partnerschaft sorgte ich mich. Würden wir die Paarbeziehung über den schwierigen Alltag retten können? Ich war, wie sagt man heute: "overtouched", hatte also Tag und Nacht ständig Körperkontakt mit einem kleinen Menschen und brauchte eigentlich viel Freiraum für mich. Die Sehnsucht nach Nähe zum Partner war trotzdem da.

Doch weil der Liebste sehr stark eingebunden war in die ganzen Prozesse des Werdens und Wachsens als Familie, war da auch ganz viel gegenseitiges Verständnis und ein starker Wille, das alles gemeinsam zu wuppen. Ohne meinen zugewandten, offenen, engagierten und emanzipierten Mann würde es diese Familie in dieser Form gar nicht geben. Mit ganz viel Zuversicht, Herz und auch Humor haben wir das bis jetzt ganz gut hingekriegt.

Selbstverständlich waren meine Babys die tollsten Geschöpfe der Welt. So schön, so einzigartig, so zart! Und von Anfang an waren sie ganz sie selbst. So wundervoll. Voller Wunder! Jedes Wimpernhaar war perfekt! Jedes winzige Fingerchen, jeder weiche Babyfuß. Und der Duft da am Köpfchen erst! 

Dass ich sie alle nach relativ unkomplizierten Schwangerschaften selbstbestimmt, schnell, völlig ohne Interventionen und vor allem gesund auf die Welt bringen durfte, grenzt an ein Wunder. Das macht mich heute noch demütig aber auch stolz. Die Erfahrungen rund um die Geburten im Geburtshaus oder zu Hause kann mir niemand nehmen und sie haben mich enorm gestärkt. 

Ich empfinde es als großes Geschenk, dieses Wunder mehrfach erlebt haben zu dürfen! Es war und ist eine Freude, meine Kinder beim Aufwachsen begleiten zu dürfen. Das war für mich in meinem Leben immer schon klar, dass ich genau das will: Kinder bekommen und mein Bestes geben, um sie gut ins Leben zu begleiten. Dass es fünf werden sollten, hätte ich selbst nicht gedacht. 

Doch es war nicht immer alles leicht. Meine Vorstellungen und Wünsche wichen ab und zu von der Realität ab. Ich hatte leider überhaupt keine guten Vorbilder. Schon als kleines Kind im Kindergartenalter fragte ich mich, wieso Menschen Kinder bekommen, wenn sie sich nicht gut um sie kümmern wollen und sie obendrein auch noch körperlich und seelisch misshandeln. Ich wusste: so will ich es nicht machen. So auf keinen Fall! Schon in diesen frühen Jahren hatte ich den Respekt vor bestimmten Personen verloren. Was dann ja im Grunde doch irgendwie vorbildhaft war. 

Doch wie genau ich meine Kinder großziehen wollte, musste ich selber herausfinden. Oft musste ich mich stark abgrenzen von dem Verhalten, das ich vorgelebt bekommen hatte. Musste für mich und meine Kinder einstehen, wenn mal wieder gut gemeinte Ratschläge aus der Familie kamen. Manchmal war es sehr schwer, nicht auf erlebte Muster zurückzugreifen. Zu einfach erschien eine kurze Disziplinierungsmaßnahme. Es erforderte enorme Anstrengungen meinerseits, nicht doch schwach zu werden. Ich habe mir sehr große Mühe gegeben, mich ständig zu hinterfragen, wusste ich doch, dass Strenge und Schläge längerfristig nicht zum gewünschten Ergebnis und erst recht nicht zu einer guten Beziehung führen. 

Natürlich habe auch ich nicht alles richtig gemacht. Das werde ich mein ganzes Leben lang mit mir herumtragen müssen. Der gute Wille und die allerbesten Vorsätze allein helfen nicht, ich habe doch auch hier und da Fehler begangen. Das tut mir in der Seele weh und ich werde sicher früher oder später mit meinen Kindern drüber reden, um es ihnen zu ermöglichen, es verarbeiten zu können und vielleicht dennoch für sie alles in gute Bahnen lenken zu können. Egal, was da mal kommen mag, ich werde sie um Verzeihung bitten. Reflektierte Erwachsene hätten mir persönlich gut getan. 

Wie die Kindheit meiner Kinder verlief, variiert durchaus von Kind zu Kind. Was ich auch lernen musste: ich bin nicht für jedes meiner Kinder dieselbe Mutter. Alle Kinder gleich zu behandeln, ist gar nicht möglich. Im Laufe der Zeit hat sich die Familienkonstellation geändert. Meine Erfahrungen haben sich geändert, die Lebensumstände, mein Nervenkostüm. Ich war z.B. mit 22 Jahren was man heutzutage eine junge Mutter nennt, mit 41 gehörte ich dann zu den älteren Müttern. 

Mit den Jahren wurde ich weniger dogmatisch, ja eigentlich kann ich sagen, ich wurde gelassener. Beim dritten, vierten, fünften Kind war es mir nicht mehr so wichtig, ob da im Hintergrund der Fernseher läuft oder nicht, ob das Kind schon mit einem Jahr Kekse mit Zucker bekommt, ob die Klamotten der neusten Mode entsprechen oder vielleicht auch mal Löcher haben, wann das Kind krabbelt oder läuft, ob und wo es schläft... Ich wusste, sie alle würden ihren Weg gehen. Die Hauptsache war für mich immer, mich selber nicht zu verstellen, zu schauen, dass es dabei auch mir gut geht und authentisch zu bleiben. 

Nun sind schon zwei meiner Kinder erwachsen und ausgezogen. Nicht mehr lange, und das nächste Kind wird volljährig. Wie kurz am Ende doch die gemeinsame Zeit im selben Haushalt ist! Sind die Kinder klein, kann man manchmal gar nicht das Ende des Tages abwarten. Und schwupps, sind plötzlich die Jahre vergangen. 

Im Grunde sind das wieder solche Momente, wo der Spruch meiner Hebamme passt. Ein Kind zieht aus. Das Mobilé wackelt genauso, wenn ein Teil des Konstrukts entfernt wird. Alles kommt wieder ins Schwingen und braucht eine Weile, um wieder ins Gleichgewicht zu kommen. Und auch diese Phase ist aufregend und mitunter tränenreich.

Welche Erfahrungen ich mit dieser Phase des Familienlebens gemacht habe, erzähle ich demnächst...

Dienstag, 16. August 2022

Die Augustschnuppe...



... ist ja schon vor einer Woche fünf Jahre alt geworden. Das möchte ich an dieser Stelle noch extra würdigen. Vor fünf Jahren war der Sommer übrigens sehr, sehr verregnet. Die schnelle Geburt zu Hause am Abend war wunderschön. 

Ich hatte durch das viele Theaterspielen letzte Woche so wenig Zeit, dass ich diesmal so gut wie gar nicht in die Vorbereitungen des Geburtstags involviert war. Die große Schwester hat den Geburtstagskuchen gebacken und nach den Wünschen des Geburtstagskindes dekoriert.

Der Liebste hat die Geschenke eingepackt und den Geburtstagstisch aufgebaut. Ich habe die Blumen besorgt. 


Am Morgen haben wir gesungen und dann beim Geschenkeauspacken assistiert. Das größte Geschenk, das unter einer Decke versteckt war, hat die kleine Große zunächst gar nicht bemerkt. Doch dann war es das Beste! Sie ist am nächsten Tag übrigens gleich aufgestiegen und losgefahren. Supertoll!



Am Nachmittag haben wir die gewünschte Pfannkuchentorte gegessen und danach sind wir an dem Strand gefahren. Zum Abendessen mit Meerblick gab es frisch gebackene Pizzaschnecken. 

Ah, jetzt wo ich die Bilder ansehe, merke ich, dass die Augustschnuppe am Strand in demselben Handtuch eingewickelt ist, wie auch in den allerersten Minuten ihres Lebens, direkt nachdem der Liebste sie aufgefangen hat! Hach.... 




Ich danke für das Mitlesen und die Anteilnahme. Hier gibt es die Möglichkeit, etwas in die virtuelle Kaffeekasse zu tun. Herzlichen Dank für die Anerkennung!

Donnerstag, 23. November 2017

Geschenke (nicht nur) zur Geburt



Werbung - weil ich viele Produktempfehlungen gebe

Nun ist unsere Augustschnuppe heute genau schon 15 Wochen bei uns. Ihre Geburt zu Hause hat uns sehr glücklich gemacht. Die immer aufs neue aufregende Zeit mit einem Neugeborenen liegt schon wieder hinter uns. Wir haben uns sehr gut aneinander gewöhnt und genießen die Zeit mit dem Baby jetzt in vollen Zügen. Die Kleine ist sehr entzückend und bei allen Familienmitgliedern ganz hoch im Kurs. Liegt sie auf ihrer Decke auf dem Boden ist sie oft umzingelt von ihren Geschwistern, die sie zum Lachen bringen wollen und einfach nur anschmachten.

"Geht es Ihnen auch wieder gut?" fragte mich neulich eine fremde Frau mit Blick aufs Baby in einem Café. Das war für mich sehr überraschend und tat mir sehr gut. Denn in der Zeit nach der Geburt prasseln so viele neue Eindrücke auf die Familie ein, dass das Wohlbefinden der Mutter doch ein wenig hintenansteht. Mir ging es nach dieser Geburt bis auf die Schultergeschichte sehr schnell wieder ziemlich gut. Eigentlich hatte ich mir vorgenommen, mein sehr wahrscheinlich letztes Wochenbett nochmal so richtig zu zelebrieren, bin dann aber ganz gut und ziemlich schnell wieder im Alltag angekommen.

Sehr gefreut haben mich die vielen lieben Gaben zur Geburt des Babys. Auch beim 5. Kind wurden wir reich beschenkt. Die Karten und kleinen Glücksbringer habe ich, wie bei den anderen Kindern auch, alle in einer Kiste gesammelt. Die bekommt die Augustschnuppe dann, wenn sie größer ist. Es gab schöne einzelne Kleidungsstücke, teils selbst gestrickt oder genäht. Es gab nette kleine Spielzeuge, Spucktücher, aber in hübsch, sanfte Pflegeprodukte, z.B. von Weleda, Gutscheine von Amazon oder dem Drogeriemarkt, kleine Büchlein und, wie gesagt, sehr viele Karten.

Wenn dabei auch an die Mutter gedacht wird, finde ich das immer sehr wertschätzend. Immerhin hat sie in den Monaten vor der Geburt das Baby in ihrem Körper getragen und mit der Geburt einen wahren Kraftakt geleistet. Danach sind Körper und Seele sehr verletzlich und sollten im Wochenbett gut umsorgt werden. Geschenke zum Erfreuen, Wohlfühlen und Pflegen kommen da nach meiner eigenen Erfahrung sehr gut an. Einfach alles, was gut tut. Wenn vielleicht auch das andere Elternteil oder die Geschwister bedacht werden, ist das eine sehr schöne Geste.

Ich zeige heute eine kleine Auswahl an passenden Geschenken für diese besondere Zeit. Einige Produkte wurden mir zum Testen von den jeweiligen Firmen zugeschickt. Einige habe ich selbst geschenkt bekommen. Und einige habe ich selbst gekauft.

Das Buch "Das Wochenbett"* von Loretta Stern und Anja Constance Gaca ist im letzten Jahr erschienen und wird sicherlich zum modernen Klassiker werden. Ganz neu erschienen ist das Buch "Guter Hoffnung"* von Kareen Dannhauer. Sie gibt hier ihr Hebammenwissen frisch und modern weiter. Das Buch "Mama werden, Mama sein"* von Katrin Michel habe ich hier schon vorgestellt. Es bietet Meditationen für die Schwangerschaft aber auch für die erste Zeit mit Baby an. Für Eltern mehrerer Kinder gibt es jetzt das frischgeschlüpfte Buch "Willkommen Geschwisterchen"* von Nathalie Klüver mit vielen Erfahrungsberichten, wie ein Familienleben mit Geschwisterkindern gelingen kann. "Muttergefühle. Gesamtausgabe"* und "Muttergefühle. Zwei"* von Rike Drust umfassen wirklich die volle Palette an Gefühlen, die frau als Mutter so durchmacht. Von bedingungsloser Liebe über Angst, alles zu vermasseln bis zu befreiender Ehrlichkeit über das Leben mit Kindern. Babys verstehen ist schon nicht so einfach. Wer sie trotzdem ein bisschen besser kennenlernen will, dem seien die Bücher "Kinder verstehen"* von Herbert Renz-Polster und "Babyjahre"* von Remo Largo empfohlen. Nora Imlau durfte ich als sehr kompetenete und entspannte Expertin erleben. Alle ihre Bücher sind sehr empfehlenswert. Für frische Eltern ist sicher das Buch "Schlaf gut, Baby! Der sanfte Weg zu ruhigen Nächten"* von Interesse.

Von Vita Et Natura gibt es wohltuende naturbelassene Tees für die gesamte spannende Zeit vom Kinderwunsch bis zum Babyglück. Es gibt Zyklustees, Tees abgestimmt auf die jeweilige Schwangerschaftswoche und Tee zur Geburt und für das Wochenbett. In der wunderschönen Geschenkbox zur Geburt befinden sich Tees für Mutter und Vater und sogar passende Tassen.


Wer gerne ein paar Teile schöner Kleidung verschenken möchte, kann gerne mal bei Grünwalds Wohlfühlwarenhaus vorbeischauen. Das familiär geführte Online-Warenhaus bietet ausgewählte Wohlfühlprodukte für die erste Zeit mit einem Baby an. Die wunderschönen Bodys von Maxomorra z.B. sind viele zu schade zum Unterziehen. Die Spucktücher von Smafolk sind mein heimlicher Favorit. Sie sind schön weich und griffig, nicht zu dünn und darüber hinaus auch noch nett anzusehen. Davon kann man in der Babyzeit nie genug haben!


Lillydoo bietet neue hautfreundliche Windeln und Feuchttücher für moderne Eltern und ihre Babys an. Das Design ist frisch und schlicht und die Windeln sind sehr schön weich. Als die Augustschnuppe die erste Windel von Lillydoo befleckt hatte, war es mir fast schade um die schöne Windel ;-) Die Feuchttücher von Lillydoo sind völlig duftfrei und angenehm dick. Nette Idee: auf der Unterseite befindet sich ein Klebepad, so dass die Packung auch mal am Hochstuhl befestigt werden kann oder wo immer sonst Feuchttücher schnell zur Hand sein müssen. Ein Windel-Abo ist sehr praktisch und kommt als Geschenk zur Geburt sehr gut an. Es kann auch ein Testpaket bestellt werden.


Die köstlichen Leckereien von Teufelswerk und Engelsgabe habe ich schon vor 5 Jahren nach der Geburt des Adventsjungen entdeckt. Die schlichten Packungen mit feinem Dattelkonfekt sind mir in unserem Bioladen aufgefallen. Damals habe ich Katrin Wolff in ihrer Manaufaktur hier in Hamburg besucht. Das Dattelkonfekt ohne Zuckerzusatz ähnelt den Still- oder Energiekugeln, die stillenden Müttern im Wochenbett empfohlen werden. Aber auch alle anderen Familienmitglieder mögen die handgefertigten Süßigkeiten mit Kakao oder Nüssen. Sehr schmackhaft ist auch das Fruchtkonfekt.


Überhaupt Essen! Ich finde, gerade gesundes und vollwertiges Essen kommt in der ersten Zeit mit einem Baby echt zu kurz. Ich gestehe, ich habe fürs Wochenbett nie vorgekocht, was in jedem Schwangerschaftsratgeber zu lesen ist. In den ersten Wochen war der Liebste zu Hause und hat mich und uns sehr gut versorgt. Jetzt, wo ich den ganzen Tag mit dem Baby alleine zu Hause bin, bemühe ich mich, schon am Vormittag in einigen freien Minuten mein Essen Stück für Stück vorzubereiten. Also schonmal die Kartoffeln schälen oder Möhren putzen. Meist gibt es dann schnelle Gerichte.

Ab und zu ist auch ein Fertiggericht dabei. Gesund und Mutter bietet auch Fertiggerichte an. Aber was für welche! Sie schmecken wunderbar und haben ein tolles Aroma. Von den Auberginen-Zucchini-Röllchen mit Mozzarella in fruchtigem Tomatenkompott träume ich heute noch! Das Testpaket war viel zu schnell aufgefuttert. Zum Verschenken oder selber essen gibt es Wochenbett-Boxen in verschiedenen Größen.


Backen ist in der Zeit mit einem frischen Baby nochmal eine ganz andere Herausforderung. Ich backe meistens schnelle und einfache Kuchen aus meiner Rezeptesammlung. Oder z.B. die Grießkekse, die sind bei den Kindern und einfach allen total beliebt.

Ich habe dem Liebsten nach der Geburt der Augustschnuppe einen leckeren Käsekuchen geschenkt. Ja, ich habe ihn so beschriften lassen, weil er mich unter der Geburt ohne Hebamme so toll unterstützt hat. Er ist halt mein Held! Gebacken wurde der Käsekuchen mit Mohnfüllung in der Bäckerei Neuendorff in Brandenburg. Im Online-Shop gibt es eine wahre Fülle an Käsekuchen, njammmmm! Der Käsekuchen wurde ganz frisch gebacken und superschnell zum Wunschtermin in einer gut gepolsterten Kühlbox angeliefert. Die Kühlakkus waren sogar noch kalt! Wir haben mehrere Tage von dem cremigen Kuchen gegessen.


Diese Bettmaus gibts im Dawanda-Shop von Bambalino. Ich habe sie schonmal gezeigt, aber sie ist so süß und praktisch, das kann man gar nicht oft genug zeigen. Gerade hat die Augustschnuppe ihren ersten Urlaub erlebt und ich glaube, sie hat am fremden Ort auch wegen ihres gewohnten Bettnestchens so gut geschlafen. Sie hat sich an ihre Maus gekuschelt und gut beschützt zwischen uns gelegen. So eine Begrenzung tut Babys sehr gut. Der Adventsjunge liebt seine Maus seit seiner Geburt vor 5 Jahren. Er nimmt sie auch oft mit. Manchmal ist sie allerdings auch ein Feuerwehrschlauch :-)


Manchmal lohnt es sich, auch in kleineren Shops nach Geschenkideen zu stöbern. Diesen Schutzengel mit Clip gibt es bei Schätzchen Babyshop. Die handgefertigten Produkte wie Schmusetücher oder Spieluhren können auch mit einem Namen bestickt werden und sind so ein individuelles Geschenk. Auch die mitgelieferte Verpackung war ganz besonders liebevoll.


Als ich für die Augustschnuppe eine Spieluhr gesucht habe, wollte ich gerne eine Unkitschige finden, die "Der Mond ist aufgegangen" spielt. Das ist mein liebstes Abendlied. Bei Rasselfisch wurde ich fündig. In diesem tollen Online-Shop kaufe ich öfters ausgesuchte schöne Dinge für Kinder. Hier hat mir gefallen, dass ich die Melodie gleich anhören konnte. Das Lied ist schön langsam, wie es eben zu einem Schlaflied passt. Als der Waschbär dann bei uns ankam, war ich positiv überrascht, wie schön sich das Kuschelfell aus reiner Baumwolle anfühlt. Die nächste positive Überraschung: die Firma Kallisto produziert die Stofftiere aus Naturmaterialien in Deutschland und hat noch viele andere tolle Tierchen im Programm.




*Amazon-Partner-Link

Donnerstag, 17. August 2017

Eine Woche Augustschnuppe

Heute genau vor einer Woche durften wir unsere kleine Augustschnuppe in unserem Wohnzimmer begrüßen. Die Geburt verlief so rasant, dass wir immernoch am Staunen sind. Immer wieder schauen der Liebste und ich uns an und schütteln mit dem Kopf. So eine Überraschung aber auch!

Überrascht sind wir auch von den vielen, vielen guten Wünschen, die uns erreichen. Herzlichen Dank dafür! Ich fürchte, ich komme nicht mehr hinterher. Ich habe aber jedes einzelne Wort gelesen und werde diese besondere Zeit niemals vergessen.

Uns geht es prima. Ich versuche mich, so gut es geht, zu schonen. Das ist etwas, was ich nicht so gut kann: Verantwortung und Arbeit abgeben, Heilung zulassen. Eine echte Geduldsprobe für mich.

Die Kleine ist ganz entspannt. Tagsüber schläft sie natürlich viel. Gegen Mitternacht hat sie eine längere Wachphase. Dann liegt sie im Bett zwischen dem Liebsten und mir und schaut mit ihren Kulleraugen in die Gegend. Wir lesen dann noch ein bisschen und warten ab, bis ihr (oder uns) die Augen zufallen.

Die Geschwister sind ganz vernarrt in sie. Der meistverwendete Satz ist im Moment "Sie ist so süüüüüß!". In den ersten Tagen war das Familiengefüge noch etwas wackelig. Was kommt in der neuen Situation auf uns zu? Wo stehe ich? Meine Hebamme meinte, eine Familie ist wie ein Mobilé. Bei einer Veränderung schwankt erstmal die ganze Konstruktion, bis alles wieder ausgewogen ist. Das trifft es ganz gut. Und mit ein paar extra Kuscheleinheiten für die Geschwister kriegen wir das schon hin.

Ich bin so verliebt!




Montag, 14. August 2017

Geburtsbericht 5. Kind

Donnerstag, 10. August 2017

Noch 3 Tage bis zum errechneten Geburtstermin. Am Mittag schreibe ich diesen Eintrag. Nachdem wir am Vortag mit den Fahrrädern zum Wochenmarkt gefahren sind, möchte ich es an diesem Tag ruhig angehen lassen. Irgendwie wurschteln sich meine drei Ferienkinder durch den Tag. Ich erledige den täglichen Haushaltskram und will eigentlich nur meine Ruhe haben. Zum Mittag gibt es Milchreis mit Zucker und Zimt und Apfelmus. Danach dürfen die Kinder einen Film schauen, ich schlafe derweil im Sessel ein.

Ich bin den ganzen Tag über irgendwie unruhig. Am Nachmittag ruft das Mutzelchen ihre Freundin an. Die beiden haben sich seit Ferienbeginn nicht gesehen. Es wird ein Übernachtungsbeschluss gefasst. Ich bringe meine Große über die Straße und bin ein bisschen erleichtert, ein Kind weniger zu Hause zu haben. Der kleine Bruder und der Adventsjunge spielen ganz gut miteinander, bis es Zeit wird für das Abendessen. Ich bin froh, den Tag geschafft zu haben.

Der Liebste kommt um kurz vor 18 Uhr nach Hause. Endlich. Ich bin beruhigt, dass er nun da ist. Die Jungs dürfen schon KIKA anmachen und bekommen einen bunten Schnittchenteller auf dem Sofa. Ich verziehe mich ins Schlafzimmer und will nur noch in Ruhe gelassen werden. Um 19 Uhr ist die Fernsehzeit für die Jungs vorbei. Sie gehen sich die Zähne putzen und gehen danach in ihre Betten. Sie hören noch Hörspiele und schauen Bücher an.

Ich ziehe um ins Wohnzimmer auf meinen Sessel und schaue die Berliner Abendschau und die Tagesschau, mein tägliches Feierabend-Ritual. Während dieser Zeit habe ich Wehen, auf die ich mich konzentrieren muss. Ich starte auf dem Handy eine Wehen-App um die Abstände zwischen den Wehen zu beobachten. Die Wehen kommen so alle 7 bis 8 Minuten. Ich erzähle das dem Liebsten, der mich skeptisch beäugt und mich darauf hinweist, dass es bei den letzten Geburten von diesem Punkt an nicht mehr allzu lange gedauert hat. Ich wiegle ab und sage, das wäre alles noch ganz harmlos. Ja, auch als Fünftgebärende bin ich mir mal wieder nicht sicher, ob die Geburt nun losgeht oder nicht.

Der Liebste macht sich schnell noch ein Brötchen und schafft dann Fakten, indem er die beiden großen Matratzen unter den Kinderbetten hervorholt und im Wohnzimmer vor dem Sofa ein Matratzenlager baut. Unter das Bettlaken kommt ein großer wasserundurchlässiger Matratzenschoner. Der Adventsjunge kommt aus seinem Zimmer, sieht das Matratzenlager und fragt "Wer kommt heute?" weil er denkt, wir bekämen Besuch. Ich sage ihm, dass seine kleine Schwester vielleicht bald geboren wird und bitte ihn, wieder in sein Zimmer zu gehen.

Wir entscheiden, oder vielmehr der Liebste, die Hebamme zu informieren. Um 20:12 Uhr telefoniert der Liebste mit ihr und gibt ihr den Stand der Dinge durch. Die beiden beschließen, dass der Liebste sich melden soll, wenn die Wehen in kürzeren Abständen kommen.

Die Tagesschau ist vorbei und ich entdecke die Übertragung der Leichtathletik-WM. Damit will ich mich ablenken. Irgendwie kann ich aber nicht mehr sitzen. Ich laufe kurz in die Küche und schaue dort aus dem Fenster. Der Liebste ist am aufräumen und kocht eine Kanne starken Kaffee für den Dammschutz. Ich spüre eine Wehe heranrollen und gehe schnell zum Esstisch, wo ich mich an einer Stuhllehne festhalte und meinen Rücken fest gegen die Wand drücke. So stehend veratme ich die Wehe und warte, bis sie vorüber ist. Dann laufe ich etwas herum, komme aber nicht weit sondern stelle mich schnell wieder an meinen Platz und atme und töne.

Jetzt bin ich mir plötzlich sicher, dass es nicht mehr lange dauern kann. Das kommt mir alles so bekannt vor. Bei der letzten Wehe spürte ich einen vorsichtigen Anflug des Pressdrangs. Der Liebste soll die Hebamme anrufen! Um 20:28 Uhr hat er sie an der Strippe. Sie ist mit ihrer Kollegin in einem Restaurant am Hamburger Hafen und will sich auf den Weg machen. Ich laufe so schnell ich kann rüber ins Schlafzimmer, um meine Hose auszuziehen. Ich schmeiße meine Sachen in die Ecke und ziehe mir ein Nachthemd an. Ich will dann auch lieber nicht mehr am Tisch stehen, denn ich habe das Gefühl, es wäre gut, es wäre etwas Weiches unter mir. Für alle Fälle...

Ich knie mich auf die Matratze vor dem Sofa und liege mit dem Oberkörper auf dem Couchtisch, auf dem ein dickes Kissen liegt. Mit den Händen halte ich mich am Tischrand fest. Das habe ich in der Schwangerschaft getestet und als meine bevorzugte Position für die Geburt erkoren. Der Liebste holt Einwegunterlagen und Handtücher und weicht nicht mehr von meiner Seite.

Da rollt wieder eine Wehe heran und ich muss pressen. Das ist echt heftig. In mir drin ein großes Brennen und Drücken. Während der nächsten Wehe platzt die Fruchtblase. Nach der Wehe fühle ich, ob ich das Köpfchen des Babys schon tasten kann. Nein, nichts. Schon wieder eine Wehe und ein Pressdrang wie nie. Die Wehen kommen praktisch ohne Pause. Ich kann sie nicht mehr wie gewohnt veratmen und brülle nur noch ins Kissen. Ich denke an mein Baby und dass es Sauerstoff von mir braucht. Also versuche ich, zu hecheln.

Ich habe ziemliche Schmerzen und denke, ich zerreiße. Ich hechle und schreie. Wie lange kann ich das durchhalten? Der Liebste redet beruhigend auf mich ein und sagt immer wieder "Du machst das gut. Du machst das guuuut.". Ich bin so froh, dass er an meiner Seite ist. Dann sagt er plötzlich "Der Kopf ist da!" Ich kann das gar nicht glauben. Nun kommt keine Wehe mehr, aber ich will es jetzt wirklich wissen. Mit all meiner Kraft presse ich ein letztes Mal und rufe "Nimm sie!"

Stille. Ich schaue auf meine Armbanduhr. 20:53 Uhr. Dann kriege ich fast einen Lachanfall. Es ist geschafft! Ich habe es geschafft! Ich höre ein leises Quäken hinter mir und will endlich mein Baby sehen. Der Liebste hat das Baby vorsichtig aufgefangen und auf der Matratze abgelegt. Jetzt wischt er es ein wenig ab. Dann wickelt er es mit den roten Duschtüchern warm ein. Ich schlage ihm vor, mir das Baby durch meine Beine hindurchzureichen. Er legt es unter mich. Große Kulleraugen gucken mich ganz wach an. Ich will das Baby hochnehmen, aber die Nabelschnur ist viel zu kurz. So muss ich es erstmal eingewickelt liegen lassen und knie über dem Kind.

Der kleine Bruder und der Adventsjunge sind immernoch wach in ihrem Zimmer. Der Liebste soll sie doch mal holen. So sitzen die beiden nur 5 Minuten nach der Geburt neben mir und bewundern ihre kleine Schwester. "Willkommen auf der Welt!" sagt der kleine Bruder. "Willkommen in Hamburg!" sagt der Adventsjunge. Beide sind ganz verzückt und freuen sich. Der Liebste macht die ersten Fotos.

Um kurz nach 21 Uhr klingelt es an der Tür. Die Hebamme ist da. Ich höre wie der Liebste ins Treppenhaus spricht, dass die Hebamme langsam machen kann, das Kind wäre schon da. Sie betritt das Wohnzimmer und begrüßt uns. Die Nabelschnur ist mittlerweile auspulsiert, so kann mich die Hebamme endlich aus meiner Lage befreien und schneidet die Nabelschnur durch. Die Plazenta kommt. Ich nehme das Baby hoch und setze mich angelehnt ans Sofa in eine bequemere Position. Uff! Die zweite Hebamme trifft ein und alle gemeinsam freuen wir uns über diese besondere Überraschung.

Wir quatschen und lachen alle und bestaunen das Baby. Das liegt ganz entspannt in meinen Armen. Die Jungs können nun erst recht nicht mehr schlafen und kommen alle paar Minuten vorbei, um das Baby anzusehen und abzuküssen. Die Hebammen lassen uns für eine Weile in Ruhe und beginnen am Esstisch mit dem Papierkram. Geburtsbericht schreiben, Unterlagen für das Standesamt ausfüllen usw.

Dann schicken wir die Jungs endgültig ins Bett. Das Baby wird angeschaut, gemessen und gewogen. Es ist 52cm groß, 3750g schwer und hat einen Kopfumfang von 36cm. Dann werde ich untersucht, alles ist heile und mir geht es gut. Ich gehe kurz duschen, ziehe mir etwas an und lege mich dann im Schlafzimmer ins Bett. Das Baby wird mir gebracht und nun können wir kuscheln. Die Hebammen räumen noch ein bisschen auf und verlassen uns gegen 23 Uhr. Der Liebste schaltet die Waschmaschine an und macht sich auch bettfertig. Er legt sich zu mir und unserer neugeborenen Tochter. Wir schauen uns an und heulen beide vor Glück gleichzeitig los.

Am nächsten Morgen stehen die Jungs gleich wieder an unserem Bett. Sie wollen schauen, ob das Baby noch da ist. Das Mutzelchen kommt heim und freut sich sehr. Sie kann es gar nicht fassen, dass während sie mit ihrer Freundin beim Filmabend auf dem Sofa gesessen hat und Chips gegessen hat, woanders ein Baby geboren wird. Unser Baby. "Aber eigentlich wusste ich das schon. Denn ich habe an diesem Tag eine Wimper von mir gefunden, sie fortgepustet und mir gewünscht, dass unser Baby kommt." Gut gemacht! Endlich ist sie da, unsere kleine Augustschnuppe!


hier sind die Geburtsberichte meiner anderen vier Kinder versammelt











Freitag, 11. August 2017

Willkommen Augustschnuppe!

Am 10. August 2017 um 20:53 Uhr wurde unsere Augustschnuppe zu Hause in unserem Wohnzimmer geboren. Die Geburt war sehr heftig und rasant. Die Kleinste wurde aufgefangen von ihrem Papa, denn die Hebamme hat es nicht mehr rechtzeitig geschafft. Uns geht es sehr gut und wir sind überglücklich.


Schmecket und sehet, wie freundlich der HERR ist. Wohl dem, der auf ihn trauet!
Psalm 34,9
Tageslosung 10.08.2017



Freitag, 4. August 2017

Ein Geburtstagstisch für das Baby

"Bäckst du einen Geburtstagskuchen, wenn sich das Baby auf den Weg macht?" fragte mich die Hebamme neulich. Das ist ein sehr schönes Ritual, bei einer (Haus)Geburt mit beginnenden Wehen in die Küche zu gehen und einen Kuchen zu backen. Zu einem ist die Frau dann beschäftigt und ein bisschen abgelenkt, zum anderen hilft die aufrechte Bewegung sehr gut bei der Geburtsarbeit. Und wenn das Baby dann geboren ist, wird es von Kuchenduft empfangen. Eine sehr schöne Vorstellung, oder?!

Bei meinen sehr rasanten Geburten bin ich allerdings nie zu etwas gekommen, deshalb wird es bei uns höchstwahrscheinlich keinen frischen Kuchen geben. Aber wir haben eine schöne Idee gehabt: wir decken dem Baby einen kleinen Geburtstagstisch. Ein kleiner Willkommensgruß von uns allen sozusagen.

Die Kinder waren ganz begeistert und begannen gleich, zu werkeln. Der kleine Bruder wickelte Spielzeug, das er dem Baby abgeben möchte, in Geschenkpapier. Das Mutzelchen fertigte ein Büchlein für ihre kleine Schwester an. Drinnen sind Bilder und Texte, worauf sich das Baby bei uns freuen kann. Zum Beispiel auf schöne Urlaube am Meer. Der Adventsjunge zeichnete ein Bild von der gesamten großen Familie mit allen Kindern. Da er gerade erst beginnt, figürlich zu malen, ist das ein ganz besonderes Geschenk. Ich habe es gleich eingerahmt.

Den Kerzenhalter haben der Liebste und ich auf unserem Biobauernhof an einem Stand gekauft. Die Blüte wurde in einer inklusiven Werkstatt in unserer Nähe hergestellt. Der Stoffkater heißt Felix. Den ersten habe ich mir vor 19 Jahren für meinen ersten Sohn ausgedacht. Seitdem haben alle meine Kinder einen eigenen Kater bekommen.

Für mich enthält der Willkommenstisch für unser Baby noch eine kleine Erinnerung, auch im Hinblick auf die bevorstehende Geburt. Alles wird gut.





Freitag, 14. Juli 2017

Endspurt

"Sehen Sie, was ich sehe? Sie kennen sich doch schon aus, nicht wahr?!" Die Ärztin im riesigen Universitätsklinikum fährt mit der Sonde des Ultraschallgerätes ganz unten über meine Bauchdecke. Auf dem Monitor ist bildschirmfüllend ein großes Oval zu sehen. Ja, ich sehe es auch: es ist eindeutig der Kopf meines Babys. UND ER LIEGT UNTEN!!!

Die letzten Wochen war ich etwas angespannt. Tränen sind auch geflossen. Das Baby saß mit seinem Popo in meinem Becken und rührte sich nicht. Mehrmals täglich machte ich Übungen, ölte meinen Bauch und leuchtete dem Baby mit einer Taschenlampe den Weg. Alles, damit das Baby sich mit dem Kopf nach unten dreht. In die perfekte Startposition für eine Geburt. Nur ca. 4% der Babys liegen zur Geburt noch in Beckenendlage. Sollte unser Baby etwa zu diesen seltenen Persönchen gehören?

Ich sah die Chance auf eine Hausgeburt schwinden. Mit einer Beckenendlage müsste ich zur Geburt auf alle Fälle in ein Krankenhaus gehen. Dann wäre die Suche nach einer Hebamme und alle Vorbereitungen in der Schwangerschaft umsonst gewesen. Ich hätte im Krankenhaus keine Hebamme dabei, die mir vertraut ist, was mir enorm wichtig ist. Durch die Seltenheit einer Beckenendlage hätte ich in der Klinik trotzdem wahrscheinlich (zu) viel Personal um mich herum und würde nicht alleingelassen werden, wie so viele Frauen im Moment unter der Geburt. Auch beruhigend irgendwie, aber ach...

Ich wollte vorher noch die äußere Wendung probieren. Dabei wird von ärztlicher Seite und unter OP-Bereitschaft versucht, mit gezielten Handgriffen von außen das Baby im Bauch zu drehen. Die Chance, dass sowas klappt, liegt bei etwas über 50%. Sollte dabei etwas Unvorhergesehenes passieren, würde das Baby sofort per Kaiserschnitt geholt werden. Auch damit hatte ich mich nun schon abgefunden und den Kaiserschnitt eingeplant.

Diese Woche stand also der Beratungstermin an. Ich fuhr eine Stunde mit den öffentlichen Verkehrsmitteln ans andere Ende der Stadt. Das Universitätsklinikum ist das größte Krankenhaus, das ich je in meinem Leben gesehen habe. Um zur Station für Geburtshilfe zu gelangen, musste ich das gesamte Gebäude mit seiner bahnhofsähnlichen Empfangshalle, Rolltreppen und seinen langen Fluren bis ganz nach hinten durchqueren und dann mit dem Fahrstuhl ganz nach oben fahren.

Ich war ziemlich aufgeregt und auch gespannt, was die Untersuchung ergeben würde. Vielleicht ließe sich ja auch irgendein Grund für die Sitzblockade des Babys erkennen? Nach einem kurzen Gespräch kommt die Ärztin gleich zur Sache. Ich darf mich auf eine Liege legen und schon gehts los. Wir sehen es sofort: das Baby liegt mit dem Kopf nach unten in perfekter Startposition.

Mir kommen die Tränen und die ganze Anspannung der letzten Wochen fällt von mir ab. Ich kann das gar nicht glauben. Noch vor einem Tag hatte die Hebamme doch noch nach dem Baby getastet, war sich allerdings nicht ganz sicher. Mir fällt die eine Nacht vom Wochenende ein, in der ich fast nicht geschlafen habe und zwei Mal von dem Gerumpel in meinem Bauch aufgewacht bin. Und seit zwei Tagen zieht und piekst es ganz schön nach unten. Uff. So kann es nun gerne bleiben. Niemand rührt sich vom Fleck, bitte!

Und sonst so? Ich kann es kaum glauben, dass nun schon der Endspurt der Schwangerschaft begonnen hat. In nur noch +/- 30 Tagen werden wir unser Sommermädchen in den Armen halten dürfen. In 9 Tagen beginnt die offizielle Rufbereitschaft unserer Hebamme. Ab diesem Zeitpunkt darf das Kind zu Hause zur Welt kommen. Eine Kliniktasche habe ich trotzdem gepackt und mich auch in der nächsten Klinik angemeldet.

Bis auf meine langsame Watschelei geht es mir ganz gut. Ich komme schneller aus der Puste und mein Becken fühlt sich klapprig an. Wenn mir etwas runterfällt, lasse ich es auch schonmal liegen. Das Umdrehen im Bett fällt mir schwerer. Ohne mein langes Seitenschläferkissen gehe ich nirgendwo hin. Haut und Haare sind prima, vom Sodbrennen werde ich im Moment zum Glück verschont. Die Vorwehen haben zugenommen und kommen am Abend fast alle halbe Stunde.

Für die Hausgeburt ist alles vorbereitet. Mit der Hebamme und ihrer Kollegin, die sie zur Geburt rufen wird, sind wir beim Vorbereitungsgespräch eine detaillierte Liste durchgegangen. Kuschelige Handtücher und Einmalunterlagen sind genügend vorhanden. Malerfolie wird immer wieder empfohlen. Die habe ich aber noch nie gebraucht und die werde ich auch niemals verwenden. Das kriege ich im Kopf beim besten Willen nicht mit Geburt zusammen. Ich habe für den Boden eine weiche, extra dicke Gymnastikmatte und einen doppelt großen wasserundurchlässigen Matratzenschoner* besorgt. Ich weiß, ich werde mich eh nicht im Bett oder auf dem Sofa aufhalten, da ich mich unter der Geburt eher in aufrechter Haltung wohlfühle.

Eine gute Lampe haben wir, die ersten Anziehsachen fürs Baby liegen bereit, bequeme Kleidung für mich auch und eine genau gehende Uhr, klar. Papierkram für die Anmeldung des Babys beim Standesamt, den großen Bluttest auf Stoffwechselstörungen und das neue Vorsorgeheft für Kinder sind schon vorbereitet. Der Kinderarzt ist auch informiert. Jetzt fehlen noch ein paar Müsliriegel für uns und eventuell hungrige Hebammen und dann, ja dann fehlt uns nur noch das Baby :-)


* Amazon-Partner-Link

Freitag, 9. September 2016

13 Wochen

Die Morgensonne strahlt von einem knallblauen Himmel. In den Bäumen haben sich erste Blätter verfärbt und leuchten verheißungsvoll zwischen dem dunklen Spätsommergrün. Es duftet herrlich nach Laub und Erde. Der Herbst kommt. "Einen wunderschönen Tag wünsche ich Ihnen!" sagt die Frau an der Kasse des Drogeriemarktes fröhlich. "Einen schönen Tag, genießen Sie ihn!" sagt die Frau am Postschalter lächelnd, als ich ein Päckchen abgebe, bevor ich zur Bushaltestelle gehen will.

"Der Tag ist und wird nicht schön! Ich trage mein totes Kind in meinem Bauch herum und fahre jetzt ins Krankenhaus, wo es entfernt wird!!!" Nein, das sage ich natürlich nicht. Ich denke es nur und merke mal wieder, wie irre paradox dieses Leben doch ist. Hier bleibt die Welt stehen und dort läuft das Leben einfach so weiter.

13 Wochen neues aufregendes Glück liegen hinter uns. 13 Wochen, erfüllt mit Bauchkribbeln, noch mehr Liebe und fast ungläubigem Staunen über dieses große Geschenk einer erneuten Schwangerschaft. Gleich beim allerersten Versuch hat es geklappt!

Einen Tag nach meinem Geburtstag Anfang Juli habe ich schon eine Ahnung, die ein paar Tage später zur Gewissheit wird. Im nächsten März würde ich mein fünftes Kind zur Welt bringen. Heiß ersehnt und sehr erwünscht von uns allen.



Nach und nach erzählen wir die freudige Nachricht weiter. Es ist sehr bezeichnend, wer sich ehrlich mit uns mitfreut und wer als erstes skeptisch fragt: "War das geplant?" Ich finde gleich ein Team von zwei Hausgeburtshebammen. Was für ein Glück, es gibt sie noch! Die Vorsorgen mache ich bei ihnen, die Ultraschallkontrollen bei meiner Frauenärztin. Dort ist in der neunten Woche ein zappelnder Krümel mit einem schlagenden Herzen zu sehen.

Ich verkünde die Nachricht auf meiner Arbeitsstelle. Das fällt mir sehr schwer, weil ich meine neue Arbeit und besonders meine Kolleginnen sehr mag. Sie erleichtern mir sofort die Arbeit und sind sehr rücksichtsvoll.

Wir fahren in den Sommerurlaub und genießen unsere Zeit dort sehr. Ich bin immer sehr müde und mache oft Mittagsschlaf. In der 10. Woche bemerke ich ein minikleines Pochen, das mit der Zeit immer deutlicher wird. Ich freue mich über dieses sehr frühe Zeichen und bin glücklich.

In der ersten Arbeitswoche nach dem Urlaub werde ich von meinen Kolleginnen zum Amtsarzt geschickt, um meinen Status bezüglich Infektionskrankheiten gründlich zu checken. Wichtig für die Arbeit mit kleinen Kindern.

Anfang der 13. Schwangerschaftswoche habe ich bei meiner Frauenärztin den Termin zur ersten größeren Ultraschalluntersuchung. Ich frage, ob ich mit dem Handy einen Film vom Geschehen auf dem Ultaschallmonitor machen kann, um ihn später den Kindern zu zeigen. Ich darf.

Ich klettere auf den Stuhl und werde hoch gefahren. Die Ärztin und ich plaudern locker. Das Handy habe ich noch nicht an. Irgendwie will ich noch kurz abwarten. Die Ärztin bringt das Ultraschallgerät in Position.

Ich sehe es sofort.

Kein Herzchen puckert, keine Bewegungen sind zu sehen. Da ist kein Leben mehr. Die Ärztin ist ganz ruhig. Spricht aus, was ich selbst auch sehe. Probiert es nochmal. Schaltet den Doppler dazu, um den Blutfluss in diesem Gebiet zu messen. Nichts. Missed abortion. Verhaltende Fehlgeburt nennt sich das. Der Embryo ist irgendwann in der letzten Zeit abgestorben und ich habe es durch keinerlei Anzeichen gemerkt.

Die Untersuchung ist beendet. Ich kann nicht glauben, dass mir das gerade passiert. Die Ärztin geht nach nebenan an den Schreibtisch, ich ziehe mich an und komme dazu. Das Blut rauscht in meinen Ohren. Wie regiert man in einer solchen Situation? "Das ist mir ja noch nie passiert." sage ich hilflos. Die Ärztin klärt mich einfühlsam über die nun folgenden Schritte auf. Ich höre zu. Nicke.

"Sie sind eine tapfere Frau." sagt meine Ärztin. Als sie die Box mit den Taschentüchern vor mich auf den Tisch stellt, nehme ich ein Tuch und erlaube mir ein paar Tränen. Ich bekomme eine Krankschreibung, eine Überweisung für das Krankenhaus und eine Telefonnummer.

Als ich auf der Straße stehe, weine ich richtig. Ich schreibe dem Liebsten. Ich muss auf meiner Arbeit anrufen, weil ich nicht mehr zur Teamsitzung kommen kann. Ich stammle irgendetwas vor mich hin.

Ich will das alles nicht. Ich weiß, dass das täglich so vielen Frauen passiert. Die Quote ist 1:4. Jetzt bin ich eine von ihnen. Noch mehr Angst, vor dem, was jetzt passieren wird, habe ich vor den Reaktionen meines Umfeldes. Ich kann jetzt keine betroffenen Menschen ertragen. Ich muss erst abschließen und nach vorne schauen.

Ich radle nach Hause und sehe vor Tränen die Straße nicht. Reiß dich zusammen! Als ich zu Hause endlich die Wohnungstür von innen schließe, bricht es aus mir heraus. Die folgenden zwei Stunden weine ich durch. Ich informiere die mir wichtigsten Menschen und rufe dann im Krankenhaus an. Die zuständige Person ist nicht mehr im Haus, ich soll es am nächsten Tag versuchen.

Der Liebste hat die Kinder abgeholt und kommt nach Hause. Wir umarmen uns still und halten uns ganz fest, die Kinder verteilen sich in der Wohnung. Bei Keksen und Saft erklären wir ihnen später, was passiert ist. Sie sind natürlich traurig, aber freuen sich, als wir ihnen sagen, dass wir sehr glücklich und dankbar sind, schon so viele tolle Kinder zu haben.

In der kommenden Nacht schlafe ich sehr schlecht. Die Gedanken kreisen. Warum ist das passiert? Habe ich etwas falsch gemacht? Immer wieder muss ich an das Bild des leblosen, 4 Zentimeter großen Menschleins auf dem Monitor denken. Nein, an das leblose kleine Menschlein in meinem Bauch.

Als ich am nächsten Morgen die Kinder weggebracht habe, rufe ich im Krankenhaus an. Ich soll kommen und mich beim Patientenservice anmelden. Kurz bevor ich losgehe, werde ich vom Amtsarzt angerufen. Meine Werte sind alle in Ordnung, herzlichen Glückwunsch und alles Gute weiterhin, ich kann bedenkenlos im Kindergarten weiterarbeiten.

Ich lege ein Notfallpaket mit Kleidung und Kosmetikartikeln zurecht, das der Liebste mir bringen kann, falls ich doch länger im Krankenhaus bleiben muss. Dann verlasse ich das Haus. Unterwegs kaufe ich eine Packung Binden, die werde ich wahrscheinlich später brauchen. "Einen wunderschönen Tag wünsche ich Ihnen!" Atmen.

Um 9:30 Uhr habe ich mich im Krankenhaus angemeldet und warte im Empfangsbereich auf meine erste Untersuchung. Gegen 12 Uhr bin ich dran. Der Chefarzt der Gynäkologie untersucht mich erneut und kann die Diagnose leider nur bestätigen. Es gibt nun zwei Möglichkeiten: ich könne abwarten und der Natur ihren Lauf lassen. Das kann aber bis zu vier Wochen dauern und ist bei der Menge des "Materials" nicht empfehlenswert. Oder ich bekomme unter Vollnarkose eine "Kürettage", ein eleganteres Wort für "Absaugung und Ausschabung".

Ich entscheide mich für letzteres, weil ich für meine Familie schnell wieder fit sein will. Der OP-Plan für diesen Tag ist ziemlich voll, der für den nächsten Tag auch, also könnte ich an dem darauffolgenden Tag wiederkommen. Noch zwei Nächte?! Ich möchte alles so schnell wie möglich hinter mich bringen und sage das auch. So werde ich ans Ende des Plans geschrieben, Notfälle hätten allerdings Vorrang. Ich werde vom Anästhesisten aufgeklärt und ein EKG wird geschrieben. Dann soll ich mich auf der Station melden, die neben dem Kreißsaal liegt. Ich gehe vorbei an wartenden Schwangeren, frischgebackenen Vätern mit Autositzen und riesigen rosigen Babyfotos. Ich schaue nicht hin. Zwischendurch halte ich den Liebsten auf dem Laufenden, der die Kinder abholt.

Ich bekomme ein Bett und soll zwei Tabletten nehmen, die den Muttermund weich machen und sonst zur Geburtseinleitung gegeben werden. Bekleidet mit einem OP-Kittel sinke ich erschöpft aufs Kissen, decke mich zu und dämmere vor mich hin. Nach einer Weile bekomme ich leichte Krämpfe im Unterleib und hoffe, dass ich bald drankomme. Um 14 Uhr werde ich glücklicherweise schon abgeholt und mit dem Bett zum OP-Bereich gefahren. Dort werde ich für die Operation vorbereitet. "Sie sind doch noch jung!" Dann wirkt endlich die Narkose. Weinend schlafe ich ein und weinend wache ich wieder auf.

Nach zwei Stunden bin ich wieder in dem Zimmer der Station. Ich bin müde und hungrig. Nach einer Weile darf ich mit Hilfe aufstehen und bekomme eine warme Suppe. Nachdem der Anästhesist nach mir geschaut hat, besucht mich die operierende Ärztin und bespricht mit mir den Verlauf. Alles ist gut gegangen, aber sie ist sichtlich betroffen.

Am Abend bin ich endlich wieder zu Hause. Der Liebste kümmert sich rührend um mich. Ein großer Blumenstrauß von Familie Rotkraut empfängt mich. In der Nacht habe ich Bauchkrämpfe und schlafe schlecht. Von der Operation tun mir mein Hals und alle meine Gliedmaßen weh. Ich fühle mich ausgelaugt und sehr leer. Meine Schwangerschaft ist beendet. Ich bin jetzt quasi im Wochenbett.
Nur ohne Baby.


Die Zeit danach...

So haben wir unser Sternenkind verabschiedet...

Und leider war alles auch nach vier Wochen noch nicht ausgestanden...




Mit diesem nicht gerade leichten Text habe ich mich beim scoyo ELTERN! Blog Award 2017 beworben. Weil das Leben nicht immer nur aus Sonnenschein besteht. Aus über 180 Texten wurde auch meiner von einer Jury ins Finale gewählt. Meine Leserinnen undLeser haben abgestimmt, dass mein Text den Blog Award gewinnen soll. Ich freue mich sehr über diese tolle Unterstützung! Vielen Dank!









Sonntag, 15. Mai 2016

Sieben


Vor 7 Jahren standen wir in Berlin mit unserer liebsten Nachbarin im Flur unserer Wohnung. Ich schaute auf die Uhr. Es war kurz vor Mitternacht. "Okay, wir nehmen den 15." sagte ich. Die Nachbarin schlug ihr Nachtlager in unserem Wohnzimmer auf, um auf den Großen und das Mutzelchen zu horchen.

Unsere Hebamme war gerade da gewesen und war nun ins Geburtshaus vorgefahren. Wir folgten ihr nun und waren vorfreudig aufgeregt. Wir würden endlich unseren Sohn kennenlernen! Wie rasant das wieder passieren würde, wussten wir zu dem Zeitpunkt noch nicht. Um 01:21 Uhr war er schließlich in unseren Armen. Eins der größten Gefühle der Welt!

Gegen 4 Uhr waren wir schon wieder zu Hause und unsere Nachbarin staunte nicht schlecht, dass sie nur so kurz einspringen brauchte. Der kleine Bruder war ganz ruhig und zart und schaute mit klugen Augen in die Welt.

Und so ist er heute noch: fröhlich, schlau und sensibel macht er uns viel Freude und wir sind sehr dankbar, mit ihm zusammen die Welt entdecken zu dürfen. Er lernte blitzschnell Fahrradfahren und schwimmen. Jetzt kann er rechnen und lesen und erschließt sich weitere Teile der Welt. Er ist sehr beliebt in seiner Schulklasse und nächste Woche feiern wir einen schönen Kindergeburtstag. Sieben!


Freitag, 22. April 2016

Ein Interview für die Familienrollen

Bettina vom Blog Das frühe Vogerl interessiert sich für Familiengeschichten, die so bunt und vielfältig wie das Leben selbst sind. Für ihre Serie Familienrollen durfte ich ganz wunderbare Fragen zum Thema selbstbestimmte und außerklinische Geburt beantworten. Für mich völlig normal, aber bei einer Rate von 2 bis 4 % gehöre ich damit ganz klar zu einer Minderheit in unserem Land.

Schaut gerne mal nebenan vorbei!

Frühling 2009 - das Mutzelchen und ich zwei Wochen vor der Geburt des kleinen Bruders

Donnerstag, 18. Juni 2015

Bewölktes Glück

Ich saß ganz, ganz tief unten in einem engen Brunnenschacht. Um mich herum war es dunkel. Mein Körper war gar nicht vorhanden. Ich sah nichts, hörte nichts und konnte mich nicht bewegen. Arme und Beine waren wie gelähmt. Ich konnte nicht sprechen. Auf meiner Brust lag ein zentnerschwerer Brocken. Ich schaffte es gerade so, überhaupt zu atmen. Ab und zu schaute ich hoch zu dem Punkt, wo das Licht herkam. Ich fühlte absolut gar nichts. Ein bisschen wunderte mich, dass mir alles so egal war, aber ich wollte an dem Zustand nichts ändern. Ich wollte einfach nur dasitzen.

Es gibt Fotos von mir aus dieser Zeit. Ich lache und sehe fröhlich aus. Das war im September 2007. Ich hatte gerade meine Tochter zur Welt gebracht. Die Geburt war total leicht und ging blitzschnell. Kaum war das Geburtshaus erreicht, war das Baby schon da. Gesund und munter. Ein echtes Geschenk und Wunder. Mein Mann und ich waren überglücklich. Unser Kind war gesund und sehr hübsch und die Krönung unser noch sehr frischen Liebe. Alles war perfekt. Von außen.


Mutterglück - von außen perfekt

Innen sah es anders aus. In mir drin gab es keine Regungen. Das Schreien meines Kindes drang wie durch dicke Watte zu mir durch. Ich hörte es, fühlte mich aber unfähig, zu reagieren. Mein Baby hatte Hunger und wollte gestillt werden. Ich wurde gebraucht. Dabei wollte ich doch nur meine Ruhe haben. Die unendlichen Schmerzen beim Stillen bestimmten meinen ganzen Tageslauf. Alle paar Stunden wieder. Und wieder. Und wieder. Und wieder. Und die Schmerzen nahmen jeden Tag zu. Wie Rasierklingen durchschnitten sie meinen Körper. Sie zogen von der Brust bis in die Fußspitzen und wieder zurück. Es war wie Folter. Mein Baby interessierte mich nicht. Ich hatte Angst vor ihm. Ich wollte nur noch, dass das alles irgendwie endet.

Ich hatte die beste Unterstützung, die es auf der Welt gibt. Mit meiner Hebamme und meinem Mann hatte ich schon während der Schwangerschaft ausführlich über das Stillen gesprochen. Ich hatte alle Literatur zum Thema gelesen. Ich war mir sicher, diesmal würde es klappen. Die Hebamme kam nach der Geburt jeden Tag zu uns nach Hause, mein Mann umsorgte mich sehr liebevoll. Beim ersten Kind war ich unerfahren und hatte keine Unterstützung. Daran hatte es bestimmt gelegen. Aber nun sollte doch alles perfekt sein. Stillen ist so praktisch. Immer dabei, perfekt temperiert, kostengünstig und vor allem gesund. Das Beste für das Kind! Das Natürlichste der Welt! Das kann doch jede Frau!

Und nun war es doch wieder so eine Katastrophe. Ich glaube, nicht mal mein Mann konnte erahnen, wie es mir tatsächlich ging. Ich biss die Zähne zusammen und hoffte, dass die Zeit verging. Ich musste alleine da durch. Irgendwann musste es doch besser werden. Ich musste mich nur genug anstrengen. Das hörte ich doch von allen Seiten. Ich machte ein Foto meiner Tochter, wie sie einen Milchbart hat. Von meiner Milch. Vielleicht als Beweis, dass mein Körper mein Kind ernähren konnte. Eigentlich. 

Als ich beschloss, sofort mit dem Stillen aufzuhören, ging es mir schlagartig besser. Der schwere Stein, der auf Körper und Seele drückte, rollte von mir ab. Ich fühlte mich leicht und unbeschwert. Die Sonne schien wieder. Ich konnte mich wieder bewegen, wieder reden, atmen und lachen. Ich hielt mein Baby wieder gerne im Arm und kuschelte viel mit ihm. Es trank problemlos aus der Flasche. Noch wochenlang hatte ich damit zu tun, den Milchfluss einzudämmen. Ich konnte nicht glauben, was da passiert war und war einfach nur froh, dass der Spuk endlich vorüber war.

Meine nächsten beiden Kinder habe ich von Geburt an mit der Flasche gefüttert. Da das Füttern eines Babys so viel mehr als nur Nahrungszufuhr ist, konnte ich meinen Kindern nun mit Hilfe von Pulvermilch unbeschwert all das geben, was sie zum Leben und für eine gute Bindung brauchten: Nähe, Trost, Geborgenheit, Halt, Liebe, Liebe, Liebe. Entspannt und rundum glücklich.


Es hat Jahre gedauert, diesen Text zu schreiben.

Donnerstag, 11. Juni 2015

Informationen zur Hebammenhilfe

Im Frühjahr 1998 bekam ich in meiner Frauenarztpraxis meinen Mutterpass ausgehändigt. Ich war tatsächlich schwanger! Das so schwarz auf weiß in diesem Dokument zu sehen, machte es für mich irgendwie greifbarer und offizieller. So einen Mutterpass bekommt jede Schwangere nach Feststellung der Schwangerschaft. Darin wird die persönliche medizinische Vorgeschichte eingetragen und alle Vorsorgeuntersuchungen, die während der Zeit der Schwangerschaft durchgeführt werden, vermerkt.


Damals, in meinem ersten Mutterpass, war gleich ganz vorne auf der 2. Seite ein Zettel eingeklebt. "Informationen zur Hebammenhilfe" stand darauf. Der Berliner Hebammenverband wies darauf hin, was Hebammenhilfe genau umfasst:

"Jeder schwangeren Frau steht laut Gesetz eine Hebamme zu, die sie während der Schwangerschaft, Geburt und in der Zeit des Wochenbetts betreut.

Hebammenhilfe umfasst:

1. Vorsorgeuntersuchungen in der Schwangerschaft
2. Beratungen in der Schwangerschaft, telefonisch oder als Hausbesuch
3. Einzelbetreuungen bei Schwangerschaftsbeschwerden
4. Geburtsvorbereitung (14 Stunden) als Frauen- oder Partnerkurse, Einzelvorbereitung auf ärztliche Anordnung
5. Geburtshilfe (Betreuung bei Haus- und Klinikgeburten, Geburten in Geburtshäusern und Praxen)
6. Wochenbettbetreuung nach Klinik- oder Hausgeburt und nach ambulanter Geburt bis zum 10. Wochenbetttag (bei Bedarf auch länger)
7. Rückbildungsgymnastik (Gruppenkurse 10 Stunden)

Die Krankenkassen übernehmen fast alle Kosten.
Bitte melden Sie sich rechtzeitig in der Schwangerschaft bei einer Hebamme.

Adresse und Telefonnummern für Informationen...."

Dieser kleine Zettel machte mich tatsächlich sicherer und selbstbewusster in der Schwangerschaft. Hebammenhilfe war laut Gesetz mein Recht! Das wollte ich auch nutzen und habe sehr davon profitiert.

Ich fand mit Hilfe der Hebammenliste bald eine Hebamme in meiner Nähe und machte den Großteil der Vorsorgeuntersuchungen mit ihr. Ich besuchte sie zu Hause oder sie mich. Zur ambulanten Geburt ging ich mit ihrer Begleitung ins nächste Krankenhaus. Mein etwas älterer Arzt war deswegen not amused, aber das war mir egal. Zu oft hatte er mich mit Aussagen wie "hm, zu groß" oder "hm, zu klein" verunsichert, was meine Hebamme zum Glück wieder auffangen konnte. Als ich dem Arzt mal erzählte, dass ich in einem Kreißsaal bei einer Besichtigung eine Sprossenwand gesehen habe, sagte er nur abschätzig: "Wir sind doch hier nicht im Busch!"

Wie auch in meinen darauffolgenden Schwangerschaften war die sehr persönliche Betreuung durch meine Hebamme sehr wichtig und trug dazu bei, dass ich gelassen in die Geburt gehen konnte. Diese Gelassenheit bewahrte ich mir auch in den nächsten drei Schwangerschaften, die immer durch kompetente Hebammmen begleitet wurden. Ich werde mein Leben lang dankbar an diese schönen Lebensereignisse zurückdenken.


So ein wichtiger Zettel klebte und klebt aber nicht in allen Mutterpässen. Leider. Viele Frauen und ihre Angehörigen kennen ihr Recht auf Hebammenhilfe gar nicht.

Eine wichtige Information fehlt darauf allerdings noch: ein bisschen schwanger gibt es nicht, denn gerade in den ersten Wochen passieren im Körper der Frau sehr wichtige Dinge und viele Fragen treten auf. Und auch wenn die Schwangerschaft durch eine Fehl- oder Totgeburt beendet wird, steht allen Frauen trotzdem Hebammenhilfe zu. Bitte sagt es weiter!

Frauen in Deutschland soll allerdings ganz aktuell das Recht auf Hebammenhilfe genommen werden. Die flächendeckende Versorgung mit Hebammen zerbricht gerade unaufhaltsam. Es gibt immernoch die Möglichkeit, die Petition zum Elternprotest zu unterschreiben. Über 112.000 mal wurde das schon getan. Ob es etwas bringt? Ich bin ratlos.

Freitag, 15. Mai 2015

✿ 6 ❤

Vor 6 Jahren war es so spannend bei uns! Das Mutzelchen war noch so klein und die Liebe zwischen dem Liebsten und mir noch sehr frisch. Wir wohnten in Berlin in einem angenehmen Umfeld. Es war eine wunderbare Zeit! Die schnelle Geburt des kleinen Bruders im Geburtshaus zur fast exakt derselben Uhrzeit wie seine Schwester war eine tolle Überraschung. Es war wirklich ein rundum schöner Frühling damals.

Heute feiern wir den 6. Geburtstag des kleinen Bruders. Das neue Lebensjahr wird aufregend werden: die letzten Monate in der Vorschule sind nun angebrochen. Im September feiern wir seine Einschulung und freuen uns alle schon drauf. Herzlichen Glückwunsch, kleiner Großer! 


Montag, 24. November 2014

"Roses Revolution" am 25. November

Als im letzten Jahr im Zuge der Debatte um #Aufschrei die Seite Alltagssexismus eingerichtet wurde, häuften sich dort auch Berichte von Frauen, die Gewalt vor, während und nach den Geburten ihrer Kinder erlebt haben.

Mir ist beim Lesen der Berichte der Atem gestockt. Die Erlebnisse von Frauen vor allem unter der Geburt reichen von Ansprachen wie "Nu stellen Sie sich nicht so an!" oder Drohungen wie "Wenn Sie hier nicht mitmachen, stirbt Ihr Kind!" bis zum Fesseln ans Dauer- CTG, dessen Nutzen umstritten ist, Festschnallen, unnötigen Untersuchungen am Muttermund und sogar Aussagen nach einem Dammschnitt wie: "Ich nähe sie gleich mal ein bisschen enger, dann hat ihr Mann seinen Spaß."

Das ist schockierend. Das ist Gewalt. Gewalt in der Geburtshilfe.  Die erleben Frauen jeden Tag überall auf der Welt und leiden meist noch Monate, Jahre oder Jahrzehnte darunter.

Die Weltgesundheitsorganisation forderte 2014:

„Die Prävention und Beseitigung von Respektlosigkeit und Misshandlung unter der Geburt. […] Jede Frau hat das Recht auf die bestmöglichsten Gesundheitsstandards, welche das Recht auf eine würde- und respektvolle Behandlung beinhalten.“

Wenn man aktuelle Zahlen liest, dass in unserem Land nur 7% aller Frauen eine Geburt ohne jeglichen medizinischen Eingriff erleben, gibt das sehr zu denken. (Wobei natürlich nicht jeder Eingriff Gewalt darstellt.) Von einer wünschenswerten flächendeckenden 1:1 Betreuung durch Hebammen unter der Geburt sind wir im Moment ziemlich weit entfernt. Die Initiative für eine gerechte Geburtshilfe in Deutschland möchte auch zur Verbesserung der Geburtshilfe beitragen.

Alle, die keine positiven Geburtserfahrungen haben, können bei der Roses Revolution mitmachen. 

Jedes Jahr am 25. November werden weltweit rosa Rosen vor die Tür oder das Haus gelegt, wo Gewalt in der Geburtshilfe erfahren wurde. Das sollte fotografiert, dokumentiert und weitergesagt werden. Denn es geht sehr viele Menschen etwas an. Mehr Informationen gibt es hier


Nachtrag: der 25. November jeden Jahres ist "Internationaler Tag gegen Gewalt an Frauen" Damit ist Gewalt gegen Frauen in jeder Form gemeint.

Viele berührende Berichte und Fotos vom Aktionstag sind auf der Facebook- Seite von Roses Revolution Deutschland zu sehen. Es sind viel zu viele. Danke an alle mutigen Frauen, die mitgemacht haben!


Donnerstag, 18. September 2014

Heute so:

Heute habe ich Blumen gekauft. Genau wie an diesem Tag vor 7 Jahren. Das weiß ich noch ganz genau. Der 18. September war der errechnete Geburtstermin unseres Mutzelchens. Mir ging es total gut und der Tag verging ohne irgendwelche Anzeichen für eine baldige Geburt. Das änderte sich kurz vor Mitternacht sehr plötzlich und ziemlich schnell hielten wir glücklich unsere Tochter im Arm.

Neulich habe ich mir vom Geburtshaus in Berlin unsere detaillierten Geburtsberichte schicken lassen. Es ist erstaunlich: ich kann auf die Minute sagen, wie die Geburten verliefen, ich Kontrolltante. Weil die Geburt vom Mutzelchen so schnell ging, war ich ein bisschen traurig, dass ich die gemütlichen Räume im Geburtshaus nicht noch mehr nutzen konnte. Aber eine schnelle Geburt hat auch etwas...

Heute backe ich ein bisschen und am Abend baue ich also den Geburtstagstisch für unser morgiges Geburtstagskind auf. Das neue Fahrrad bekommt eine große Schleife. Und das Geburtstagsshirt fällt in diesem Jahr etwas anders aus, ganz im Zeichen der aktuellen Weltraummission. Mutzelchen wird Augen machen!