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Samstag, 6. Juli 2019

Digitaler Elternkompass


Wir sind hier im Ferienmodus. Wir bleiben lange wach, schlafen lange und den ganzen Tag ist Faulenzen und ein bisschen Familientrubel angesagt. Deshalb habe ich nur selten Zeit, hier etwas zu schreiben. Diesen Text habe ich über mehrere Tage verteilt fertig gestellt, denn ich möchte über das wichtige Thema unbedingt berichten.

Mitte Juni habe ich die Veranstaltung #blogfamiliär besucht. Die kleine Schwester der jährlichen Elternbloggerkonferenz Blogfamilia findet übers Jahr verteilt in kleinerem Rahmen in wechselnden Städten statt. Diesmal also Hamburg. Das wollte ich mir nicht entgehen lassen. Zum einen, weil ich dann wieder die Möglichkeit hatte, bekannte und unbekannte Gesichter zu treffen. Zum anderen, um mich einzunorden, was mein Elternwissen zu den digitalen Medien betrifft. Der Elternkompass sollte mir dabei helfen.

Bei meinem Großen war das mit den Medien noch relativ einfach. 1998 geboren, wuchs er in den frühen Jahren mit Kassetten, Schallplatten, Videos und dem KIKA auf. Fertig. Internet hatten wir erst, als er um die acht Jahre alt war. Das Internet damals war langsam, teuer und wurde selten eingeschaltet. Handys waren noch ohne Internetzugriff. Es dauerte noch eine ganze Weile bis er als Teenager, wie seine Freunde, einen Facebook-Account haben wollte und anfing, online Computerspiele zu spielen. Facebook war ziemlich schnell wieder uninteressant. Die Spiele waren schon interessanter, aber mit Absprachen klappte es ganz gut.

Meine vier jüngeren Kinder wachsen nun ganz selbstverständlich mit digitalen Medien auf. Hörspiele kommen von einer Playlist, Kinderfilme sind auf Abruf rund um die Uhr verfügbar, Tablets sind ganz normale Gerätschaften im Kinderzimmer. Schon in der Grundschule lernen die Kinder, selbst im Internet zu recherchieren. Das Mutzelchen hat, seit sie auf die weiterführende Schule geht, ein Handy und kommuniziert darüber über Telegram nachmittags mit ihren Freundinnen. Der kleine Bruder äußerte nun erstmals den Wunsch nach einem eigenen Handy.

Vielleicht dauert es nicht mehr lange und die Kinder wollen einen Instagram-Account oder ein Facebook-Profil haben. Klingt besorgniserregend? Zuvor sollte man doch mal überlegen, wovor die meisten Eltern in Bezug auf digitale Medien Angst haben.

Katja Seide, Autorin der sehr empfehlenswerten Bücher mit den schönen langen Namen "Mein gewünschtestes Wunschkind treibt mich in den Wahnsinn: Der entspannte Weg durch Trotzphasen" und "Mein gewünschtestes Wunschkind treibt mich in den Wahnsinn: Gelassen durch die Jahre 5-10" (beides Amazon-Partner-Links) hielt dazu auf der #blogfamiliär einen interessanten und erfrischenden Vortrag.

Die meisten Eltern haben tatsächlich Angst davor, dass das Kind abhängig von der Spielekonsole oder dem Handy wird. Sie befürchten Streit in der Familie und Kontrollverlust, sie befürchten, das Kind vernachlässigt Schule und Freundinnen oder Freunde und igelt sich infolgedessen noch mehr ein und sitzt dann noch öfter vor den Geräten. Und *zack* ist (überspitzt gesagt) die Zukunft des Kindes ist versaut.

Die Angst kommt nicht von ungefähr. Viele Eltern fühlen sich ohnmächtig, wenn sie sehen, wie ihr Kind von den digitalen Medien magisch angezogen wird.

Sehr viele Eltern haben schon die Erfahrung gemacht, dass das Kind aggressiv reagiert, wenn es das Tablet oder den Fernseher ausschalten soll. Das kommt daher, dass (aggressive) Impulse im menschlichen Gehirn durch eine "Kontrollschleife", den präfrontalen Cortex, geschickt werden. Dort wird entschieden, wie stark man einem Impuls nachgehen sollte. Von Kleinkindern kennen wir das: Impulsen wird sofort und ungefiltert nachgegangen. Die Kontrollschleife muss erst noch trainiert werden.

Bei Müdigkeit, unter Alkoholeinfluss und nach längerer Bildschirmzeit geht die Kontrollschleife in den Ruhemodus, Impulse werden nicht mehr mäßigend gesteuert. Kinder können dann sehr wütend werden, hauen oder schreien. Dann hilft es allerdings nicht, zu schimpfen. Wir sollten abwarten und dann miteinander reden.

Natürlich haben Eltern die Pflicht, ihr Kind vor schädlichen Einflüssen zu schützen. Aber Regeln aufzustellen, nur weil wir als Erwachsene Angst haben, ist keine gute Idee. Es liegt an uns Eltern, Regelungen in der Familie zu treffen, die für alle Familienmitglieder passen. Deshalb müssen wir genau hinsehen: Was genau tut das Kind da? Vielleicht trainiert es eine neue Fähigkeit? Vielleicht lernt es gerade etwas? Wieviel Zeit verbringt das Kind denn wirklich am Computer oder mit Freundinnen und Freunden oder in der Natur?

Ah, gerade habe ich auf der Blogfamilia-Seite Auszüge des Vortrags entdeckt. Danke Katja! Ihre Bücher wachsen immer mit ihren eigenen Kindern mit. Deshalb dürfen wir sicher bald das Buch "Das gewünschteste Wunschkind treibt mich in den Wahnsinn: Chill mal, sagt mein Teenie" erwarten ;-)

Einen vernünftigen Umgang mit den digitalen Medien erreicht man also nur, wenn man sich mit den Dingen beschäftigt, die die Kinder interessiert. Da sind wir als Eltern, ob wir es wollen, oder nicht, gefordert. Vor der Geburt eines Kindes besuchen wir Eltern doch auch einen Geburtsvorbereitungskurs, um uns zu informieren, oder?!

Zugegeben war ich anfangs skeptisch, als ich hörte, dass Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Facebook, Instagram und der Telekom auf der Veranstaltung Vorträge halten sollten. Aber es stellte sich heraus, dass ich sachliche Informationen und ganz praktische Tipps erhalten sollte. Außerdem finde ich es eigentlich logisch, dass Unternehmen, die so eine große Rolle in unserer aller Leben spielen, Verantwortung übernehmen und uns Werkzeuge zur sinnvollen Nutzung an die Hand geben.

Wusstest Du, dass es z.B. bei Facebook einen Sicherheitsbereich gibt, der auch ein Elternportal enthält? Ich wusste das nicht und finde die Tipps dort sehr hilfreich, z.B. wie ich mein Kind vor Mobbing in diesem Portal schützen kann oder was ich tun kann, wenn es schon passiert ist. Und auch Instagram hält einen sehr umfangreichen Instagram-Leitfaden für Eltern bereit. Es lohnt sich, sich dort einmal umzuschauen. Schön finde ich z.B. die zehn Fragen, um eine Unterhaltung mit Teenagern über Instagram zu beginnen. Constanze Osei Becker von Facebook, die an dem Abend auch einen Vortrag gehalten hat, hat hier auf der Seite der Blogfamilia ein Interview gegeben.

Noch einen sehr informativen Vortrag hat Thomas Schmidt von der Initiative Teachtoday der Telekom gehalten. Diese mehrfach prämierte Initiative setzt sich für Kinder und Jugendliche ein, um ihnen einen sicheren Umgang mit Medien zu vermitteln. Anhand von ansprechenden Projekten können Kinder und Jugendliche z.B. ihr Verhalten im Netz reflektieren und spielerisch einüben. Es gibt auf der Seite Medienkompetenztests und Themendossiers zu wichtigen Themen. Teachtoday ist für Kinder und Jugendliche, aber auch für Eltern und für pädagogische Fachkräfte sehr hilfreich.

Im Vortrag erfuhren wir etwas zum Nutzungsverhalten der digitalen Medien von Kindern und Jugendlichen. Dafür bräuchten die Kinder und Jugendlichen Medienkompetenz, also die Fähigkeit, in bestimmten Situationen kreativ und selbstorganisiert mit der Situation und ihren Grenzen und Möglichkeiten umzugehen. Dafür braucht man z.B. Kommunikationsfähigkeit, Kooperationsfähigkeit, Kreativität und Beurteilungsvermögen (hier näher erläutert von Das Kompetenzlabor, auch eine sehr sinnvolle Seite übrigens).

Kernpunkt auch dieses Vortrags: wir sollten mit Kindern über digitale Medien sprechen. Und zwar ehrlich, auf Augenhöhe, mit unterhaltsamen Inhalten und mit Emotionen verbunden. Wie eigentlich über jedes andere Thema auch. Teachtoday hat dafür ein unterhaltsames Medienmagazin namens Scroller herausgegeben, das man hier herunterladen oder als Druckausgabe bestellen kann.

Neulich meinte mein Großer zu mir "Mama, weißt du noch, als du mir Facebook nicht erlauben wolltest?" Das wusste ich tatsächlich nicht mehr. Damals wusste ich allerdings auch noch nichts von dem vielen Tipps für Eltern. Es gab sie auch noch nicht in dem Umfang wie heute. Ich fühlte mich hilflos und habe es deshalb vorsichtshalber abgelehnt. Heute können der Große und ich gemeinsam drüber lachen und es ist schön, dass wir darüber ins Gespräch kommen können. Er nutzt die digitalen Medien nun ganz selbstverständlich und sie sind ihm beim Studium und im anstehenden Berufsleben sehr hilfreich.

Also, falls Ihr mal eine #blogfamiliär-Veranstaltung in Eurer Nähe entdeckt, geht gerne hin. Manchmal gibt es auch Vorträge zu diesen Themen an Schulen oder in Elternzentren. Die digitalen Medien sind da und gehen nicht mehr weg. Es ist besser, wir haben keine Angst sondern Ahnung davon. Für uns und unsere Kinder.


Mittwoch, 30. Januar 2019

Wie machst Du das eigentlich? - Aufräumen, Teil 2

Nach dem ersten Teil übers Aufräumen erreichten mich ein paar Fragen von Leserinnen, die ich heute beantworten möchte. 


Haben die Kinder feste Aufgaben oder helfen sie nach Lust und Laune?

Ich weiß nicht, ob es so gut klappen würde, wenn es nur nach Lust und Laune gehen würde. Das Mutzelchen und der kleine Bruder sind am Abend für den Geschirrspüler zuständig. Wenn es sehr viel ist oder es schon etwas später ist, machen es der Liebste oder ich. Am Wochenende läuft der Geschirrspüler auch mehrmals am Tag. Da machen die Kinder mit, wenn es passt.

Wenn wir Wäsche falten, machen alle Kinder mit. Zumindest bringen sie ihren Stapel in ihren Schrank. Im Moment gibt es noch keine festen Aufgaben für jedes Kind. Bis jetzt klappt es ganz gut, dass sie mithelfen, wenn wir sie drum bitten.

Wie oft räumen Deine Kinder auf? Müssen sie zu festen Zeiten aufräumen?

Die Kinderzimmer werden jeden Abend vor dem Abendbrot aufgeräumt. Es ist sehr wichtig für uns, dass die Böden leer sind. Wir wollen nicht in der Nacht irgendwo drauftreten. Das Aufräumen läuft mal mehr mal weniger gut. Ich kündige es rechtzeitig an, damit die Kinder ihr Spiel zu Ende bringen können, meistens eine halbe Stunde vor dem Essen. Das ist auch mein Signal zum Aufräumen, da stelle ich schonmal die Butterdose raus, sammle das Spielzeug im Wohnzimmer zusammen und fange an, den Tisch zu decken.

Wie bewahrst Du aussortierte Kleidung für kleine Geschwister auf?

Die lagert im Keller in großen durchsichtigen Kisten (Amazon-Partner-Link). Die Kisten kann man sehr gut stapeln. Ich klebe einfach einen Zettel mit der Größe außen drauf und habe so einen guten Überblick. Wenn die Kisten nicht von anderen Dingen zugestellt werden...

Was macht Ihr mit Sachen/ Spielzeugen, die nicht mehr gebraucht werden?

Wir geben ganz viel weiter. Wenn irgendwo im Bekanntenkreis kleinere Kinder sind, gehen die Sachen dorthin. Oder ich folge Hilfsaufrufen im Internet. Auf Twitter gibt es immer Familien, die gerade etwas brauchen. Beim ersten Kind habe ich sehr viel weiterverkauft, da hatte ich aber auch noch die Zeit, alles einzeln ins Internet zu stellen und später zu verschicken. Jetzt bin ich einfach froh, wenn die Sachen woanders helfen können. Wenn wir Zeit haben, machen wir auch mal bei einem Flohmarkt mit.

Kommt die komplette Kleidung in den Trockner, auch empfindliche? Wie bleibt sie trotzdem faltenfrei?

Ich sage immer, was Waschmaschine und Trockner nicht überlebt, passt nicht zu uns. Ja, da sind dann auch mal Falten drin. Das stört uns aber nicht besonders.

Wie ist die Putzroutine bei Dir? Bad putzen, Bett abziehen, wischen... Wie oft und wann...?

Bad, Toilette und Küche mache ich mehrmals am Tag sauber. Ich wische nach jeder Benutzung kurz drüber, dann kann es erst gar nicht so schmutzig werden. Mit so vielen Personen im Haushalt geht das gar nicht anders.

Staub saugen ist meist auch jeden Tag nötig. Auf dem Laminat sieht man jeden Fussel. Seit wir den kabellosen Staubsauger mit Wandhalterung (Amazon-Partner-Link) haben, geht das zum Glück superschnell. Betten ziehen wir alle ein, zwei Wochen am Wochenende ab. Das machen der Liebste und ich zusammen, dann geht das einfacher.

Die Fenster putze ich ungefähr alle 6 bis 8 Wochen. Das geht mit dem Fenstersauger (Amazon-Partner-Link) sehr schnell und einfach. Das Gerät hält nun schon 5 Jahre und gehört zu den besten Anschaffungen für den Haushalt.

Ich würde gerne ein Foto von den Hängemappen sehen. Überlege, ob das was für uns wäre.

Bitteschön :-) Dieses System aus Pappe gibt es bei Manufactum. Es ist schlicht und einfach und nicht zu teuer. Außerdem finde ich es auch recht hübsch. Mit den Griffen an der Seite lassen sich die Boxen gut hin und her tragen. Die Kästen stehen bei uns im Schrank. Ich habe drauf geachtet, Hängemappen ohne "Frosch" zu kaufen, also ohne so einen "Fächer" am Rand. Die kann man nämlich aufgeklappt auf den Tisch legen, wenn man etwas sortieren will. Die "Reiter" sind beschriftet und so kann man auf einem Blick sehen, was man sucht.


Dienstag, 15. Januar 2019

Wie machst Du das eigentlich? - Aufräumen




Sehr oft werde ich zu den unterschiedlichsten Themen gefragt "Wie machst Du das eigentlich?". Ich werde ab jetzt in loser Folge von meinen Erfahrungen berichten. Den Anfang macht heute das Aufräumen. 


Zu Beginn eines neuen Jahres habe ich immer das Bedürfnis, tüchtig aufzuräumen und auszumisten. Ich denke, das ist auch ganz normal nach der intensiven Familienzeit im Dezember. Die Wohnung ist Ende des Jahres voller Dekorationen und voller neuer Geschenke. Wenn dann im Januar alles abgeschmückt ist, kommt mir die Wohnung schön leer vor. Ich finde das angenehm und habe es gar nicht so eilig mit neuen Dekorationen. Ich genieße die freien Flächen sehr und kann richtig durchatmen. Nach einem Urlaub in einer Ferienwohnung geht es mir übrigens auch so. Dort haben wir mehrere Tage oder Wochen alle miteinander gelebt, ohne all das Zeug in unseren Schränken. Es geht also sehr gut auch mit weniger.

In der letzten Woche habe ich auf Netflix "Aufräumen mit Marie Kondo" gesehen. Marie Kondo hat vor einigen Jahren den Bestseller "Magic Cleaning" (Amazon-Partner-Link) geschrieben. Sie besucht in der Serie Menschen in ihrem Heim und berät sie, wie sie Ordnung schaffen können. Elfengleich und ewig lächelnd schwebt sie durch die Zimmer und freut sich über Unordnung.

Das Marie Kondo Geheimnis beim Aufräumen lautet kurz gesagt: Brauchst Du das? Sie sagt es noch eindringlicher: Entfacht dieser Gegenstand Freude bei Dir? Wenn ja, darf der Gegenstand bleiben, wenn nicht, wird er aussortiert. Begonnen wird immer bei der Kleidung. Alle Kleidung, die man besitzt, wird aus den Schränken genommen und an einem einzigen Ort gesammelt. Der Anblick von hohen Wäschebergen kann da schon ziemlich therapeutisch wirken. Dann wird jedes Teil einzeln in die Hand genommen und entschieden.

Und so geht es weiter durch das ganze Heim. Freude? Ja oder nein? Behalten oder aussortieren? Um Ordnung in den Schränken zu halten, empfiehlt sie Kisten und Schachteln, für Kleidung bestimmte Falttechniken. In zwei Monaten erscheint übrigens ein Marie Kondo-Buch sogar als Manga (Amazon-Partner-Link), also in Comic-Form.

Außerdem habe ich die Netflix-Serie "Consumed - Jetzt wird ausgemistet" gesehen. In dieser Serie werden Menschen in ihrem Heim besucht, denen all ihr Besitz im wahrsten Sinne des Wortes über den Kopf gewachsen ist. Ich fand es teilweise ziemlich schockierend und auch traurig mitanzusehen, womit sich manche Menschen ihr Leben belasten und wie viel Geld sie für ihren Konsum ausgeben. Sehr oft steckten hinter dem Anhäufen von Dingen noch ganz andere Probleme in den Familien. (Mal ganz davon abgesehen, dass die Haupt"schuld" meistens der Frau im Haushalt zugeschrieben wird. In den gezeigten Beispielen gehen die Männer oft lange arbeiten und sind obendrein am Abend mit ihren Hobbys beschäftigt. Außerdem wird, vor allem bei Marie Kondo, beim eigentlichen Aufräumen nicht darauf eingegangen, wo eigentlich die Kinder sind, während sich die Eltern durch den Haushalt fräsen.)

Spätestens jetzt hatte mich auch die Aufräumlust gepackt. Wenn ich schon keine neuen Tipps mitnehmen konnte, so dienten mir die beiden Serien zumindest als Beispiele, die ich nie nachmachen möchte. Minimalistin werde ich nie, horten tue ich aber auch nicht. Es muss doch also irgendetwas dazwischen geben. In der letzten Woche haben wir jedenfalls fünf Müllsäcke voller Zeug entsorgt.

Zum Thema "Aufräumen" habe ich im März 2013 schon etwas geschrieben. Damals hatte ich vier Kinder, der Adventsjunge war gerade 3 Monate alt. Der Große wohnte noch zu Hause. Mal sehen, ob das heute alles noch so stimmt...

* Am Morgen werden alle Betten gemacht. Das muss einfach sein. Punkt.

Na gut, also zumindest das Bett des Liebsten und mir wird von mir gemacht. Die Kinderbetten mache ich nicht immer, zumal die Kinder tagsüber auch drauf sitzen oder spielen.

* Auf den Regalen und Kommoden steht nicht viel Schnickschnack rum. So können Flächen schneller abgewischt werden. Die Bücherregale haben Glastüren. So stauben die Bücher nicht so schnell ein. Auf der zentralen Kommode sammelt sich schnell ein Stapel aus Reklame, Zeitschriften und Kinderzeichnungen an. Der Stapel wird zügig abgearbeitet, bevor er zu groß wird. Auf dem Schuhschrank im Flur liegen gerne Handschuhe und Mützen rum. Die gehören in die Banktruhe. Die Mützen der Kinder stopfe ich in die Kapuzen ihrer Jacken, so sind sie leichter zu finden.

Ja, ja, ja und ja. Das war so und ist auch heute noch so.

* Für die Post haben der Liebste und ich ein kleines Fach im Flur. Wenn das voll ist, wird aussortiert. Die wichtigen Sachen kommen in unsere Hängemappenboxen (aus Pappe bei Manufactum). Das ist total praktisch, weil man einfach die Zettel von oben in die jeweiligen Ordner stecken kann und schon ist alles sicher untergebracht.

Oh ja! Ohne diese Boxen wären wir echt aufgeschmissen! Mittlerweile musste ich die Boxen selber auch mal aufräumen. Uralte Kontoauszüge, alte Mietverträge und noch mehr kamen in den Hochsicherheits-Schredder (Amazon-Partner-Link). Mit fünf Kindern sammeln sich unendlich viele Anträge und Verträge von Kindergarten und Schule an, es ist ein Traum. (Zum Beispiel muss in Hamburg jedes Jahr für jedes Kind ein neuer Kita-Gutschein beantragt werden...)

* Ich liebe Schubladen und Kisten. Schublade auf, Kram rein, Schublade wieder zu, ordentlich. Hm, na gut, in den Schubladen ist es nicht besonders ordentlich. Sieht man aber nicht. Ich weiß aber immerhin, wo sich die Dinge befinden. Es gibt Schubladen für Tischläufer und Servietten, für Briefmarken und Postkram, für die Malsachen der Kinder, für Kerzen usw.

Immer noch so: ich liebe Schubladen! Und doch, es ist schon Ordnung drin. Ich muss betonen, Frau Kondo hat das System mit den Kisten und Schachteln nicht erfunden. Große und kleine Schubladen können damit prima unterteilt werden. Ähnliche Dinge kommen zusammen in eine Kiste. Das funktioniert bei uns schon lange bei den Medikamenten, bei der Kleidung, Socken oder Unterwäsche liegen in eigenen Kisten, oder auch in der Küche, wo die Backzutaten in Kisten sortiert werden. Für Kleidung mag ich solche Stoffboxen (Amazon-Partner-Link) in unterschiedlichen Größen, in anderen Schubladen befinden sich ausrangierte Plastikboxen.

* In der Küche ist die Arbeitsfläche leer, bis auf den Wasserkocher. Alle Geräte sind in den Schränken untergebracht. Am Abend nach dem Abendbrot räumt der Teenie den Geschirrspüler ein. Das ist seine Aufgabe. Danach räume ich die Küche komplett auf. Alles, was noch rumsteht, wird verstaut. Alle Arbeitsflächen werden abgewischt, das Waschbecken sauber gemacht, der Boden gefegt. Das ist meine allerletzte Tat am Abend, bevor ich zur Tagesschau die Beine hochlege.

Eine ordentliche Küche macht mir richtig Freude, oh ja! Das ist nur leider ein seltener Zustand, für den eine Menge getan werden muss. Ein neues großes Gerät, der Pastamaker ist dazugekommen. Der steht auf der Arbeitsfläche hinten rechts in der Ecke, da wir ihn eh jede Woche benutzen. Der Teenie ist jetzt erwachsen und ausgezogen. Den Geschirrspülerdienst nach dem Abendbrot haben das Mutzelchen und der kleine Bruder übernommen. Ansonsten ist es geblieben: zur Tagesschau mache ich Feierabend.



* Mein Schwachpunkt ist die Wäsche. Die Waschmaschine und der Trockner laufen jeden Tag mindestens ein Mal. Die getrocknete Wäsche kippe ich auf unser Bett. Wenn ich dazu komme, sortiere ich gleich. Jedes Kind bekommt seinen Stapel, der von mir oder ihnen selbst in ihren Schrank geräumt wird. In allen Kleiderschränken haben wir herausziehbare Drahtkörbe und kleine Kisten. Unterwäsche und Socken werden nicht zusammengelegt, sondern landen einfach in der richtigen Kiste.

Sockensuchgeschichten sind woanders total lustig zu lesen, rauben aber kostbare Zeit. Die sparen wir uns seit Jahren, seit wir unsere Sockensammler haben. Ist wirklich keine große Sache, schont aber enorm die Nerven. Die Teile überstehen nun schon seit über drei Jahren Waschmaschine und Trockner ohne Probleme. Der Teenie und der Liebste machen oft mit. Und niemand kann Bettwäsche so glatt und briefmarkenklein zusammenfalten, wie der Liebste. Sogar die Spannbettlaken.

Ah, die Sockensammler (Amazon-Partner-Link) sind also nun schon 9 Jahre alt. Es ist noch kein einziges Teil kaputt gegangen, obwohl sie mehrmals in der Woche ihre Runden in Waschmaschine und Trockner drehen. Ich gestehe, bei den Kindersocken wenden wir sie gar nicht an. Denn es gehört ein System dazu. Am Morgen ein Paar Socken aus der Schublade nehmen, Sockenklammer abmachen und im Regal deponieren, am Abend die benutzten Socken wieder mit der Klammer versehen und sie in den Wäschekorb schmeißen. Die Kinder werfen ihre Socken einfach so in die Wäsche. Dafür machen sie hinterher mit beim fröhlichen Sockenmemory. Das Falten der Wäsche übernehmen wir sehr oft alle zusammen. Das ist einfach Zeit, die wir gemeinsam verbringen und nicht nur lästige Arbeit. Wir quatschen oder singen dabei. Ganz nebenbei lernen die Kinder, wie sie ihre Wäsche falten sollen. Meistens halten wir dabei die Augustschnuppe davon ab, alle Stapel wieder umzuwerfen.

* Das Kinderzimmer wird jeden Abend aufgeräumt. Das machen wir zusammen. Der Boden muss leer sein, damit man in der Nacht nirgendwo drauftritt. Die Kinder haben viele Kisten, da geht das Aufräumen schnell. Gerne verteilen die Kinder ihren Kram in der ganzen Wohnung. Am Abend will ich aber das Wohnzimmer wieder für mich haben und dann kommt alles zurück ins Kinderzimmer. Der Teenie kümmert sich alleine um sein Zimmer. Am Samstagvormittag, wenn wir mit den kleineren Kindern zum Biobauernhof fahren, räumt er auf und saugt Staub. Ich muss manchmal die Woche über seine "Ordnung" ertragen, überlasse es aber ihm und versuche, mich nicht darüber zu ärgern.

Das ist so und bleibt so: am Abend müssen alle Böden leer sein. Gebaute Dinge werden dann hochgestellt, meist aufs Fensterbrett oder die Regale. Die Kisten sind nach wie vor sehr praktisch. Seit die Augustschnuppe mobil ist, leert sie allerdings am liebsten alle Kisten aus. Beim Aufräumen wurde dann alles irgendwo reingeschmissen. Ich habe neulich zwei Stunden ohne die Kinder alle Kisten mal wieder richtig nach Sorte sortiert.


* Generell gilt: jedes Ding soll nur einmal angefasst werden. Wenn ich aufräume, kommt das Ding also gleich sofort an seinen Bestimmungsort. Bei jedem Gang durch die Wohnung kann man immer etwas mitnehmen. Vor etlichen Jahren habe ich mal das Buch "Simplify your Life" gelesen. Das hat mir sehr geholfen. Von dort habe ich auch die Idee mit den Hängemappen.

Das Buch "Simplify your Life" (Amazon-Partner-Link) wurde Anfang der 2000er herausgegeben. Das wirkt bei mir bis jetzt nach. Ich habe gesehen, dass es mittlerweile auch noch spezielle Bände zum Leben mit Kindern, zum Arbeitsleben, zum Kleiderschrank oder zur Partnerschaft gibt. Ich kann mir vorstellen, dass diese ähnlich angenehm zu lesen sind und gute und einfache Tipps bereithalten.

* Wegen des Putzens mache ich mir keinen Stress. Ich habe keinen Putzplan. Lieber mache ich mal den Staub im Vorbeigehen weg, als eine Stunde lang die Wohnung zu wienern. Da vergeht mir schon vorher die Lust. Beim Zähneputzen mache ich das Waschbecken gleich sauber. Die Toilette wird jeden Tag ganz nebenbei geputzt. Und ansonsten bleibe ich locker. Was mich zum Bespiel so gar nicht stört, sind Spinnweben an der Zimmerdecke. Soll die kleine Spinne doch in Ruhe dort sitzen. Sie tut ja keinem was.

Der Versuch, eine Putzhilfe zu beschäftigen, führte bei mir zum Stress. An einem bestimmten Termin wollte ich die Wohnung picobello aufgeräumt haben, damit die Reinigungskraft es leichter hat. Dann fühlte ich mich ein, zwei Stunden lang mit dem Baby fehl am Platz. Ich fand es unangenehm, dass jemand Fremdes unseren Dreck wegmacht. Die Wohnung war hinterher sehr sauber, das stimmt. Aber auch genauso schnell wieder schmutzig, wie sonst. Und das kann dann natürlich nicht eine ganze Woche so bleiben, bis wieder die Putzhilfe kommt.

* Und hier noch ein Trick, den meine Mutter schon angewendet hat: stelle Dir einen Kurzzeitwecker auf 15 Minuten. Nimm Dir für diese begrenzte Zeit vor, etwas aufzuräumen oder zu putzen. Du wirst staunen, was man in so einer kurzen Zeit schaffen kann.

Nun ja... ich verrate mal was: als Kind habe ich den Kurzzeitwecker gehasst! Jetzt ist es raus. Denn meine Mutter entleerte mit einer Armbewegung meine Schränke, die ich dann in 15 Minuten wieder einräumen sollte. Das fand ich als Kind und finde es auch heute noch sehr übergriffig. Mit meinen Kindern mache ich das nicht. Wir räumen oft zusammen auf. Ich habe übrigens bis heute keinen Kurzzeitwecker.


Hui, das ist jetzt ein langer Text geworden! Fehlt noch etwas? Soll ich auf einzelne Punkte noch genauer eingehen? Wollt Ihr sonst noch etwas wissen? Ich freue mich über Rückmeldungen!