Donnerstag, 28. Mai 2020

Zu-Hause-Tagebuch Tag 74

Alle meine Einträge aus der Zeit der Corona-Krise sammle ich unter dem Label Zu-Hause-Tagebuch. Es lohnt sich, auch in ältere Beiträge reinzuschauen, da ich jedes Mal eine Menge interessanter Lese-Tipps für Groß und Klein aus dem Internet zusammengetragen habe.

Heute haben wir gleich zwei Wecker gestellt. Um 6 Uhr summt der erste und wir sind auch wach. Die Augustschnuppe hat die ganze Nacht in ihrem eigenen Bett geschlafen. (Kreuzchen in den Kalender)

Der Liebste fährt nach dem Frühstück mit dem Auto ins Büro. Ich befülle heute gleich zwei Brotdosen. Der kleine Bruder hat seinen zweiten Schultag nach der Schulschließung. Und der Adventsjunge geht heute das erste Mal wieder hin.

Ich bringe den Erstklässler zur Schule. Die Augustschnuppe bleibt zu Hause beim Mutzelchen. Die Grundschulklassen sollen nach Zeiten gestaffelt zur Schule kommen. Es sind jeweils nur halbe Klassen. Vor dem Schultor stehen die Eltern und Kinder weit verteilt auf dem Gehweg. Die Lehrerin kommt mit einer Maske überm Gesicht über den Schulhof zum Schultor gelaufen.

Einzeln treten die Kinder an sie heran, sie beugt sich zu ihnen herunter und spricht zu ihnen. Die Kinder schauen sie an, nicken und laufen dann mit ihren Ranzen auf dem Rücken ganz alleine und einzeln über den Schulhof Richtung Schulgebäude. An der nächsten Ecke steht noch eine Erwachsene mit Maske und winkt die Kinder weiter.

Ich drücke den Adventsjungen ganz doll und lächle ihm aufmunternd zu. Dann macht er sich auf den Weg. Als er hinter der Ecke verschwunden ist, setze ich mich auf mein Fahrrad und fahre weiter. Nach ein paar Metern laufen mir die Tränen. Am liebsten würde ich mir eine versteckte Ecke suchen und erstmal in Ruhe alles rausweinen. Da steckte wohl doch eine große Anspannung in mir. Doch ich fahre weiter und nicke links und rechts anderen Eltern zu. Dieses Bild am Morgen werde ich wohl nie vergessen.

Ich radle ins Ortszentrum und hole dort ein Rezept aus einer Arztpraxis ab. Dann trinke ich kurz einen Becher Kaffee draußen vorm Bäcker und fahre wieder nach Hause. Dort bin ich bis mittags mit dem Mutzelchen und der Augustschnuppe alleine. Ich schaffe richtig viel, sauge die ganze Wohnung ordentlich durch, mache Wäsche und die Küche... Es ist spürbar ruhiger, wenn nur die Hälfte der Familie anwesend ist.

Der Postbote bringt neuen Mund-Nasen-Schutz für die Kinder von Albstoffe. (Selbstgekauft) Die fand ich ganz schön. Sie sind leicht und weich und lassen sich als Halstuch ganz unkompliziert tragen. An den Seiten haben sie kleine Einschnitte, so können sie schnell hochgezogen werden und an den Ohren eingehängt werden. Und hübsch sind sie mit den Stoffmustern u.a. von Hamburger Liebe auch.


Zum Mittagessen gibt es Minipizzen aus dem Tiefkühler. Danach hole ich den Adventsjungen von der Schule ab. Vor dem Schultor stehen wieder alle Eltern weit verstreut und warten auf ihre Kinder. Der Adventsjunge ist das erste Kind von allen, das aus dem Schultor tritt. Ihm hat es gefallen, auch wenn es in der Schule so anders war. Auf dem Heimweg erzählt er mir alles.

Der kleine Bruder fährt später mit dem Fahrrad in den Garten seines besten Freundes. Ich mache mit dem Mutzelchen, dem Adventsjungen und der Augustschnuppe einen Spaziergang zur Eisdiele.

Danach machen wir noch ein großen Schlenker durchs Naturschutzgebiet. Wir treffen fast keine anderen Menschen. Es ist so herrlich unbeschwert dort.






Der Liebste kommt erst gegen 18:45 Uhr aus dem Büro nach Hause. Ich bereite da gerade Schnittchenteller für alle vor. Nach dem Sandmännchen setzen wir uns alle an den Tisch und die Teller werden leergefuttert.

Gegessen: Mini-Pizza, Eis, bunte Schnittchen
Gesehen: grün, grün, grün
Gespielt: draußen
Bewegt: draußen
Vorgelesen: nichts
Gelesen: die Tageszeitung

Tipps aus dem Internet:

taz: Alles anders. Eine neue Studie zeigt, wie Familien mit der Coronakrise umgehen. Insbesondere für Frauen bedeutet der Pandemie-Alltag noch mehr Stress als zuvor.
Der Tagesspiegel: So werden die Corona-Experten weltweit verehrt und gehasst. Weltweit prägen Ärzte und Wissenschaftler die politische Debatte in der Coronakrise. Dafür werden sie zu Helden ausgerufen - und zu Hassobjekten.
Süddeutsche Zeitung: Setzen, keine Sechs. Weniger Noten, weniger Klassenarbeiten, Schülerhilfe per Chat: Die Friedrich-Ebert-Stiftung macht Vorschläge, wie das kommende Schuljahr aussehen sollte.
Spiegel Kultur: "Männer erklären, wie systemrelevant Frauen sind". 22 Prozent aller Experten, die Corona-Folgen erklären, sind einer aktuellen Studie zufolge weiblich. Die Forscherin Elizabeth Prommer erklärt, wieso - und was das für die Gesellschaft bedeutet.
Republik: Das Virus, die Wirrnis und wir. In den grossen Debatten um Covid-19 geht es weniger um das Virus – als vielmehr um uns. Welche Muster der kollektiven Krisen­bewältigung zeichnen sich ab? Was wird über-, was unterbelichtet?
Wir für Schule: #wirfürschule Hackathon. Lasst uns gemeinsam Schule verändern! Gemeinsam können wir funktionierende Lösungen – digital und nicht-digital – entwickeln, um mit Rückenwind ins neue Schuljahr zu starten.
1to1concerts: 1 Musiker*in, 1 Zuhörer*in, 2 Meter Abstand. Die 1:1 CONCERTS trotzen der Corona Krise, schaffen künstlerische Kraftorte und erspielen Spendenbeiträge für die solidarische Unterstützung in Not geratener Musiker*innen.


Ich freue mich, dass meine regelmäßigen Tagebuch-Einträge so guten Anklang finden! Ich danke sehr für die Anteilnahme und für die Tipps, die mir von Leserinnen oder Lesern geschickt werden. Ich will denen, die es gerne möchten, die Möglichkeit geben, etwas in die virtuelle Kaffeekasse zu tun. Herzlichen Dank für die Anerkennung!


Kommentare:

  1. Das ist ja witzig, die Stoffe kommen aus Albstadt. Das ist bei mir ganz um die Ecke ;-) Das habe ich mir gleich gedacht, als ich ALBSTOFFE gelesen habe. Das muss bestimmt bei uns auf der Schwäbischen Alb sein :-)
    Liebe Grüße
    Marion

    AntwortenLöschen
  2. Liebe Carola!
    Ich musste schwer Schlucken bei deinen beschriebenen Erfahrungen und Gefühlen zum ersten Schultag des Adventsjungen.So ähnlich ging es mir beim ersten Schultag unseres Erstklässlers auch.Ach,es ist wirklich beeindruckend,wie toll die Kinder diese Zeit meistern. Danke für deine täglichen Tagebucheinträge - habt ein schönes Pfingstwochenende!

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Seufz, ich finde, die Kinder machen das echt gut unter diesen Umständen.

      Alles Gute Euch!

      Löschen

Ich freue mich über Deinen Kommentar! Wenn Du auf meinem Blog kommentierst, werden die von Dir eingegebenen Formulardaten an Google-Server übermittelt. Mehr Infos dazu findest Du in meiner Datenschutzerklärung.

Kommentare werden von mir moderiert und es kann deshalb auch mal etwas dauern, bis sie hier erscheinen. Du kannst mir auch gerne über das Kontaktformular schreiben. Vielen Dank!