Mittwoch, 28. September 2016

Abschiedsritual


Wie schön muss es erst im Himmel sein, 
wenn er von außen schon so schön aussieht!

Astrid Lindgren


Wie verabschiedet man sich von einer Persönlichkeit, die man noch gar nicht kannte? Wie erinnert man sich an sie, wenn es keine gemeinsamen Erlebnisse und keine greifbaren Andenken gibt? Kein besonderes Schmuckstück, kein Kleidungsstück mit dem vertrauten Geruch? Kein "Weißt du noch..."?

In unserem Bücherregal steht seit letzter Woche ein kleines Zeichen der Erinnerung an unser ungeborenes Familienmitglied. Mit dem langsamen Fortschreiten meiner körperlichen Genesung wollte ich auch etwas für die Heilung meiner Seele tun.

Da viel zu früh gegangene Kinder oft auch "Sternenkinder" genannt werden, habe ich zusammen mit meinen drei Kleinen eine Schachtel aus Pappe über und über mit bunten Sternen beklebt. Die Kinder waren ganz eifrig bei der Sache. Wir haben dabei viel geredet und man kann es als Abschiedsritual für uns bezeichnen.

In der Schachtel sind die Ultraschallbilder aus meiner Schwangerschaft, die einzigen sichtbaren "Beweise" der Existenz unseres Nachwuchses. Dann ist da ein Zipfel des Stoffes, aus dem ich jedem meiner Kinder ein Kuscheltier genäht habe. Eine Sternchenkette einer lieben Blogkollegin ist auch in die Schachtel gewandert. Und Geschenke der Kinder. Jedes hat in seinen privaten Schätzen gekramt und wollte etwas dazugeben: eine Muschelkette, ein Plastikbärchen, ein Glasstein, ein Kettenanhänger. Das hat mich sehr gerührt.

Zusammen mit Briefen und Postkarten von nah und fern, über die ich mich sehr gefreut habe, hat unsere Erinnerungsschachtel nun einen schönen Platz im Regal gefunden. Ab und zu bleibt mein Blick an ihr hängen und es piekst ein bisschen im Herzen. Dann toben die Kinder vorbei, die Waschmaschine piept oder der Liebste kommt nach Hause und dann hat mich der Familientrubel wieder, der mein Leben so wunderbar ausfüllt und für den ich sehr dankbar bin.





Kommentare:

  1. Liebe Carola,

    das ist ein wunderschönes Abschiedsritual, das ihr euch da überlegt habt. Ich bin zu Tränen gerührt von deinen Worten und den schönen Bildern!

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  2. Das ist sehr berührend! Auch weiterhin viel Kraft <3

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  3. Ich hatte beim Lesen da grad was im Auge.

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  4. Hach. Ein schönes Abschiedsritual. Habe gleich Tränen in den Augen.
    Ich habe auch die Ultraschallbilder von meiner Fehlgeburt vor über 5 Jahren in einer Kiste in meinem Nachtschrank. So ist mein Sternenkind auch immer bei mir.

    LG Bianca

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  5. Liebe Carola, ich trage das Ultraschallbild meines im der achten Woche gegangenen Babys auch immer noch im Geldbeutel mit mir...

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  6. Liebe Carola, schon lange nicht mehr hat mich etwas so berührt wie Euer Abschiedsfest. Das ist eine tolle Idee, diese Sternenkinder. Ich habe demnach 3 Sternenkinder und ich kann Dir nur sagen, man (ich) vergisst sie nie. Aber man denkt immer weniger an sie. Wenn man (ich), wie gerade, an sie erinnert wird, dann kommt die Trauer wieder hoch. Diese Gefühle bleiben für alle Zeiten. Bei mir sind mittlerweile einige Jahrzehnte vergangen und trotzdem gibt es diese Momente, wo die Sternenkinder wieder ganz nah sind. Ich weiß nicht, wie weit Deine Schwangerschaft fortgeschritten war, bei mir waren sie jeweils schon recht weit und heute darf man sie regelrecht beerdigen. Das ist eine große Erleichterung finde ich. man hat ganz bewußt einen Ort an dem man trauern kann. Einen Ort, an dem man mit dem Kind sprechen kann. Aber die Sache mit der Schachtel, die werde ich auch machen. Selbst nach so vielen Jahren besitze ich die Ultraschallbilder der Kinder. Ich wünsche Dir viel Kraft und der Alltag geht immer weiter. Deine Familie braucht Dich. Es wird besser, glaube mir.
    Alles Liebe Epilele

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  7. Ach, das ist eine schöne Idee! Für mein Küstensternchen habe ich auch einige Dinge eingepackt, die ich schon hatte, und die Kinder haben für es gemalt. So ein Abschied ist unglaublich schwer - aber Gedenken und Reden helfen wenigstens ein bisschen.

    Alles Liebe und eine Umarmung aus der Ferne
    Küstenmami

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