Dienstag, 8. September 2015

Über den Wolken...


... schien am Samstagmittag die Sonne. Nach dem Start in Hamburg flog mein Flugzeug durch die dicke Wolkendecke in den Sonnenschein hinein. Von meinem Fensterplatz aus hatte ich einen tollen Blick auf diese Wattewolkenwelt. Darüber war nur noch unendliches tiefes Blau.

Als ich im Frühjahr die Einladung zu einer Geburtstagsfeier im Chiemgau von einer langjährigen Bloggerkollegin erhielt, war ich gerade aus London zurückgekommen. Fast 20 Jahre war ich nicht mehr geflogen, hatte aber nun die Vorteile dieses schnellen Reisens kennengelernt. Für fast 1000 Kilometer Entfernung und nur ein Wochenende Zeit blieb das Flugzeug auch diesmal für mich alternativlos.

Ich fühlte mich von der Einladung sehr geehrt und sagte also zu, denn ich liebe die ehemalige Frau Ami sehr. Ich buchte einen Flug nach Salzburg, von dort sollte mich eine kurze Bahnfahrt an meinen Zielort in Oberbayern bringen.



Der Flug dauerte nur knapp eine Stunde. Immer wieder erstaunlich, wie schnell das geht. Als das Flugzeug im Landeanflug auf Salzburg wieder die Wolkendecke passierte, sah ich sie vor mir: Berge! Ich landete gut und hielt immer wieder Ausschau nach den großen Gebilden, in denen an diesem Tag die Wolken festhingen.

Auf der Busfahrt vom Flughafen zum Hauptbahnhof Salzburg konnte ich einen ersten Eindruck von der Stadt bekommen. Ich sah Häuser, die direkt am Fels standen, viele Türme und Brücken über einem Fluss und freute mich sehr auf den nächsten Tag, um mir das alles genauer anzusehen.

Als ich am Bahnhof Salzburg meinen Zug Richtung München erreichen wollte, schlug mir eine ganz andere Realität entgegegen: der Bahnsteig war voller Menschen. Ich wusste zunächst nicht, was los war, sah dann aber in der Menge Leute mit neonfarbenen Westen, auf denen "Dolmetscher" oder "Lotse" oder "Rotes Kreuz" stand. Auf deutsch und arabisch. Ich verstand. Da waren Flüchtlinge angekommen, die nun in den Zug nach Deutschland steigen wollten. Dieser war schon ziemlich überfüllt. Männer, Frauen und Kinder wollten in den Zug hinein. Helfer reichten Essenspakete durch die Türen. Es war betriebsam und laut.

Mir wurde Platz gemacht und ich erreichte einen der vorderen Wagen des Zuges, die für andere Reisende reserviert waren. Dann ging es auch schon los. Ich sortierte meine Gedanken und lauschte den Gesprächen um mich herum, die sich alle um die politische Lage und die Flüchtlinge drehten.

Meine Gedanken wanderten immer wieder zu den Menschen, die mit mir im selben Zug in eine ungewisse Zukunft fuhren. Ich selbst war gerade von Deutschland nach Österreich und wieder zurück gereist und niemand wollte auch nur ein einziges Mal meinen Ausweis sehen. Ich war frei, reiste zum Vergnügen und freute mich auf eine schöne Feier bei einer Freundin. Wie priviligiert ich doch bin.

Im Taxi auf der Fahrt übers bayrische Land sprach ich mit dem Fahrer über diese Situation. Und der brummelige gemütliche Bayer sagte mit tiefer Stimme: "Die Flüchtlinge? Mia helfn denen. Basta."



Im sehr rustikalen Hotel Eichenhof am Waginger See bezog ich mein Zimmer und lief noch eine kurze Runde zum Waginger See, bevor mich der Fahrdienst zur Feier in der Nähe fuhr.




Auf der Feier traf ich viele Menschen, die ich übers Internet schon sehr lange kenne. Das war sehr schön und interessant und wie auf allen Treffen von Internetmenschen waren wir uns sofort vertraut. Manche haben mittlerweile aufgehört zu bloggen, manche tun es noch oder zeigen lieber Bilder auf Instagram. Auf alle Fälle haben wir das Geburtstagskind sehr, sehr glücklich gemacht und haben alle den gemeinsamen Abend sehr genossen.


Nach einer kurzen Nacht wachte ich vom Rauschen des Regens auf. Im Frühstücksraum traf ich einige Partygäste wieder. Nach dem Frühstück brachte mich ein Taxi zurück zum Bahnhof, wo ich in den Zug zurück nach Salzburg stieg. Mein Flug nach Hamburg ging erst um 21 Uhr, so hatte ich noch genug Zeit für eine Stadtbesichtigung.

In Salzburg angekommen, schloss ich meinen Trolley in der Gepäckaufbewahrung ein, kaufte mir ein Tagesticket für die öffentlichen Verkehrsmittel und fuhr mit dem Bus Richtung Innenstadt. Im Regen stand ich auf einer Brücke über dem Fluss Salzach und schaute mich um. Auf meiner Karten-App auf dem Handy suchte ich das Stadtzentrum und lief einfach los. Ich war noch nie in Salzburg und ließ mich treiben. Ich staunte über die Straße, die vor einer steilen Felswand endete. Dann entdeckte ich einen ganz schmalen Gang und ging hindurch. Auf der anderen Seite angekommen, tauchte ich so richtig in die alte Stadt ein und staunte.

Fortsetzung...



Kommentare:

  1. Oh die Frau Ami!!! Ich habe lange lange ihren Blog gelesen früher und frage mich ab und an wie es ihr so ergangen ist bisher. Schön zu hören das Sie noch Kontakt haben und es ihr wohl gut geht :)

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    1. sogar sehr gut :) danke der nachfrage liebe straycat!

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    2. Da lass ich doch gleich mal ein "Like" da ! :)

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  2. Sowas müsste ich auch mal wieder machen. Hach.

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  3. Die Unterkunft sieht ja traumhaft aus! Unser Bayern ist schon ein schönes Fleckchen :)
    Ich bin auf die Fortsetzung sehr gespannt.

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  4. Ich glaube, ich wäre vom Rad gefallen vor Überraschung, wenn ich Ihnen, liebe Frau Frische Brise, in meinem Wohnort begnet wäre. Schade dass es nicht passiert ist. Ich freue mich, dass Sie so ein schönes Wochenende hatten und rätsel noch 'ne Runde, ob ich Frau Ami kenne...

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  5. Oh wie schön! Ich habe auch schon oft überlegt, wie es Frau Ami plus Familie geht, ob sie noch in Bayern leben oder doch gen Norden gezogen sind. Jetzt weiß ich mehr! Ich mochte ihren direkten, pointierten u. oft sehr amüsanten Schreibstil sehr und habe ihr(en) Blog vermisst. "Knieperalarm delüx" und noch ein paar andere Redewendungen habe ich dort kennen gelernt, sie sind schon lange fest in meinem Wortschatz verankert. :)

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    1. ich erinnere mich! 24/7! ach ❤️ danke für die lieben worte - da möchte man glatt das bloggen wieder anfangen!

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  6. Das würde sicherlich eine LaOlaWelle unter Bloggerinnen u. Bloggern geben. :)

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  7. Frau Ami?? An die erinnere ich mich auch noch... Gerne sogar.

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