Dienstag, 17. März 2015

Wismar

Nach Wismar zu fahren, ist immer wie eine kleine Reise in die Vergangenheit. Hier haben meine Großeltern gewohnt, hier ist meine Mutter aufgewachsen, hier haben meine Eltern geheiratet, hier habe ich unzählige Ferientage verbracht.

Ich bin alleine durch die engen Straßen mit den kaputten Häusern gestreift und kannte sie wie meine Westentasche. Im Lindengarten habe ich mir Eis geholt und die Blumenuhr bewundert. Am Marktplatz habe ich mir Briefmarken für meine Sammlung gekauft und im Kino habe ich alte Märchenfilme gesehen. Im Winter war der Mühlenteich zugefroren und ich bin mit der Nachbarstochter aus dem Schwanenweg über das Eis gelaufen.

2008 waren wir das letzte Mal in der Stadt. Damals haben wir mit meiner Oma einen Ausflug gemacht. Nach dem Tod meines Opas ist sie zu uns nach Berlin gezogen, hat aber regelmäßig ihre Kontakte zu alten Bekannten gepflegt.

Letzte Woche war der Tag zunächst etwas grau. Das machte nichts, denn im Gegensatz zu früher leuchten heute die meisten Häuser in der restaurierten Altstadt in bunten freundlichen Farben. Die Fußgängerzone ist fast zu geleckt, aber zum Glück kann man hier und da noch Relikte vergangener Zeiten entdecken.

Der Marktplatz mit der Wasserkunst gehört für mich zu den schönsten Plätzen, die ich kenne. Die Kinder drehten ihre Runden um den Brunnen und mir kam es vor wie gestern, als mein Bruder und ich dasselbe taten. Und dann traf ich tatsächlich eine alte Freundin meiner Oma wieder. Ich habe sie sofort erkannt. Die Frau kennt mich, seit ich ein Baby war. Es war ein merkwürdiges Gefühl, durch diese Frau auf meine allerletzte feine Verbindung zu dieser Stadt und meiner Vergangenheit zu treffen.











Essen waren wir diesmal im "Suppengrün". Das ist ein kleiner feiner Laden, der, wie der Name schon sagt, verschiedene Suppen und auch andere kleine Köstlichkeiten anbietet. Das tolle 3-Frauen-Team bestehend aus Mutter, Tochter und Enkeltochter kocht alles frisch und hat jede Woche andere Suppen im Programm. Der Liebste löffelte begeistert seine Soljanka, ich hatte eine italienische Hühnernudelsuppe. Die Kinder freuten sich über Milchreis und Knuspermüsli. Und die Kirschsuppe mit Mehlklößchen war ein Traum!



Weil am Nachmittag die Sonne schien, besuchten wir den Tierpark Wismar. Ich war als Kind das letzte Mal dort. Der Park ist ziemlich klein und jetzt im Winter ziemlich unbelebt. Am Eingang die Überraschung: das Tor war sperrangelweit offen, die Kasse geschlossen. "Gehen Sie ruhig durch!" rief uns ein Mitarbeiter zu. Das taten wir dann auch. Wir waren an diesem Wochentag die einzigen Gäste und entdeckten Luchse, Silberfüchse, Wisente und Damwild. Das Tollste aber war die große Wiese mit den Erdlöchern, aus denen lebhafte Präriehunde pfiffen und sich völlig frei bewegen durften. Die Kinder konnten ganz nah herangehen und freuten sich sehr. Um uns herum spazierten mehrere beeindruckende Pfaue mit ihrem herrlichen Gefieder. Am Ausgang warfen wir unser Eintrittsgeld in eine Spendendose.





Auf der Rückfahrt von Wismar nach Kühlungsborn fuhren wir über die Dörfer. Bei Stove entdeckten wir eine schöne alte Windmühle und machten Halt. Die denkmalgeschützte, voll funktionstüchtige Mühle von 1889 steht auf einem hohen Hügel. Es gibt sogar einen Windmühlenverein, der sich um die Mühle und ein Dorfmuseum kümmert. Von dort oben genossen wir bei tiefstehender Sonne einen wunderbaren Blick über die Wiesen hinab bis zum Salzhaff.



Kommentare:

  1. Was für wunderschöne Bilder! Ich kenne Wismar nur von der "Soko" ;-) Das Haus auf der Brücke ist ja toll!
    Liebe Grüße, Sonja

    AntwortenLöschen
  2. Klingt nach einem wunderbaren Tag voller Erinnerungen und Nostalgie. Wird Zeit, dass ich auch mal wieder in Wismar vorbeischaue. Ich mag es auch sehr!

    AntwortenLöschen
  3. So Erinnerungen sind immer schön. Und Wismar ist ein tolles Städtchen. Ich habe vor 2 Jahren eine Woche Urlaub dort gemacht.

    AntwortenLöschen
  4. Danke,für die schönen Bilder von Wismar - ich habe es 2002 kennengelernt durch menen Sohn, er hat in der Hochschule Wismar den Lightdesign-Master gemacht - - wir haben dann immer wieder Kühlungsborn und Boltenhagen einen Besuch abgestattet - tun gut die herrlichen Bilder
    liebe Grüße *rena*

    AntwortenLöschen
  5. Die Altstadt sieht eine reisewertaus. #fernweh

    AntwortenLöschen
  6. Da wird einem so warm ums Herz...

    AntwortenLöschen
  7. Danke für die schönen Bilder und Erinnerungen!
    Ich habe Wismar vor 3 Jahren während unseres Urlaubs in Boltenhagen an einem Tag kennen- und liebengelernt. Eine wunderschöne Stadt! Schade, dass ich so weit weg wohne, sosnt wäre ich bestimmt öfter dort.
    Liebe Grüße aus dem Südwesten des Landes
    Magda

    AntwortenLöschen
  8. Wir waren im Dezember in Wismar im Urlaub und ich muss sagen, dass mich diese Stadt richtig begeistert hat. Ich habe mich wirklich ein wenig in sie verliebt. Das nächste Mal möchte ich gerne im Sommer dort hin.
    P.S. Der Kuchen im Café Glücklich war wahnsinnig lecker.

    Grüße von der Langstrumpftochter

    AntwortenLöschen
  9. Die Bilder sind wunderschön und machen Lust auf Wismar und Norden! Wie toll, dass ihr einfach so in den Park und dann noch so nah an die Tiere heran durftet! Das ist ja auch als Erwachsener noch spannend. :-)

    Lieber Gruß
    Steffi

    AntwortenLöschen
  10. Ich glaube, ich muss auch mal nach Wismar. Das sieht sehr sehr schön aus.

    AntwortenLöschen
  11. Ich habe in Wismar studiert - es war eine herrliche Zeit. Letzten Herbst haben wir eine Woche Urlaub in Stove gemacht und auch im Suppengruen gegessen. Wenn ihr Zeit habt und einen Platz findet, das Cafe Gluecklich ist auch ganz toll. Hach, jetzt habe ich Heimweh.

    AntwortenLöschen

Related Posts Plugin for WordPress, Blogger...