Sonntag, 2. September 2012

3 Jahre Hamburg

Ganz unbemerkt ist der Jahrestag verstrichen. Vor 3 Jahren sind wir von Berlin nach Hamburg gezogen. Was soll ich dazu sagen? Die Tatsache, dass ich für diesen Eintrag kein einziges aktuelles Foto von Hamburg gefunden habe, spricht Bände.
Im Grunde könnte der Ort, an dem wir hier wohnen, überall im Lande sein. Es spielt keine Rolle, dass das eine große Stadt sein soll. Es spielt auch keine Rolle, dass es nun Hamburg ist. Ich bewege mich in meinem Alltag im Mikrokosmos zwischen Wohnung, Arbeitsstelle und Kindergarten. Am Wochenende sind wir auf dem Biobauernhof und in unserer Kirchengemeinde. Wir haben ein Einkaufszentrum, Ärzte, die Schwimmhalle direkt um die Ecke. Wir haben Nachbarn und Freunde, allerdings keine Familie hier. Die Ostsee ist nah. Das ist toll. Aber sonst?
In der Innenstadt Hamburgs sind wir so gut wie nie. Warum auch? Die angeblich schönste Stadt der Welt ist nur so lange schön, wie man Urlaub hat. Oder bis man hinter die Fassade kuckt. Die Straßen sind kaputt. Die Schulen sind marode. Viele Kindergärten schließen schon um 14 Uhr. "Wozu schafft man sich Kinder an, wenn man dann doch arbeiten geht?!" Diesen Satz habe ich hier in Hamburg schon öfters gehört und rang fassungslos um eine Antwort. "Typisch Ossi!" Noch so ein Satz, der mir im Grunde seit der Wende nicht mehr untergekommen ist. Hier in Hamburg letzte Woche gehört. Die Kinodichte lässt zu wünschen übrig. Ich lese noch immer meine Zeitung aus Berlin und höre meinen Heimatradiosender, einfach weil mich in der Medienstadt Hamburg nichts überzeugen kann.
Das Leben hier ist okay, ich kann mich ja auch an kleinen Dingen erfreuen. Unsere Familie hat es hier ganz gut. Und als Zeichen unserer Integration setzen wir Ende des Jahres einen kleinen Hamburger in die Welt ;-)


Kommentare:

  1. Liebe Frischebrise,

    ich habe auch eine kleine Hamburgerin in die Welt gesetzt, als ich 2000 dort lebte (direkt aus Berlin kommend, wo ich seit 1994 war). Und fand Hamburg, ähnlich wie du, hinter der Fassade, ziemlich schäbig und kleinkariert. Dabei wohnten wir mittendrin, in St. Georg, und ich hatte einen hippen Job. Aber nach Berlin ist irgendwie alles Provinz. ;)

    Herzlich, Christine

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  2. Liebe Frische Brise,
    danke für diesen Eintrag. Ebenfalls aus Berlin hier gelandet fühlt man sich mit dieser Meinung mitunter recht einsam im teils so selbstherrlichen Hamburg. Auch für mich ist die Stadt hinter der Fassade alles andere als 'ne Perle. Und mir fällt es im Gegensatz zu dir weit schwerer, damit klarzukommen. Vielleicht sollte ich auch rausziehen :). Oder doch wieder Berlin. Mal sehen. Viele Grüße und alles Gute für euch, Claudia.

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  3. Ich fühle genau so..
    Vor 3 Jahren von Köln nach Hamburg gezogen und
    es passt einfach nicht..
    Ich lasse mich auf die Stadt ein.
    Sehe schöne Orte. Ab und an auch nette Menschen..
    Aber nein, das ist nicht meine Stadt.
    Köln Umzug ist geplant ...

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  4. Ihr habt eine Schwimmhalle in euerm Mikrokosmos- immerhin! Letztes WE waren wir kurz auf dem Florastraßenfest, und auch in deiner alten Straße. Jede kleine Brache wird hier zugebaut... Ich verstehe vieles ungesehen, was du beschreibst. Wahrscheinlich wäre es an jedem Ort der Welt, schwierig, wenn man an einen sein Herz verloren hat und alles an ihm misst. Gib HH ne kleine Chance!
    (Wenn du hier bist, zeig ich dir, wie doof hier alles geworden ist. Und wir trinken ein Käffchen in der Einflugschneise ;-) )

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  5. Ich kanns verstehen - so ist das mit der großen Liebe an eine Stadt, das kriegt man nicht raus, das geht nicht weg, das ist wie Liebeskummer. So hab ich es jedenfalls bei meinem Wegzug aus Köln damals empfunden.
    Auch wenn in Köln nicht alles Gold ist, was glänzt, so hatte ich mich doch verliebt in die Stadt.

    Hamburg kenne ich nur aus dem Urlaub und war zwischen Begeisterung und Abgestoßen-Sein. Zu kühl, die Häuser zu hoch, die Gassen zu eng, irgendwie nicht meine Welt.

    Und dennoch klingt dein Mikro-Kosmos toll. Deine Geschichten hier im Blog hören sich nach heiler Welt an, das ganze Elend da draußen ausgeblendet, schönes Familienleben mit viel Glück und Harmonie.
    So wirkt es und so bewundere ich es auch, wenn ich es hier lese.

    Solche Sprüche wie du sie letzte Woche erst gehört hast, sind hinterwäldlerisch. Peinlich, dass es solche Gedanken bei den Menschen noch gibt.

    Ich denke, dass du trotz der Berlin-Sehnsucht ein wundervolles Leben hast. Trotz aller Widrigkeiten mit Sicherheit zufriedener als es manche führen, die ich kenne.
    Du machst das Beste daraus und darauf kommt es an :-)

    Liebe Grüße,
    Cornelia

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  6. Ich mag Hamburg. Hamburg wäre für mich die einzige (Groß)stadt wohin ich ziehen würde, würde ich von hier wegziehen.
    Aber ich verstehe dein Heimweh, hätte ich vermutlich auch.

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  7. Ich bin in Hamburg aufgewachsen und liebe die Stadt. So wie dir ging es mir, als ich für einige Jahre in Hannover wohnte :-) Bezüglich der Sprüche möchte ich doch mal anmerken, dass ihr in einer sehr speziellen Ecke wohnt. Ich habe halt mit kleinen Kindern, (jetzt groß) in der Innenstadt gewohnt und bin in Poppenbüttel aufgewachsen. Und da würde ich genauso wenig hinziehen, wie nach Volksdorf, Rahlstedt, Bramfeld oder Sasel. Oder auch nach Niennstedten. Ich finde auch: Gib Hamburg ein paar Chancen. Ich bin inzwischen auch bereit Hannover toll zu finden, auch wenn ich mir das nie vorstellen konnte.

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  8. Du sprichst mir aus der Seele: eigentlich doch alles da, aber ein Heimatgefühl mag sich einfach nicht einstellen? Hamburg ist eben ( noch?) nicht meine Perle... Ob es einzig und allein am Stadtteil liegt?

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  9. Ich war dieses Jahr für vier Tage zu Besuch in Hamburg. Natürlich lernt man da eine Stadt nicht kennen, aber ich kann Dein Gefühl nach vollziehen. Hamburg hat mich nicht so gepackt wie München. Obwohl ich mit Kinder nie nach München ziehen würde, da es dort mit der Betreuung ähnlich Probleme gibt wie in Hamburg. Da lobe ich mir doch mein sächsisches Manchester - Chemnitz.

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  10. Geh doch einfach wieder nach Berlin!? Biobauernhof & Kirchengemeinde sind sicher nicht das, was Hamburg auszeichnet.

    Nix für ungut.

    LG Sandra

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    1. Gute Idee!
      Nur sind leider unsere Jobs hier ;-)

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    2. Und wie wär's mit einer Jobsuche in Berlin, während Hamburg (noch) sicher ist?
      Ich habe das Gefühl, dass die Sehnsucht nach Berlin größer ist als der Wille, sich mit Hamburg abzufinden. Und dass die Beschwichtigungen wie Kirchengemeinde und Biobauernhof nur Ausreden sind...

      LG, Kathrin

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    3. Nochmal: wir wären sicher nicht weggezogen, gäbe es in Berlin einen Job für meinen Mann.

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    4. Wir haben ein ähnliches Problem auf dem Tisch. Deshalb meine Nachfrage (bitte nicht persönlich nehmen), mich beschäftigt das sehr. Mein Mann sagt in solch einer Situation immer "geht nicht, gibt's nicht". Ihn regt es auf, wenn ich sage "ich kann das aber nicht, ich kann mich nicht umorientieren"Ich finde das dann ungerecht, doch bin mir nicht so sicher, ob ein Fünkchen Wahres dran ist. Ist das mit dem Job nicht eine Einstellungssache? Liegt es nicht daran, nicht nachgeben zu können? Sich jobmäßig umzuorientieren? Ich unterstelle meinem Mann dann immer, dass er einen Machtkampf beginnt. Und das Blödeste daran ist, dass diese Heimatfrage NIE gelöst wird. Dass wir immer "im Hold" leben. Doch durch Deinen Blog habe ich das Gefühl, dass - auch wenn man sich mit dem Job abfindet - trotzdem sehnsuchtsmäßig im Hold lebt, in einer Art Zwischenwelt.

      Wir hatten uns zum Thema Heimat schon einmal ausgetauscht. Dieser Austausch bedeutet mir sehr viel.

      Kathrin

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    5. Ich habe ja geschrieben, es sei okay hier. Uns geht es gut. Wir haben hier alles, was wir brauchen. Durch neue Freundschaften haben wir zarte Wurzeln geschlagen.

      Mein Mann arbeitet schon 10 Jahre bei seinem Arbeitgeber und der Job ist einfach perfekt und bietet noch viele Chancen. In Berlin hat er sich damals mehrmals beworben, hätte aber immer irgendwo Abstriche machen müssen. Eine Firma von damals ist sogar schon wieder pleite gegangen. So gesehen kann ich nur sagen: wir WOLLEN uns gar nicht umorientieren.

      Und ehrlich gesagt ist die Sehnsucht nach Kühlungsborn im Moment fast größer, als die nach Berlin ;-)


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    6. @Sandra:

      Und natürlich sind Biobauernhof und Kirchengemeinde GERADE Dinge, die unsere Lebensqualität ausmachen.

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  11. Ich kann deine Gefühle gut nachvollziehen! Meine Studienzeit habe ich in Hamburg verbracht, habe in einem schönen Innenstadtbezirk gewohnt und mich wohl gefühlt. Dennoch hatte ich immer Heimweh nach Berlin! Hamburg ist für mich eine Stadt der sozialen Trennung und Gegensätze, die ich SO bisher nicht in Berlin erlebt habe. Natürlich ist in Berlin nicht alles rosarot, aber als sich völlig unerwartet nach dem Studium die Möglichkeit ergab, zurückzugehen, hat mein Herz einen Freudensprung gemacht! Ich finde, Du gehst mit der Situation sehr gut um und ich wünsche Dir und deiner Familie, dass ihr euch weiter an Hamburg annähert!

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  12. ...ehrlich: ich denke nicht, dass Hamburg so schlecht ist, wie es hier gemacht wird !...Ich etwa mochte Berlin früher gar nicht...habe jeden Schulausflug, noch zu DDR-Zeiten, dorthin verabscheut - zu groß, zu laut, zu schrill, zu zu polterig und hochnäsig erschienen mir die Menschen dort "icke, icke, icke"...so begegnete es mir, und dann lange nichts... heute sind wir eigentlich einmal im Jahr in Berlin, die Kinder mögen es, und Berlin hat sein Gesicht sehr verändert, ist zusammengewachsen, gepflegter- und eine überwiegend recht schöne Mischúng geworden.

    Dennoch bin und bleibe ich eine Hamburger Deern, das wird sich nie ändern, ich bin Fischkopp, Muschelschubser, liebe das hanseatische Understatement (was gerne mit Arroganz verwechselt wird, nur weil die Hanseaten nicht gleich lauthals jedem an den Hals fallen) - und ich würde es um keinen Preis aufgeben wollen, hier zu leben. Einmal stand im Job des Gatten eine Verlagerung nach München - wir haben es nicht mitgemacht, obwohl der Druck sehr groß war - wir hatten gerade unser neu gebautes Haus bezogen...er hat sich HIER umorientiert - und es ist genau diese HAFENstadt und Hafenwelt, die uns nun ernährt... Den Spruch mit dem Kinderkriegen und dann arbeiten gehen - muss jeder für sich entscheiden - ich habe zwei Kinder, und bin (immer noch) zu Hause..und ich denke schon, dass hier in der Hansestadt in der Tat einige traditionelle Werte noch sehr hoch gehängt werden...in unserem Dorf ist es noch sehr verbreitet, dass der Mann arbeitet und die Frau Haus und Kinder versorgt..ich finde es nicht schlimm, habe es selbst so erlebt, und meine Mutter ging dann halt deutlich später wieder arbeiten. Ich habe es sehr genossen, dass immer jemand da war. Ich sage ganz ehrlic: manchmal, wenn ich Mütter mit den Kinderbetruungen, Job-Stress, tagesmüttern, Hortzeiten jonglieren höre und sehe - dann frage ich mich auch, warum man sich Kinder anschafft, wenn man dann direkt nach 8 Wochen in den Job zurück geht, und sich danach täglich über alle Betreuungseinrichtungen und Stress beschwert...ich denke, die Kinder mit ihren Problemen heute sind ein Abbild des "modernen" Familienalltags..gerade war ich ganz erschrocken, wie viele Kinder nachts noch nicht trocken sind, im Alter von gut 5 Jahren in der Vorschule unserer Tochter...und was für soziale und sprachliche Defizite es da noch gibt.ich denke, dass jedes Ding zwei Seiten hat, und man nicht alles schlecht reden sollte..und Heimat bleibt eben doch meistens die Ecke der Welt, wo die Wiege stand.

    Ich finde auch: gib´Hamburg eine Chance...ich finde es immer noch wunderschön, gerade jetzt die Hafen-City ist so vielseitig und quirlig - und durchweht vom Duft der großen weiten Welt...und schlimme Ecken habe ich auch schon viele in Berlin gesehen...den "Ossi-Spruch" dort mehr als einmal gehört...denn West-Berliner fühlten sich wohl immer schon ein wenig "mehr" als echte Hauptstädter...

    Auf lange Sicht bleibt sicher nicht viel Anderes, als wieder zurück nach Berlin zu gehen...man kann da doch schwer aus seiner Haut, oder ?

    Moni

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    1. Wir werden nicht zurückgehen. Unsere Jobs sind an die Stadt gebunden. Und wenn wir Rentner sind, ziehen wir sowieso nach Kühlungsborn :-)

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    2. ...Rentner - pfft, halllooo....DAS ist ja noch ´ne kleine Weile hin, wa ???...ach. ihr macht das doch alles prima - gib der City-Mitte auch noch eine Chance...ich finde ja es gibt eben nicht DEN Hamburger, DEN Berliner an sich...es gibt doch überall Vielerlei...und ICH höre mir in derselben Stadt auch immer mehr an, wann ich denn nun ENDLICH mal gedenke, wieder arbeiten zu gehen...denn: das ist doch "skandalös"..."nur" das große Haus, den Garten, die Kinder und den kranken, verwitweten Vater, samt Haushalt/Essen, im Haus nebenan zu versorgen - und dem Mann auf der Tasche liegen...(es war natürlich UNSER BEIDER Entscheidung, dass es momentan noch gut so ist, wie es ist...!)

      ..und zwischen Kind 1 und 2, in der recht großen Lücke vom Altersunterschied, war ich (nach drei Jahren Elternzeit ...woohoo...) auch wieder drei Tage pro Woche arbeiten...und hatte auch die prima Ausgangssituation, die Oma mit auf dem Grundstück zu haben...da war der Rücken und der Kopf frei - und am Nachmittag jemand Vertrautes da...
      Moni

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  13. Tja, ich bin sogar von der Großstadt (Köln) in eine Kleinstadt auf dem platten Lande gezogen.

    Mir fiel sehr schnell auf, dass genau das gilt, was Du beschrieben hast:
    Zwischen zu Hause, den Schulen, Ärzten und den Einkaufsorten bewegt sich das Leben. Da ist es fast egal, wo man wohnt.

    Trotzdem merkt man den Unterschied immer wieder mal. Dann, wenn es eben keinen Bioladen, kein Kino, kein Theater, kein Multikulti etc gibt und man am liebsten auf seinem "Ponyhof" hinter dem großen Zaun bleibt, anstatt zum x-ten Dorfschützenfest zu gehen.

    Langfristig träumen wir also doch von einer "Rückkehr".

    GLG
    Regina

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  14. Ich bin jetzt seit genau 2 Monaten in Hamburg. Und ich finde es herrlich, wunderbar, großartig und fühle mich hier wohl wie schon lange nicht mehr. Ich habe hier in kürzester Zeit einen Job gefunden, habe unglaublich tolle Menschen kennengelernt und freue mich jeden Tag an den unglaublich vielen Dingen, die man hier machen und erleben kann.
    Allerdings bin ich auch nicht aus Berlin sondern aus einer hessischen Provinzstadt hergezogen und musste vorher eine Zeit in Dreckswolfsburg leben. Da kann einem Hamburg schon als das Paradies auf Erden erscheinen... :-)
    (Berlin mag ich durchaus auch. Aber da fehlen der Hafen, die Nähe zur Küste und ganz generell das nordische.)

    Und den Spruch mit den Kindern, ganz ehrlich, den würde ich nun wirklich nicht an Hamburg festmachen. Idioten gibt es überall, ich bin sicher, auch bin Berlin findet sich der ein oder andere, der so denkt und es auch ausspricht.

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  15. Die Situation mit der Kinderbetreuung kann ich nicht beurteilen. Bislang kam mir Hamburg nicht kinderfeindlich vor... Ich stimme zimtapfel zu: Idioten gibts überall. Tolle Menschen aber auch. ;-)

    Ich (ursprünglich Dorfkind) lebe seit 14 Jahren in Berlin und liebe diese Stadt. Allerdings fahre ich mittlerweile öfter nach Hamburg und fühlte mich direkt bei der ersten WE-Visite sofort zu Hause - das kenn ich sonst nicht von mir. Ich könnte mir auch Hamburg als Heimatstadt sehr gut vorstellen. Durch meine Freunde vor Ort bin ich in Hamburg nicht als typische Touristin unterwegs, wage ich zu behaupten. ;-)

    Hamburg ist viel handlicher - sagt eine Freundin von mir, die aus Berlin stammt und seit vielen Jahren in Hamburg lebt. Das stimmt, mir kommt Hamburg im Vergleich klein vor (was keinesfalls abwertend gemeint ist).

    Ich mag die nordisch spröde Art genau wie den rumpeligen Charme Berlins (und vieler Berliner), ich streife gern durch St. Pauli - genau wie durch Kreuzberg und Neukölln. So enorm schmutzig finde ich Hamburg nicht, aber vielleicht bin ich als Neuköllnerin auch abgestumpft. ;-) Für mich sinds die Menschen, die mich in einer Stadt wohlfühlen lassen, nicht die Gebäude. Als eng empfinde ich Hamburg überhaupt nicht, aber so ist das nun mal: Menschen sind verschieden und ihre Wahrnehmung auch.

    Ich kenne auch einige Leute, die Berlin schrecklich finden und nicht verstehen, dass ich dort so gerne lebe. Zwei Bekannte von mir wollten erst unbedingt nach Berlin und sind dann nach einem halben Jahr "geflüchtet", sie fanden es unerträglich und viel zu groß und zu laut und zu anonym und überhaupt. Jede Stadt hat ihre Schattenseiten - und nicht jeder passt überall hin.

    Wenn Ihr aus beruflichen Gründen in Hamburg bleiben wollt, würde ich an Eurer Stelle wohl versuchen, mich mehr mit der Stadt zu versöhnen. Und Sachen jenseits Eures aktuellen Kosmos unternehmen.

    http://www.hamburg-magazin.de/hamburg-fuer/kinder-familien.html
    http://www.hamburg.de/kinder/

    Das aktuelle Magazin GeoSaison hat einen Hamburg-Schwerpunkt. Der Text ist von der Journalistin Meike Winnemuth, die nach ihrer einjährigen Weltreise nach Hamburg zurückkehrte. (Das Weltreiselogbuch ist unter http://www.vormirdiewelt.de zu finden.)
    Auszug aus dem GeoSaison-Artikel: http://www.stern.de/reise/deutschland/landgang-in-der-hansestadt-hamburg-meine-perle-1882625.html
    [Ergänzend dazu ein Artikel von ihr über Berlin: http://www.stern.de/reise/deutschland/urlaub-in-der-hauptstadt-berlin-hat-im-sommer-einfach-alles-1695499.html]

    Ich wünsche Dir, dass Du das Wohnen in Hamburg nicht nur als halbherzigen Kompromiss empfindest. Leben ist, was Du draus machst. Bitte nicht missverstehen: Nach den Blogbeiträgen zu "urteilen", gestaltet Ihr Euch Euer Leben sogar sehr schön. Vielleicht gibst Du Hamburg doch noch eine Chance und freundest Dich mit Deiner neuen Heimat an?

    Ein guter Radiosender aus Hamburg ist meinen Ohren nach ByteFM (zuhause im Feldstraßenbunker).

    Alles Gute wünscht jule

    PS: Zum Thema "Menschen sind verschieden"...
    Ich zitiere hier mal einen mir sehr wichtigen Satz:
    "Realität ist für mich immer nur das, was jeder als Realität empfindet. Wir leben alle in verschiedenen Welten.
    Wir haben zwar eine Schnittmenge, wo wir uns verständigen können, doch das emotionale Empfinden ist sehr subjektiv. Ich würde gerne allen Leuten austreiben, dass sie glauben, dass ihre Realität 'die Realität' ist und nicht nur eine bizarre Sicht der Dinge."
    (Bernd Pfarr)

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  16. PS: http://www.pop64.de/about/
    Zitat: "Aus der Idee, meinen Freunden in Berlin über meinen Alltag in Hamburg zu erzählen, ist dieses Blog entstanden und so schreibe ich seit Oktober 2004 regelmässig über die beiden Städte. Im Blog vergleiche ich, mehr oder weniger fair, Kultur- und Alltagsthemen, dazu einige lokale Spezialitäten miteinander.
    Ich vergebe in jedem Artikel Punkte für Hamburg und Berlin, die Wertung erfolgt nach Tageslaune und es gibt mit Absicht keinen Gesamtpunktestand. [...]"

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    1. Danke für den ausführlichen Beitrag.

      Und den Sven kenne ich sogar persönlich ;-)

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    2. Exilberliner unter sich. ;-)

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  17. ...und schon hast du einen Leser weniger...

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  18. Komme gerade aus Hamburg, nach einem kurzen Ausflug über Boltenhagen - Lübeck und Hamburg, bin ich von der Stadt enttäuscht und weiß ich verpasse nix...hat Berlin ja doch mehr Charme ;-)
    lg
    susi

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  19. Ich habe in Dresden studiert und war 2005 für ein Praktikum in Hamburg. War doch sehr überrascht, mit welchen Vorurteilen man 15 Jahre nach der Wende zu kämpfen hatte, wenn man sagte, man käme aus Dresden. Und wie manche ûberhaupt erst mit mir sprachen, als sie feststellten, dass ich "eigentlich" aus Kassel komme.

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