Donnerstag, 7. Juni 2012

Mein Beruf

Schreibe ich es auf oder lasse ich es bleiben? Soll ich? Soll ich nicht? Schon lange habe ich diese Gedanken. Mehrere Ereignisse in der letzten Zeit machen mich wütend, sprachlos, traurig.
Ich bin Erzieherin. 5 Jahre lang habe ich diesen Beruf erlernt. Habe Pädagogik, Psychologie, Recht, Medienpädagogik, Elternarbeit, Kommunikation, Gestalten, Spiel und Sport und noch mehr im Bereich vom Neugeborenen bis zum jungen Erwachsenen gelernt. Ich habe mehrere Praktika in Krippe, Kita, Schule und Hort absolviert und etliche Prüfungen bestanden um ganz zum Schluss meine staatliche Anerkennung zu erreichen. Nun habe ich schon über 10 Jahre Berufserfahrung.
Der Beruf verlangt nicht nur ein enorm hohes Einfühlungsvermögen, eine gute Menschenkenntnis, eine große Frustrationstoleranz, eine gute Stressresistenz, eine hohe Flexibilität, Teamfähigkeit und noch mehr sondern auch ein ganz schön dickes Fell und die Fähigkeit, nach der Arbeit abzuschalten, um nicht alles an sich heranzulassen. Für diesen Beruf muss man wirklich geboren sein, einfach so nebenbei macht man das nicht. Wegen der Schweigepflicht darf ich leider nicht erzählen, was genau ich jeden Tag im Job so erlebe. Es ist teilweise sehr frustrierend.
Ich weiß leider nicht, wie viele meiner Kollegen aus der Ausbildung noch in diesem Beruf arbeiten, nehme aber stark an, dass es nicht mehr allzu viele sind. Wer kann, bildet sich weiter, um aufzusteigen. Manche kehren dem Beruf desillusioniert ganz den Rücken. Die Verweildauer im Erzieherberuf ist sehr gering. Bis ich 67 Jahre alt bin, soll ich arbeiten.
Von meinem Gehalt, das mit unter 10 Euro netto die Stunde nahe an der Mindestlohngrenze liegt, könnte ich alleine keine Familie ernähren, niemals in den Urlaub fahren, könnte ich keine größeren Anschaffungen tätigen, würden meine Kinder jeglichen Aktiviäten fernbleiben. Vom gesellschaftlichen Berufsbild schweige ich jetzt mal.
Angesichts dieser Tatsachen ist es nicht verwunderlich, dass niemand mehr diesen Beruf erlernen will.

Dazu ein paar Blitzlichter der vergangenen Tage:

Ursula von der Leyen will Hartz4-Empfänger zu Erziehern umschulen.
Jesper Juul findet die Ausbildung von Erziehern "dürftig" und ihr Verhalten "beschämend unprofessionell".
Ursula von der Leyen möchte den "Schlecker-Frauen" eine Umschulung zur Erzieherin ermöglichen.
Und sogar studierte Sozialpädagoginnen bekommen nur 14,95 Euro die Stunde.


Die Kommentare sind heute geschlossen, weil ich mich im Moment nicht in der Lage sehe, über diese Sachverhalte zu diskutieren. Ich bitte um Verständnis. Vielen Dank!
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