Sonntag, 4. September 2011

Eine Samstagnacht um 3 Uhr ...

... vor 20 Jahren:

Ich bin gerade eingeschlafen. Auf dem Übernachtungswochenende mit der Jugendgruppe in meiner Kirchengemeinde habe ich viel Spaß. Wir sind immer um die 20 Jugendliche. Wir haben zusammen gekocht, gegessen, gesungen und gespielt. Scharade oder Scotland Yard. Mein Bett für diese Nacht ist eine 1cm dicke Isomatte und mein Schlafsack. Der Untergrund ist ganz schön hart, aber das macht mir überhaupt nichts aus. Meine Freundin liegt neben mir und wir haben noch lange gequatscht. Am nächsten Morgen stehen wir früh auf, um gemeinsam den Gottesdienst zu besuchen. Die kurze Nacht macht mir gar nichts aus und ist auch in meinem Gesicht nicht zu erkennen.

... vor 10 Jahren:

Ich bin tanzen. Mein Großer übernachtet woanders und ich kann ausgehen. Die Nacht ist noch jung und lau. Mein Lieblingstanzort befindet sich in der Mitte Berlins. Dort gruppieren sich 4 Tanzflächen um einen gemütlichen gepflasterten Innenhof. Meine Freundin und ich trinken Weißweinschorle und pendeln zwischen den verschiedenen Tanzflächen hin- und her. Wenn uns vom Tanzen zu heiß ist, bleiben wir ein bißchen im Innenhof und quatschen und rauchen. Wir kommen leicht in Kontakt mit anderen Leuten und haben viel Spaß. Wir tanzen, tanzen, tanzen. Als es immer leerer wird, gehen wir. Draußen quietschen die Straßenbahnen in den Schienen, die ersten Vögel zwitschern. Wir nehmen unsere hohen Schuhe in die Hand und laufen barfuß auf dem warmen Berliner Pflaster zur S-Bahn. Zu Hause ziehe ich meine Vorhänge zu und schlafe bis mittags. Ich lasse den Tag langsam angehen und bin einigermaßen erholt.

... heute:

Ich werde von einem schrillen Kreischen aus dem Schlaf gerissen. Der kleine Bruder kommt mir im Dunklen entgegengerannt und schreit unverständliche Sachen. Im Zimmer sehe die Bescherung: er hat ein bißchen in sein Bett gespuckt. Ich beruhige ihn und hole ein großes Handtuch und einen Becher Wasser. Das Handtuch lege ich über den Fleck und lege den Kleinen auf die andere Seite des Bettes. Ich frage ihn, ob er zu mir kommen möchte, aber da schläft er schon wieder. Ein bißchen heiß fühlt er sich an. Ich hoffe, daß das alles war und gehe wieder nach nebenan in mein Bett. Ich liege wach und lausche. Nach ungefähr einer Stunde kommt der kleine Bruder in mein Bett gekrochen. Er glüht. Ich hole das Fieberthermometer. Das zeigt nach der Messung 40,5 °C an. Zuviel. Der Kleine bekommt ein Paracetamol- Zäpfchen. Ich bin gerade wieder am Einschlafen, da höre ich würgende Geräusche. Erstaunlich, wie schnell man da plötzlich hellwach ist! Der arme kleine Bruder spuckt und muß umgezogen werden. Unser Bett legen wir vorsorglich mit Handtüchern aus. Der Kleine glüht immernoch und zuckt im Schlaf. Außerdem redet er vor sich hin und einmal ruft er laut "Pippi". Als es hell wird, schlafe ich wieder ein und träume wirres Zeug. Am Morgen geht es dem kleinen Bruder wieder besser. Ich habe Kopfschmerzen und würde am liebsten weiterschlafen.


Kommentare:

  1. Ohje, du Arme :o(
    Ich schick dir 'mal 'ne Mütze Schlaf 'rüber und wünsche dir, das diese Nacht nicht sooo schnell wiederholt wird!
    Dem kleinen Bruder alles Gute und bitte keinen ernstzunehmenden Rückfall, ok?
    Liebe Grüße von
    Petra ;o)

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  2. ...oh ja, das ist der Lauf der Zeit! Es ist gut so zurück zu schauen, und dabei so zufrieden zu sein. In ein paar Tagen ist die Krankheit deines Kleinen hoffentlich auch Vergangenheit.
    Gute Besserung
    Monika

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  3. Willkommen im Club, hier fast das Gleiche, nur das es schon das zweite kranke Kind ist und meine vierte kurze Nacht in Folge. Gähn!
    Gute Besserung!!!

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  4. So hohes Fieber mit Spucken klingt nach richtig heftiger Körperreaktion. Tapferer, tapferer Junge !!

    Ich fühlte mich in solchen Nächten -in denen ich mir einen Sessel ans Bett des Kindes schob und Wache hielt- fast immer wie in einem Hollywoodfilm: Die tapfere, liebende, sorgende, aufopferungsvolle Mutter/Pflegerin gab mir als Selbstbild irgendwie Kraft. Andere hatten es auch geschafft, ich würde es auch schaffen.

    Du schaffst das ! :-))

    Gute Besserung Euch
    Regina

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  5. Ach ihr Armen.......auch ich habe gefühlte Millionen wache Nächte mit Bubi erlebt !
    Je älter sie werden, desto besser wird das.
    Aber du bist ja erfahren und weißt das.......
    Und unser Körper macht das von Jahr zu Jahr mehr zu schaffen...leider....
    Ich würde an deiner Stelle heute mal so rein gar nix machen, ausser rumgammeln......denn morgen ist ja wieder Montag! :-(((
    Viele Grüße schickt die Claudi, die lustigerweise heute Nacht seit einer Ewigkeit mit der Freundin in der Disco war......;-)))))

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  6. Hast Du denn heute Geburtstag......dass Du so genaue Errinnerungen an vor 20 und 10 Jahren hast????
    Gruss Sara
    Gute Besserung Deinem Kleinen!!!

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  7. Ich hoffe, dem kleinen Bruder geht es wieder gut!!! Alles Liebe und einen schönen restlichen (Kuschel-)Sonntag, sandschnecke

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  8. Oh je, das klingt ja gar nicht gut. Ich wünsche deinem Kleinen schnelle, gute Besserung und dir bzw. euch, dass ihr heute Nacht alle wieder gut schlafen könnt.

    Liebe Grüße,
    Cornelia

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  9. Gute Besserung wünsche ich. Habe heute auf der Suche nach "wenn ich am Meer bin" diesen Blog entdeckt und würde gern nur lesen, lesen, lesen. Da ich aber heute von der Nordsee - der Insel Amrum - wieder gekommen bin und morgen mein erster Arbeitstag ist, in der kommenden Woche viele Termine habe, Wäsche vom Urlaub erledigen muss, der Garten wartet *gut, dass ich mich am Meer immer so gut erhole* verschiebe ich das Lesen - aber dann...............
    GGLG Heidrun

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  10. Oje, armer kleiner Kerl... in diesem Alter geht´s wahnsinnig schnell mit dem Fieber und derartigen Erkrankungen. Gut ist das Fieber, wehrt sich doch der kleine Körper gegen die Eindringlinge, die da eigentlich nichts zu suchen haben. Ich hoffe, er hat es mittlerweile überstanden und ist wieder vergnügt und munter? Alles Gute!

    Viele liebe Grüße von Kerstin

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