Samstag, 13. August 2011

13. August

Heute vor 50 Jahren wurde der 13. August zu einem historischen Datum. Eine Grenze teilte unser Land, die Mauer wurde gebaut. Wenn man sich das aus heutiger Sicht so anschaut ist das ein wahrlich irres Vorhaben gewesen. Unvorstellbar. Unmenschlich. Und zum Glück wieder vorbei. Ich bin in der DDR groß geworden. Als Kind fühlte ich mich behütet durch die Mauer. Sie beschützte mich, so hatte ich es gelernt. Ich hatte es gut in meinem Land. War betreut von morgens bis abends. Meine Eltern hatten Arbeit. Wir hatten eine große Wohnung und machten Urlaub von der Ostsee bis zum Erzgebirge. Das war schön. Ich hatte ja keine Ahnung. Und im Nachhinein fühle ich mich ein bißchen betrogen. Um mein Weltbild, das anscheinend völlig falsch war. Diese Bilder hier habe ich als Vorschulkind gemalt. Sie bilden meine Realität von damals ab. Ich kannte es nicht anders.

Erich Honecker auf der Tribüne bei der Maikundgebung

Fernsehturm, Rotes Rathaus, Plattenbau und Regenbogen

Kommentare:

  1. Ja, man kommt heute nicht umhin, auch an den Mauerbau und die - z.T. grausamen - Folgen zu denken.

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  2. Das Betrogen-Gefühl kenne ich so gar nicht, muss ich gestehen.
    Ich habe als Kind nichts, aber auch gar nichts vermisst und eine traumhafte Kindheit erlebt.

    Auch im Nachhinein denke ich nicht, daß es hätte sein müssen, sie anders zu erleben.

    Das ist nicht verklärt oder so, sondern ehrlich gemeint. :)

    Ideologisch war das Leben auf dem Dorf und das Lernen in einer Dorfschule mit Sicherheit vollkommen anders als in der (Haupt)Stadt.

    Vielleicht kommt es daher.

    Wir haben kaum politisches Leben gehabt dort.
    Viel Freiheiten und entspannte Lehrer.

    Ich verstehe aber durchaus Menschen, in deren Schicksal die Mauer eine Rolle spielte und habe zu dem Thema auch Bücher gelesen, um mich hineinversetzen zu können.
    Auch Geschichten meiner (kirchlich aktiven) Großeltern sind eine andere Welt als mein behütet Erlebtes bis zum 14. Lebensjahr.

    LG, Sandra

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  3. Ich kann mir das überhaupt nicht richtig vorstellen, irgendwie unfassbar...

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  4. Ich habe da sehr besondere Erinnerungen an eine Klassenfahrt nach Berlin aus dem Jahre 1964:
    Ich war 17 3/4 und wir waren 25 Mädchen, die in (West-)Berlin 5 Tage verbringen wollten - Unterkunft im Haus des Roten Kreuzes in Grunewald, Besuch des Rias, Ballett-Besuch in der Deutschen Oper, Abendbesuch beim Mann mit der Trommel-Wolfgang Neuß, Besichtigung des Turms und des Rathauses Schöneberg, Besuch der Schlosses und Parks von Charlottenburg usw.
    Aber auf dem Weg per Reisebus dorthin erstmal eine 6-stündige Zwangswarterei in Helmstedt (Transit-Autobahn) bei Sommer-Aussentemperaturen von 35° unter dem hohen Wachtturm (bei Dauerbeobachtung durch den Posten von oben durch das Busoberlicht) und mit Aus-und Einpackerei von Koffern von 10 meiner Klassenkameradinnen unter Anweisung einer dragonerhaften und mit vielen Propagandasprüchen um sich werfenden VP-istin.
    Die taghell erleuchtete Mauer in der Bernauer Str. um Mitternacht nach dem Opernbesuch nicht zu vergessen.
    Diese Eindrücke der Klassenabschlußfahrt habe ich nie vergessen, da wir alle etwas geschockt aus unserer heilen Welt kamen.
    Grüße Sibylle aus HH-Well.

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  5. Irgendwie kann man sich das gar nicht vorstellen, wie das wohl damals gewesen sein muss. Zum Glück ist diese Zeit auch vorbei!!

    Ich erinnere mich noch gut an den Fall der Mauer. Ich war damals noch ein kleines Mädchen, aber alt genug, um mich zu erinnern. Ich stand im Wohnzimmer meiner Eltern, meine Mutter an meiner Seite, mein Vater saß auf dem Sofa. Der Fernseher lief und zeigte Bilder von Menschenmassen, die über die Grenze kamen. Jubelnd, weinend, aufgelöst. Ich weiß das als wärs gestern gewesen. Damals war ich erstaunt, etwas irritiert, weil meine Mutter auch geweint hat. Heute versteh ich das und habe Gänsehaut und feuchte Augen, wenn ich daran denke.

    Ich finde es gut, dass das Fernsehen momentan voll ist mit Beiträgen von Zeitzeugen, die erzählen dürfen, wie es damals war. Sowas sollte einfach nicht vergessen werden.

    Freuen wir uns, dass wir jetzt frei sind.

    Herzlichst,
    Cornelia

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  6. Erich auf der Tribüne :-) köstlich, kein Kind in der BRD würde heute soetwas malen.
    Wir mußten immer Zukunftsbilder malen, daran denke ich immer wenn ich durch die durch Windräder verschandelte Natur fahre.
    Und frei sind wir heute auch noch nicht, wir sind gefangen im Strudel des Kapitalismus, vielleicht nicht ganz so schwarzweiß wie wir ihn gelernt bekamen.
    Ich finde es schade das immer nur das negative an der DDR gesehen wird, ich hab mich wohl gefühlt, es ging mir gut. Und so schockierend das klingt - soetwas wie eine Pionierorganisation würde ich mir für meine Kinder wünschen.

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  7. Ich dachte bei dem oberen Bild im ersten Moment, das soll ein Westdeutscher sein, der über die Mauer winkt und reingelassen werden will ins Arbeiter- und Bauernparadies... ;-)

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  8. Dein Bericht hat mich sehr berührt. Auch noch, als ich meinem Mann davon erzählte. Währenddessen lief gerade auf VOX ein laaanger Bericht über den Mauerbau und -fall ...

    Ganz herzliche Grüße,
    Frau Mena.

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  9. Das sind bewegende Erinnerungen! Als West-Kind haben wir früher oft Urlaub im Gebiet an der "deutsch geteilten" Elbe gemacht - mit direktem Blick auf den Grenzzaun. Mein Vater sagte damals immer, dass wir Kinder vielleicht noch einmal den Mauerfall erleben werden. Dass alles dann so schnell ging: damit hatte wohl auch er nicht gerechnet. Ich finde es gut und bin froh und glücklich, dass wir ENDLICH wieder in einem gemeinsamen Deutschland leben dürfen.

    Deine gemalten Bilder von damals zeugen von einer glücklichen Kindheit! Das ist doch prima!

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  10. dein erich hat schon was, wie er da so über der leine hängt (zumindest hat er mächtig schwarze haare und ein beeindruckend großes nelken-winkelement). schöne erinnerungsbilder sind das!

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